Schwinger-Blog

Wenn Taktikfüchse einen Sportwettkampf prägen

Letzten Sonntag trafen sich in Kerzers die Südwestschweizer Schwinger, um ihr Teilverbandsfest auszutragen. In Kerzers wurde innerhalb einer Woche eine Arena für rund 3500 Personen erbaut. Der Rahmen in dem sich die Schwinger messen durften, sucht in der Westschweiz seinesgleichen. Es hätte die perfekte Werbung für den Schwingsport in der Romandie werden können, doch gab nach dem Schwingfest viel mehr die Einteilung zu reden, als das wunderbar organisierte Schwingfest.

Das Einteilungsgericht

Das neu zusammengesetzte Einteilungsgericht, dass seit der neuen Saison vom neuen Technischen Leiter der Westschweiz, Christian Schmutz, angeführt wird, setzte sich zum Ziel einen Westschweizer Schwinger in den Schlussgang zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde tief in die Trickkiste gegriffen. Dies sorgte vor allem bei den Gästeschwingern, die von jedem Teilverband je zu zweit für das Schwingfest in Kerzers selektioniert wurden, für viel Unmut. Das Einteilungsgericht schien sich gezwungen zu sehen, bereits im zweiten Gang reine Gästepaarungen einzuteilen. Die renommierte Schwingerzeitung "Schlussgang " schrieb in ihrem Live-Ticker "dies hat mit Sport nicht viel zu tun". Auch die Lokalmedien äusserten sich in ihren Berichterstattungen kritisch gegenüber dem Einteilungsgericht.

Das Ziel einen Westschweizer in den Schlussgang zu bringen, hat das Einteilungsgericht aber erreicht. Mit Johann Borcard stand dem Berner Eidgenossen Bernhard Kämpf ein Gegner gegenüber, der nach seinem Gestellten ersten Gang gegen den Eidgenossen David Schmied nur noch mittelstarke Schwinger zugeteilt bekam. So war es nicht erstaunlich, dass der Schlussgang nach nicht einmal einer Minute schon entschieden war und Johann Borcard chancenlos blieb.

Aber nicht nur die Gäste wurden hart angefasst, auch der gastgebende Schwingklub Kerzers musste hartes Brot fressen. Der zurzeit stärkste Schwingklub in der Westschweiz startete am Morgen mit 16 Schwingern in das Fest. Am Schluss reichte es nur gerade Lario Kramer für den Kranzgewinn.

Einteilung schadet dem Sport

Der Schweizer Nationalschwingsport, unser Schwingen, bleibt der letzte Sport, der so stark von "neutralen" Drittpersonen beeinflusst werden kann. Es kann nicht angehen, dass im Schwingen die Begegnungen zugeteilt werden. Das Interesse, dass an einem Schwingfest nicht von Anfang an Berner gegen Berner, Freiburger gegen Freiburger und Innerschweizer gegen Innerschweizer usw. schwingen, ist nachvollziehbar. 100% fair bleibt ein Sportturnier jedoch nur, wenn bereits vor dem Turnier eine fixe Einteilung für das ganze Turnier besteht oder ein unbeeinfllussbares Turniersystem besteht. Stellt euch vor die FIFA würde sich an einer Weltmeisterschaft herausnehmen je nach Stand der Dinge die Mannschaften umzuteilen... Deutschland gegen Portugal im Viertelfinal? Geht nicht. Wir teilen um. Unvorstellbar! Beim Schwingen ist dies aufgrund der Verbandszugehörigkeit sicherlich schwieriger. Lösbar wäre dies einzig mit einer Setzliste - wie im Tennis - und mit einer Topfeinteilung nach Verbänden. Kompliziert, aber mathematisch machbar.

Der Estavayer-Effekt

Die Verantwortlichen des Eidgenössischen Schwingfestes erhofften sich in der Westschweiz einen grossen Aufschwung durch das Grossereignis in Estavayer-le-Lac. Leider ist von diesem erhofften Aufschwung noch nicht viel zu sehen. Die Zuschauer im französischsprachigen Teil der Schweiz bleiben den Schwingfesten in der Region fern. Anders in den anderen Teilen der Schweiz. Das Bernern Kantonale, welches dieses Jahr in Affoltern stattfand, war schon Wochen im Voraus restlos ausverkauft. Auch die Schwingkeller sind in den anderen Teilverbänden deutlich voller als in der Westschweiz.

Ein weiteres Problem steht schon vor der Tür. Eine Woche vor dem Grossanlass in Kerzers trat der neue Westschweizer Präsident von seinem Amt zurück. Nun steht der Verband ohne Spitze da.

Affaire à suivre....

Carte Blanche #16

Theater-Wätter

Ja, ds Wätter, dasch scho ging as beliebts ù faszinierends Thema gsyy. Aber di Diskussione gaa meischtens a mier verbyy. We mù de ganz Taag am Computer hocket, chùnts nid drùfaa, obs dùsse schöön isch oder liid.

Aber klaar, i de lötschte Wùche – i de Organisation vom Fryliecht-Theater Hintercher – ha o ii mier müesse informiere. Schliesslich müesse mer entscheide, ob d Schouschpiiler ù d Zueschauer sǜǜ choo oder nid. Ù wenn jaa: Ob mù scho aafeet ù näy wyterschpǜüt oder ùnderbricht.

Ds Sǜneli im Wätterpricht het a äänlichi Wǜrkig wyn as Goou im a Schuttmatch. As macht Frǜǜd. Aber scho Sekùnde speeter feet de Zueschauer afa zwyyfle ù schlottere. Ma chenti ja no zwǜǜ Gägegoou ùberchoo ù de Match verliere. Oder as chenti nùme as Zwǜschehooch gsyy syy ù scho baud afa schwadere ù strubuusse. Ma isch bis zùm Abpfǜff oder zùm Schlùssapplous nie ganz sicher, ob es ùf ds Maau doch no a ùnerwǜnschta Cheer git.

Hüt isch ja daas iifach. Ganz vǜü Smart-Phone-Bsitzer sääge, si hiigi de absolut Wätter-Äpp-Gheimtipp debyy. Innert Sekùnde chii si verzöle, dass es i dryyne Taage zwǜsche 7 ù 8 a gruusigi Schǜtti git. Blitzle ù rùmple inklusive.

Aber as isch wy meischtens bim schnäle Internet-Wǜsse: as isch Pseudo-Wǜsse. Ma plöffet chli mit «moor am Aabe am Zäächni gits genau 12 Millimeter». «Neei, bi mier gits nùme 10 Millimeter.» «Neei, bi mier feets de scho am Nüüni aa.» As chùnt nid diskutiert – nùme abgglääse ù gglùùbt ù phùùptet. Ù näy moor – verblaaset de Lùft di Wùuche ù as git a trochena Aabe. Aber de wott de niemer mee epis andersch phùùptet haa.

Di Präzision vo dene Niderschlaags-Radaare isch a Mǜschig zwǜsche Standup-Comedy ù Veraarschig vo de Lütt. Das So-tue-aus-ob-mù-prezyys-aus-genaau-wiis, das isch doch Cabaret puur.

Wes nùme nid ali so äärnscht neemi. Hindernaa hii si a fùrchbaara Sùmmer erläbt, o we ds Wätter dùsse vǜü besser gsyy isch, aus dine d Aachǜndigùng ùf ùm Smart Phone. Aber as par Wǜüchlini ùf ùm Äpp ù d Erwaartig vom a haube Milimeeter Rään pro Stùnn soorget defǜǜr, dass d Lütt nümme ùs ùm Huus usi wii. Dasch Angschtmacheryy, eerger aus früer, we mù de Nachtbuebe mit dùm Hutätä ddrohet het. Oder we d Pfäärer de Lütt yytrichteret hii, si cheemi de i d Höu, we si nid epa de geengi ga lige!

Ja, ds Wǜsse, dass d Lütt vom Wätter fasziniert sy, das isch lengschtens zùm Business choo. O im Radio ù im Feernsee gits baud au Stùnn a Wättersendig. Ù stölet nùch maau d Frybùùrgera voor oni Wätter. Vǜü bschtöuti si no am glyyche Taag ab. Fasch so schlǜmm wyn a Zyttùng oni Toodesaaziige.

I ha di Theaterzyt enorm gnosse. Di Aabene mit au dene Lütt sy fantastisch. Aber glyych fröye mi o scho drùf, dass di vǜle Wätter-Äpp mier ùmmi chii gschtole blyybe. Ù vilicht ggùgge d Lütt ja maau ùmmi i Hǜmù wùy ù sääge: «Soo, gaa mer z Schäärm. As chùnt itzte cho schiffe.»

Text: Christian Schmutz

Carte Blanche #15

Hörti Zytte  - Wirklich? 

Momentan spielen wir die im Titel erwähnte Geschichte. Es handelt sich um ein Zeitbild der 50er Jahre im Sensebezirk in einem fiktiven Dorf mit fiktiven Personen. Nach den Vorstellungen werde ich regelmässig von Zuschauern gefragt, ob es nicht anstrengend sei, so oft zu spielen. Diese Frage brachte mich zum Nachdenken und ich habe mir überlegt, ob ich nun wirklich in „Hörti Zytte“ lebe.

Vom 22. Juni bis am 15. Juli führen wir das Stück an 17 Abenden auf. Dies bedeutet, dass ich zu Hause von 24 Abenden 17 fehle. Ohne die grossartige Unterstützung meiner Frau und ihr Verständnis dafür, dass ich gerne im Theater mitmache, hätte ich nie zugesagt mitzuspielen. An dieser Stelle ein grosses DANKE an meine Frau.  Ich bin nicht der einzige, der seine Familie mit Kindern aktuell sehr wenig sieht. Viele Personen geben ihrem Partner frei und unterstützen ihn. Auch hierfür ein „Danke“ an die betroffenen Personen. Es sind „Hörti Zytte“ für die Frauen und Männer, die momentan alleine zu Hause zu Bett gehen, alleine die Kinder ins Bett begleiten, ihnen Geschichten erzählen und für sie da sind, es sind „Hörti Zytte“ für die Personen, die sich am Abend nicht mit dem Partner austauschen können, die den Haushalt alleine erledigen müssen. Danke euch allen für eure Bereitschaft hintenanzustehen und uns ein Spiel spielen zu lassen.

Sind diese vier Wochen für mich “Hörti Zyyte“?

Es bleiben uns nun weniger als eine Handvoll Vorstellungen und das Theater wird in Kürze vorbei sein. Es ist ein guter Moment, um über die Eingangsfrage nachzudenken.

Was empfinde ich als „hört“? Es ist schwierig, Abend für Abend ohne die Familie zu essen, es ist schwierig, über eine längere Zeit mit wenig Schlaf auszukommen, es ist schwierig, seine Freunde zu vernachlässigen. Doch das ist in meinen Augen auch gerade alles, das „hört“ ist.

Wenn ich jeweils gegen 19.15 Uhr auf dem Gelände ankomme, treffe ich Menschen, die ich in meinem Alltag nicht sehe, mit denen ich nichts zu tun habe, die weit weg von meinem Alltag sind und mit denen ich mich nach der Theaterzeit äusserst selten austauschen werde. Und nicht, weil ich diese Leute nicht mag, im Gegenteil, weil es einfach so ist. Ich freue mich jeden Abend sehr darauf, diese Leute zu sehen, zu umarmen. In der Zwischenzeit sind wir zu einer echten Truppe zusammengewachsen, die füreinander da ist, die einander respektiert und sich mit- und füreinander freut.

Da sitze ich während der Pausen mit ganz verschiedenen Personen hinter der Bühne, schäkere mit ihnen, lache mit ihnen und lerne für das Leben, indem ich die Lebensgeschichten der anderen zu erfahren suche. Es ist interessant, berührend und beeindruckend, wie offen wir, die wir eigentlich nur ein zusammengewürfelter Haufen Theaterinteressierte sind, über sensible Bereiche im Leben sprechen, erzählen, zuhören und zu unterstützen suchen. 

Da sitze ich an warmen Sommerabenden draussen in der Natur, beobachte wie die Schatten länger werden, wie die Sonne untergeht, wie es blitzt und donnert. Da spielen wir in der Pause Fussball oder gehen auf Junikäferjagd. Und ab und zu darf ich auf der Bühne dann den Oskar mimen. Als Sahnehäubchen darauf gibt es ordentlich Applaus von der Tribüne, die Abend für Abend voll besetzt ist. 

Sind es „Hörti Zytte“? Nein. Im Gegenteil. Ich betrachte es als ein Privileg, dass ich, notabene kein echter Sensler, in der Hinterchertrilogie auf der Bühne mitwirken darf. Es ist ein Geschenk, Menschen einen gelungenen Abend zu bescheren und sie eventuell sogar noch zum Nachdenken anzuregen.

Es bleiben noch eine Handvoll Auftritte, die ich in vollen Zügen mit meinen Leuten geniessen werde, ich werde auf der Bühne mein Bestes geben, um dann nach der Dernière ordentlich zu feiern.

Ein Danke an dieser Stelle an all die Helfer, die es uns ermöglichen, jeden Abend die „Helden“ zu sein und ohne deren Mithilfe nichts funktionieren würde. 

Text: Benjamin Zurrón

PS: Wie klein die Welt ist: Habe ich in den letzten „Carte Blanche“ jeweils unseren Oberamtmann erwähnt, muss ich es hier auch machen: seine Tochter ist regelmässig mit auf der Bühne. So kenne ich nun die fussballerischen Vorlieben des Oberamtmannes.

 

 

Gottéron-Blog

Fall Berra: Christian Dubé hat alles richtig gemacht

Nach dem Wechsel von Reto Berra in die NHL wurden  nicht nur im Kanton Freiburg, sondern in der ganzen Hockey-Schweiz Stimmen laut, die den Kopf von Gottéron-Sportchef Christian Dubé forderten. Der wohl bekannteste Eishockey-Schreiberling der Schweiz, nennen wir ihn den Eismeister, ja genau, derjenige, der für Watson schreibt, betitelte Christian Dubé sogar als "schlechtesten Sportchef aller Zeiten" und als "schlechtesten Sportchef unserer Hockeygeschichte". Zu Unrecht! Warum? Hier eine Analyse:

1. Die Ausgangslage nach der verpatzen Saison 2016/2017

Wir blicken zurück: Nach einer erneut enttäuschenden Saison entschied sich Sportchef Christian Dubé, nicht mehr auf Stammtorhüter Benjamin Conz zu setzen. Nach den verpassten Playoffs und dem späten Ligaerhalt war klar, dass im St. Léonard eine tiefgreifende Änderung erfolgen musste. Die grössten Änderungen in einer Hockeymannschaft ergeben sich, wenn der Trainerstaff oder der Torhüter ausgewechselt werden. Der Gottéron-Sportchef entschied sich auf allen erwähnten Positionen Wechsel vorzunehmen. Benjamin Conz stand während der ganzen Saison in harscher Kritik. Der gleiche Journalist, der nun lauthals den Abgang von Christian Dubé fordert, bezichtigte den Gottéron-Torhüter in einem Artikel vom 30. Januar 2017 als "miserabelsten Torhüter der Liga" und forderte einen ausländischen Torhüter. Ich komme später auf diesen Artikel zurück. Benjamin Conz war in der letzten Saison in der Tat kein Rückhalt für Freiburg-Gottéron und löste mit seinen schwachen Leistungen in der Verteidigung - ohne diese in Schutz nehmen zu wollen - eine grosse Verunsicherung aus. Darum musste Dubé handeln. Im Transferpoker um den einzigen freien herausragenden Torhüter mit Schweizer Pass setzte er sich unter anderem gegen den HC Lausanne durch und verpflichtete Reto Berra für die kommenden drei Jahre, dies mit einer Ausstiegsklausel für die NHL bis am 15. Juli 2017. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Reto Berra wechselt für die kommende Saison zu Anaheim in die beste Hockeyliga der Welt und Freiburg-Gottéron steht aktuell mit nur einem Torhüter da.

2. Die Ausstiegsklausel und das Risiko

Christian Dubé erklärte kurz nach dem Gottéron-Schock, dass Reto Berra ohne die Ausstiegsklausel nicht bei den Freiburgern unterschrieben hätte. Dies scheint glaubhaft. Hätte Reto Berra bei seinem Entscheid einzig auf Geld, sportliche Erfolgschancen, Infrastruktur usw. geschaut, hätte er wohl bei Lausanne unterschrieben. Dass erwähnter Schreiberling hier von "Dubés Versäumnis wiegt schwer" schreibt, macht schlicht keinen Sinn. Es war kein Versäumnis, sondern ein bewusstes Eingehen eines Risikos. Ein Risiko, das sehr klein war. Ein Risiko, das sich in Zukunft ausbezahlen wird, denn der Vertrag von Reto Berra läuft über drei Jahre und die Chancen sind gross, dass er schon bald im Dress der Drachen spielen wird. Das Risiko war in der Tat so minim, dass nicht einmal Reto Berra selber mit einem Transfer in die NHL gerechnet hat. In der Situation von Freiburg-Gottéron und aus Sicht des Sportchefs war es richtig, dieses Risiko einzugehen. Der Sportchef war sich bewusst, dass Freiburg-Gottéron nur mit einem Top-Torhüter wieder zu alter Stärke zurückfinden kann. Nach Analyse des Marktes hatte er zwei Möglichkeiten: Reto Berra oder ein ausländischer Torhüter. Ein anderer Schweizer Top-Torhüter war schlicht nicht auf dem Markt. Also entschied sich der Sportchef, koste es was es wolle, auch mit NHL-Klausel, Reto Berra an Land zu ziehen. Die richtige Entscheidung! Auch wenn Reto Berra nun in die NHL abgesprungen ist, ist Freiburg-Gottéron nicht mal stehen geblieben, sondern einen grossen Schritt weitergekommen. Denn zu Beginn der neuen  Saison wird nun ein ausländischer Torhüter im Kasten der Freiburger stehen und in naher Zukunft dann Reto Berra. Ein Schaden für Gottéron ist hier nicht ersichtlich! Statt im Mai einen ausländischen Torhüter zu engagieren, wird dies nun im Juli der Fall sein und auf dem Markt gibt es viele gute Torhüter. Eine Bemerkung am Rande: gegen einen neuen Caron hätte in Freiburg wohl niemand etwas.

3. Der Transfer von Benjamin Conz

Klaus Zaugg schreibt in seinem Bericht auf Watson weiter: "Erst gewährt er Reto Berra die Ausstiegsklausel und dann transferiert er seinen bisherigen Torhüter Benjamin Conz vor dem 15. Juli 2017 zu Ambri". Christian Dubé war klar, entweder Reto Berra oder ein ausländischer Torhüter. Ob Reto Berra nun in die NHL wechseln würde oder nicht, Benjamin Conz war in Freiburg nicht mehr tragbar, da die Verteidigung nur mit einem Top-Torhüter wieder stabil werden konnte. Dies hatte der Watson-Journalist in seinem Artikel vom 30. Januar 2017 selber anerkannt. Conz musste ausgewechselt werden. Punkt. Den Transfer zu Ambri nun zu kritisieren, ist "cheap", also billig. Ich kann auch die Meinung des Eismeisters nicht teilen, dass es Christian Dubé versäumt hat, "eine solide Nummer 2 zu verpflichten". Ludovic Waeber gehört zu den talentiertesten Goalies der Schweiz und hat sein Können in der vergangenen Saison in der National League B unter Beweis gestellt. Gut möglich, dass der junge Torhüter zur Entdeckung der Saison wird.

4. Die möglichen Szenarien

Freiburg-Gottéron wird nun einen ausländischen Torhüter anheuern, um den Abgang von Reto Berra in die NHL zu kompensieren. Gut möglich ist jedoch, dass Reto Berra bereits zu Beginn des neuen Jahres im Tor der Drachen stehen wird. Der WM-Held aus dem Jahr 2013 wird in Anaheim einen schwierigen, wenn nicht unmöglichen Stand haben. Hinter den beiden arrivierten Torhütern John Gibson und Ryan Miller spielt Reto Berra nur die dritte Geige bei den Ducks. Zudem ist auch die Konkurrenz im AHL-Farmteam San Diego gross. Das heisst: Reto Berra versucht es noch einmal in der NHL, sollte er sich jedoch zu Weihnachten als vierter oder gar fünfter Torhüter der Organisation wiederfinden, wird er mit grosser Wahrscheinlichkeit zurück in die Schweiz kommen und das Gottéron-Trikot bereits in der nächsten Saison überstreifen. Sollte sich Reto Berra jedoch durchsetzen können - was ihm zu wünschen ist - wird Freiburg-Gottéron in der anstehenden neuen Saison teilweise mit einem ausländischen Torhüter auflaufen und einen ausländischen Feldspieler auf die Tribüne setzen. Oder dann Ludovic Waeber Spielpraxis geben und das Quartett Cervenka, Birner, Repik und Holos auflaufen lassen. 

5. Fazit

Der Sportchef Christian Dubé hat alles richtig gemacht. Das Risiko, Reto Berra mit einer NHL-Klausel zu engagieren, war klein und lohnte sich. Statt die gesamte Saison mit einem ausländischen Torhüter zu bestreiten, beginnt Freiburg-Gottéron nun die Saison mit einem ausländischen Goalie und hat die Option, dass dieser im Verlauf der kommenden Meisterschaft durch einen Schweizer Top-Torhüter ersetzt werden kann. Der Artikel von Klaus Zaugg und dessen Vorwürfe gegenüber Christian Dubé betreffend dem Engagement von Reto Berra sind haltlos. Ob mit den klaren Worten möglichst viele Leser/innen erreicht werden sollten oder zwischen dem Eismeister und Dubé seit längerem Eiszeit herrscht, müssten die beiden Protagonisten selber beantworten. Zum jetzigen Zeitpunkt den Kopf von Christian Dubé zu fordern, ist jedoch gänzlich falsch und erfolgt wider besseres Wissen. Sollte Freiburg-Gottéron in der kommenden Saison jedoch wiederum tauchen, oder sollte es zu erneuten Affären wie dem "Fall Pouliot" kommen, dann müsste der Verwaltungsrat handeln. Zur Zeit ist Christian Dubé jedoch auf alle Fälle noch tragbar. 

Hier der Watson-Artikel von Klaus Zaugg.

Text: Elmar Wohlhauser

Carte Blanche #14

Das System Sensebezirk gibt es nun weltweit

Einmal zu den Pinguinen reisen und sie ganz nah spüren - diesen Traum verfolgte ich und merkte dabei, wie schnell die Welt heute zu einem Dorf wird. Meine Eindrückliche Erfahrung mit sozialen Netzwerken erinnert mich an den Sensebezirk.

Es war ein harmloses E-Mail in meinem Posteingang, mit dem alles begann. Einer dieser vielen Newsletter, die halt tagtäglich eintreffen. Zum Glück nahm ich mir die Zeit und lass diesen Newsletter durch, obschon er auf Englisch geschrieben war. Denn die Post aus dem fernen Amerika enthielt einen spannenden Aufruf: Wenn man ein Video einschickt und darin erzählt, welchen Traum man sich mit 25'000 Dollar erfüllen möchte , nimmt man am Wettbewerb teil. Der Preis: Die Erfüllung dieses Traumes mit dem attraktiven Preisgeld. Ich überlegte kurz und wusste sofort: Diese Chance will ich packen und endlich zu den Pinguinen reisen, sie hören, riechen und vielleicht sogar spüren. Ein Kindheitstraum war endlich zum Greifen nahe. 

Also los! Ich ging mit jemandem zusammen in die Natur, liess mich filmen , stand hin, sprach die Botschaft auf Englisch in die Handy-Kamera, stellte das Video zu Hause ins Internet, füllte das Teilnahmeformular aus und reichte die Kandidatur ein. 

Ein paar Tage später traf dann eine E-Mail des Wettbewerb-Veranstalters ein. Die einzelnen Teilnehmer und ihre Videos sein nun aufgeschaltet. Man müsse nun in einem Voting stimmen sammeln, um eine Runde weiter zu kommen. Ich machte natürlich sofort in meinen Profilen auf den sozialen Medien Facebook und Twitter auf meinen Traum aufmerksam und wollte so Stimmen sammeln. Für mich war das Ganze damit abgeschlossen. Ich kümmerte mich bis am Abend nicht mehr darum und rechnete auch nicht gross mit Reaktionen. Doch die gab es und zwar zahlreich: Meine Beiträge auf den sozialen Netzwerken erhielten Likes, wurden kommentiert und sogar von anderen geteilt und weitergeteilt. Nicht nur an diesem Tag, sondern auch noch ein paar Tage lang. An den Festen und beim Wiedersehen mit Freunden wurde ich oft auf den Wettbewerb angesprochen. Mein Traum bewegte offenbar mehr als ich gedacht hätte. Und auch im Wettbewerb war ich einer mit den meisten Likes. Dank dieser grossen Unterstützung kam ich eine Runde weiter.

Diese Erfahrung zeigte mir die Kraft von sozialen Netzwerken. Innerhalb weniger Stunden kann ein einziger Beitrag eine grosse Lawine auslösen. In meinem Fall im Guten, in vielen anderen Fällen aber durchaus auch im Schlechten. Und die Erfahrung zeigte mir auch, dass es keine wirklichen Grenzen mehr gibt. Dank der heutigen Mittel kann ich als Sensler Junge bei einem Amerikanischen Wettbewerb mitmachen und sogar mit den besten Teilnehmern mithalten. Dank der sozialen Netzwerke wird die Welt ein einziges grosses Dorf. Und wenn man solidarisch zusammensteht und sich gemeinsam für eine Idee einsetzt, dann ist man stark. Deshalb hat mich dieses Erlebnis dann - auch wenn es von einer amerikanischen Stiftung ausging - wieder an die Werte erinnert, die uns im Sensebezirk und in Deutschfreiburg wichtig sind: Solidarität, Zusammenhalt und immer wieder innovative Ideen!

Den Traum kann ich übrigens vorerst noch nicht verwirklichen. Anscheinend waren ein paar andere Ideen doch noch besser, innovativer oder vielleicht doch amerikanischer als ich. Deshalb verpasste ich ganz knapp den Einzug ins Finale. Für mich war diese Erfahrung dennoch ein Gewinn: Ich spürte die immense Unterstützung meines Umfelds und weiterer Supporter. Vielen, herzlichen Dank hierfür! Der Traum lebt weiter!

Text: Yves Kilchör