Gottéron-Blog

Mark French: der richtige Mann für Gottéron?

Freiburg-Gottéron hat am vergangenen Sonntag bekanntgegeben, dass Mark French für den Posten als Cheftrainer bei den Drachen engagiert wurde. Mark French? Ein unbeschriebenes Blatt in der Schweiz. Die Gottéron-Fans fragen sich nun, ob der Kanadier der richtige Mann für Freiburg-Gottéron ist.

Foto: Candice Ward, Calgary Hitmen

Unbekannt, impulsiv und intelligent

Mark French ist ein unbekannter und impulsiver Trainer mit Grips. Der 46-jährige Kanadier verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Trainerbereich. Während der letzten drei Jahre war er Head Coach der Calgary Hitman in der kanadischen Juniorenliga WHL und zudem auch im Trainerstab der kanadischen U18-Nationalmannschaft. Zuvor trainierte er während einer Saison Zagreb und erreichte mit dem kroatischen KHL-Vertreter auf Anhieb die Playoffs. Am meisten Erfahrung sammelte Mark French jedoch in der AHL mit den Hershey Bears. Der neue Gottéron-Trainer stand während vier Saisons als Head Coach an der Bande des Farmteams der Washington Capitals und holte mit den Bears als Cheftrainer einen Meistertitel. 

Als Trainerpersönlichkeit darf Mark French als impulsiv beschrieben werden. Impulsiv? Ja. Der neue Gottéron-Zampato kann nicht nur laut, sondern sogar zur Furie an der Bande werden. Ein Beispiel gefällig? 

Mark French hat einen Bachelor in Psychologie absolviert und dürfte damit auch in diesem Bereich gewisse Qualitäten haben. Qualitäten, die nach der katastrophalen letzten Saison der Drachen gefragt sein dürften. Auch in Interviews und Spielanalysen hinterlässt Mark French einen durchaus smarten Eindruck.

Was im Lebenslauf des Kanadiers hervorsticht, ist die Arbeit mit Junioren. Wer einen Platz in den Junioren-Nationalmannschaften von Kanada erhält, hat schlicht Ahnung wie man junge Spieler fördert. Dies wurde von den Gottéron-Verantwortlichen nach der Verpflichtung des neuen Trainers auch in den Vordergrund gerückt. Spieler wie Rathgeb, Glauser, Chiquet und Marchon werden von der Erfahrung von Mark French profitieren können. Jedenfalls würde es nicht erstaunen, wenn gerade die jungen Gottéron-Akteure in der nächsten Saison grosse Fortschritte machen würden. 

In der Schweiz ist Mark French ein unbekanntes Gesicht. Berührungspunkte gibt es keine. Gerne hätten einige Experten und Fans einen namhaften und bekannten Trainer an der Bande der Drachen gesehen. Dass mit Mark French nun jedoch ein Unbekannter nach Freiburg kommt, kann durchaus seine Vorteile haben. Nach der verkorksten letzten Saison bedarf es im St. Léonard einen Neuanfang. Dieser wird mit einem unbekannten Trainer einfacher. Die Erwartungen am neuen Trainer sinken durch seine Unbekanntheit, was ihm Ruhe in seiner Arbeit ermöglichen könnte. Zuletzt scheint es auch für das Team gut zu sein, dass sie sich auf ein neues Abenteuer einlassen müssen und die Karten neu gemischt werden.

Mark French bringt alle Voraussetzungen mit, um in Freiburg erfolgreich zu sein. Als Kanadier wird er sich schnell in Freiburg zurechtfinden. Als guter Kommunikator mit psychologischem Hintergrund wird er bei den gebeutelten Drachen auf offene Ohren stossen. Mit seiner Erfahrung im Juniorenbereich wird er die jungen Spieler nach vorne bringen. Und auch sein Spielsystem scheint erfolgreich zu sein, ansonsten hätte er mit den Hershey Bears nicht den Calder Cup gewonnen. Die Defensive dürfte jedenfalls einen Schritt in die richtige Richtung machen, denn in der AHL gehörte die Mannschaft von Mark French jeweils zu den Teams mit den wenigsten Gegentoren.

Die Gottéron-Fans dürfen sich somit freuen, den neuen Trainer bei den Drachen kennenzulernen. Skepsis ist zum jetzigen Zeitpunkt kaum angebracht. Mit der Verpflichtung von Mark French hat Sportchef Christian Dubé die Katze nicht im Sack gekauft, sondern einen intelligenten Bulldog für die verkaterten Drachen engagiert. 

Carte Blanche #8

Ungerechte Gemeinden?

Die Behörden Freiburger Gemeinden hören, wie alle Gemeinden im ganzen Land, von ortsansässigen Unternehmen gelegentlich die Forderung, Aufträge seien allein aufgrund der Ortsansässigkeit zu vergeben; ein Unternehmen, das in der Gemeinde Steuern entrichte und Arbeitsplätze schaffe, müsse bei der Auftragserteilung besser behandelt werden als andere. Zu Recht wie ich finde.

Es grenzt beinahe an Verrat am eigenen Volk, welches sich für eine Gemeinde einsetzt und letztlich mit dazu beiträgt und verantwortlich zeichnet, dass die Behörden einer Gemeinde erst Geld ausgeben können. Also ist die genannte Forderung an sich verständlich und auch legitim, da es um regional- oder beschäftigungspolitische Ziele geht. Was sich gewisse Volksvertreterinnen und -vertreter hinter geschlossenen Türen diverser Sitzungsräume teilweise für Freiheiten nehmen um egoistischen Entscheidungen zu treffen, die jeder vernünftigen Grundlage entbehren ist schlicht und ergreifend eine Frechheit. Unter dem Denkmantel, man sei vom Volk gewählt, und repräsentiere dieses, bzw. man würde sich für dieses auch einsetzen, sind in den meisten Fällen leere Worthülsen. Eher kommen uns die Entscheidungen vielfach selbstgerecht vor und meist an persönliche Interessen dieser Vertreterinnen und Vertreter geknüpft. Beispiele dafür gibt es zu genüge: Abgewiesene Baugesuche aus persönlichen Gründen, Schikane mit falscher Auslegung von Reglementen, Anfeindungen und Missgunst, Vergabe von Arbeiten in andere Gemeinden und Kantone (insbesondere im Bereich Informatik, Promotion, Werbung, Druck, Webdesign, CI, Bau, Musikunterricht, Entscheide für Glasfaseranbieter, Strassenbau, Asylwesen, Gastronomie, Kultur usw.)…

Es ist nicht so einfach, als jemand, der in den meisten  Fällen auch kaum entsprechende Kompetenzen inne hat, sich über solche „Geschäfte“ auch urteilssicher und vor allem volksdienlich zu entscheiden oder einzusetzen. Es ist auch des Öfteren festzustellen, dass Gemeinden eigene Baukompetenz durch den Zukauf externer Ingenieurleistungen ausgleichen. Darin liegen die Gründe für Planungswirrwarr, Fehlentscheidungen und Kostensteigerungen. Das Problem ist, dass tatsächlich bei den Gemeinden immer weniger Leute sitzen, die die Planer fachlich verstehen und Entscheidungen treffen können und – vor allem – dürfen. Ebenso ist das Problem, dass bei vielen Projekten das Ziel der Massnahme nicht klar ist, höchstens das Geldvolumen. Letzteres ist nicht selten politisch motiviert und hat dann mit der Realität nichts zu tun.

Aber diese Selbstherrlichkeit und das gute Gewissen bei der Annahme man sei unfehlbar und im schlimmsten Fall dann auch geschützt, bringen normale Bürgerinnen und Bürger des Öfteren zum Kotzen. Auch wenn diese Kotzerei vielfach nur in den privaten Räumen stattfindet, leider. Würde öfter mal öffentlich gekotzt, glückte bei manch einer dieser gottgleichen Wesen eine gesunde Erdung und wahrscheinlich würden sie auch wieder vernünftig, wenn man ihnen vorhält welche Verantwortung sie bei solchen Entscheidungen tragen. Daran hängen oftmals ganze Existenzen, die gewissenlos an einer Sitzung, welche notabene meist nur vor dem lustigen Umtrunk danach stattfindet, getroffen werden.

Gemäss Gesetz hat das Gemeinwesen für den Schaden, den ein Beamter oder Behördenträger in Ausübung seiner amtlichen Tätigkeit Dritten widerrechtlich mit oder ohne Verschulden zufügt, einzustehen. Dies aber scheint in den seltensten aller Fälle auch umgesetzt zu werden.

Und wenn es in der Gemeinde mal nicht mehr so läuft, sucht die Verwaltung und die Behörden mit Vorliebe das Problem bei den Unternehmerinnen und Unternehmern, sowie der Bevölkerung. 

Text: David Aebischer

Gottéron-Blog

Romain Loeffel und Joel Genazzi – warum spielen die beiden Nationalverteidiger nicht in Freiburg? 

In den vergangenen zwei Wochen dürfte sich der einte oder andere Gottéron-Fan etwas verwunderlich die Augen gerieben haben. Während Freiburg-Gottéron das Sommertraining aufnahm, sorgten an der Eishockey-WM in Paris zwei ehemalige Gottéronspieler mit der Schweizer Nationalmannschaft für Furore. Die Rede ist von Romain Loeffel und Joel Genazzi.

Die Schweizer Nationalmannschaft zwang an der WM das grosse Kanada und das gute Tschechien – mit dem Gottéron-Duo Cervenka/Birner – in die Knie. Mittendrin statt nur dabei und mit grossen Verdiensten die beiden ehemaligen Gottéronspieler Loeffel und Genazzi. Die Beiden bildeten im Team von Nationaltrainer Patrick Fischer das dritte Verteidigungspaar und vermochten sowohl defensiv wie auch offensiv zu überzeugen. Unglaublich, aber wahr: Die beiden Offensivverteidiger erzielten an den Weltmeisterschaften im Schweizer Team die beste Plus-Minus-Bilanz (Loeffel +6, Genazzi +7). Kompliment. 

Einige Gottéron-Fans dürften sich nun sagen: „Schade, dass Loeffel und Genazzi nicht mehr bei Gottéron spielen“. Immerhin haben die Drachen seit Jahren grosse Probleme in der Defensive und wünschen sich seit gefühlten Jahrzehnten einen gestandenen Nationalverteidiger. Fakt ist jedoch: sowohl Loeffel, als auch Genazzi sind nicht etwa aufgrund ihrer guten Leistungen zu einem anderen Klub gewechselt, nein, sie wurden aus Freiburg geschasst!

Der Skandal um Romain Loeffel

Die Geschichte ist bekannt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde der damals talentierteste Gottéron-Verteidiger von Trainer und Sportchef Hans Kossmann nach Genf transferiert. Dafür kamen Fritsche und Kamerzin ins St. Leonard. Ursprünglich stammt Romain Loeffel aus La Chaux-de-Fonds. Er stiess jedoch bereits in den Elite Novizen, sprich im Jahr 2006/2007, zu den Drachen und darf deshalb als Gottéron-Junior gezählt werden. Heute ist klarer denn je: als Romain Loeffel im Januar 2014 gegen seinen Willen zu Servette transferiert wurde, wurde seitens Gottéron ein monumentaler Fehler begangen.

Der unterschätze und fehleingeschätzte Joel Genazzi 

Der gebürtige Zürcher stiess in der Saison 2005/2006 von den Kloten-Junioren zu den Elite A Junioren von Freiburg-Gottéron. Genazzi wurde bei den Drachen 36mal als Stürmer in der damaligen Nationalliga A eingesetzt. Da er als zu wenig gut eingeschätzt wurde, musste er den Weg über die NLB antreten. Über die Young Sprinters und Visp stiess Joel Genazzi zurück in die Nationalliga A zu Langnau. Auf seinem Weg wurde er vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert und schaffte später beim HC Lausanne den Sprung zum Nationalspieler. Klar war es schwierig die mögliche Entwicklung von Joel Genazzi vorauszusehen und zu erkennen, dass er als Verteidiger das Potential für Grosses hatte. Jemand hat dies jedoch erkannt und es war keine Person aus den Reihen von Freiburg-Gottéron, sonst hätte man Jeol Genazzi wohl in Freiburg gehalten.

Freiburg-Gottéron hatte in den vergangenen Jahren mehrere Verteidiger, die an die Tür der Nationalmannschaft klopften, den Sprung an die WM jedoch nie schafften. Hierbei ist an Ngoy, Kamerzin und Co. zu denken. Yannik Rathgeb dürfte den Sprung ins Schweizer Team in den kommenden Jahren schaffen. Trotzdem schmerzt es, wenn ehemalige Gottéronspieler die nicht mehr in Freiburg erwünscht waren, in der Nationalmannschaft gross aufspielen. Ein anderes Beispiel sei hier noch erwähnt: Timo Helbling. In Freiburg ausgemustert, wurde er in der darauffolgenden Saison mit dem SCB Meister und spielte für die Schweiz an der Weltmeisterschaft. Auch hier wurde ein potentieller Nationalverteidiger aus Freiburg weggetrieben.

Das Fazit ist klar: die Gottéron-Fans trauern heute Spielern wie Romain Loeffel und Joel Genazzi nach und das Geld fehlt, um einen gestandenen Nationalverteidiger zu verpflichten. Es bleibt ein weiteres Mal einzig die Hoffnung, dass aus Fehlern gelernt wird.

Carte Blanche #7

Ueberstorf ist alles andere als engstirnig und verschlossen

Die Vorwürfe von aussenstehenden Personen, Ueberstorf sei eine verschlossene Gemeinde sind schlicht und einfach haltlos. Das zeigt die Generalversammlung der Raiffeisengenossenschaft Ueberstorf vom Freitagabend, 12. Mai 2017, in aller Deutlichkeit.

Immer wieder hört man - oft hinter vorgehaltener Hand - die Ueberstorfer seien ein Volk unter sich, das fremde Personen ausschliessen würde. Der Fussballclub akzeptiere nur Spieler vom eigenen Dorf oder ausgediente Leistungsträger anderer Vereine. Kommt hinzu, dass auch die Abstimmungsresultate Ueberstorf als eine konservative Gemeinde hinstellen. Und für viele Sensler gehört die Gemeinde sowieso nicht mehr zum Kanton Freiburg.

Doch die Generalversammlung der Raiffeisenbank Ueberstorf bewies das Gegenteil: Einerseits zeigte die Bevölkerung mit dem Entscheid, mit der Raiffeisenbank der Region Schwarzenburg und Köniz zu fusionieren, dass sie sehr wohl offen gegenüber anderen ist und auch Zusammenarbeiten eingehen will. Andererseits zeigte das Dorf mit der Art des Entscheides Charakter. Zuerst musste die Versammlung nämlich über einen Antrag für eine geheime Abstimmung befinden. Wuchtig wurde dieser abgelehnt. Das heisst, nun musste jede und jeder zu seinem Entscheid stehen. Und zwar unter starker Beobachtung: Der langjährigen Genossenschafter, für die die Bank heilig ist, der engsten Kollegen am gleichen Tisch oder immerhin in Sichtweite und vielleicht sogar der eigenen Familie. Damit bewies die Ueberstorfer Bevölkerung, dass sie ihre Entscheide transparent fällt und nichts von Geheimniskrämerei hält. Gleichwohl bewies sie auch dieses Mal wieder Einigkeit: Mit 585 Ja-Stimmen, 11 Enthaltungen und keinen Gegenstimmen war das Resultat mehr als deutlich.

Allerdings ist auch anzumerken, dass die Versammlung mit dem Entscheid wiederum ihr Dorf gestärkt hat: Denn ohne Fusion mit der Raiffeisenbank Schwarzwasser verlöre die Bank von Ueberstorf über kurz oder lang ihre Handlungsfähigkeit und würde wohl von einer anderen Genossenschaft geschluckt und müsste die Geschäftsstelle in Ueberstorf schliessen. Dagegen kämpfen die Ueberstorfer hartnäckig. Das beweisen sie mit dem klaren Entscheid.

Und nach diesem Entscheid werden wohl nun auch wieder die Stimmen deren lauter, die Ueberstorf zum Kanton Bern zählen wollen. Denn die Raiffeisenbank Ueberstorf geht eine Heirat mit einer Berner Genossenschaft ein. Allerdings ist es eher umgekehrt: Die Region von Schwarzenburg und Köniz rutscht etwas näher an den Kanton Freiburg: die neue Bank wird nämlich Mitglied im Verband der Deutschfreiburger Banken. Auch da: Ueberstorf zeigt Offenheit und hilft Deutschfreiburg zu mehr Stärke.

Text: Yves Kilchör

Carte Blanche #6: «Gastgeber wider Willen – Giffers erhält ein Bundesasylzentrum»

War dieser Film wirklich nötig?

 

Foto: guglera.ch

Nicht nur über den Zeitpunkt der Ausstrahlung lässt sich streiten, ebenfalls darüber, dass als Rechtfertigung auch schon das unverschämt grosszügige Ziel zu hören war, den Sense-Oberländern bei der Bewältigung dieser Situation (oder der Situation, in die sie sich selbst hineinmanövriert haben mit den Auftritten an dieser Versammlung) behilflich zu sein. Wenn dies das Ziel war, wurde es weit verfehlt, weil der Oberländer eben schon lange am Bewältigen ist. Es ist so seine Art, Bedrückendes, Beängstigendes, Neues eher leise als laut für sich auszumarchen, es mit sich selbst zu be- und verarbeiten und am Ende damit auszukommen. Gewissen bleibt dabei die ewige Faust im Sack stecken, andere schlucken den Kloss, verdauen ihn, scheiden ihn aus. Das Leben geht so oder so in die nächste – vielleicht unangenehme – Runde.

Der Oberländer arbeitet die Tatsachen auf seine Weise auf und benötigt dazu ein paar Psychologen (und Filme) weniger als Leute von tiefer unten. Wer den Oberländer nicht kennt, wird ihn nie verstehen – und soll ihn sicher nicht ändern wollen, oder verurteilen. Tatsächlich haben sich die Wogen im Oberland längst geglättet – nicht überall und nicht bis Windstärke Null, aber ganz sicher ohne Film. Dies zeigt auch die kleinlaute Auflösung der IG Guglera nach vorherigem, zwei Jahre dauerndem, grauslichem Getöse.

Ja, beim Liedanstimmen wurde das Tremolo an der Veranstaltung in Giffers zu sehr ausgepackt («Let it be» von den Beatles wäre übrigens ein sanfteres, vielleicht gewinnbringenderes Zeichen gewesen), und ja, die 1.-August-Feuer überall im Senseland sind schon mindestens genug patriotisch; die Wortschöpfung des Syndics von Giffers wird in die Geschichte eingehen, und der, der mit dem Finger auf die bösen aus Bern zeigt, hatte gar nicht so unrecht mit seiner Intervention ab der lausigen, unwürdigen Kommunikation des Bundes. Das goldene Edelweisskränzchen gebührt dem rennenden Sennen, der die Lage mit klaren Worten umzeichnet und uns den Querdenker gezeigt hat.

Trotzdem fehlt es dem Film an Ausgeglichenheit, an Gegengewicht. Zu vielen Aussagen wurde kein Gegensteuer gegeben. Ein relativierender Kommentar aus dem Off, oder viel besser, der Einbezug eines stinknormalen menschlichen Menschens – so wie man es im Oberland ist –, der sich weder für noch gegen das Zentrum, aber nicht gegen abgewiesene Menschen stellt, hat hier gefehlt. Ich glaube nicht, dass diese Person nicht hätte gefunden werden können.

Im Film wurde ein ganzer Menschenschlag verunglimpft, der Sense-Oberländer. Leider macht das neue Synonym für Hinterwäldlertum im Oberland nicht Halt und frisst sich bis ins Unterland – der Sensler ist nun schweizweit ein Depp. Nicht alle Sensler, längst nicht alle Oberländer, halten zum Beispiel das Feldschiessen in ihrer Agenda fest. Es ist nur EIN Fest unter vielen, für gewisse Sensler, und für ALLE anderen. Bald ist Bad Bonn Kilbi, das wenige Kilometer entfernt liegende Gegenteil.

War dieser Film also wirklich nötig? Auch wenn damit unnötig Öl ins Mahnfeuer gegossen wurde und bis nach der Eröffnung des Zentrums hätte gewartet und das Thema von dieser Sicht aus aufgegriffen werden können – er war nötig, denn er hat manchen einen Spiegel vorgehalten. Die Gesichter darin sollten auch die aufmüpfigsten Gegner dieses Zentrums erschrecken und zur selbstkritischen Aussage führen: «So möchte ich mich nie wieder abgebildet sehen und einen ganzen Bezirk, eine ganze Kultur, zweifelhaft bekannt machen!»

Text: Mario Corpataux