Gottéron-Blog

Mark French der Drachen-Flüsterer

Die meisten Gottéron-Fans dürften sich in diesen Tagen die Augen vermehrt reiben und jeden Morgen nach dem Aufwachen schnell auf die Teletextseite 302 schielen, um sicher zu sein, nicht geträumt zu haben. "Ja, es stimmt. Freiburg-Gottéron steht nach sieben Runden auf dem ersten Tabellenrang!". Nach den ersten drei Wochen ist es viel zu früh, um ein Urteil über den neuen Trainer Mark French zu fällen und dessen Anteil am aktuellen Hoch von Freiburg-Gottéron abzuschätzen. Wir tun es trotzdem!

Direkt zur entscheidenden Frage: Ist Mark French etwa ein Drachen-Flüsterer? Der Kanadier an der Bande der Gottéron-Akteure scheint durch den Sommer nicht nur die richtige Vorbereitung, sondern auch die richtigen Worte gefunden zu haben. Doch was mag er den durch die vergangene Saison gebeutelten Drachen nur zugeflüstert haben? Um beim ewigen Vergleich mit dem Drachen zu bleiben: er scheint den Gottéron-Spielern das Feuerspeien ausgeredet zu haben. Ein so besonnenes, ruhiges, diszipliniertes und abgeklärtes Freiburg-Gottéron gab es auf dem Eis wohl noch nie. Keine Hektik, keine Unüberlegtheiten, keine Selbstüberschätzungen. Man ist gewillt das Wort "souverän" in den Mund zu nehmen. Emotionen und unermüdlicher Einsatz ja, Übermotivation oder Leichtsinnigkeit nein. Das Credo von Mark French scheint die Einfachheit zu sein, ganz nach dem Zitat des deutschen Dichters Limpach: "Alles Richtungsweisende ist einfach". Die Richtung des neuen Gottéron-Trainers ist klar: "simpel und unaufgeregt von Sieg zu Sieg". 

Es ist auffällig, dass diese Auffassung des Eishockeys einigen Spielern sichtlich gut tut. Man nehme das Beispiel Benjamin Chavaillaz. Etwas selbstkritisch muss ich zugeben, dass ich Chavaillaz letzte Saison als Sportchef von Freiburg-Gottéron wohl zu Martigny in die National League B abgeschoben hätte. Mark French scheint der Nr. 3 der Drachen jedoch im Sommer Flügel verliehen zu haben. Energisch, zweikampfstark und gelassen spuhlt Chavaillaz Spiel für Spiel das Programm ab, das Mark French ihm eingetrichtert hat. Das Resultat: der Waadtländer spielt seit Beginn der neuen Saison nicht mehr Online Poker auf der Tribüne, sondern an der Seite des Norwegers Jonas Holos im ersten Verteidigungspaar von Freiburg-Gottéron. Die Einfachheit tut dem ganzen Team gut. Gottéron verteidigt und stürmt seit dem Amtsantritt von Mark French zusammen mit geringen Abständen zwischen den einzelnen Spielern. Sehr nordamerikanisch, sehr solidarisch, sehr effektiv. Verliert Freiburg-Gottéron die von Mark French eingeflüsterten neuen Tugenden nicht im Verlauf der Saison, dann werden die Drachen zwar nicht für alle Ewigkeiten auf dem Leaderthron sitzen, aber genügend Punkte einheimsen, um den freudigen Fans eine aufregende Playoffzeit zu bescheren.

Wie eingangs erwähnt, ist es viel zu früh, um ein erstes Fazit über die Arbeit von Mark French zu ziehen. Tut man dies aber trotzdem, muss man dem Kanadier ein hervorragendes Arbeitszeugnis ausstellen. Es wäre darum angebracht, Mark French nach dem Spiel gegen den EV Zug mit Sprechkören in die Fankurve zu bitten!

 

 

Carte Blanche #25

Unglaublich, wer sich heute so alles Künstler nennt 

Jeder scheint sich im Kanton Freiburg schon als Künstler zu sehen, der nach Feierabend von seinem überbezahlten und guten Job nebenbei noch etwas auf Rockstar, Rapper, Maler, Schauspieler oder Ähnliches macht.

Ich wiederhole gerne das Zitat „Nicht jeder Mist ist Kunst“ und möchte damit nicht mehr oder weniger sagen, als dass in erster Linie das Publikum und der Erfolg eine Künstlerin, einen Künstler ausmacht. Fast täglich liest man in Zeitungen von Krethi und Plethi oder hört diese im Regionalradio. Sie schaffen es dabei tatsächlich, sich innerhalb von drei Minuten zehnmal als Künstler zu bezeichnen. Natürlich ist dies Selbstüberschätzung und nicht Strategie, denn spricht man in Ruhe mit all diesen "Stars", stellt man fest, dass sie durchaus davon überzeugt sind Künstler zu sein; auch wenn sie bis dato weder Erfolg hatten, noch Einnahmen generieren konnten oder ihre Kunst aus Sicht von Fachleuten gar als solche wahrgenommen worden wäre. Welche Werke und Künstler am Kunstmarkt begehrt sind, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht immer sind allein künstlerische Qualitäten ausschlaggebend. Die mediale Darstellung des Künstlers und seiner Kunst können die Wertschätzung stark beeinflussen. Sehr erstaunlich ist dabei, dass man diesen selbsternannten Künstlern jeweils sogar eine Plattform bietet, um sich als solche zu outen oder zu positionieren. Hier steht bei der jeweiligen Redaktion sicher auch das Element „Fremdschämen bei der Leser- Hörerschaft auslösen“ im Vordergrund. Dies ist in den letzten Jahren ein sehr beliebtes und bewährtes Mittel in den Kreisen der Realitypropaganda.

Abmalen oder Nachzeichnen, Covern, Nachspielen und Nachsingen kann auch nicht jede und jeder. Das kann eine hübsche Übung sein, aber eben: Kunst ist das nicht. Zu einem richtigen Künstler gehört, dass ihm etwas einfällt – etwas, das vor ihm noch keiner so gedacht oder gemacht hat zum Beispiel.

Wer sich durch diese paar Lettern nun betroffen fühlt, bestätigt die Richtigkeit meiner Ausführungen genau so wie diejenigen, die sich bei meinem Schreiben nicht angesprochen fühlen.

Im Übrigen ist es auch nicht die Höhe der Subventionen, die einen Künstler definieren, sondern sie bestätigen dadurch lediglich, dass hinter der Entscheidung diese Kunst zu unterstützen, meist ein Gremium steht, das von Kunst genauso viel versteht, wie dieser vermeintliche und honorierte Künstler.

Ich möchte damit einfach einmal wieder anregen, dass man mit öffentlichen Geldern vorsichtig und vor allem gerecht haushalten sollte und muss!

Text: David Aebischer

Carte Blanche #24

Im Plastikberg gebadet

Nebst Erholung brachte der Sommer Yves Kilchör auch eindrückliche Erfahrungen. Diese brachten ihn zum Umdenken.

Mit dem gepackten, grossen Rucksack am Rücken machte ich mich auf in Richtung Ferien. Unterwegs kaufte ich am Bahnhof Bern noch eine Flasche Wasser und einen Imbiss für die längere Reise nach Spanien. Und - fast selbstverständlich - liess ich mir die gekauften Produkte in einen Plastiksack einpacken. Dies, obschon ich einen Rucksack dabei hatte. Mit dem Plastiksack konnte ich das Risiko verringern, dass die Kleider vom Essen oder Getränk verschmutzt werden.

Aber schon nur wenige Stunden später dachte ich über diese und andere Einkaufssituationen ganz anders nach. Nämlich beim Baden im Meer. Wir waren zwar in einer herrlichen Bucht mit einem wunderbar schönen Strand. Aber egal, ob man im Meer still stand oder schwamm - man stiess auf ein Plastik-Teil. Es wimmelte nur so von Plastik-Säckchen, Plastik-Stückchen und anderem Abfall.

Nun wurde mir schlagartig klar, was gemeint ist, wenn vom vielen Abfall im Meer, vom vielen Plastik in unseren Gewässern und von der Umweltverschmutzung die Rede ist. Dies war für mich eindrücklich, stimmte mich traurig und nachdenklich. Und das, obschon ich nicht zu den mehr oder weniger kämpferischen Umweltschützern gehöre. Ich stellte fest, dass verschiedene Medienberichte vom weiten Meer plötzlich in die Realität umgeschlagen hatte und, dass ich - und auch viele andere - von unserer Umweltverschmutzung betroffen bin und darunter leiden muss.

Den Plastiksäckchen gingen wir dann aus dem Weg. Wir wechselten einfach die Bucht und konnten dort im wunderbar schönem, sauberen Wasser baden. Die Plastiksäcke in der anderen Bucht blieben aber. Und für mich ist klar, dass ich nun jedes Mal noch einmal mehr nachdenke, ob ich den Plastiksack in den Einkaufsgeschäften wirklich nehmen muss. Dies ist dann mein kleiner, bescheidener Teil zu einem saubereren Meer, was mir spätestens in den nächsten Ferien wieder hautnah selbst zugutekommt. Denn wenn wir so weitermachen wie bisher, dann können wir - und auch die Fische - irgendeinmal nicht mehr die Bucht wechseln. Oder zwar doch, allerdings dann auch da wieder mit viel Plastik auf der Haut. 

Text: Yves Kilchör

Gottéron-Blog

Wie schiesst ein Tabellenleader ein Segelflugzeug ab?

Kloten heisst zwar nicht mehr Flyers, aber die Bezeichnung "die Flieger" bleibt nicht nur aufgrund der Nähe zum Flughafen am EHC haften. Anfangs der 90er-Jahre war der EHC Kloten im Schweizer Eishockey, was heute der Airbus A380 in der Aviatik ist. Seit einigen Jahren gleicht der Flugzeug-Klub jedoch eher einem kleinen Segelflugzeug.

Vor der laufenden Saison ging man aufgrund der finanziellen Probleme in Kloten eh davon aus, dass man mit einem einmotorigen Flugzeug an den Start der Flugshow Namens Schweizer Eishockey Meisterschaft gehen würde und gegen die Düsenjets aus der Hauptstadt oder der Kampfflugzeuge aus finanzstarken Flugregionen nicht mithalten könne. Die Kapitäne der Fluggesellschaft Klotner Eishockey erwarteten jedoch, dass die Crew mit anderen Kleinflugzeugen wie dem Tabellenleader Freiburg-Gottéron oder dem EHC Biel konkurrieren könne. Eine Verpflichtung eines vierten Ausländers war aufgrund der Sparmassnahmen keine Option. Als dann mit dem Rückkehrer Tommi Santala der Spieler ausfiel, der für diesen Aufwind sorgen sollte, mussten sich auch Positivdenker eingestehen, dass Kloten diese Saison nur mit einem Segelflugzeug sein Glück versucht. Entsprechend steht der EHC Kloten nach fünf Spielrunden punktelos am Tabellenende der National League. Für den Tabellenleader Freiburg-Gottéron stellt sich im Heimspiel gegen die Klotner somit die Frage: "Wie schiesst ein Tabellenleader ein Segelflugzeug ab?".

Wer den Film-Klassiker "Top Gun" gesehen hat (für alle mit Jahrgang 1990 aufwärts: es ist einer der besten Filme aller Zeiten, ein Flugzeugfilm mit Tom Cruise als Maverick in der Hauptrolle) dem ist klar, dass es à la Maverick zwei Varianten gibt ein Flugzeug abzuschiessen. Rakete oder Schnellfeuer. Über eine Rakete scheint der Tabellenleader Freiburg-Gottéron momentan nicht zu verfügen, jedenfalls ist die Torausbeute von 12 Toren in fünf Partien, sprich 2,4 Tore pro Spiel, weit unter dem Ligadurchschnitt. Somit kommt einzig die Variante Schnellfeuer in Frage. Schnellfeuer heisst nichts anderes, als schiessen, schiessen und schiessen, bis das Magazin leer ist. Wie Gottéron-Stürmer Caryl Neuenschwander in jedem Vorschau-Interview vor dem Spiel zu sagen pflegt, "Wir müssen bringen die Scheibe immer auf das Tor und dann Nachschuss machen". Für die Drachen gilt es gegen den EHC Kloten trotz des Tiefflugs der Zürcher aufzupassen. Kloten verfügt in dieser Saison zwar nur über ein Segelflugzeug, jedoch haben sie auf den Flügeln die Scharfschützen Namens Hollenstein und Praplan. Läuft es der Top-Linie des EHC Klotens, dann dürfen die gebeutelten Zürcher-Fans auf Besserung hoffen. Zu hoffen gilt es, dass sich der EHC Kloten in den kommenden Jahren wieder auffängt. Trotz der bitteren Finalniederlagen von Freiburg-Gottéron in den 90er-Jahren, sollte sich auch jeder Gottéron-Fan wünschen, dass der Traditionsklub EHC Kloten dem höchsten Schweizer Eishockey erhalten bleibt.

Bitter für die Klotner ist, dass sie nach fünf Niederlagen ausgerechnet beim Tabellenleader antreten müssen. Man kann das Wort "Tabellenleader" in Freiburg diese Tage einfach nicht oft genug in den Mund nehmen. Allein in diesem Blog wurde das Wort "Tabellenleader" 11 Mal verwendet. Tabellenleader. Tabellenleader. Tabellenleader.

Allez Gottéron!

Carte Blanche #23

Das Sprachwunder im Jubla-Kantonslager

Kala! «Gut» auf Griechisch, «bleiben» auf Ovambo. Ausserdem steht «Kala» für jede Menge Mythologisches in fernöstlichen Ländern und das grossartige zweite Album der britisch-tamilischen Protest- und Krawallsängerin M.I.A. heisst ebenfalls so – auf Freiburgerdeutsch bedeutet «Kala» Kantonslager. Dieses fand diesen Sommer im Luzernischen statt und vereinte 1300 vorwiegend Sensler Jublaner im Entlebuch. Dort ist ein Wunder geschehen.

Nennen wir sie Violeta. Violeta spielt oft mit meinem Sohn. Violeta stammt aus Ex-Jugoslawien und spricht Hochdeutsch, das typische Balkan-Hochdeutsch, gespickt mit wenigen Dialekt-Begriffen – nicht ganz richtig, nicht ganz falsch - mit deutlichem Akzent, aber klar verständlich und mit einem angemessen reichen Vokabular. Bis diesen Sommer. Jetzt spricht Violeta Senslerdeutsch, quasi akzent- und fehlerfrei. Ein Wunder? Kein Wunder, aber gelebte Integration/Immersion/Inklusion/Inspiration/…. Violeta war im Kala, dem Kantonslager der Freiburger Jubla. Ursprünglich wollte sie nur eine Woche dort verbringen, es wurden zwei.
Auf meine Frage, wo sie denn plötzlich das Senslerdeutsch herhabe, antwortete sie, dass sie dies schon vor dem Kantonslager beherrscht hätte. Das ist zwar schwer nachprüfbar, denn auch noch einen Tag vor dem Kala hatte ihre Sprache nichts mit einem Schweizer Dialekt zu tun. Trotzdem muss ein gewisser Wahrheitsgehalt dahinterstecken, denn in zwei Wochen lernt auch ein aufnahmefähiges und aufgewecktes Kind keine neue Sprache dermassen gut, dass man an ein Wunder glauben könnte.

Tatsache ist, dass das Kala in irgendeiner Form als Türöffner für die Sprache – oder den Willen, die Sprache auszusprechen und anzuwenden – funktioniert hat. Haben die vielen anderen Kinder deutscher Muttersprache, die neuen Freundschaften, das positive Gesamterlebnis oder der 14-tägige Dauerkontakt mit dem Senslerdeutschen den Damm gebrochen? Tatsache ist auch, dass Deutschunterricht für Fremdsprachige nicht alleine für dieses Wunder zuständig sein kann. Aber egal, Hauptsache es ist geschehen, das Wunder von Schüpfheim im luzernischen Entlebuch.

PS: Auch wenn hier gefühlte tausend Mal der Begriff «Senslerdeutsch» steht, geht es am Ende nicht um eine spezifische Sprache.

Text: Mario Corpataux