Ein Schenkelklopfer jagt den nächsten

Fantastisch, überragend, ja gar Weltklasse! Wer in den ersten 15 Heimspielen von Freiburg-Gottéron die Werbekampagne der Groupe E, Groupe E celsius, Groupe E greenwatt, Groupe E entretec und Groupe E plus in den Dragon-News übersehen hat, der sollte sich schnellstmöglich zum Optiker begeben, denn er hat aufgrund seiner schlechten Augen bereits 15 von 25 Schenkelklopfern verpasst. 

Der Chronist hat in den vergangenen Jahren viele Gegner der Drachen auf die Schippe genommen oder gar ins Lächerliche gezogen. Der EHC Kloten wurde zum Beispiel als "Segelflugzeug im Tiefflug“ beschrieben, der HC Davos mit seinem Wappentier verglichen und die Langnau Tigers als löchriger Emmentaler mit einem Schlagerlied verunglimpft.

Was aber die erwähnten Werber an Humor und Ironie in ihre Inserate bringen, macht den Chronisten neidisch. Da gab es die Geschichte mit dem essbaren Mandelbären, der bis in die Spitze des SC Bern für Reaktionen sorgte oder auch den Seitenhieb an Arno del Curto zu St-Nicolas, als der St. Nikolaus als "encore plus durable que Del Curto" beschrieben wurde.

Für das heutige Heimspiel gegen die Langnau Tigers haben sich die Werbeverantwortlichen der Groupe E für den Slogan "Hello Kitty" entschieden. Zu gewinnen gibt es übrigens eine elektrische Zahnbürste für Kinder, kein Witz. Wir versuchen, das heutige Inserat und das Preisausschreiben mit dem gleichen Humor und der selben Ironie wie die Werber zu deuten.

"Hello Kitty", auf deutsch "Hallo Kätzchen", ist eine Figur in Katzengestalt. Die Figur orientiert sich an der als Glücksbringer geltenden japanischen Stummelschwanzkatze, (Stummel-schwanz-katze). Lustig. Das Wappentier der Langnauer ist ein Tiger, im biologischen Sinn also eine Katze. Unter Kätzchen versteht man jedoch die kleinen, süssen "Büsis", die in ihrer Spiellust einem Wollknäuel hinterherwatscheln. In der Vergangenheit waren die Tiger in der Tat oftmals eher Kätzchen als Raubkatzen. Es sei jedoch in Erinnerung zu rufen, dass die Emmentaler aktuell nur 6 Punkte Rückstand auf die Drachen haben.

Der Seitenhieb mit "Hello Kitty" ist ein weiterer gelungener Schenkelklopfer, denn in der momentanen Verfassung von Freiburg-Gottéron wären niedliche Kätzchen in der Tat willkommener als hungrige Raubkatzen.

Nun zur elektrischen Zahnbürste. Wer bereits mit einem Kätzchen geschmust hat, der weiss, dass diese auch mal aus dem Mäulchen stinken. Katzenfutter schmeckt ja an sich nicht gerade rosig und gepaart mit Überbleibsel einer gefressenen Maus... Lassen wir das, nicht dass sich bei einigen Gottéron-Fans plötzlich noch der Hot Dog im Magen dreht. Lange Rede, kurzer Sinn: die "Hello Kitties" aus Langnau können sicher eine elektrische Zahnbürste gebrauchen.

Liebe Groupe E, danke für die wahnsinnig lustigen Inserate... Wir freuen uns auf die weiteren Schenkelklopfer bis Ende Saison.

 

 

Vegane Weihnacht versus Grand-Fribourg

Die ursprünglich geplante Carte Blanche handelte von fleisch-, milch-, eier- und lederlosen Weihnachtsessen. Aus aktuellem Grund (Gastbeitrag von Stanislas Rück in den Freiburger Nachrichten vom 9. Dezember 2017) bleibt Weihnachten fleischlich und ein ebenso streitbares und oft genug gehässig diskutiertes Thema tritt an seine Stelle.

Sollen die Sensler Gemeinden – gemeint sind wohl Düdingen und Tafers, evtl. noch St. Ursen und Tentlingen – sich an der Grossfusion von acht Gemeinden rund um die Kantonshauptstadt beteiligen? Herr Rück sieht diese Nichtbeteiligung des Sensebezirks als epochalen Fehler und findet ihn auch gleich bei den Senslern: Man ziehe sich kläglich in die Rolle der Minderheit zurück, in der man sich gefalle und verfolge mit Scheuklappen die lokalen Zielsetzungen, schreibt er.

Fest steht: Gefragt wurden die Sensler Gemeinden nicht. Wer nicht gefragt wird, kann sich auch nicht zurückziehen. Auch wenn ich die Idee verlockend und wahrlich völkerverbindend – Achtung: Zynismus zwischen den Zeilen – finde, ein Grossfreiburg französischer Sprache mit den Weilern Guin und Tavel zustande zu bringen, müssten die bisherigen Kandidaten zuerst ihre eigenen Ansprüche und Anliegen zu Fusionsreife bringen und insofern zum Vorbild werden.

Herr Rück schreibt, dass die Sensler damit die Ansprüche auf eine zweisprachige Hauptstadt und einen bilinguen Kanton mittelfristig aufgeben würden. Aber hat man denn dies nicht schon längst; und die Realität akzeptiert? Und heisst mittelfristig im Jahr 2300? Oder wer hat Angst vor der Germanisierung, obwohl der Anteil Deutschsprachiger im Kanton seit Jahren rückläufig ist? Wer versucht noch, in der «zweisprachigen» Stadt Freiburg, egal in welchem Geschäft oder Restaurant, egal an welchem Schalter, (hoch)deutsch zu sprechen und wenigstens verstanden zu werden? Ausser in der deutschsprachigen Buchhandlung erwartet niemand eine Antwort in deutscher Sprache? Und wenn doch, ist das Erschreckenspotenzial herzinfarkthoch!  Wie viele Schaufenster sind zweisprachig angeschrieben, wie viele Speisekarten bilingue geschrieben? On parle français, partout et tout le temps.

Herr Rück erwähnt auch den Standortvorteil einer zweisprachigen Stadt/Region gegenüber anderen Städten, jedoch würde kein Deutschfreiburger ohne Lachanfall die Autobahn im Umfeld der Stadt Freiburg mit « zweisprachige Stadt » anschreiben. Zwei Sprachen, das stimmt, aber mehr nebeneinander als miteinander – die Saane fliesst und trennt, ähnlich würde ich die beiden Sprachen beschreiben, wobei letztere viel zu selten und widerwillig ineinanderfliessen – bestes Beispiel ist das Mitteilungsblatt der Stadt Freiburg, genannt 1700. Von 17 Seiten sind 1,75 Seiten und der Begriff Concours auf Deutsch übersetzt. Wie würde wohl ein fusioniertes 1700 heissen? 1731, wie Ependes, oder 1786, wie Sugiez, oder 1712, wie Tavel, oder 3117, was als Postleitzahl tatsächlich noch nicht existiert?

Aber ich gebe Herrn Rück recht: Ein starkes Zentrum mit gleichberechtigter deutschsprachiger Beteiligung wäre ein schweizweites Zeichen von grosser Ausstrahlung. Leider sieht das Freiburger Modell Gleichberechtigung nicht vor und Biel/Bienne wird punkto Sprachenfrage vielleicht wieder die Punkte einsammeln, welche Freiburg jahrein, jahraus und seit Jahrzehnten am Boden liegen lässt und mit Füssen tritt. Lustiger- und bezeichnenderweise – hier müsste man sich fragen, ob die Redaktion ein Zeichen setzen wollte oder der Layouter viel oder wenig überlegt hat – steht genau neben dem Artikel von Herrn Rück ein Leserbrief über die Sprachenfrage im Kantonsspital Freiburg. Thema: Weshalb der Deutschfreiburger sich lieber in Bern behandeln lässt? Eine Antwort erübrigt sich! Schade, dass Chancen und Realitäten nicht immer auf selber Höhe stehen und mindestens der Höhendifferenz zwischen Kaiseregggipfel und dem Saanegraben entsprechen.

Vegane Weihnachten sind aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Auf dass die Chinoise-Röllchen aus den Ohren laufen. Joyeux Noël et bonnes Fêtes allen Kantons- und allen künftigen Bewohnenden einer Grossfusion, welche möglicherweise um einiges kleiner ausfallen könnte als erwartet!

Text: Mario Corpataux

Gottéron-Blog 

Ein Sieg für ein Halleluja an Mariä Empfängnis

Im Kanton Freiburg feiern wir heute Maria Empfängnis. Ein Tag der Ruhe und Besinnung. Von wegen...

Gewinnt Freiburg-Gottéron heute Abend das Heimspiel gegen den HC Davos, dann lassen wir, natürlich mit Anstand und Würde, richtig die Korken knallen. Aber warum eigentlich? Siege gegen die Steinböcke sind ja gar nicht mehr so aussergewöhnlich wie früher, immerhin haben die Drachen das letzte Heimspiel vor rund einem Monat gegen das Del Curto-Team ungefährdet mit 3:1 gewonnen. Warum also diesen Sieg besonders feiern? Warum an Mariä Empfängnis daraus ein riesen Theater machen? Warum deswegen an einem heiligen Feiertag komplett überbeissen?

Ein Sieg und Freiburg-Gottéron hat bereits mehr Punkte auf dem Konto als zum Ende der Qualifikation der Saison 2016/2017. Das heisst: Gottéron hätte nach 29 Spielen 49 Punkte geholt, in der letzten Saison waren es nach 50 Partien nur 48 Punkte! Halleluja!

 

 

Vorwienachtszytt

Jedes Jahr as bitzli eener
Giites los ds gross Wienachtsgschäft

Vom Advänt no gar ki Spuur
Zerrt di Zytt scho a de Chräft



Chumm sy d Chürbisdekos grummt

Lüüchte schomi d Wienachtsstäärne

Büüm sy gschmückt ù d Hüüser zieret

Ù doch tuets no nid ds Härz erwärme

 

Wo isch dä Zouber de o plübe
Wo früener üüs beyydrùckt hett
Vüu dreit sich hütt ùm ds Materiella

As isch as Gschäft, ma lùùft ùm d Wett

 

Zytt di treyt dür das no schnäller

huufe muess no bsorget syy

asch a Hektik i de Gasse
de Früde fündt mù nid debyy

 

Gar nid iifach, usi zfüne

Us där komerzieli Wäut

Sich statt Ware d Rue z gönne

Ohni Wärtige vo Gäud

 

D Wienachtszytt wott Wermi bringe
i di Wäut zù jedùm Mensch
wott üüs mit Liecht ù Liebi fülle
macht Platz für üser tüüfschte Wünsch

 

Scheych der Zytt für dier aliini

scheych o Zytt de Lütt ùm dier

as paar Mùmänte zùm di bsünne

de würd usùm DÙ ù I as WIER.


Da spurten wir wieder los. Alles mögliche will eingekauft und erledigt sein. Hektisch und lebhaft das Treiben in den Dörfern und der Stadt. Es leuchtet und glitzert in den Gassen und jedes Geschäft strahlt in einem anderen Glanz. Vollgestopft sind die Regale und locken zum Kauf. Jede Menge an Material und Esswaren im Angebot. Herrlich anmutend präsentiert, so dass wir das Gefühl haben, von diesem und jenem auch noch zu brauchen... Ein hektisches Rennen – jagend auf der Suche nach etwas – doch wonach eigentlich?

 

Suchen wir nicht eher nach Momenten, in denen das hektische Rad des Funktionierens einmal Pause macht? Nach schlichten Auszeiten, in denen die Magie der Weihnacht sich ausbreiten kann? Nach Raum für Begegnungen und Zeit für tiefgehende Gespräche?

Möge es uns allen gelingen, den Weihnachtszauber auf unsere Art wieder zu finden und weiterzugeben. Uns ab und zu ganz bewusst Zeit zu nehmen, zur Ruhe zu kommen, uns zu besinnen und aufzutanken, um kraftvoll auf unseren Wegen weiterzuschreiten.

Wir wünschen allen eine entspannte und lichterfüllte Advents- und Weihnachtszeit! 

Rita Zumwald und Barbara Andrey
CORASON – herzhaft verbinden und bewegen

skippr-Rückblick

GsehschWie - das Deutschfreiburger Fussball Dream Team aller Zeiten!

Vor rund zwei Jahren suchte ein Grossteil des heutigen skippr-Team unter dem Namen "Gsehschwie" das Deutschfreiburger Fussball Dream-Team aller Zeiten. Ein Team aus talentierten Fussballern, die es nie zum Profi geschafft haben. Daraus entstanden 11 Porträts über verschiedene Deutschfreiburger Fussball. Wir blicken zurück und stellen die besten Fussball Deutschfreiburgs nochmals ins Rampenlicht.

Porträt 10:

Vincent Kaltenrieder, der "Prinz"

Es war einmal im Freiburger Seeland. An einem märchenhaften Frühlingsmorgen gebar die zauberhafte Königin einen jungen Burschen. Der König strotzte vor Stolz, nahm seinen Neugeborenen auf den Arm, rannte geschwind zum königlichen Balkon und verkündete die Geburt von Vincent von Kaltenrieder. Die Bevölkerung im Städtchen Murten verzückte und jubilierte. Und sie nannten ihn "Prinz".

In einem grossen prächtigen Schloss wuchs der kleine Prinz geborgen auf. Doch bereits zu Kindsjahren bemerkte das Königspaar, dass etwas mit ihrem Vincent nicht zu stimmen vermochte. Sein königlicher Vater drückte ihm Schwerter in die Hand… doch der "Prinz" interessierte sich nicht dafür. Sein Onkel, seinerseits ein Herzog, setzte ihn auf ein Pferd… doch Vincent weinte. Sein Cousin vierten Grades mütterlicherseits nahm ihn mit auf die Jagd… doch der Prinz konnte nicht zusehen!
An einem vorzüglichen Hochsommertag erhielt das Städtchen Murten hohen Besuch. Wayne of Roonhood, Lord of Manchester, beglückte die Königsfamilie mit seiner Gegenwart. Der König wagte nicht einmal daran zu gedenken dem Lord aus England von seinem uninteressierten Zögling zu parlieren. Am Abend weinte sich der König eine weitere Nacht in den Schlaf. Warum? Warum interessiert sich mein Sohn nicht für Schwerter, Pferde und nicht einmal für die Jagd? Plötzlich hörte der König ein dumpfes, sich wiederholendes Geräusch aus den Gemächern des Prinzen. "Boom", "boom", "boom". Der König eilte zu den Gemächern seines Sohnes, voller Angst, voller Verdruss, riss die Türen auf und sah seinen Sohn wie er lachend einen Lederkneuel mit seinen Füssen gegen die Wand drosch. Wayne of Roonhood, Lord of Manchester, hatte dem Prinz einen Fussball geschenkt.
Jahre vergingen – und Vincent konnte nur noch an eines denken: Fussball, Fussball, Fussball. Schon in Bälde war der Prinz der talentierteste Fussballer aus dem Freiburger Seeland. Vincent von Kaltenrieder entschied sich für die Aufgabe des rechten Verteidigers, weil er sich nicht als Künstler, sondern eher als zuverlässigen und soliden Genossen sah. Dank seinem Stellungsspiel, seiner Technik, seiner Zweikampfstärke und seiner Spielstärke verlockten schon bald königliche Einladungen aus weitentfernten Gebieten und die weiblichen Schönheiten lagen ihm zu Füssen. Vincent von Kaltenrieder entschied sich eine Einladung aus dem Fürstentum Düdingen anzunehmen und bot seine Dienste an. Sommer ein Sommer aus diente Vincent von Kaltenrieder dem SC Düdingen (Schlossclub des Fürstentums Düdingen) und feierte den Gewinn grosser Schlachten. Die Geschichte der legendären Schlacht von "Birchhölzli", als der SCD in die 1. Liga aufstieg, erzählen sich noch Generationen.
Als der Prinz etwas älter wurde, sehnte er sich nach seiner Heimat und kehrte zurück in die Region seiner Stammhalter nach Murten, später nach Courgevaux und Kerzers.
Und wenn der Prinz gesund bleibt, dann spielt er noch lange! Vincent Kaltenrieder, der "Prinz".

Erklärung: Vincent Kaltenrieder wurde beim SC Düdingen "Prinz" oder sogar "Prinzessin" genannt. Laut ehemaligen Mitspielern stammt der Kosename Prinz aus dem französischen "Vince le prince". Aus Prinz wurde später Prinzessin. Ihr fragt euch warum? Die Antwort findet sich in Schneewittchen und die sieben Zwerge. Wir sagen nur "Spieglein, Spieglein…"

 

Porträt 9:

Bruno Fasel, "Honiger" der Torjäger

Einer der gefürchtetsten Stürmer Deutschfreiburgs der letzten drei Jahrzehnte trägt einen der süssesten Fussballer-Spitznamen aller Zeiten, "Honiger".

Ob mit Rechts, Links, mit dem Kopf, per Fallrückzieher oder vom Penaltypunkt, "Honiger" sammelte fleissig Tore wie Bienen Nektar. Zwischen Bruno Fasel und einer Biene gibt es jedoch verschiedenste Unterschiede, die hier kurz aufgezählt werden sollen.

1. "Honiger" hat nie die Farben der Berner Young Boys getragen.
2. "Honiger" ist auf dem Fussballplatz keine Arbeiterbiene, sondern eher ein Künstler.
3. "Honiger" konnte auf dem Fussballplatz auch mal einem Gegenspieler klar machen, dass er ihn stechen wird, wenn er ihm nochmals zu Nahe kommt. Bei den Bienen haben nur die Weibchen einen Stachel.
4. "Honiger" hat seinen Staat (Bienensprache für Gruppe), den FC Heitenried (heute Seisa08), in seiner "Fussballerkarriere" nie verlassen.
5. "Honiger" ist auf den ersten 5 Metern schneller als eine Biene.
6. "Honiger" summt höchstens nach einem Sieg und nicht den ganzen Tag.
7. "Honiger" hat in seinem Leben genau vier Königinnen.
Seine Frau, seine zwei Töchter und seine Mutter.

Zurück zum Fussball: Die Legende des FC Heitenried schoss in der 3. Liga pro Saison rund 30 Tore. Anfangs 1990er stieg er mit dem FC Heitenried in die 2. Liga auf. Nach einer Saison war aber bereits wieder Schluss mit dem Abenteuer 2. Liga und Heitenried stürzte in sein gewohntes Habitat, der dritten Liga. Mit seiner brillanten Technik vernaschte "Honiger" seine Gegenspieler, wie Schleckmäuler eine Honigschnitte schlemmen. Seine Explosivität, sein Torriecher und seine Beweglichkeit waren weit über die 3. Liga hinaus bekannt. Da stellt sich die Frage, warum er nie den Schritt zu einem besser dotierten Klub gewagt hat. Bruno Fasel erklärt: "Ich habe mir nie 100% zugetraut höher zu spielen. Zudem hiess es aus meinem Umfeld immer, dass ich doch nicht einfach irgendwo anders als beim FC Heitenried spielen könne. Heute werden junge Spieler viel mehr motiviert, sich bei einem grösseren Verein zu versuchen. Vor 30 Jahren war der „Dörfligeist“ noch viel stärker und es hiess, man trainiert dort, wo man die eigene Kirche im Dorf sieht". Darum flog „Honiger“ nie aus seinem Dorf aus. Einer seiner Brüder erinnert sich an eines der Angebote, das "Honiger" gemacht wurde: "Das Telefon klingelte und die Mutter nahm ab. Danach ging sie zu Bruno und sagte Bruno as sich a Wäutscha vom FC Central am Telefon. Du würsch ja wouh nid uf Fribourg i ga schutte! Mein Bruder sprach mit dem Verantwortlichen des damaligen 1. Liga Klubs und sagte ab“.

Bruno Fasel ist in einer richtiggehenden Fussballerfamilie aufgewachsen. In den besten Jahren standen mit Bruno, Elmar und Manfred gleich drei Fasel-Brüder in der Startaufstellung des FC Heitenried. Ein Zuschauer am Spielfeldrand traf mit einer Aussage vor Jahren den Nagel auf den Kopf, als er während eines Spiels zum Vater der Gebrüder Fasel schaute und sagte: "Du hättest ruhig noch mehr von denen machen können!". Bruno "Honiger" Fasel war aber von den „Fasle“ derjenige, der es ohne wenn und aber zum Profi hätte schaffen können.
Wie wohl viele Leute, weiss Bruno Fasel nicht genau, wie er eigentlich zu seinem Spitznamen kam: "Mir wurde mal erzählt, dass unser früherer Knecht auf dem Bauernhof mich „Honiger“ nannte. Warum, weiss ich aber nicht. Mit Honig und Bienen hatte es wohl aber nichts zu tun“. Bruno Fasel, "Honiger" der Torjäger.

Porträt 8:

Beat Mülhauser, "Misla, der Spielmacher"

Uf'd Misla müesseter ufpasse! Hetes uf de Schuttplätz ging ghisse wemu gäge FC Plaffüdere gschuttet het. (Bitte um Entschuldigung für das fehlerhafte Senslerdeutsch. Christian Schmutz wird ein Auge zudrücken).

Der Spitzname "Misla" stammt von "Meisa", sprich der Vogelart "Meise". Davon gehen wir zumindest, gewiss etwas blauäugig, ohne jegliche Recherche aus und werden später klären, woher der Spitzname von Beat Mülhauser wirklich stammt.
Laut Wikipedia gibt es verschiedene Voraussetzungen, dass sich eine "Meise" auch wirklich "Meise" nennen darf.
1. Zu den Meisen zählen hauptsächlich Arten, die in baumreichen Habitaten leben.
Check! Misla stammt ursprünglich aus dem wunderschönen Alterswil, dort hat es viele Bäume.
2. Sie sind klein und gedrungen.
Check! Misla ist wahrlich kein Riese und kompakt ist er erst recht.
3. Er hat einen kräftigen Schnabel.
Check! An Misla ist alles kräftig.
4. Viele Arten leben in der Nähe menschlicher Siedlungen.
Check! Misla hat Nachbarn, der eine heisst Heinz der andere René.
5. Sie nehmen gerne das Futterangebot von Menschen an.
Check! Das Lieblingsessen von Misla ist Pferdesteak vom Grill mit Kartoffelgratin.
6. Sie sind überwiegen Standvögel
Check! Misla war läuferisch stark, konnte aber auch aus dem Stand den tödlichen Pass spielen.
7. Im Winter schliessen sie sich oft zu gemischten Trupps zusammen.
Check! Wir verzichten hier jedoch auf Geschichten aus den Trainingslagern des FC Plaffeien, da der Artikel sonst nur zwischen 23:00 bis 05:00 Uhr aufgeschaltet werden dürfte.
Alle Voraussetzungen sind erfüllt. Ergo, Misla ist eine Meise…

Nun wollen wir aber von Beat Mülhauser wissen, ob "Misla" wirklich von "Meise" stammt. GsehschWie hat ihn in den Ferien in Kroatien erreicht. Dementsprechend relaxed antwortet er: "(Beat lacht) Nein, überhaupt nicht". Die wahre Geschichte ist jedoch viel besser. "In der Sekundarstufe waren wir auf einem Schulausflug. In einer Gondel gaben drei Freunde und ich uns gegenseitig Spitznamen. Ich erhielt den Namen "Misli". Wenn ich mich richtig daran erinnere, dann stammt "Misli" aus einem alten Schweizer Film. Dieser Spitzname ist mir bis heute geblieben. In den darauffolgenden Jahren wurde aus "Misli" "Misla". Komisch daran war, dass sich später herausstellte, dass mein Vater früher auch "Misli" genannt wurde."
Beat Mülhauser war ein begnadeter Fussballer und der klassische Spielmacher. Technisch, läuferisch und kämpferisch war er sackstark. Er wusste das Spiel zu lenken und hatte das Auge für den tödlichen Pass à la Cesc Fàbregas. Im Jahr als Freiburg-Gottéron die zwei besten Eishockeyspieler aller Zeiten, das Duo Bykov/ Khomutov, nach Freiburg holte, holte der 1. Liga Klub FC Beauregard den Mittelfeldstrategen ins Guintzet. Nach einer halben Saison wechselte er zum FC Plaffeien. "Mir fehlte einfach die Ambiance". Höher zu spielen, kam für ihn danach nicht mehr in Frage. In der Saison 98/99 stieg er mit Plaffeien in die 2. Liga auf. Dort henkte er mit routinierten 37 Jahren seine Fussballschuhe an den Nagel. "Misla, der Spielmacher."

Porträt 7:

Reto Spicher, "eine unglaubliche Geschichte"

Ein Jahrhunderttalent! Reto Spicher hatte das Zeug der beste Torhüter einer ganzen Schweizer Fussballgeneration zu werden. Doch dann kam alles anders! Die unglaubliche Geschichte des Reto Spichers.

Mit 12 Jahren wurde das Talent aus Heitenried entdeckt. Zu dieser Zeit hatte Reto Spicher bereits einen Auskick von dem heutige 1. Liga Golies nachts träumen. Die Juniorenauswahlen aus Freiburg holten den jungen Fussballverrückten ins St. Leonard und "Töla" - wie er noch heute genannt wird - wusste auch dort zu gefallen. Gross, athletisch, kräftig, reaktionsschnell und furchteinflössend. Reto Spicher war zudem mit einem weiten Auswurf, einem guten Auge für hohe Bälle und einem unglaublichen Stellungsspiel versehen. Das Beste kommt aber zum Schluss. Der Sensler war für einen Torhüter – und das war in den 90er Jahren auch bei Profis noch lange nicht der Fall - fussballerisch dermassen begabt, dass er auch als Stürmer hätte eingesetzt werden können. Um das Talent von "Töla" prägnant zusammen zu fassen: am Tag an dem Reto Spicher gezeugt wurde, ist der Fussballgott am Morgen gutgelaunt und auf dem richtigen Bein aufgestanden und hat sich gesagt: "Heute spiele ich "the next Peter Schmeichel". Ein Vergleich mit dem legendären dänischen Torhüter liegt schon nur wegen der verblüffenden Ähnlichkeit auf der Hand, aber auch von der Spielweise, vom Auftreten und vom Torhüterstyle her, ähneln sich Reto Spicher und Peter Schmeichel. Und der Sensler war eigentlich auch auf dem Weg eine ähnliche Karriere wie Peter Schmeichel zu machen.

Bereits früh wurde Reto in die Junioren-Nationalmannschaft berufen und trug mit Stolz das Schweizer Kreuz auf der Brust. In der "Nati" trug Spicher mit dem langjährigen Nationalmannschaftsgolie und heutigen Bundesligalegionär Diego Benaglio einen Zweikampf um den Platz als Stammtorhüter aus. Laut Experten war Diego Benaglio gemessen am Talent und den Leistungen klar die Nummer 2 hinter Reto Spicher in der Junioren-Nationalmannschaft. Trotzdem spielte Benaglio. Reto Spicher relativiert: "Benaglio war in diversen Belangen klar stärker als ich. Darum war ich stets die Nummer 2 hinter ihm, was für mich kein grosses Problem war". Bescheidenheit in Ehren, aber Gsehschwie ist nicht einverstanden. Benaglio hat es mit seinem Talent in die Bundesliga zu Wolfsburg geschafft, Reto Spicher hatte das Talent um bei Bayern München Nachfolger von Oliver Kahn zu werden. In der U19 Nationalmannschaft wurde ihm dann auf einer Auslandreise vom Trainer mitgeteilt, dass er kein Vertrauen in ihn habe, er aber gerne als zweiter Torhüter in der Nati bleiben könne. Reto Spicher zog die Konsequenzen aus dem Gespräch und trat aus der Nationalmannschaft zurück. Im Winter 1999 - im Jahr des legendären Champions League Finals zwischen Manchester United mit Peter Schmeichel und Bayern München mit Oliver Kahn im Tor - winkte ein Transfer von Freiburg zum damaligen Topklub Servette. Der Transfer kam aber aus mysteriösen Gründen nicht zustande. Reto Spicher erinnert sich: "Nach ein paar Gesprächen wurde der Wechsel konkreter. Doch plötzlich wurde ich informiert, dass Servette nicht in einen Torhüter investieren wolle und so platzte der Transfer. Komisch war nur, dass Servette ein Jahr später einen Torhüter verpflichtete. Im Nachhinein erfuhr ich, dass sich beim FC Freiburg einige Personen gegen einen Transfer zu Servette ausgesprochen hatten und mich nicht ziehen lassen wollten."

Danach wurde Fussball für Reto Spicher von der höchsten Priorität bis zur zweitschönsten Nebensache im Leben eines Mannes zurückgestuft. Er nennt es "weg von der Aussicht auf Leistungsfussball, rein ins Vergnügen des Amateurfussballs." Er wechselte zur damaligen 2. Liga Mannschaft des SC Düdingen, weil er mit dem FC Freiburg nach dem geplatzten Wechsel zu Servette nichts mehr zu tun haben wollte. Mit dem SCD stieg er bis in die 1. Liga auf. Auch in den Jahren in Düdingen erhielt "Töla" noch einmal eine Chance Profi zu werden. "Ich konnte zwei Wochen ein Probetraining bei Yverdon absolvieren. In meinem Umfeld wurde dies jedoch nicht wirklich unterstützt, weshalb ich beim SCD blieb." Nach einigen Jahren in Düdingen nahm er sich eine Auszeit vom Fussball. Doch Reto Spicher gab nochmals ein Comeback. Jedoch nicht als Torhüter, sondern als Stürmer bei der 3. Liga Mannschaft von Seisa 08. Vom grössten Schweizer Torhütertalent einer ganzen Generation, zum Stürmer in der 3. Liga! "Es war eine tolle Zeit. Heute würde ich sicher einiges anders machen", sagt Reto Spicher abschliessend. Die unglaubliche Geschichte des Reto Spichers!

Porträt 6:

Patrick Rudaz, "Mister Füdletrick"

Den guten alten "Füdletrick" zelebrierten in der gesamten Fussball-Eidgenossenschaft in den letzten 50 Jahren zwei Fussballer mit Abstand am schönsten. Stephane Chapuisat und Patrick Rudaz.

Einfach, aber effizient. Man täuscht einen Schuss mit dem besseren Fuss an – bei Rudaz Pädu war es der Rechte, bei Chappi der Linke – schiesst aber nicht, sondern zieht den Ball auf den schwächeren Buseinsteige-Fuss und lässt den Gegner ins Leere laufen. Das die Basics zum "Füdletrick". Tönt kompliziert, ist es aber nicht. Wenn man den "Füdletrick" aber wie Patrick Rudaz zelebriert, dann ist das Ganze etwas schwieriger zu erklären. Ich versuche es…

Man schaut dem Gegenspieler während dem man den Ball führt kurz in die Augen, nach einem kurzen Blick zur Spielerbank, wo alle stillschweigend zunicken und wissen was jetzt kommt, verlegt man das Körpergewicht leicht auf die linke Seite. Graziös, verbunden mit einem Augenzwinkern zur Freundin auf der Tribüne, schwingt man anschliessend das rechte Bein nach hinten um einen Schuss anzutäuschen. Dabei verzerrt man das Gesicht, wie man gerade einen Ball in die Leistengegend erhalten hätte um dem Gegenspieler mitzuteilen, ja genau, jetzt lasse ich einen Knaller los und lege meine ganze Kraft in diesen Schuss. Im letzten Moment, ohne zu vergessen den linken Arm in die Lüfte zu reissen, schwingt man dann aber das "Füdle" - darum "Füdletrick" - auf die linke Seite und zieht den Ball gekonnt vor dem Gegner vorbei. Danach gibt es zwei Varianten: entweder man lässt den Gegenspieler ins Leere laufen und setzt das Solo fort oder man setzt beim geringsten Körperkontakt zum sterbenden Schwan an. In beiden Fällen ist danach ein kurzer Blick zum Bierstand angesagt, der den fleissigen Helfern als Zeichen dient, um spätestens 45 Sekunden nach dem Schlusspfiff ein kühles Blondes bereit zu halten.

Patrick Rudaz ist gewiss aber nicht nur für seinen "Füdletrick" bekannt. Mit 24-Jahren wechselte der Schmittner zum FC Freiburg. “Lange habe ich gezögert, ob ein Wechsel wirklich das Richtige ist“, meint Patrick Rudaz. Dem Offensivspieler war die dritte Halbzeit sowie die Ambiance in der Mannschaft wichtiger, als die sportliche Herausforderung. „Klar hat mich das Thema Profifussballer irgendwie gereizt, aber ich bereue überhaupt nichts“ fügt der Schmittner an. Darum wechselte er zurück zum SC Düdingen, wo er 34-jährig seine aktive Karriere beendete. Nach dem Fussball, ist aber vor dem Fussball. Als TK-Chef des SC Düdingen führte er das Fanionteam aus dem Birchhölzli in die 1. Liga. Auch beruflich lebt Patrick Rudaz Fussball. Seit gefühlten 20 Jahren (seit dem Jahr 2003 in Schmitten, davor in Überstorf) führt er das Sportgeschäft Rudaz Sport, welches verschiedene Fussballklubs in Deutschfreiburg ausrüstet und unterstützt. Patrick Rudaz, "Mister Füdletrick".

Porträt 5:

Goran Musulin, "GOGO die Legende"

GOGO liess nicht die Puppen, aber die Gegenspieler tanzen und liess sie stehen wie einzementierte Gogo-Stangen. Ganz nach dem berühmten Zitat von Zlatan Ibrahimovic: "Erst ging ich nach links. Das machte er auch. Dann ging ich nach rechts. Das machte er auch. Dann ging ich wieder nach rechts und er ging und kaufte sich eine Wurst".

Über keinen Spieler gibt es in Deutschfreiburg so viele Legenden, wie über den Stürmer Goran Musulin. Und noch heute - insbesondere in diesem Portrait – werden neue Legenden geschaffen. Hier die Auswahl der besten 5 Legendengeschichten über Goran "Gogo" Musulin:

1. der Begriff "à gogo" (in rauen Mengen) ist auf Goran "Gogo" Musulin zurückzuführen. "Gogo" war schon immer "à gogo", vor allem was das Tore schiessen anbelangte, gab es nur ein Motto "mehr Tore, mehr Tore, mehr Tore".

2. die Zeichentrickserie "Inspector Gadget" basiert auf dem Leben von Goran Musulin. Darum "GoGo-Gadget-o-Arm oder GoGo-Gadet-o Beine".

3. Die E-Mail-Adresse von Zlatan Ibrahimovic lautet zlatan.ibrahimovic@goranmusulin.com.

4. Die Kreativabteilung der deutschen Fussballsendung "RAN" fand den Namen für die Sendung im Vornamen Go-RAN.

5. Goran Musulin wurde 2001 mit der Schweizer Synchronschwimm-Nationalmannschaft Weltmeister. Im Final schlug die Schweiz das eigentlich unschlagbare Nationalteam aus Russland. "GOGO" erzielte beim 3:0 Finalsieg einen lupenreinen Hattrick.

Ernst. Goran Musulin war ein Ausnahmekönner. Ob beim SC Düdingen, beim FC Freiburg, beim FC Thun oder als Jüngling bei den Berner Young Boys, "GOGO" schoss Tore am Laufmeter. Mit dem FC Thun stieg er in den 1990er-Jahren von der ersten Liga in die NLB auf und mit YB spielte er sogar im Schweizer Fussballkrösus NLA. Er träumte bereits als kleiner "gogo" von einer Fussballkarriere. Die grosse Karriere blieb "GOGO" aber verwehrt. Er meint passend zu seinem Spitznamen: "Ich habe immer auf zwei Hochzeiten getanzt. Fussball und Beruf. Als ich beim FC Thun war erhielt ich aber nicht aufgrund des Fussballs, sondern des Berufs Angebote aus dem Ausland. Darum entschied ich mich, meine Leidenschaft ganz dem Beruf zu widmen." Er selber kennt auch eine Legendengeschichte über seine Person: "Mir wurde bereits oft die Geschichte erzählt, dass ich mit rund 12 Jahren an einem Juniorenturnier in Amsterdam so viele Tore geschossen habe, dass Ajax Amsterdam und Eindhoven mich nicht zurück in die Schweiz lassen wollten. Meine Juniorentrainer überlegten kurz und brachten mich zu meinen Eltern in die Schweiz zurück".
Legenden werden nicht an Statistiken und NLA-Einsätzen gemessen, sondern eben gerade an den Geschichten, die man noch Jahre nach dem Karriereende über sie erzählt. Darum hier zum Schluss noch eine nicht ganz der Wahrheit entsprechende Legendengeschichte: Am Tag als Goran Musulin die ersten Fussballschuhe geschenkt wurden, entstand der Beruf des Torhütertrainers. GOGO, die Legende.

Porträt 4:

Anton Schaller – anno dazumal - 100% arbeitstätiger Topskorer

In den erfolgreichen Jahren des FC Fribourg fanden im Schnitt 12‘000 Zuschauer den Weg ins St. Leonard. Heute unvorstellbar…Fiebern dem Derby FCF-SCD – die besten Mannschaften im Kanton – offiziell 600 Zuschauer (inoffiziell ca. 350) auf den altehrwürdigen Steintribünen des Stadions entgegen.

In den glorreichen Zeiten des FC Freiburgs mit dabei, war der gebürtige „Gurmelsler“ Anton Schaller. Langezeit erzielte er Tore am „Lùùfmeter“ für die damals beste Deutschfreiburger Mannschaft, den FC Gurmels. Der junge Goalgetter, nicht verwunderlich, schaffte rassig den Sprung, zuerst über den FC Burgdorf, zu den Pingu’s an die Saane (FC Fribourg). In der Folge erreichte der FCF innert 4 Jahren den Aufstieg aus der 1. Liga in die höchste Schweizer Liga NLA. An vorderster Front wirkte der wirblige Anton Schaller mit. „Das grösste Highlight war 1969 das Derby gegen die BSC Youngs Boys im übervollen St. Leonard mit 17‘500 Zuschauer“ meint der in der Vergangenheit schwelgende Topskorer. „1/3 mit rechts, 1/3 mit links und 1/3 mit dem Kopf“: das seine Torstatistik.Nach dem erneuten Abstieg in die NLB, wechselte Schaller an den Vierwaldstädtersee zum FC Luzern.
Zu dieser Zeit waren solche Transfers eher unüblich, verborg dieser Wechsel doch etliche Risiken. Die meisten der NLA Fussballer waren 100% berufstätig und absolvierten die ca. 6 Trainingseinheiten über den Mittag oder dann am Feierabend. Nur mit dem „Fussballer-Lohn“ konnte kaum einer überleben. „Unglaublich, aber nicht einmal an der Fasnacht in Luzern konnte ich teilnehmen“ fügt Schaller Anton mit einem Lächeln als Beweis für die durchaus intensive Zeit an.

Anton Schaller trug während 4 Jahren die Farben der Zentralschweizer. Trotz des Titels des internen Topskorers, war ein Nati-Aufgebot nie ein Thema. Mit 32 Jahren respektive 1975 hängte der heutige Wahl-Düdinger die Fussballschuhe an den Nagel und engagierte sich in Entwicklungsprojekten in Afrika (Mali,Senegal, Burkina Faso).

Nach wie vor verfolgt er wenn möglich die Fussballgeschehnisse in unserer Region. „Der heutige Fussball ist sicherlich durch die verbesserten Rahmenbedingungen, wie Trainingstechniken, Ruhephasen, Medizin etc. athletischer und schneller geworden. Das fussballerische Talent, die Ballbehandlung und das Verständnis für das Spiel sei doch unverändert geblieben“, fügt Schaller dazu.

Porträt 3:

André Portmann, der trainingsfaule Goalgetter

„Hopp u hüü - FCÜ“ steht auf der Internetseite des FC Überstorf. Dieses Motto passt – ausser auf die Trainings - auch zu einem der grössten Deutschfreiburger-Torjägern aller Zeiten. André Portmann.

Ein Weggefährte beschreibt André Portmann als ruhig, gemütlich und witzig. Auf dem Fussballplatz war er aber für die gegnerische Verteidigung alles andere als gemütlich und witzig, vor dem Tor gar humorlos. Ein Goalgetter ist per Definition „ein Stürmer mit ausgeprägtem Torinstinkt der viele Tore schiesst“. Eine Definition, die André Portmann seit seiner Kindheit verinnerlicht hat. Kennt ihr das Kinderspiel, wo verschieden geformte Bauklötze in einen Würfel mit verschiedenen Öffnungen gesteckt werden müssen? Ganz einfach. Den viereckigen Klotz in die viereckige Öffnung, den runden Klotz ins runde Loch usw. Wir sind uns sicher, dass André Portmann bereits dabei gelernt hat, dass das Runde auch ins Eckige passt... Als Kind schoss er das Runde rund 30 Mal pro Saison auf dem Fussballplatz ins Eckige und in der 2. Liga stehen rund 100 Treffer auf seinem Skorerkonto. „Obwohl ich keine überragende Stärken hatte, ich hatte weder einen super Schuss, noch war ich extrem schnell, habe ich immer meine Tore gemacht. Meine grösste Stärke war, dass ich vor dem Tor nie nervös wurde“, sagt der bescheidene Überstorfer. „Eiskalt“, fügt sein Weggefährte hinzu. Profifussballer zu werden, war jedoch nie ein Ziel des Stürmers. „Ich wollte lieber mit Kollegen spielen und die 3. Halbzeit bei einem Bier geniessen“. Auf seine älteren Fussballer-Tage wurde er vom Stürmer zum Innenverteidiger umfunktioniert. Eine Horrorvorstellung für jeden gegnerischen Angreifer. Denn wer weiss besser wohin der Ball in den 16er fliegt, als ein gebürtiger Goalgetter? André Portmann hatte zwar ein-zwei Angebote von ambitionierteren 2. Liga-Mannschaften, aber ein Wechsel war für ihn kein Thema. „Ich war nie ein Trainingsweltmeister und konnte mir nicht vorstellen mehr als zwei Mal pro Woche zu trainieren. Ich weigerte mich auch in Überstorf immer mehr als zwei Trainings pro Woche zu machen, was einige Trainer wollten“. Wenn es dann aber um die Wurst ging, war André Portmann ein Kämpfer und gab auf dem Fussballplatz alles für seine Farben, ganz nach dem Motto „Hopp u hüü – FCÜ“. André Portmann der trainingsfaule Goalgetter.

Porträt 2:

Fabian Brügger, der „Mechaniker mit Wucht“

Der Senser Oberländer – besser bekannt als „Figa“ erlebte vor gut 12 Jahren seinen Karrierehöhepunkt.

Foto: scduedingen.ch

Geschichten, die nur der Fussball-Cup schreibt. Am 18. September 2005 wandern 5300 Fussballfans ins Birchhölzli in Düdingen. Der SC Düdingen (1. Liga) empfängt den FC Thun, der in diesen Tagen in der Fussball Champions League für Furore sorgt. David gegen Goliath oder Dorfverein gegen Champions League Teilnehmer.
Im Vorfeld hatten dutzende Heinzelmännchen das Fussball-Fest auf dem Birchhölzli organisiert. Der SCD schlug sich gegen den FC Thun bravurös und unterlag nur knapp mit 0:1. Mittendrin, statt nur dabei, Fabian Brügger. Ein Fussball-Fest, das in die Geschichte Deutschfreiburgs einging. Vor Ort war auch das Schweizer Fernsehen. Und das beherzte Auftreten von Fabian Brügger blieb nicht unbemerkt. Sein Auftritt sorgte sogar für Worte im Staatsfernsehen, die jedem Deutschfreiburger Fussball-Fanatiker unvergessen bleiben. „Fabian Brügger, der Machaniker mit Wucht“ schreite der SRF-Journalist im Sportpanorama ins Mikrofon, als „Figa“ den Ball aus 20 Metern knapp am Tor vorbeidonnerte. Ein Moment, den Fabian Brügger nie vergessen wird: „Wenn er reingegangen wäre, hätte der SC Düdingen eine Super League Mannschaft geschlagen. Etwas das vielleicht nie passieren wird“, sagte Brügger gut 10 Jahre später.
Heute ist Fabian Brügger noch immer ein Eckpfeiler der 1. Liga Mannschaft des SC Düdingen. Auch wenn er die Voraussetzungen zum Profi gewiss gehabt hätte, sagt er heute: „Fussballerisch und körperlich hat es nicht gereicht. Die Kollegen und der Beruf waren mir sehr wichtig. Ausserdem braucht man ein bisschen Glück“.
Eines soll hier für immer geklärt werden... Warum im Namen aller Fussballgötter wird Fabian Brügger „Figa“ genannt? Eigentlich sollte man diese Frage dem ehemaligen SCD-Trainer und Nationalspieler Adrian Kunz stellen. Denn er pflegte es ohne wenn und aber bei jedem Spiel – den nicht ganz korrekten Spitznamen „Figge“ - über den Platz zu brüllen „Figge, Figge hingere Bau“! Ob er wirklich wusste, für was das Wort „Figge“ im Senslerdeutsch auch gebraucht wird? Fabian Brügger gibt mit einem Lächeln das folgende Statement zu seinem Spitznamen ab: „In Plaffeien hatte ich eine Auseinandersetzung mit einem Gegenspieler. Ich sagte ihm „Figfrita“. Das bekam ein Mitspieler mit und so kam der abgekürzte Spitzname „Figa“ zustande“.
„Figa“, der Mechaniker mit Wucht.

Text: GsehschWie

Porträt #1

Michael Stulz, 33 - der Zinédine „Zizou“ Zidane von Deutschfreiburg

In den 90er Jahren gab es für alle Junioren-Trainer in Deutschfreiburg eine doppelte Regel, die in jeder Matchansprache wiederholt wurde: „den Captain und denjenigen mit den langen Haaren müsst ihr auf Mann decken“. Bei Michael Stulz traf beides zu.

An einem wunderschönen Sonntagnachmittag in der Motta in der Freiburger Unterstadt: Michael Stulz schlägt mit einem Freund aus Zeitvertreib - und weil Fussball einfach Spass macht - lange Bälle. Plötzlich eilen drei junge Burschen dazu. Ehrfürchtig bleiben sie vor Michael Stulz stehen und fragen: „c’est toi Zizou du SC Guin?“. Perplex antwortet er schmunzelnd: „Oui. On m’appelle Zizou“. Ein grosser Übername, der zeigt, welches Potential in ihm steckte.

Ein grosser Übername, der wie die Faust aufs Auge passt. Wie der grosse Zinédine Zidane verpönte der gebürtige Tafersner auf den Ball zu schlagen, streichelte ihn lieber, wie ein Liebhaber seine Geliebte vor dem Koitus bezirzt. Wie Zinédine „Coup de Boule“ Zidane liess er die Gegner Salsa tanzen, bevor er den Ball weiterspielte. Torgefährlich, technisch überbegabt und kopfballstark. Ein Alleskönner mit überragender Spielübersicht wie es der richtige Zizou auch war. Doch trotz dem grossen Übernamen stehen auf der Karrieretafel des Mittelfeldstrategen heute keine NLA oder NLB-Spiele. Gefühlte 300 Spiele in der 1. Liga (SC Düdingen und FC Freiburg), mit gut 100 Toren stehen zu Buche. Die Scouts der Young Boys sahen sich den heutigen 3. Liga Kicker des FC Tafers drei-viermal genauer an. Doch an diesen Sonntagen konnte er nicht überzeugen. Nicht schlimm, befand Stulz, der gar nicht die Zeit gehabt hätte sich 24/7 auf Fussball zu konzentrieren. Wie hätte er neben dem Fussball sonst den grossen Forellen in der Saane, den Torhütern in der Plausch-Hockeyliga oder den kühlen Blonden auf einer Terrasse gefährlich werden sollen?

Und sowieso: Wer über Bezirksgrenzen hinaus als Zizou angesprochen wird, muss eigentlich nicht Profi werden, um es geschafft zu haben.

Text: GsehschWie