Carte Blanche #79

A Plattform fùr d Seisler

D Seisler ù iines Leischtige besser waarnää – das isch d Idee vo seisler.swiss. Ùnder dem Label chùnt senseness uusggläbbt.


Natüürlich gits scho allerlei Labels ùf der Wäut. Vo Bio bis Max Havelaar, vo AOP bis FineFood, vo ISO bis Minergie. O regionaau setze Terroir Fribourg (Produkte aus dem Freiburgerland) oder Naturpark Gantrisch ùf Qualität im oder rùnd im ds Seiselann.
Aber as git nüüt, wo Lütt ù Produkt ù Region ù Qualität zämenǜmmt ù verbindt. Ù di Lǜcka wott seisler.swiss stopfe: As isch a gmeinsami Plattform fùr Seisler Leischtige, Produkt ù Persoone besser z vermarkte. Näbe Firme sǜǜ o Sport- ù Kulturveriine, Soziau-Institutioone ù so Platz haa.
As Label, wo d Seisler Gsöuschaft abbǜüdet. As Gmeinschaftslabel. Iis, wo im Gebiet sich uusspriitet ù näy i ds Wäutscha ù i d Tütschschwyz usiwachst. Di sǜǜ o wǜsse, was mer hii ù chii.

Vilicht hiit er scho eerschti Chlääbere a de Outo gsee mit seisler.swiss. Nüümitgliider gits o scho a Zyleta – ù o Kandidaate fùr ds Label. Das chùnt guet! 7 Lütt hii itz as Jaar lang entwicklet – itz giits loos.
Am 29. Abrele gits de Startschùss (am Sächsi i de Taverna z Taafersch). Da chäme d Botschafterine ù Botschafter vorgstöut ùn a jäärlicha Pryys. Ù da gseet mù o graad, wäär aus mitmacht.
Wier sy sicher: seisler.swiss isch identitätsstǜftend ù bringt d Seisler zäme usi. As hǜüft de Seislerine ù Seisler ù iines Produkt ù Leischtige. Das lùùft scho: Di eerschti Aachǜndigùng het i de Meedie ù bi de Lütt as groosses Echo ggää.
Mitmache? Ùf www.seisler.swiss gits ali Mǜglichkiite: Vo de 6 Chlääbere bis zùm Aatraag fùr ds Label. Ù vilicht hiit er ja no Idee-e, was mù o no chenti entwickle?

PS: I ha am Aafang vo Senseness (Senslertum) ggredt. Dezue no a Gedanke: As git scho a Zyleta Hollywood-Fǜüme ùber d Seisler. Hie nùme di zwee wichtigschte: Sense and Sensibility, a Verfǜümig vom Roman vo de Jane Austen. Das hiisst wörtlich: «Sense und Senslersein». Ù de Psychothriller The sixth sense vo 1999. Wörtlich «de sächst Seisler». Da giits drùm, dass scho di 6. Generation Seisler Voorrytter vo der Wäut sygi. ;-)

- Christian Schmutz

Carte Blanche #78

«ICH KRIEG DIE KRISE...»

Wir Menschen sind innerlich Weltmeister im Verdrängen und im Ausblenden.
Wie sagen wir doch: wenns um die eigenen Themen geht, sind wir «betriebsblind» oder der «blinde Fleck» verhindert uns die Sicht – vor lauter Bäumen sehen wir den Wald nicht mehr…
Und doch steht der Weg zur Lösung meist direkt vor unserer Nase und wir suchen viel zu weit. Häufig würden wir das, was uns entspricht sehr wohl ausfindig machen können, haben aber Angst vor den Konsequenzen und… drücken es weg. Wie «aus heiterem Himmel» befinden wir uns dann auf einmal in einer schwierigen Situation – Krankheit, Krise, Trennung, Jobverlust usw. - und meinen, das Leben meine es gar nicht mehr gut mit uns.
Doch, wenn wir ehrlich sind, können wir auf die subtilen Anzeichen im Vorfeld zurückschauen, welche uns leise mitteilen wollten, dass wir von unserem Seelenweg abgekommen sind.



Was ist die Botschaft einer Krise?
Bildlich gesehen kann man sich vorstellen, dass jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten seinen ganz eigenen Fluss zur Verfügung hat, in dem er sich gut fortbewegen und entwickeln kann, wie es ihm am besten entspricht.
Die Verführung ist aber gross, aus dem eigenen Fluss auszusteigen und Wege zu gehen, die andere gehen.
Dinge zu wollen, die andere haben. Ziele zu erreichen, die andere erreicht haben. Es ist ein leichtes, vom eigenen Weg abzukommen, weil das Aussen für uns so viel mehr zu sein SCHEINT, als unser eigenes. So passiert es also, dass wir uns auf einmal weit entfernt von unserem persönlichen «Fluss» befinden und uns total verirrt haben im Aussen. Wenn nun DU das Leben wärst (im übergeordneten Sinne) und DIR klar machen möchtest, dass du dich – ohne es zu wissen - verirrt hast und dich überhaupt nicht mehr an DEINEM, dir eigenen Platz befindest:
Was würdest du als «Leben» unternehmen, um dir das klar zu machen?? Wahrscheinlich würdest du einen mehr oder weniger heftigen Weckruf aussenden, dich wachrütteln oder nötigenfalls den «Bleihammer» einsetzen, oder? Je weniger dein «Erdenling» zuhören möchte, desto heftiger müssten die Massnahmen doch werden…

 

Woran erkennen wir, dass wir uns neben unserer Spur befinden?
Wenn wir unsere Lebensbereiche ehrlich reflektieren, dann finden wir ziemlich schnell heraus, in welchem Bereich wir uns selbst etwas vormachen, wo wir die subtilen Zeichen verdrängen und wo wir besser einmal genauer hinschauen sollten.
Unzufriedenheit, Negativität, mangelnde Begeisterungsfähigkeit ziehen uns weg von unserer «Mitte». Es ist eine Utopie zu glauben, es komme jemand bei uns vorbei und regle das schon.
Selbst Medikamente beheben häufig nicht die Ursachen sondern unterdrücken die Symptome, wobei wir wieder beim Ausblenden wären. Ob dadurch das Leiden wirklich in der Wurzel geheilt wird ist fraglich…
Unterstützung ist wichtig, aber die eigentliche Lösung liegt in uns selbst.

 

Was können wir tun, um Krisen früh genug abzufangen?
Zuhören!! Die innere Stimme drängt sich nicht auf. Sie ist leise und unspektakulär. Wir hören sie nicht im lauten Getöse des Alltags und unserer äusseren Sensationen.
Nein – wir hören sie nur, wenn wir ruhig werden und uns einen Moment Zeit geben, die Wahrnehmung wieder nach innen zu richten und unser Dasein ehrlich reflektieren.
Wir können davon ausgehen, dass uns jederzeit alles nötige zur Verfügung steht. Es ist also nicht eine Frage des Mangels, sondern eher eine Frage der Ausrichtung. Wo lenke ich meine Aufmerksamkeit denn hin?
Macht das für mich Sinn oder bin ich völlig in der Ablenkung und im Funktionieren gelandet? Zurück zur Mitte können wir jederzeit, denn sie ist immer da. Die Frage ist nur, wo bin ich?

 

Total «im Flow»…
Solche Zustände sind unter Umständen rar, aber jeder kennt diese Momente, in denen  sich alles wie von Zauberhand ergibt und spürbar ist, dass «es» fliesst. Zurück zu unserem Bild würden wir uns in einem solchen Moment mitten in unserem eigenen Fluss befinden, im Vertrauen, dass genau das unser Weg ist.
Natürlich können wir diesen Zustand nicht jederzeit aufrechterhalten. Schön ist es aber, diesen optimalen Seinszustand als Ziel, als unser Ideal anzupeilen und dieser Möglichkeit Vertrauen zu schenken.
Wir sollten uns nicht zufrieden geben, uns an der Oberfläche zu bewegen. Es ist die Tiefe in allem, die uns heilt. Die Tiefe, die uns im Innersten erreicht und uns fühlen lässt, dass unser Dasein SINN ergibt. Und diese SINNhaftigkeit bringt letztendlich  Heilung.

-
Barbara Andrey, Corason

www.cora-son.ch

Carte Blanche #77

Repsychling? Leiden eines Abfalltrenners

Dienstagmorgen habe ich zum ersten Mal die nigelnagelneue Grünguttonne zum Abholen auf unseren Parkplatz gerollt. Die Regeln sind klar: Grünes und andersfarbige Pflanzen finden dort drin Platz. Gekochtes, Gekotztes oder Gekacktes hingegen nicht, obwohl dies schon halb vergammelt wäre. Dann gibt es noch die Plastiksäcke zum Sammeln von Plastikabfall aller Art. Diese haben es in sich.

Um es vorweg zu nehmen: Diese riesigen Plastiksäcke erhält man weder beim Grossverteiler noch im Dorfladen. Es müssen schon Recyclingfirmen sein. In diesen Säcken sollen Kunststoffabfälle aller Art Platz finden: Das geht von fast natürlich klingendem Cellulosehydrat über böses Harnstoff-Formaldehydharz zu Polybutylenterephthalat und geläufigem Polyester, was trotzdem nicht weniger Umweltprobleme als Cyclo-Olefin-Copolymere verursacht. Was suchen diese grundverschiedenen Kunststoffe in einem Sack? Eine rezyklatorische Gleichbehandlung dieser dutzendweise existierenden und teilweise grundsätzlich unterschiedlichen Kunststoffe ist nämlich nicht möglich – ausser, es würde alles im selben Cheminée landen.

Hier stellt sich eine Sinnfrage, vor allem auch, wenn man lesen muss, dass diese mit 1001 verschiedenen Kunststoffen gefüllten Säcke in die Ostschweiz gefahren werden, von dort teilweise nach Süddeutschland, um das weiterentwickelte Produkt wiederum in der Schweiz zu finalisieren, speziell, seitdem China unsere minderwertigen Kunststoffe nicht mehr entgegennimmt. Trennen kleine chinesische Hände in Konstanz die Spreu vom Weizen, das Ethylen vom Poly und das Urethan vom Ester? Nicht umsonst gilt die Kunststoffsammlung als gross angelegte Verbrennungsaktion. Umweltschutzgedanken werden zu (Alp)träumen.

Dies ist aber nur eine technische Knacknuss. Die kunststoffsammelnden Menschen stehen vor viel irdischeren Knacknüssen – nehmen wir das Beispiel zu Hause: Landwirte betreiben die Dreifelderwirtschaft, meine Frau eine Fünfsacktrennung. Nicht nur müssen PET, Tetra, Glas und Blech/Alu von einem gemeinsamen Sack in vier Taschen aufgebrösmelt werden, nein, den papierenen Plastiksackauffangpapiersammelsack, das Haifischbecken der Erdölindustrie, gibt es auch noch. Aus diesem hundsgewöhnlichen Papiersack voller Kunststoffe wird Plastik aller Art hin und her geschoben, umgetischt, neu beurteilt, falsch geurteilt. Welches Fötzelchen geht nun in welche Richtung? Da spielt es am Ende keine Rolle mehr, ob Plastik im Papiersack oder Papier im Plastiksack landet, Hauptsache irgendwie getrennt, oder ein bisschen gemischt oder alles zusammen, die kleinen Hände kommen später ja auch noch.

Fragen stellen darf man sich dabei nicht: Unter welchen Rohstoff/Abfall geht zum Beispiel das Zigarettenschachtelinnenpapierchen? Ist das nun papierenes Aluminium, plastifiziertes Aluminium oder alufiziertes Papierplastik – und in welchen Sack gehört dieser Zwitter? Oder der Stocki-Beutel: Aluminium oder Kunststoff? Und die grosse Frage folgt sogleich: Was bringt des Schweizers ganze Getrenne und Gesammle am Ende unserem Planeten? Ich weiss es nicht, aber sammle und trenne weiter.

- Mario Corpataux

Carte Blanche #76

Alaskeese

D Spraach isch komplizierter, aus mù mengisch mint. Hie a chlyyna Dialog.

Dù, Pouli… Wy hiisse nùme scho d Bewooner vo Alaska?
       Ja, i kene doch dii nit ali.
Neei, wiisch augemiin. Dii z Portugal hiisse Portugyyse.
       Dem Fau awägg d Alaskyyse.
As chenti aber o wy bi Tütsche – Alaskütsche hiisse.
       Wi bi Franzoose – Alaskoose.
Wi d Brytte – Alaskytte.
       Wy d Elfenbeinküsteler – d Alasküsste-er.
Oder wy bi de Dääne ù de Iire chùrz ù schmäärzloos: d Alas.
       Ou dùù, Bärti, säg daas jaa nit lutt.
Okay, probiere mer haut wytter: Z Alaska gits sicher o Eskimo. Drùm Alaskimo?
       Neei, Eskimo tarf mù o nüme sääge, das sygi itz Inuit.
Dem Fau haut Alaskit.
       Analog zu de Baske sys vilicht d Alaske.
Oder zu de Madegasse ifach d Alaskasse.
       Wy Zyprioote sys d Alaskoote.
Statt d Irokeese sys d Alaskeese.
       Wy d Schlǜndler d Alaskǜndler.
Oder wy d Paraguayer – d Alaskayer.
       Gau, eener het mù no gsiit "Paraguayaner" –
De passti no guet d Alaskayaner.
       Dùù, Bärti …
Hä?!
       I ha ging gmint, Alaska sygi so dǜnn besidlet.
Ja dùù. Ù debyy gits det x-maau mee Soorte vo Lütt aus bi üüs Multikulti-Schwytzer.
       Ja, ù dem Fau sogaar no: d Alaskytzer.

Ù hie no a regionaala Zuesatz zù dene Alaskytzer:
            We iina vom Schwarzsee vǜra chùnt. Siit mù dem Schwarzsee-er oder Schwarzseener oder Schwarzseeler?
Auso Schwarz-Sëer wee ja dää, wo ging schwarz gseet. A Schwarz-Seener, dä seenet sich so jùscht nach schwarz. O nit guet. Oder a Schwarz-Seeler het demfau a schwarzi Seeu.
            De sääge mer doch lieber «Schlǜndler» – ù miine demit awä, dass si gäär gglüggle oder sǜǜrggele, emù Züüg bi iine i Schlùnn aylööse.
Ja, das han i daiinisch o ddeicht, won i Kǜder i de Seisa ùne gsee haa: da het awä a Schwarzseeler Züüg i Schlùnn ayglööst!
            Ù asoo hii mer de Kreis ùmmi gschlosse.
Auso: Schlǜndler passt tipptopp fùr dii vom Schwarzsee. Gsùnhiit!

- Christian Schmutz

Gottéron-Blog

Humor ist, wenn man trotzdem lacht...

Will ein Berner einen Freiburger in diesen Tagen in Depressionen stürzen, dann muss er nur das Wort "Playout" in den Mund nehmen. Das beste Heilmittel gegen Niedergeschlagenheit ist bekanntlich zu lachen. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, die verpassten Playoffs von Freiburg-Gottéron mit einigen typischen Erklärungsversuchen der Gottéron-Fans zu rekapitulieren und diese mit einer Prise Ironie ins Lächerliche zu ziehen. Humor ist eben, wenn man wirklich trotzdem lacht:


 
"Freiburg-Gottéron war zu wenig konstant"
Wer dies behauptet, der irrt sich gewaltig. Immerhin ist Freiburg-Gottéron die einzige Mannschaft im Schweizer Eishockey, die es in den letzten fünf Jahren geschafft hat, Playoff und Playout stets abzuwechseln. Freiburg-Gottéron hat die Playoffs in den Saisons 2014/2015, 2016/2017 und 2018/2019 verpasst. Das nennt man Konstanz!
 
"Das Powerplay von Freiburg-Gottéron war zu schwach"
Falsch. Die beiden Powerplay-Formationen von Freiburg-Gottéron haben in dieser Saison defensiv überragend gespielt.
 
"Freiburg-Gottéron hatte diese Saison die schlechtesten Ausländer der Liga"
Hier übersehen die Fans, dass Sportchef Christian Dubé mit Andrew Miller, Jakob Micflikier und Charles Bertrand drei zweikampfstarke Defensivstürmer verpflichtet hat, um die Verteidigung zu stabilisieren. Immerhin gehörten die Drachen in der Qualifikation zu den Mannschaften, die am wenigsten Tore erhalten haben.
 
"Die Spieler von Freiburg-Gottéron haben keine Winner-Mentalität"
Auch dies kann so nicht unterschrieben werden. Wer den Herren Bykov, Mottet, Marchon und Waeber am Mittag im Café Populaire beim UNO spielen zusieht, kann bezeugen, dass es jedenfalls beim Kartenspiel um Leben und Tod geht.
 
"Freiburg-Gottéron war zu wenig aufopferungsvoll"
Hier liegen die Möchtegern-Experten falsch. Wenn ein Gottéron-Spieler einen Schuss blockt, dann schlagen alle anderen Mitspieler mit dem Stock gegen die Bande und einige Teamkollegen schreien sogar wie die Frau aus der Zalando-Werbung. Dies zeugt davon, dass Aufopferung beim French-Team hochgeschrieben wird. Nur stellt sich die Frage, warum die Gegner geblockte Schüsse nicht wie die Spieler von Freiburg-Gottéron feiern. Ah ja, bei den anderen Mannschaften ist es seit Jahren normal, dass die Spieler Schüsse blocken...
 
"Der Sportchef Christian Dubé hat bei den Transfers versagt"
Berra, Furrer, Walser, Schneeberger, Lhotak und Miller. Diese Namen sorgten dafür, dass Freiburg-Gottéron im Sommer als einer der Transfersieger dastand. Trotzdem hat es für die Playoffs nicht gereicht. Aber der Sportchef zeigt auch dieses Mal, dass er aus seinen Fehlern lernt. Auf die neue Saison hin hat er darum bisher erst einen Toptransfer getätigt. Adrien "Bouby" Lauper.
 
"74 Punkte hätten in allen anderen Saisons für die Playoff-Qualifikation gereicht"
Na und? Playout! Verdammt nochmal... Humor reicht in diesem Jahr leider nicht, um über die verpassten Playoffs hinwegzukommen.

Verurteilende Medienbeiträge – wie oft glauben wir was wir hören?

Momenten wird viel über Christina von Dreien geschrieben.
Grad heute Morgen habe ich gelesen, dass sie neustens als Nachfolgerin der verstorbenen Sektenanführerin Uriella gilt.


Das scheint mir doch ein unfaires und unterdrückendes Urteil zu sein. Die vielen negativen Kommentare über diese junge Frau haben das Urteil noch verstärkt und mir zu denken gegeben. Als ich meinen Kommentar dazu eingeschickt habe, kam kurz darauf die Meldung, dass der Diskussionsraum geschlossen sei.
Ein Zeichen, dass eine aussagekräftige positive Rückmeldung,  die zum Nachdenken anregt, gar nicht gefragt ist?


Ich habe einzig angemerkt, dass sich doch jeder selber ein Bild davon machen und die Verantwortung für sein Leben persönlich in die Hand nehmen soll. Wir glauben vielfach, was wir hören und urteilen ohne darüber Nachzudenken über Sachen von denen wir keine Ahnung haben.


Zudem ist es doch nach wie vor so, dass viele Medien lieber das Destruktive fördern, als die Menschen darin zu unterstützen, sich eine positivere Weltanschauung anzueignen.

Was ist es denn, das Tausende von Menschen hinhören lässt, wenn diese junge Frau auftritt? Was macht es aus, dass so viele Menschen auf der Suche sind nach Antworten auf ihre ungelösten Fragen? Was produziert denn in unserer Gesellschaft die Menge an körperlichen und psychischen Störungen?

Ich bin der Meinung, dass der Zugang zu vielen Problemlösungen in uns Menschen liegt. Und dahin finden wir nur mit einem erweiterten Bewusstsein. Was ist daran falsch, wenn es Leute gibt, die sich motiviert fühlen, den Menschen diesen Zugang zu ermöglichen? Wir haben ja jederzeit die Wahl!

Es geht mir nicht darum, Sie zu manipulieren, nein: Sie sollen selber denken und sich selber ein Bild darüber machen. Informieren Sie sich, bevor Sie urteilen – worüber auch immer.

Ich finde es sehr untolerant, etwas zu erniedrigen, das man nicht besser kennt. Das ist leider ein Phänomen, das sich heute immer wieder zeigt. Und weil die Medien eine so grosse Macht über uns haben, wird unser Denken und Handeln auch sehr von aussen gesteuert. Was das mit uns anrichten kann, hinterfragen hingegen nur wenige.

Werden wir doch etwas mutiger und wagen es, eigene und neue Gedanken zu denken, so dass wir auch neue Lösungen für alte Probleme und all unsere anstehenden Herausforderungen finden können. Das wäre doch spannend und öffnet den Horizont.

- Rita Zumwald
Corason – herzhaft begleiten und bewegen

Carte Blanche #75

Ständig uf de Suechi

Wonach eigentlich? Nach noch mehr Spass, Action, Erlebnissen,
Unterhaltung...? Likes, Leistung, Anerkennung? Herausforderung,
Urkunden, Diplomen, Auszeichnungen? Noch gesünderer Ernährung,
noch mehr Sport, noch mehr Hobbies...? Noch mehr Posts, Chats und
geteilte Inhalte? Nochmehr «Hie ù Da ù Dett»? Alles schön und
gut, darin liegt ja auch viel Positives. Aber hat sich da nicht
unbemerkt und leise eine Grenze verschoben, die zwar heute als
«normal» gilt, aber doch irgendwie ungesund ist? Die grosse Masse
macht es so, darum scheint es «normal» zu sein.
Und doch häufen sich innerliche Zustände wie Frustration,
Selbstzweifel, Ängste, Dauermüdigkeit, Erschöpftsein, Depression
bis hin zu Burnout. All die hohen Anforderungen an das Alltagsleben
und -erleben scheinen heute der Normalität zu entsprechen. So wird
jener, für den das Ganze zuviel ist, sich ständig hinterfragen und
kritisieren, warum er denn nicht damit klarkommt... Er fühlt sich
«anders» also nicht «normal».
Was aber, wenn es eigentlich unsere «Normalität» ist, welche sich
in eine krankhafte Richtung entwickelt??? Wenn die Grenzen der
Gesellschaft dort angelegt sind, wo es längst nicht mehr für jedes
Individuum fördernd oder überhaupt auszuhalten ist? Wie kommt man
denn raus aus diesem Hamsterrad? Es scheint dazu nur ein
«Entweder-Oder» zu geben. Entweder treibt man sich an, es zu
schaffen der sogenannten «Normalität» von heute standzuhalten
oder man klinkt sich aus und... vereinsamt as bitzeli...
Irgendwie kommt uns das direkte, vertrauensvolle Gespräch, die
Tiefe und Verbundenheit in Begegnungen etwas abhanden. Viel mehr
vordergründig zeigt sich eine scheinbar perfekte «Welt der
anderen» im Aussen, welcher man versucht ist gerecht zu werden - ob
mit oder ohne unterschwelligem und verdrängtem Stressempfinden.
Sind es wirklich äussere Werte, die in uns ein nachhaltiges
Zufriedenheitsgefühl wecken und uns im Leben den nötigen Halt
bieten? Äussere Werte, die unsere Gesundheit stärken und uns
wiederstandsfähig machen??
Wie wäre es, einmal dem Drang zu wiederstehen, ständig nach aussen
schauen zu wollen – zu vergleichen – zu wieauchimmern... Wie
wäre es, die äusseren Reize bewusster zu dosieren, resp. zu
reduzieren? Anstatt sich hauptsächlich im Aussen aufzuhalten, sich
häufiger zurückzuziehen? Die Ruhe und das Stillsein auszuhalten,
um sie irgendwann gar geniessen zu können? Hinzuhorchen, was denn
die leise, unaufdringliche, innere Stimme so zu erzählen vermag?
Klingt evt. nicht nach Sensation... Und doch werden wir wohl eher in
unserer inneren, scheinbar unspektakulären Welt die nötigen Tools
und Techniken entdecken, welche uns mit der Zeit den wahren Halt
bieten. Es wäre schade, wenn wir vor lauter Äusserlichkeiten den
Blick auf unser Inneres vernachlässigen... Eine Welt, die uns so
manches Leid im Aussen ersparen könnte, wenn wir ihr früh genug
lauschen würden.

Chùmm hiim
Chùmm hiim, we de Aabe chùnnt. Ù tue de vergangena Taag mit syri
Urueh, syne Usaforderige, Erwartige ù Ängscht ablege. Chùmm hiim,
wenes fyyschter chùnnt. Ù chùmm id Stüli, wo di mit Früde,
Wermi ù Geborgehiit tuet yylaade, d Lääbesquella i dyri Mitti
nüü z entdecke ù us iira z schöpfe. Chùmm hiim, we Füraabe
isch ù tue di ùf z Wäsentlicha bsüne, wo dyni Seu mit heilende
Chräft tuet sterche. Chùmm hiim, we de Aabe chùnnt.
Chùmm hiim zù dier.

- Barbara Andrey - www.cora-son.ch

Carte Blanche #74

Seislertütsch vom Oberlann ùf Japan

As git spraachlichi Spuure vom Seisebezirk i de haubi Wäut ùma.
Zùm Byschpǜü bis ùf Japan.

As git as Ggrǜcht, dass äbe im Seisler Oberlann o maau son a Atomreakter gschtanen isch. Ù wo dää i d Lùft isch, 1814, hii ali mit ama Chopfschüttle ù Achsùzùcke gsiit: super, gau! –Wo z Fukushima dä wäuts Tsunami de Atomreakter verfläderet het, da het mù vom a GAU ggredt: im Grööschte Anzunehmende Ùnfau. Meischtens potenziere daas d Lütt no zùm a Super-Gau. Auso no grösser aus de allerallergrööscht Ùnfau, wo mù sich cha vorschtöle.

 

Das Wort isch vo de Seisler erfùne choo – typisch Seislertütsch. 1418 isch dene maau de Schnaps uusggange. Ki Bätzi mee! A absoluta GAU fùr üser tùùrschtige Vorfaare.

Ù ùs Erinnerig a di schlǜmi Zyt, /

a di chno-che-tro-cheni Epoche /

mit Späut im Rǜgg ù Chläck im Hǜrni /

da hii si bi jedùm Satz «gau» afa aaheiche.

Soozsääge as «Maanmaau», dass es niemer vergisst ù dass daas nie-nie-nie mee taarf passiere. Gau!

 

Übrigens isch GAU o a Chliiderlaade z Englann. Dasch wyl d Tùrischte ùs ùm Seiselann ging gfragt hii: «Ggùgg maau: Das passt, gau». Das het dene englische Laadebsitzer gfale ù si hiis ǜbernoo. Aber de nüü walyysisch Scheff het de di Butygg ùmmi zuetaa. Z Wales hiisst gau näämlich «schliessen». Defǜǜr hii d Amerikaner ù d Tamyyle das Wort ùbernoo. Mit ama -h- behuuchet, sääge si ghaau i de Chue, gau.

A tütscha Familienaame Gau git es, a Insla vo Fidschi hiisst Gau – aus wägg de Seisler. Har Gau sy tämpfti chineesischi «Krabbenklösschen». Di Har Gau sy ganz nooch bi Aar-Gau uufgwachse. Aargau ù Thurgau sy lang Schwytzer Ùndertaane-Gebiet gsyy, Gmeini Herschafte. Aber nid epa vo de Bäärner, Lùzärner ù Zǜrcher, wy mù ging mint, sondern…

Ja, dù wiisch es schoo…, gau? – Vo de Seisler.

Äbe! Ù dasch de Bewyys: Das kuul Wort gau hii d Japaaner ù di haubi Wäut vo üüs ùbernoo… Super, gau!

- Christian Schmutz

Nie mehr etwas vergessen

Forscher und Designer haben nach jahrelanger Forschung eine Schrift entwickelt, mit der man sich Dinge um einiges besser merken kann.

Diese Schrift heisst "Sans Forgetica" und sieht wie folgt aus:

RadioFr. Freiburg hat diese Schrift heute genauer unter die Lupe genommen und erklärt zusammen mit den Entwicklern, wie diese Schrift genau funktioniert.

 

Carte Blanche #73

Zynismus und Perversion des Eventmarketings: Red Bull.

Es begann mit einem geheimen, verbotenen Szene-Getränk in Österreich – heute ist aus Red Bull, dem Lifestyle-Drink mit dem Werbeversprechen, er verleihe Flügel, ein Milliardenimperium geworden.

Viele Extremsportler haben bei den Stunts für den Marketingkonzern den Tod gefunden. Selber schuld? Sicher, andererseits sind die lukrativen Sponsoringverträge so rar, dass sie in der Regel nicht ausgehandelt, sondern den Besten fertig vergeben werden. Die Sportler werden geradezu manipuliert und gekauft für Stunts, die jährlich weitere Todesopfer fordern.

Nun will ausgerechnet der Airport Grenchen laut Konzept als Veranstalter für den Milliardenkonzern auftreten. Wieso eigentlich? Gibt es positive Gründe einen Milliardenkonzern, der jährlich Todesopfer fordert zu unterstützen?

Eine erste Umfrage in der Bevölkerung zeigt: 80% sprechen sich klar gegen eine solche Veranstaltung aus, 3% sind unschlüssig und 17% sprechen sich für eine Durchführung aus.


Schauen wir das Unternehmen einmal etwas näher an. Mit einem vorgängig und lange Zeit verbotenem ungesunden Gebräu beginnt die Geschichte von Red Bull. Von einem Red Bull wird niemand Schaden nehmen, da sind sich Experten einig. Doch mehr als zwei Dosen Energydrink am Tag sind problematisch – vor allem für jene, die mit Herz-Kreislauf-Beschwerden zu kämpfen haben. Auch junge Menschen leben gefährlich. Was also sorgt für den riesigen Erfolg dieser "schlechten" Marke. Ausschliesslich negative Kritiken von Experten, die wissen wovon sie sprechen, ausschliesslich von jungen naiven Menschen und gekauften Partnern. Hier wird mit Menschenleben gehandelt, bei praktisch jedem Event dieses Milliarden Konzerns. Werbefachmann Hermann Strittmatter von der Agentur GGK findet deutliche Worte der Kritik: „Es ist schändlich, es ist sogar ein Mangel an Fantasie und Kreativität, wenn man am Schluss im Marketing nichts mehr Besseres weiss, als die Leute ihr Leben riskieren zu lassen."


Das Erfolgs-Geheimnis ist nicht der süssliche Drink selbst, der einen länger wach halten soll, sondern die Marketing-Maschine dahinter: Mit spektakulären Extremsport-Bildern zeigt „Red Bull"-Gründer Dietrich Mateschitz (68) eine Welt am Limit. Wer Red Bull trinkt, soll sich zumindest ein bisschen als Teil davon fühlen. Mateschitz, der für eine Stellungnahme zur gerüchteweise gestreuten Grossveranstaltung, die in Grenchen stattfinden soll, nicht erreichbar war, wird diese Kritiker auch weiterhin ignorieren.


Obwohl das Engagement von Red Bull vielen schon länger ein Dorn im Auge ist: Erst als Red Bull Boss Mateschitz mit rechtspopulistischen Äusserungen auffiel und bekannt wurde, dass er eine «Rechercheplattform» mit Rechtsdrall finanziert, nahm die Kritik noch mehr Fahrt auf. Aber auch hierzu nahm Red Bull nie Stellung. Todschweigen. Sicher ist nur, dass Red Bull weiterhin ungestört Milliarden für Werbung ausgibt. Dass bei Red-Bull-Veranstaltungen und Aktionen immer wieder zwangsläufig Sportler tödlich verunglücken und bei den von Red Bull ausgerichteten Extremsportveranstaltungen jährlich Extremsportler sterben. „Wer dies in Kauf nimmt, sollte in keinsterweise unterstützt werden. Weder mit dem Konsum dieser fragwürdigen Drinks, noch im Besuch oder gar in der Ausrichtung von Red Bull Veranstaltungen. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt eine Bewilligung für eine solche Veranstaltung nicht erteilen wird, sollte eine solche dann auch tatsächlich und nicht nur gerüchtehalber durchgeführt werden. Jeder, der Red Bull unterstützt macht sich mindestens teilweise auch Mitverantwortlich für dieses Grauen", erklärte ein erzürnter Anwohner.

- David Aebischer

Carte Blanche #72

Wie wäre es ohne Fahrplan?

Nicht wirklich anders, wenn wir von der Trolley-Buslinie 5 – Villars-Torry – sprechen, um die in der Überschrift gestellte Frage in Kürze zu beantworten. Wobei die Fahrtrichtung in Bezug auf Fahrplantauglichkeit eine grosse Rolle spielt. Ein offener Brief von Mario Corpataux an die Transports publics fribourgeois (TPF).



Um von den Quartieren Beaumont oder Vignettaz an den Hauptbahnhof zu gelangen, führt kein Weg an Trolley-Bus Nr 5 oder gutem Schuhwerk vorbei. Entweder marschiert man gut fünfzehn Minuten ab Bahnhof Freiburg oder wartet auf Bus Nr 5 und ist in der Regel in drei Minuten am Ziel. Dies gilt aber nur für diese Fahrtrichtung. Will man nach der Arbeit in drei Minuten wieder am Bahnhof sein, muss eine Sicherheitsmarge von mindestens zehn Minuten eingerechnet werden – bei Schneewetter ein paar Stunden.

Fährt Bus Nr 5 ab Bahnhof quasi jederzeit pünktlich ab, gilt an Haltestelle Beaumont Est das Prinzip Hoffnung. Fährt Bus Nr 5 ab Bahnhof regelmässig eine halbe Minute vor Fahrplan ab (und der Chauffeur lässt sich auch nicht von an die Türe polternden 80-Jährigen am Stock mit Hündchen und Einkaufstasche erweichen, die Bustüren noch einmal zu öffnen, wenn er einmal startklar oder startwillig ist), gilt in Beaumont Est die totale Verwirrung. An der Haltestelle Beaumont Est verliert man das Zeitgefühl, auch bei schönstem Wetter. War dieser Bus nun der vorherige, vorvorherige, oder ist es schon der nächste, oder übernächste? Irgendwann zwischen den Fahrplanzeiten taucht der Bus wie aus dem Nichts auf, kratzt um die Kurve, kratzt am Zeitverständnis.

Fällt Schnee oder regnet es kräftig, potenziert sich der Zeitsprung. Es sollen an der Haltestelle Beaumont Est schon wartende Menschen mit Spinnweben zwischen den Beinen gesehen worden sein. Ich habe auf der Gegenfahrseite schon fünf Busse vorbeifahren sehen ohne dass einer in «meine Richtung» angehalten hätte Wo bin ich, was bin ich, was ist ein Bus, war ich heute schon mal hier? Wurde das Zeitkontinuum unterbrochen? Und deshalb habe ich das Büro früher verlassen?

Fällt viel Schnee, lohnt sich in Beaumont Est kein Warten. Schwangere im 8. Monat sollten Beaumont Est meiden – es könnte zu spät werden.

Die Ungewissheit an der Haltestelle Beaumont Est bringt aber auch Vorteile: Man lernt den Umgang mit verspäteten Zeitgenossen und «züchtigt» ebendiese, da man plötzlich selbst zu spät an Rendezvous’ kommt. Zwangsentschleunigung gibts gratis dazu, Stressbeschleunigung auch. Und wehe, man hat am Morgen die schlechten Schuhe angezogen.

Ich wünsche den TPF alles ausser Schneemassen, und funktionierende, laufend aktualisierte Anzeigetafeln bei den Haltestellen, und nicht nur eine Gesamtübersichtstafel am Bahnhof. Sorry, liebe TPF, aber diese Tafel sieht man von Beaumont Est aus nicht.

- Mario Corpataux

Gottéron-Blog

Fünf amerikanische Redewendungen zur Playoff-Qualifikation


« It ain’t over until the fat lady sings »
 
« Es ist nicht vorbei, bis die fette Dame singt », pflegte der ehemalige Gottérontrainer und letztjährige ZSC-Meistercoach Hans Kossmann jeweils gegenüber Journalisten auf Englisch zu sagen. Mit dieser Oper-Metapher meinte Kossmann jeweils, dass die Qualifikation oder eine Playoff-Serie erst fertig ist, wenn die Schlusssirene der letzten Partie erklingt. In der Oper ist dies meistens der Fall, wenn die stärkste Stimme, die fat lady, nochmals richtig ihre Röhre ertönen lässt. In dieser Saison passt die kossmanische Aussage zu der Hauptrunde wie die Faust aufs Auge, denn um die Playoff-Plätze wird bis zur letzten Spielsekunde der Qualifikation gekämpft.

« It’s money time »
 
Mit dieser englischen Sportredewendung wird in Nordamerika die entscheidende Zeit eingeläutet, in der es um Sieg oder Niederlage, um Erfolg oder Misserfolg geht. Biel, Ambri, Langnau, Lugano, Genf, Lausanne und Zug: Das sind die übrigen Gegner der Drachen in der laufenden Qualifikation. Aus den letzten sieben Spielen braucht Freiburg-Gottéron wohl mindestens vier Siege, um sich für das Playoff zu qualifizieren. In den vergangenen Saisons reichten jeweils 66-71 Punkte für die Qualifikation. In dieser Saison benötigen die Drachen wohl mindestens 75 Punkte, um in den Genuss der Endrunde um den Meistertitel zu kommen.

« The winner takes it all »
 
Dies ist nicht nur ein Song von ABBA, sondern eine im Sport häufig verwendete Redewendung. Nach diesem neudeutschen Sprachgebrauch steht der Sieger am Schluss als Held und der Verlierer mit leeren Händen dar. Eine knapp verpasste Playoff-Teilnahme gilt als Scheitern. Schafft Freiburg-Gottéron den Sprung in die Playoffs, sind die Höhen und Tiefen dieser Saison schnell vergessen und die Gottéron-Fans werden ihr Team feiern. Wird das Playoff verpasst, dann wird diese Saison bittere Spuren hinterlassen.

« Have someone in your corner »
 
Diese Redewendung stammt aus dem Boxen. « Du musst jemanden in deiner Ecke haben », heisst soviel, dass du stets Unterstützung brauchst. Freiburg-Gottéron benötigt in den letzten Saisonspielen den Support der Fans unbedingt. Zu Letzt waren in der BCF-Arena vermehrt Pfiffe zu hören. Insbesondere bei der Heimniederlage gegen Rapperswil gab es für das French-Team ein gellendes Pfeifkonzert. Der Unmut der Fans kann aufgrund der dargebotenen Leistungen verstanden werden, ist jedoch höchst kontraproduktiv. Freiburg-Gottéron braucht seine Anhänger, um die Playoff-Qualifikation zu schaffen. Also denkt daran liebe Gottéron-Fans, ihr seid gemäss der Redewendung der « someone in Gottérons corner »!

« Come on Gottéron, do it! »

Carte Blanche #71

Geht Stadtfreiburger-Deutsch unter?

Ein Artikel in der NZZ vom 18.1.2019 beschreibt den Wandel der Deutschschweizer Mundarten. Die Autorinnen der Uni Zürich haben Online-Umfragen gemacht und mit diesem Material u. a. die Sprache der Grosseltern und ihrer Enkel verglichen. Wo ist der Wandel am grössten? In Freiburg! Eine der Schlussfolgerungen ist: In der Stadt Freiburg verstehen sich Grosseltern und Enkel kaum mehr, weil sie so andere Wörter brauchen – in Baar/ZG gibt es kaum Unterschiede. Dies sind die zwei Extremorte in der Deutschschweiz.


Als Begründung für die Veränderungen in der Stadt Freiburg werden die wachsende Mobilität der Leute, Minderwertigkeitsgefühle sowie die Anpassungslust und Offenheit der Städter gegenüber neuen sprachlichen Entwicklungen angegeben. Das sei in Baar umgekehrt, die Ortsmundart sei auch bei Kindern hoch im Kurs. «Sich anzupassen, ist meist leichter, als anders zu sein», schlussfolgern die Autorinnen und sehen Randdialekte verschwinden.


Ich kann die gesammelten Ergebnisse aus den Jahren 2013-17 nachvollziehen, bin aber mit den Schlussfolgerungen nicht einverstanden. Ich habe andere Erklärungen dieser Daten.

– Zuerst eine Präzisierung: Es geht um die Stadt Freiburg und nicht um Deutschfreiburg. Und es geht im Porträt um einen Siebenjährigen, der in seinem Leben noch viele alte Begriffe ausgraben und viel Stolz auf seinen Dialekt entwickeln kann. Und es geht ums aktive Brauchen von speziellen Wörtern – passiv verstehen sich Grosseltern und Enkel immer noch problemlos. Nur zum Relativieren.

– Heutige Grosseltern von Jugendlichen sind in den 1940er/50er-Jahren auf die Welt gekommen. Als deutschsprachige Städter lebten sie wohl in der Unterstadt und erlebten da noch die alte Welt – arm, abgeschottet, von Kirche und (welschem) Staat unterdrückt. Der starke Deutschschweizer Sprachwandel nach dem Zweiten Weltkrieg hat das katholische Freiburgerland auf seiner Insel weniger betroffen. Trütscha, Pärisou und Fageta und viele andere Begriffe haben in der Abgeschiedenheit den ersten Schub überlebt. Aber längst haben die Freiburger punkto Mobilität und Schulbildung aufgeholt. Immer mehr Jüngere geben nun sprachliche Exotismen auch auf – einfach viel später als in anderen Regionen. Also: Die gleiche Befragung hätte vor 50 Jahren vielleicht das umgekehrte Bild zwischen Baar und Freiburg ergeben.

– Wer sagt auf Freiburgerdeutsch schon emüf für "hinauf"? Höchstens Zuwanderer (vgl. Walliser embrüf). Die Ergebnisse zeigen aber eine breite Verteilung von wùy über ufe bis emüf. Offenbar nennen auch 2.- und 3.-Generatiönler in der Stadt ihre Sprache Freiburgerdeutsch, auch wenn sie im Alltag viel von ihrem Elterndialekt einbringen. (Vergleichbar mit den vielen Reformierten im Sensebezirk, deren Familien teilweise seit 180 Jahren im Senseland leben. Was anders als der Sensebezirk ist deren Heimat?). Hier haben die Autorinnen recht: Altes Stadtfreiburgerdeutsch ist auch daheim von Französisch sowie deutschen Mundarten minorisiert. Kein Wunder sagt eine Gewährsperson: «Üsa Dialäkt isch spezieu, as verstöö na nid ali. U du muesch de würklich a huufe Energie u Chraft haa, dass du de dezue stiisch, zu dim Dialäkt.» Die Jungen verlieren die Lust daran und passen sich rasch an – in Richtung Welsch und zu anderen Dialekten. Offenbar haben Mutter und Grossmutter ebenfalls mehrere Anpassungsregister. Das hat vielleicht den Buben auch geprägt.

- Die Studie zeigt meiner Ansicht nach, dass die historische Verbindung zwischen Stadt Freiburg und dem Senseland am Bröckeln ist. Der Anteil Deutschsprachiger in der Stadt nimmt seit 40 Jahre stark ab. Er wird noch auf einem knappen Fünftel gehalten (sozusagen künstlich) von Deutschschweizer Uni-Studenten, -Mitarbeitern und solchen, die nach der Uni hängengeblieben sind. Die Sensler selbst besuchen Freiburg seltener. Sie gehen immer öfter nach Bern in den Ausgang, zum Einkaufen und Arbeiten. Aus der Sicht der Zweisprachigkeit ist höchst bedauerlich, dass die Sensler diesen Alltagstrumpf aufgeben. Aber noch schlimmer ist es für die alteingesessenen Stadtfreiburger. Sie verlieren ihre historischen Freunde und spüren deren Wertschätzung für die gemeinsame Sprache nicht.

– In einer globalisierten Welt werden Heimat und Heimsprache wichtiger – in der deutschen Schweiz boomen Dialekte wie noch nie. So wird sehr oft Mundart geschrieben. Viele Leute heben alpine Randmundarten wie das Senslerdeutsche lobend hervor. Immer mehr Sensler tragen viel selbstverständlicher ein leicht angepasstes Senslerdeutsch nach Bern oder Zürich als vor 30-40 Jahren. Und sie erhalten dafür Komplimente! Diesen Kulturwandel scheinen Stadtfreiburger weniger mitzubekommen.

Was tun? Sensler, unterstützt eure sprachlichen Verwandten in Freiburg, indem ihr euren Dialekt in die Stadt tragt und ihnen zeigt, dass man diesen mit Stolz brauchen kann. Denn wie sagen die Autorinnen so schön: «Sprache und Identität sind stark verwoben. Wie stark sich jemand an andere anpasst, hat auch mit seiner Persönlichkeit zu tun.» An der Liebe zu Sprache und Heimat gilt es in Freiburg zu feilen, damit Grossmutter und Enkel sich noch lange verstehen.

NZZ am 18.1.2019


Christian Schmutz

skippr Fahrausweis-Challenge

Wer hat gewonnen?

Seit Ende August 2018 stehen sich Patrick und Michelle bei der skippr Fahrausweis-Challenge gegenüber.

Und nun ist es soweit: Es steht ein Gewinner oder eine Gewinnerin fest!

Doch, wer konnte das Rennen machen? Wer kann den Sieg nach Hause holen?

Schau dir das Video an, um es herauszufinden ;)

Carte Blanche #69

Über richtiges Dialekt abstimmen

«Siit mù kuuler oder küüler?»

«Natüürlich küüler, dasch kuuler!»

Ich hatte kürzlich wieder eines dieser Richtig-Falsch-Gespräche rund um Senslerdeutsch. Mein Gegenüber sagte: As schyysst mi aa, we meereri Wörter sǜǜ jùscht syy. I has lieber iidütig. Auz wee so vǜü iifacher… Ich hab mich dann gefragt: Was ist im Dialekt oder in einer Sprache richtig, was falsch? Kann es sich auch mal ändern? Und vor allem: Wer entscheidet?

Grad in der direktdemokratischen Schweiz müsste es ganz einfach funktionieren: Die Mehrheit entscheidet. In Politik und Gesellschaft geht alles um die Hälfte plus eins. Wer diese Zahl erreicht, sorgt dafür, dass die Minderheit den Entscheid mitträgt. Mittragen muss.

Wer ist also dafür, dass Anke richtig ist? Wer ist für Butter? Wer hat lieber Hiiti, wer Hǜǜti? Wer will Bääse, wer Bese? Wer will ga riiche, wer ga hole? Wer will am 1. Mai lieber Stäi rüere, wer will Steine schiesse oder wer gar Stiine schmiize? Oder noch extremer: Wer will schlaaffe, wer dormir?

Diejenige Schweizer Region also, welche geburten- und dialektfreundlicher oder wirtschaftlich anziehungskräftiger ist, setzt sich mit demokratischen Grundregeln überall durch.

Deshalb braucht es vor einer Abstimmung genaue Grenzen, wo über was abgestimmt wird. Diese verlaufen jedes Mal anders. Diejenige zwischen Anke und Butter ist nicht gleich wie die zwischen schlaaffe und dormir. Und innerhalb der Grenzen gibt es auch Zugezogene, die nicht abstimmen sollen: Neei dùù, so wyt cheemis no!

Immer dürfen also die richtigen Leute gemeinsam die richtigen Begriffe wählen. Einmal sinds alle Schweizer, dann nur die hier aufgewachsenen Schweizer, dann nur die hier wohnenden Schweizer, dann die Deutschschweizer, dann zum Beispiel die Freiburger, dann die Deutschfreiburger, dann die Sensler, dann die Sensler, die Senslerdeutsch sprechen, dann die, die seit ihrer Geburt Senslerdeutsch sprechen, dann die, die NIE etwas anderes gebraucht haben als Senslerdeutsch. Egal wo und wann, egal mit wem. Nie. Kein Wort… Und vielleicht dürfen manchmal auch die Frauen mitentscheiden. Eventuell.

Auso ùs Seisleri maau «einisch schnäu ga Butter hole»: Adieu merssi, Abstǜmigs- ù Waaurächt! Nur wer 100 Prozent richtig spricht, kann auch mitentscheiden, was richtig ist.

Dann haben wir endlich aufgeräumt und das Deutschschweizer Dialektleben ist endlich einfach, strukturiert und verständlich. Und sprachliche Minderheiten wie Französisch, Italienisch und Rätoromanisch wären auch grad weggeräumt. Ausgerottet. Basta!

 

Und weisst du, zu welchem Ergebnis ich komme, wenn ich das konsequent bis an den Schluss denke? Neei, nit Bärn- oder Züritütsch. Vielmehr Englisch oder Chinesisch.

Dasch piccobello, oder? Die Welt wäre so schön einfach, wenn alle gleich redeten. Niemand müsste sich mehr fragen, ob dieses Sensler Wort nun richtig oder falsch sei.

Okay, see you! Oder muss man das auf höflichere Art sagen?

Christian Schmutz

Carte Blanche #68

Unterstützung braucht Unterstützung

Es ist beschämend zu sehen, wo der Mensch von heute seine Prioritäten setzt beim
Helfen. Spenden für echt Bedürftige scheint ein No-Go zu sein. Nicht einmal im Bereich
der Verbreitung erhält man breite Unterstützung. Unterstützerinnen und Unterstützer sind
immer die selbe Handvoll Menschen.


Leute, kostet es etwas, einen Beitrag zu liken, oder findet ihr es wirklich nicht wertvoll,
wenn Hilfe geleistet wird?
Einfach unglaublich, aber einen Beitrag weiter oben schreiben zig Leute "Nase" in einen
Beitrag, der wohlmerklich ein Rätsel war, mit der Auflösung "Nase". Aber nur der erste, der
es herausfand kriegt einen kleinen Preis! Trotzdem schreiben aktuell immer noch
Menschen "Nase" darunter (bisher 25!!!!)! WTF! Diese Leute sollten sich echt mal an der
Nase nehmen.


Für eine echte regionale Hilfsorganisation lagen bisher 9 Likes in der selben Gruppe drin,
wow!


Einfach abartig und beschämend.


Das Selbe stellt man fest, bei Veröffentlichungen von Künstlern und Bands usw. Kaum
Resonanz. Postet man einen Sonnenuntergang oder einen Teller Spaghetti kriegt man
locker über 100 Likes...


Dabei sind es genau die Anzahl Likes und Anzahl Follower, die für Verlage, Vetriebe,
Labels, Veranstalter, Radios, Zeitschriften usw. massgebend sind im Umgang mit den
Künstlern. Haben diese breite Unterstützung, kriegen sie dadurch auch eher
Unterstützung dieser "Partner".


Es muss schon sehr grosse Schmerzen verursachen, hier Hand zu bieten.
Im Bereich Spenden, das selbe Desaster...
Jeder Franken ist zuviel...


In diesem Sinne tausend Dank den ewig selben Unterstützerinnen und Unterstützern und
den anderen weiterhin viel Spass beim Nichtunterstützen...

David Aebischer

Carte Blanche #67

Freiburger in Bern – gut oder schlecht?

Allein in der Stadt Bern arbeiten also 10'000 Freiburger (siehe Berner Zeitung vom 28.7.18). Wer morgens um 7 Uhr in Freiburg den IC nach Bern nimmt oder auf der Autobahn in Richtung Bern unterwegs ist, kann von dieser Zahl nicht überrascht sein.

Gerne würde man über diese Leute mehr erfahren. Sind das eher Welsche, Sensler, Murtenbieter oder Berner, die im Freiburgerland (günstiger oder steueroptimierter oder regionverliebter oder auch mondäner über dem Murtensee) gebaut haben? Wohl von allen Gruppen genug.

Natürlich, für welsche Bundesangestellte ist Freiburg perfekt. Sie und ihre Familie können vollkommen welsch weiterleben – nur gut 20 Pendlerminuten von Bundesbern entfernt. Diese Gruppe ist sicher nicht zu unterschätzen. Der angesprochene, übervolle 7-Uhr-Zug ist sehr welsch geprägt.

Und die zugezogenen Berner haben ihr Netz und ihre beruflichen Stossrichtungen halt behalten. Von Murten oder Kerzers, Wünnewil oder Bösingen ist man oft rascher in Bern als von Burgdorf, Biel oder Thun aus. Ein Freiburger Wohnsitz ist also nichts als logisch.

Im BZ-Artikel wird nun geklagt, dass diese Pendler in Bern keine Steuern bezahlen, ergo profitieren. Ihre Arbeitgeber aber zahlen Steuern und Taxen. Das hilft den Berner Gemeinden.

Die Freiburger Pendler sind oft überdurchschnittlich ausgebildet und sorgen mit dafür, dass diese Berner Firmen oder Filialen oder Verwaltungen vorankommen. Da geht jeden Tag viel Knowhow über die Sense.

Nicht Bern müsste sich wehren, sondern Freiburg viel mehr dafür tun, dass es für gut ausgebildete Deutschfreiburger auch attraktive Arbeitsplätze anbietet. Wer nicht perfekt französisch kann oder sich nicht mit einer welschen Firmenkultur auseinandersetzen will, der findet ganz in der Nähe – in Bern – tipptoppe Alternativen. Und erst noch solche, die gut ausgebildete Deutschfreiburger mit Handkuss nehmen. Auch Senslerdeutsch ist längst kein Hindernis mehr: Das ist für viele Berner mittlerweile Alltag.

Die Türen sind offen und Freiburg – Französisch- und Deutschsprachige gemeinsam – schaut in die Röhre. Wenn wir nicht aufpassen, sind wir bald provinzieller Schlafkanton.

Christian Schmutz

Carte Blanche #66

Ein nasser Samstag in Blau-Gelb

Ich liebe Ikea nicht. Endlos viele Leute kaufen endlos viel Unnötiges und streifen dabei in einem seltsam Circuit umher. Greifen im Vorbeifahren links und rechts in die Regale, stellen das Gegrapschte in einer nächsten Abteilung wieder in irgendein (falsches) Regal. Und dann diese Köttbullar …

Frau ruft, Mann folgt, auch wenn er zu Hause lieber ungestört Musik gehört hätte. Weshalb tut er sich das an? Wie Herdentiere der wenig schlauen Sorte lassen Frauen und Mannen sich vom blau-gelben Einrichtungsgiganten durch die eckig geschlängelten Gänge peitschen, legen jede Identität ab, essen pseudoschwedisch Hackfleischklösschen und trinken Preiselbeersaft.
Hier sind alle blau-gelb und alles läuft in eine Richtung, und wehe, irgendwelche Querschläger gehen/fahren den entgegengesetzten Weg! Hobby-Querulanten sind das, die am Ende mit derselben Einheitsware nach Hause fahren wie die Angepassten. Wir wollen Gleichschaltung auf blau-gelbem Niveau, Marsch vor, blau-gelb für alle und über alles.

Bin ich das? Was mache ich hier? Das Ich wird ab jetzt abgelegt, Individualität verleugnet. Wir sind Köttbullar. Schallplatten kann Mann dort nicht kaufen und ein Plattengestell hat er schon. Auf süsse, und neu auch brrrr! vegetarische, Hot Dogs hat er keine Lust. Und seitdem die Schweden-Cola dort nur mehr zero Zucker hat, zieht auch das nicht mehr. Will Mann vielleicht das Teppichmuster mitbestimmen, das Muster eines Teppiches, dessen Anschaffung der Mann angesichts des Ess- und Trinkverhaltens der Kinder und vielleicht auch wegen seines Schuhe-Nicht-Auszieh-Verhaltens (oder seines Essverhaltens) aktuell wenig Sinn macht und deshalb nur Billigstware in Frage kommt.

Oder hat Mann am Ende eine Überwachungsfunktion? «Wenn du dabei bist, habe ich mehr Hemmungen, Seich zu kaufen», hat Frau gemeint. Das trifft es auf den Kopf. Der Teppich wurde zwar gekauft, zusammen mit zwei Abwaschbürstchen, vier Fuselrollern und keiner einzigen Kerze, was vom Mann höchste Aufmerksam- und Standhaftigkeit sowie Argumentationsstärke erfordert hat. Einigkeit für einmal also beim Teppich, auch noch, als auf dem Weg zur Kasse das Schild «Sie dürfen es sich anders überlegen – 365 Tage Rückgaberecht» sichtbar wurde. Die Kauf-Einigkeit wechselte blitzartig in Möglichgerweise-Eintausch-Einigkeit. Der Teppich wurde nie ausgepackt, Rückgabe-Einigkeit herrscht. Keine Einigkeit hingegen bezüglich Zeiteinsatz, oder aus Sicht des Mannes: Zeitverlust! 6,5 Stunden mal zwei für Rückgabe-Einigkeit. Das hätte bei Möbel Pfister für einen schönen Teppich gereicht.

Nie wieder Ikea – oder vielleicht nächstes Jahr wieder. Der Teppich darf ja 365 Tage zu Hause bleiben. Unausgepackt.

Mario Corpataux

Carte Blanche #65

Versuch zwei

Was ich nie für möglich gehalten hätte, ist eingetroffen: Ich wurde «Opfer» der Zensur. Mein Text hat einige Personen offenbar dermassen verletzt, dass sie Zeter und Mordio riefen und skippr daraufhin den Text von der Seite löschte.

Es fällt mir schwer, dies nachzuvollziehen.

Ich will niemanden verletzen. Ich mache mich über niemanden lustig (ich hätte das Wort «Münchhausensyndrom» nicht verwenden sollen, das ist deplatziert und fehlt deswegen hier).

Ansonsten: Ich lade alle Personen, die sich angegriffen fühlten, ein, den Text aufmerksam und mit Musse zu lesen. Ausserdem darf man sich mit mir in Kontakt setzen. Wer kritisiert, aber nicht dazu stehen kann/mag, ist in meinen Augen recht feige. Deswegen: Melden Sie sich bei mir, wenn Sie sich angegriffen fühlen.

Spoiler: Der Text ist aus der Sicht der Personen geschrieben, die die Bibel wortwörtlich interpretieren.

 

Also hier, Versuch zwei.

In den letzten Monaten hatte ich immer wieder die Gelegenheit, mit verschiedenen Personen des christlichen Glaubens zu diskutieren. Die Gespräche waren interessant, anregend. So sehr, dass ich mich tatsächlich wieder einmal hinter das Buch der Bücher setzte und las.

Ich habe das Gefühl, dass man Christen in fünf Gruppen einteilen kann:

-          diejenigen, die die Bibel nicht lesen;

-          diejenigen, die die Bibel lesen und auf dem Hintergrund der Geschichte und ohne Scheuklappen gegenüber den Wissenschaften zu verstehen suchen;

-          diejenigen, die die Bibel so lesen wie ich die gesammelten Werke von Karl May: mit Interesse und Neugier, ohne jedoch eine höhere Moral im Wort Gottes zu sehen;

-          diejenigen, die die Bibel lesen und sie eigentlich wörtlich übernehmen möchten, je nach Unglaubwürdigkeit im Text einige Passagen als interpretationswürdig erachten und überdies den Darwinismus ablehnen;

-          und die Gruppe der Christen, für die die Bibel wortwörtlich zu verstehen ist.

 

Ich beschäftigte mich mit dem Ansatz der Letztgenannten. Also unter dem Aspekt, wenn man die Bibel wortwörtlich als Wahrheit interpretiert.

Bereits im Kapitel 6 der Genesis konnte ich die Bibel getrost zur Seite legen. Ich kam zum Schluss, dass die wortwörtliche Auslegung der Bibel eine unglaubliche Dummheit ist.

Anzufügen ist ausserdem, dass ich die Bibel nur in der Übersetzung auf Deutsch und in der Fassung der «Neuen Jerusalemer Bibel» gelesen habe. Meine zu Papier gebrachten Gedanken würden einer wissenschaftlichen Überprüfung sicherlich nicht standhalten    -           das passt übrigens wie die Faust aufs Auge gerade zu den Leuten, die die Bibel wortwörtlich auslegen, denn für diese Menschen sind die Wissenschaften ja Humbug.

Wiederholung: Der Text ist aus der Sicht der Personen geschrieben, die die Bibel wortwörtlich interpretieren.

 

Kommen wir zum Buch Genesis.

Zu Beginn der Bibel hat der Herr doch allerhand zu tun. Es gilt, die Welt und, als Sahnehäubchen dazu, den Menschen zu erschaffen. Mit der Welt scheint der Herr ganz zufrieden zu sein. Mit dem Menschen hadert er seit dem Sündenfall doch immer wieder.

Seine erzieherisch-pädagogische Lösung findet dann kurz darauf, bei Noah, seinen Höhepunkt, als er sich entschliesst, alle Lebewesen vom Erdboden zu tilgen. Ausser Noah, seiner Frau, den drei Söhnen und deren Frauen.

Der Herr befiehlt Noah den Bau der Arche. Noah soll für das Tierreich den Fortbestand der existierenden Rassen garantieren und von jedem lebenden Tier mindestens ein Paar auf die Arche nehmen.

Dann kam der grosse Regen. Nachdem das Wasser alles verschlungen hatte und nur die Arche und seine Bewohner überlebt hatten, war es an den Söhnen des Noah, die ganzen Stämme zu zeugen, die dann die Grundlage für die menschliche Besiedelung des Planeten Erde waren.

Und so zeugten die drei Söhne was das Zeug hielt. Leider waren zwei der drei Söhne nur fähig Buben zu zeugen. Nur einer schaffte es, Mädchen zu zeugen. Gezeugt wurden mehrere Stämme, viele tausend Leben und diese Leben entsprangen nur dem Schoss der Mutter und der Frauen der Söhne. Diese vier Frauen als Gebärmaschinen hatten eine Sisyphusaufgabe: Während Jahrhunderten konstant schwanger zu werden, Kinder auszutragen. Und endlich: ein Mädchen. Dieses musste in Kürze auch tragfähig sein und wurde zur Geburtsstation Nummer 5. Und so ging es weiter, bis all die Stämme gezeugt waren, die die Erde bevölkerten.

Wenn man sich dieses muntere Treiben vor Augen hält, dann muss man zum Schluss kommen, dass Inzest betrieben wurde. Zudem ist der Herr ein gnadenloser Massenmörder.

Das, dass Gott ein Massenmörder ist und Inzest gutheisst, kann schlicht nicht im Sinne der Verfasser sein.

 

Benjamin Zurrón

Carte Blanche #64

Von der Effizienz einer Inkasso-(Betreibungs)-Firma

Eine Nachricht an alle Grossmütter, pünktlich, unpünktlich und nie Zahlenden sowie grundsätzlich ängstlichen Personen. Inkasso-Firmen sind ein Witz, der Angst und Schrecken verbreiten kann und will. Trupps mit Baseballschlägern sind bisher nicht aufgekreuzt.

Intrum Justitia, neuerdings nur noch Intrum, was auch Sinn macht, den mit Justitia/Gerechtigkeit hat diese Firma wenig zu tun. Der Namensänderung in IRRTUM stünde nichts im Wege, wenn man die Geschäftspraktiken und die Seriosität dieser Firma unter die Lupe nimmt.

Vor vielen Jahren gab es ein Telekommunikationsunternehmen namens Cablecom, welches sich seinen guten Namen innerhalb weniger Monate durch mangelhafte Arbeit in verschiedenen Bereichen zugrunde gerichtet hat. Heute nennt sich diese Firma UPC.

Im Jahr 2008!!! hatte ich aus eben diesen Gründen das Internetabo bei dieser Firma aufgekündigt, rechtens, fristgerecht und per eingeschriebenen Brief. Erfolglos. Ein weiterer eingeschriebener Brief brachte ebenfalls keine Änderung.

Dann kommt Intrum Justitia ins Spiel: Meine «Schuld» beläuft sich angeblich auf fünf Rechnungen vom 14. Okt. 2008 bis 10. Feb. 2009. Schuldbetrag: CHF 203.05 + Gebühren etc. = CHF 345.50 mit Rechnungsdatum 15. Mai 2009 und dem Drohtitel: «Vous ne voulez pas perdre le fil ».

Rechnung vom 1. Juni 2009: 50 Rappen höher und mit «Vivre sans télévision et Internet?» betitelt. Dass ich im zweiten Eingeschriebenen meine Kontaktangaben auf deutsche Korrespondenz korrigiert hatte, war der Firma nicht weiter von Interesse. Am 11. Juni folgte ein Schreiben der Cablecom: eine Kündigungsbestätigung mit der Begründung, dass an meinem neuen Wohnort die Dienste von Cablecom nicht erhältlich seien?!?!? Aha, nicht gewusst, aber auch nicht danach gefragt. Ebenfalls am 11. Juni, ein Brief von Intrum Justitia mit dem Inhalt – auf Französisch natürlich – dass sie aufgrund meines Schreibens die Situation abklären würden. Titel des Briefes: «Encore un peu de patience.» Am 30. Juni dann «Décompte! >>>Déduction des paiements effectués»: CHF 195.05 Abzug. Wie schön, aber ich hatte nie etwas einbezahlt, weshalb auch? Dafür gab es eine weitere Erhöhung der Mahngebühren um 65 Rappen.

Am 25. Juli 2009 dann endlich die Betreibungsandrohung: «Avis de mise en poursuite », weshalb der Betrag auch wieder um 20 Franken angestiegen ist. Am 21. Sept. 2009 die nächste Rechnung, ohne Titel, aber 5 Rappen höher. Und am 21. Okt 2009 endlich der Ritterschlag: «Consultation juridique» und weitere 5 Rappen Mehrkosten. Yeah am 23. Nov. 2009: «Introduction de poursuite», 5 Rappen Mehrkosten.

Ab dann gings bergab, nicht mit meiner Zahlungsmoral, aber dem Rechnungsbetrag: «Hissez les voiles» mit einem 30%-igen Rabatt hiess es am 25. Januar 2010. «Action d’été» am 31. August 2010 mit 40% Rabatt, aber auf einem um 35 Rappen höheren Anfangsbetrag. Dann wird das Inkassobüro freundlich: «Nous vous souhaitons de joyeuses fêtes …» am 2. Dezember 2011. Der Rabatt war weniger weihnachtlich – nur noch 20% lagen drin.

Bis heute habe ich jährlich eine bis zwei Rechnungen erhalten – jede mit einem anderen Betrag und neuen Wünschen. Das letzte Lebenszeichen von Intrum erfolgte am 20. August – 30% Rabatt. Who cares? Welch Idioten. Wer stellt endlich diesen Briefroboter ab? Wie sind interne Kontrollen bei Intrum organisiert? Wieviel hat Intrum die gesamte Korrespondenz im Vergleich zu der Nicht-Schuld gekostet?

Fazit 1: Einmal in den Fängen dieser Inkasso-Firmen kommt man nicht mehr heraus.

Fazit 2: Unprofessioneller gehts nicht.

Tipp 1: Diese Kolumne ist keine Aufforderung zum Nichtzahlen der Rechnungen.

Tipp 2: Trotz aller Ungerechtigkeit und Unprofessionalität können solche ungerechtfertigten Schuldforderungen Konsequenzen haben, wie ich soeben selbst erfahren musste. Ein weltweit tätiger Multimedia-Versandhändler mit Schweizer Sitz im Kanton Zug akzeptiert keine Zahlungen per Rechnung mehr. Das, obwohl ich sicher schon zehn Lieferungen von derselben Firma erhalten hatte und selbstverständlich alle Rechnungen pünktlich bezahlt wurden. Man beruft sich plötzlich auf Intrum.

Nach zehn Jahren verjähren derartige Forderungen, in weniger als einem Monat also sollte die erste Rate gelöscht sein und ich am 10. Feb. 2009 endlich «schuldenfrei» sein. Ich bin gespannt, ob ich danach weiterhin solch nette Drohbriefe erhalten werde.

An alle im Titel Erwähnten: Trauen sie keinem Inkasso-Unternehmen und lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung.

Mario Corpataux

Carte Blanche #70

Kinder an die Macht

Weihnachten, Fest der Liebe und des Friedens, und sein Ladenöffnungskrieg in der Stadt Freiburg, oder 17-jährige Menschen hinter dem Steuer? Welches Thema generiert – kontrovers diskutiert – mehr Feinde/Krieg/Unfrieden? Nahe am Fest der Liebe entscheide ich mich für die kleinere Bevölkerungsgruppe: die 17-Jährigen.

In den Vereinigten Staaten fahren Jugendliche schon mit 16 Jahren im Jeep umher, ganz legal. Es sei Ihnen gegönnt. Ich würde ihnen auch ein Bierchen ab 16 gönnen, was dort drüben dann aber erst ab 21 Jahren möglich ist. Bei uns herrscht bezüglich Alkohol und Autofahren der gutschweizerische Kompromiss: Ab 16 darf gesoffen werden, ab 18 Auto gefahren, dann jedoch mit einer Promillegrenze. Nun will die abtretende Bundesrätin Doris Leuthard noch schnell ein ihr – oder der Autolobby – liebes Geschäft durchdrücken. 17-Jährige dürften damit den Lernfahrausweis beantragen und mit punkt 18 Jahren bereits den Führerausweis bestehen. Sind der Doris die Konsequenzen dieser Verjüngung eigentlich bewusst? Schon jetzt bewegen sich Herr und Frau Schweizer/in quasi im Alleingang in ihrem Personenfahrzeug, wie die Statistiken beim Pendlerverkehr eindrücklich belegen: 1,1 Personen sitzen dabei durchschnittlich im Auto. Wer das nicht glaubt, soll im Berufsverkehr die Probe machen und die Insassen pro Fahrzeug zählen. Meine Zählungen aus Langweile während der Busfahrt in der Stadt Freiburg bestätigen diese Zahlen, gehen sogar noch näher an die Eins.

Wenn nun die 18-Jährigen schon mit 18 Komma Null Jahren eigenständig ein Fahrzeug lenken dürfen, bedeutet dies zwingend, und speziell im Kanton Freiburg gemäss landesweiten Statistiken, noch mehr Fahrzeuge auf den Strassen, noch mehr Staustunden, noch mehr Abgase, noch mehr Lärm, vielleicht auch mehr Unfälle. Vielleicht wäre mit dieser Massnahme aber mein Zug weniger voll, da die Neulenker schon früher im eigenen Fahrzeug zur Arbeit oder in die Schule ziehen könnten. In diesem Sinn plädiere ich deshalb für Zehnjährige am Steuer. Der Verkehr käme dann nämlich vollständig zum Erliegen: weniger Abgase, weniger Lärm und vielleicht ein paar Geläuterte, welche endlich den Sinn des öffentlichen Verkehrs entdecken und ihr Auto zu Hause lassen würden.

Und weil es schon so schön politisch ist, doch noch ein Wort zu den Ladenöffnungen an Maria Himmelfahrt in der Stadt Freiburg: Ganz unabhängig davon, ob man nun für oder gegen offene Geschäfte an katholischen Feiertagen ist, wurde hier eindrücklichst die Absurdität (oder ist es doch Effektivität?) und (Ohn)Macht der verschiedenen Instanzen vors Auge geführt. Zwei Instanzen erteilen ein Ja, eine dritte rekurriert, die vierte erteilt, die fünfte hebt hälftig auf, die sechste rekurriert, um von der vierten in letzter Sekunde Recht zu erhalten bzw. die von der fünften Instanz aufgehobene halbe Bewilligung zurückzuziehen und in eine volle Bewilligung umzuwälzen – das Ganze innerhalb von acht Tagen. Zu viele Instanzen verderben den Brei. Auch hier deshalb: Zehnjährige an die Macht. Die sind meist noch unverdorben.

Mario Corpataux

Gottéron-Blog

Der Abplanasaurus

Laut Gerüchten haben Forscher der Universität Freiburg vor einigen Tagen eine neue Dinosaurier-Spezies entdeckt. Den "Abplanasaurus", benannt nach dem Gottéronspieler Marc Abplanalp.
 
Gäbe es in der Schweiz eine reine Kantonseinbürgerung, stünde Marc Abplanalp ganz oben auf der Warteliste des Kantons Freiburg. Der Gottéron-Verteidiger gehört in der Zwischenzeit nicht nur zum Inventar von Freiburg-Gottéron, sondern ist aus Freiburg gar nicht mehr wegzudenken. Der Grindelwalder spielt seit sage und schreibe 12 Saisons ununterbrochen im Leibchen der Drachen und hat erst kürzlich seinen Vertrag mit Gottéron um eine weitere Saison verlängert. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass „Äpli“ bereits in der Saison 2002/2003 sein NLA-Debüt bei den Freiburgern gegeben hat, sich jedoch erst Jahre später wirklich auf dem höchsten Schweizer Eishockeyniveau festgesetzt hat. Nach 12 Jahren am Stück in Freiburg, darf man den gebürtigen Berner Oberländer ruhig als Freiburger bezeichnen.

Mit einem dutzend Dienstjahren auf dem Buckel ist Marc Abplanalp ein Gottéron-Urgestein. Der Abplanasaurus hat in der Zwischenzeit die 600-Spiele-Marke im Gottéron-Trikot erreicht. Damit gehört er zusammen mit Julien Sprunger zu den Gottéron-Sauriern der Gegenwart. Die #2 der Drachen gehört seit Jahren zu den abgebrühtesten und tadellosesten Defensivverteidigern des Schweizer Eishockeys. In der laufenden Saison scheint der 88 kg-Brocken seinen zweiten, vielleicht sogar schon dritten Frühling zu spüren.

Gäbe es einen Wikipedia-Eintrag zum Abplanasaurus, würde dieser in etwa wie folgt lauten:
Abplanasaurus („Gemütsechse“) ist eine Gattung hockeyverrückter Dinosaurier aus dem schönen Grindelwald. Abplanasaurus zählt zu den treusten Gottéronspielern der Erdgeschichte. Zu den anatomischen Merkmalen gehören die starken Arme und zu den mentalen Stärken der unbändige Wille. Der Abplanasaurus hält sich vorwiegend in der Garderobe und auf dem Freiburger Gletscher auf. Als Fleischfresser ernährt er sich hauptsächlich von Bären, Löwen, Tigern und Adlern. Die Brunftzeit des Abplanasaurus reicht jährlich von März bis Mai, je nach Verlauf der Playoffs. Der Abplanasaurus lebt vornehmlich in einer Truppe mit 22-25 Individuen und gilt als ruhiger Zeitgenosse. Rückt man ihm jedoch zu sehr auf den Leib, kann der Äpli-Saurus - wie er unter Kollegen genannt wird - sehr ungemütlich werden.

Lieber Marc, wir wissen, du bist erst 34-jährig und gehörst noch lange nicht zum alten Eisen, verzeih uns also bitte den Dinosaurier-Vergleich. Danke für deine Treue zum Klub, Marc Abplanasaurus Abplanalp.
 

Carte Blanche #63

DU bist EINZIGartig

Jede/jeder von uns befand sich schon in Momenten der Einsamkeit... Wir haben eine Menge Leute um uns, aber empfinden Dinge, die wir mit niemandem da draussen teilen können. Wir haben Ideen oder Impulse in uns, die niemand anderes nachvollziehen kann. Wir denken, wir würden nicht verstanden werden. Wir denken, mit diesen Empfindungen alleine auf weiter Flur zu stehen. Vielleicht trägst du unbeantwortete Fragen in dir, die nur DICH und deinen Weg betreffen oder Ideen, die du in die Welt bringen möchtest. Eigentlich hättest du gerne vom Aussen eine Bestätigung oder Erklärung zu diesen vielen Fragezeichen aber du spürst: Die sind für mich im Aussen nicht auffindbar. Das bewirkt häufig, dass wir ins Straucheln geraten, unsicher werden, uns selbst hinterfragen und anzweifeln. Genau DA fängt sie an, deine EINZIGartigkeit!
Das heisst: Nur DU kennst die Antwort. Nur DU findest die Lösung. Nur DU kennst den Weg dorthin. Genau darum, weil es um DEN Teil von dir geht, der kein zweites Mal hier auf der Erde zu finden ist! Also kannst du im Aussen für diesen Teil auch keine Entsprechung oder Bestätigung finden...!

Verbinde dich mit dir selbst! Suche die Antwort in dir selbst! Lasse dir nicht reinreden von Menschen, die keinen Zugang zu diesem einen Teil haben, denn das bringt dich nur durcheinander. Klinke dich aus und klinke dich bei dir selbst wieder ein. Gehe in die Stille und höre dir an, was sie dir antwortet auf deine Fragen. Lasse dir zeigen, wie du vorgehen kannst und was für dich und deine EINZIGartigkeit wichtig ist. Kopiere nicht jemand anderes... Sei DU selbst - das ist das grösste Geschenk, das du dir und uns allen machen kannst. Entwickle deine Gaben, Talente, Ideen, Impulse - ohne auf das «GO for it!» der andern zu warten oder dich zu vergleichen!
Versuche, Vertrauen aufzubauen zu diesem einen Teil in dir, der sich manchmal anfühlt wie ein kleines, unbeholfenes Menschlein. Es ist vielleicht klein, aber es trägt das Grösste von dir in sich...
Dieser Teil fühlt sich tatsächlich einsam und verletzlich an - aber wenn wir wissen, dass das mit unserer «Einzigartigkeit» zu tun hat, dann können wir diese «Einsamkeit» viel leichter annehmen und in etwas positives und inspirierendes umwandeln. Ja, du kannst sie sogar geniessen und dich darin entspannen, weil nur DU alleine dort zuhause bist.

Im Aussen werden evt. Hürden kommen. Du wirst unter die Lupe genommen, inspiziert, hinterfragt, schräg angeschaut, kritisiert... {vertraue dem kleinen Menschlein und mach weiter}. Du wirst aber auch erfahren, dass Menschen dir unendlich dankbar sind, dass du den Mut hast, deine Einzigartigkeit zu zeigen und mit ihnen zu teilen. Du bestärkst sie darin, es auch zu wagen {dein kleines Menschlein wächst und dein Vertrauen wird immer stärker}. Du beginnst, dich zu vernetzen mit Gleichgesinnten und es entstehen Dinge, die du dir vorher nicht vorstellen konntest. {Du hast es durch dieses Nadelöhr geschafft!} Du kommst an einen Punkt an dem du sogar deinen Kritikern und Verhinderern DANKE sagen kannst. Daran bist du gewachsen und das hat dir den nötigen Schub verpasst, umso mehr an dich selbst zu glauben und DEINEN, EINZIGartigen Weg zu gehen. {Du und das kleine Menschlein sind EINS geworden.}

Barbara Andrey

Carte Blanche #62

Angscht

Wyna Fisch im stüle Gwässer bewegt si sich i ihras Wäut. Ihras Trüüm si schyyne chlyy wyna Stärn, am doch so grosse Hümúszäut. Mau ga gspüre, eppis wage - nei, das bruuchti vüu z vüu Muet. U doch nemenes si únsagbar wúnder, wy das Lääbe dússe tuet. Doch eppis stiit im Wäg... as fesslet si ú wott nid wäg: As isch d Angscht, ihras Lääbe z verändre. Angscht, sich säuber z syy. As isch d Angscht, eppis andersch z erlääbe. Angscht, Angscht, Angscht...
Ander chiis ohni z studiere, wie, wärúm ú was passiert. Schrytte vorwärts, ohni je a sich z zwyyfle. Núme sya, si resigniert. Eppis stiit im Wääg, as fesslet si ú wott nid wäg: As isch d Angscht, ihras Lääbe z verändre. Angscht, sich säuber z syy. As isch d Angscht, eppis andersch z erlääbe. Angscht, Angscht, Angscht...

Menschen in unserer näheren Umgebung - vielleicht sogar wir selbst - sind oftmals geplagt von Ängsten. Angst vor Verlust, Angst zu Versagen, Angst abgelehnt zu werden, usw... die Liste ist lang und vielfältig. Wie gehen wir damit um, wenn wir gar gehemmt sind, darüber zu sprechen? Wer lehrt uns, mit diesen Angstgefühlen umzugehen, statt sie zu betäuben und zu unterdrücken? Wir leben in einer schnelllebigen und leistungsorientierten Zeit. Vieles ist im Wandel - im Aussen, aber auch im Innen. Wir schaffen es manchmal kaum, mit diesem Tempo mitzuhalten. Vieles spielt sich zwangsläufig an der Oberfläche ab. Es bleibt kaum Zeit und Ruhe, ins Innere zu lauschen, sich umzusehen, welche Verletzungen gerne geheilt, welche Themen gerne wahrgenommen werden möchten. Viele trauen sich nicht, ihre Ängste jemandem mitzuteilen, geschweige denn, mit diesen «Angstgestalten» in Kontakt zu treten. Verdrängung bringt vielleicht kurzfristig Erleichterung aber nicht eine Lösung, resp. Transformation. Versuche da zu sein, für Angstbetroffene in deinem Umfeld. Wir alle können als «Raumhalter» wirken, d.h. den «Raum» aufrechterhalten - damit auch die unangenehmen Gefühle einen Moment bewusst gefühlt werden können. Der/die Betroffene kann das in Anwesenheit eines lieben Menschen besser zulassen, als im Alleinsein. Zuneigung und Da-Sein ist in unserer heutigen Zeit ein wertvolles und hochwirksames Heilmittel. Wenn wir es schaffen, in so einem Moment unserem Gegenüber von Seele zu Seele in der Tiefe zu begegnen, dann können wir sagen: Danke Leben, jetzt kann ich dich fühlen!

Barbara Andrey

 

Zum Schulbeginn am 23.8.18 

Was Schule macht - Harmos im Etui und auf dem Schulsack

Eine Frage verbindet derzeit Harmos 1 bis Harmos 11 (wir dürften zum Verständnis aller auch Chindsgeler und Neunteler sagen):

 

Welche Nuance soll mein Ersatzorange in der Farbstiftschachtel haben? Jenes Orange vom Leuchzi erledigt sich von alleine, die bestimmt die Polizei. Neongrün kommt später nach in der Hierarchie. 

In der zerbeulten Farbstift-Schachtel fehlt Orange. Im Etui eines Schulanfängers fehlt noch nichts, bis die Lehrerschaft den ergonomischen Füli ansagt. Den gibt es für Links- und Rechtshänder. Schönschrift, ganz schwierig gemacht.

Eine Haltung verbindet Harmos 1 bis Harmos 11: Fülis, egal welche, schmieren auch heute noch die Fingerbeeren voll beim Patronenwechsel und bei zuviel Druck auf dem Papier. Und irgendeine Farbe im nigelnagelneuen Etui oder in der verbeulten Farbschachtel ist schneller aufgebraucht, weil Lieblingsfarben bestimmen auch den Schulalltag.

 

Eine Frage verbindet jeden Schüler, jetzt da er noch zur Schule darf (nicht muss):

Neben wem werde ich sitzen?

Wer bestimmt meinen Pultnachbarn oder wird hier, ohne zu fragen, einfach ausgelost?

Nach ein paar Wochen ist dann eh’ Schluss mit Wunschkonzert, da setzt die Lehrerin unvorteilhafte Paare eh’ auseinander (als Paartherapeutin der Gemeinschaft im Kreisli oder im Schulzimmer zuliebe). Etwas unterscheidet Harmos 1 von Harmos 11: der Tintenkiller. Verboten für die einen, verschmäht von den anderen, weil Tippex (Werbung) am Meter schneller und besser geht beim schnellen Korrigieren, und weil Tintenkiller jeden Fehler nach ein paar Wochen wieder hervorzaubere.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen 1 und 11: Die gute alte Unterlage. Mit Weltkarte, durchsichtig für die wilden Kleber, schwarz für Tippex-Graffittis oder mit dem Lieblingsheld, passend zu Tresen und Etui, ab Harmos 9 ist Schluss damit: Dann wird Grösse und  Schwarz normiert und während des Unterrichts individualisiert (könnte ja mal langweilig werden, und Tippex gibt es auch flüssig zum Zeichnen).

 

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Beim Schulsack gehen die Meinungen auch auseinander, doch der schnell ausverkaufte Verkaufsburner gibt es: ein 5-6 teiliger Schulsack, mit integriertem Turnsack, voll ausstaffiertem Etui, ergonomischem und mitwachsendem Rückeneinsatz, mobilem Einlegefach gegen zerknitterte Einzelblätter, Licht- und Leuchtkörper. Derweil Harmos 11 mit Surf- und Bikerrucksäcken oder Longchamps unergonomisch mit zerbeultem Etui, doch (wenn es andauert als motivierter Schüler) mit aufgepimpten Innenleben in die Schule geht.

Im Trend sind die Evergreens Dinos, Feen, individuell gesprayte Graffitis, und die Farbe Blau gegen Rosa teilen die Geschlechter weiterhin, was Harmos 1 angeht. Harmos 11 schämt sich Null und Koma mit rosa Skaterhelm oder Leoprint-Schlappsack zur Schule zu gehen.

Was allen gemeinsam bleibt: Hüselipapier und Gummis in allen Varianten. Und eben die eine Lieblingsfarbe - jene, die nach dem zigmalen Benutzen immer kürzer wird in der Schachtel. Eine zieht ja bekanntlich immer den Kürzeren. Zum Zweiten gemeinsam bleibt: Geliebte und gehasste Lehrer und Lehrerinnen. Doch seid euch gewiss, auch sie mögen nicht alle ihrer Schüler und Schülerinnen. Wir sind ja alle nur Menschen.

Einfassen, das dritte Merkmal eines alljährlichen Schulstarts: Easy peasy bei Hüseliheftli, weit kniffliger bei Atlanten (der Atlas in Einzahl) und Büchern. Das Einfasspapier bitte passend zum Outfit und ja nie zukleben, bevor die Länge und Breite der Buchdeckel quasi in Trockenübung im Papier eingefaltet wurde.

Wir denken diesen Donnerstag 23. August ganz fest an euch, wünschen viel Glück auf dem neuen Schulweg, einer grossen Entdeckungsreise, vielleicht erst mit Pedibus, oder des langweilig, gewohnten Schulwegs eines letzten Schuljahres. Wir staunen, wie gross’ die Schulsäcke auf den kleinen Rücken sitzen (klar, ergonomisch) und wie klein jener der grossen Rückgrate (klar, schon sehr erwachsen) werden.

Liegt es daran, dass die Schulsäcke überdimensioniert konzipiert aussehen oder ihr so schnell wächst? 

1. Nachtrag: Die Oldschool Chindsgi-Säckli seien out - da kämen direkt Mini-Rucksäcke im Einsatz. 

2. Nachtrag: Das Sujet vom ergonomisch-durchdachten Super-Schulsack ist möglicherweise ab Harmos 3 gehasst (nehmen wir die süsse Fee oder das rosa Einhorn, die waren dann auch mal out, ergonomisch hin oder her). Drum, denkt' über die Sujets wie Dino oder Fee gut nach, ihr lieben Schulsack-Designer! 

3. Nachtrag: Das Turnsäckli im 6teiligen Schulsack ist möglicherweise bei Harmos 4 zu klein, Turnschuhe mit Schuhgrösse 40 der Flossen eines Fünft-Klässlers passen da nicht mehr rein. Zum Glück, so ist Dino von selbst recycelt in der Hoffnung, da kommt kein jüngerer Bruder zum Nachtragen.

Gottéron-Blog

Ein Drachenluftschloss für grosse Träume

"Was ist ein Luftschloss", fragt der 9-jährige Bub im winzigen Gotteron-Trikot seinen Vater. "Ein Luftschloss ist gemäss Definition eine Vorstellung oder ein Plan von etwas, das man sich ersehnt, herbeiwünscht oder erträumt, das aber bei vernünftiger Betrachtung nicht realistisch ist", antwortet der erfahrene Gottéron-Anhänger. "Was ist dann ein Drachenluftschloss?". Der Gottéron-Papi antwortet verlegen: "ein Drachenluftschoss ist ein Luftschloss von Gottéron, das ehhh uhhh.. einfach ein Plastikdrache Wundernase!". "Ja, aber Papi, du hast doch gesagt, dass es wie ein Traum sei, der nicht wahr werden könne". "Ehhm uuhhh, ahhh, die Intelligenz hast du von deiner Mutter,  verdammt, halt jetzt einfach den Latz frecher Bengel, wir kommen sonst zu spät an den Gottéron-Match". 

 

Jeder Gottéron-Fan versteht auf Anhieb, was der Gottéron-Vater gegenüber seinem Sohn nicht aussprechen wollte. Es fängt mit "Meister" an und endet mit "titel". Ist es also gar kein Zufall, dass die Gottéron-Akteure seit der neuen Saison aus einem Drachenluftschloss aufs Eis kommen? Ein Drachenluftschloss? Für diejenigen, die es verpasst haben. Der legendäre, feuerspukende, von Hubert Audriaz gehätschelte Drache, findet aufgrund der Baustelle rund um die BCF-Arena keinen Platz mehr. Aus diesem Grund mussten die Gottéron-Verantwortlichen auf einen Plastik-Drachen ausweichen. Ein "Drachen-Gummpischloss" oder eben ein "Drachenluftschloss". Die Reaktion bei den Fans war heftig. Auf den billigen Plätzen hörte man unter anderem: "Mit diesem Drachen werden wir nicht Schweizermeister!". Hier zeigt sich wieder einmal das altbekannte Gottéron-Befinden, diese negative Einstellung. Ein-zwei Niederlagen und die Fans sehen Freiburg-Gottéron als Abstiegskandidaten und verlangen die Entlassung des Trainers. Warum sehen wir den Übergangsdrachen für einmal nicht als Chance alle erlebten Enttäuschungen vergessen zu machen, als Möglichkeit den Bann zu brechen und als Omen für eine glorreiche Saison? Warum sehen wir das Drachenluftschloss nicht als Symbol für grosse Träume? Von einem gestandenen Gottéron-Fan war zu vernehmen, dass es sich beim neuen Drachen um das Krokodil aus dem BEO-Funpark in Bösingen handle, welches für die neue Gottéron-Saison ungespritzt wurde. Also warum sehen wir das Drachenluftschloss nicht wie ein Kind als grossen Traum an?

Der Traum könnte wie folgt aussehen: Der Eingangs erwähnte Gottéron-Fan steht mit seinem Sohnemann im sechsten Finalspiel gegen den SC Bern in der zehnten Reihe und macht sich vor Aufregung beinahe in die Hose. Die French-Truppe führt in der Serie mit 3:2 und kann in der BCF-Arena alle Gottéron-Träume wahrmachen. In der Verlängerung, beim Stand von 3:3, zieht Julien Sprunger von 10 Metern ab und erwischt Leonardeo Genoni zwischen den Hosenträgern. Das Stadion kocht, Freudentränen, Jubelschreie... Gottéron ist Schweizermeister! Der Vater und der Sohn fliegen nach der Meisterfeier mit dem Plastikrachen nach Hause. Das muss der grosse Traum sein, auch wenn er vielleicht nie wahr werden wird. Liebe Gottéron-Fans, seht den neuen, zugegebenermassen etwas peinlichen Drachen, als Drachenluftschloss für grosse Träume an. 

Carte Blanche #61

Blick in die Augen unserer Kinder

In den letzten Wochen hatte ich wieder einmal mehr Zeit mit offenen Augen umherzugehen und zu entdecken, was da so alles abgeht um mich herum.
ERSTAUNLICHES!

Klar ist das bereits allen von euch auch klar, trotzdem nehme ich mir die Mühe, diese Zeilen zu verfassen.

HANDYS FIRST überall, zum kotzen, oder nicht? Auf dem Spielplatz, im Restaurant, in der Badeanstalt, in den Ferien, beim Fahren, in der Kirche, am See, im Freizeitpark, beim Essen...
Auffällig sind vor allem Eltern, die ständig an den Dingern hängen, statt sich mit den Kindern abzugeben. Auch kleine Kinder bemerken natürlich, wie viel Aufmerksamkeit
dem handlichen Bildschirm gewidmet wird und fühlen sich nicht selten zurückgesetzt.


Dies ist erwiesenermassen schädlich für die Entwicklung des Kindes und auch die
 wichtigen familiären Bindungen. Dies belegen diverse Untersuchungen. Während der
 Betreuung des Babys oft das Handy zu benutzen ist eine schlechte Idee, da bei
 Kleinkindern vermehrt Fütter- und Einschlafstörungen auftreten. Auch die
 Sprachentwicklung des Kindes leidet. Im Kindesalter lernen Kinder vor allem durch
 die Nachahmung der Eltern, also nicht wundern, dass viele Kinder und Jugendliche
nur noch mit den Handys zu sehen sind. In der Schule fallen diese Kinder übrigens
oft durch Konzentrationsstörungen, motorische Hyperaktivität, Übergewicht und
 ungesunde Ernährung auf, weil sie ständig mit dem Smartphone zugange sind. Der 
exzessive Handygebrauch ist auch Schuld für ein erhöhtes Risiko für Depressionen..
Psychologen warnen, dass die Kleinen, welche von den Eltern nur geringe
Aufmerksamkeit erhalten, es später normal finden werden, in bestimmten Situationen 
unaufmerksam zu sein, weil das Kind durch die Handynutzung der Eltern auch das 
Gefühl bekommt, dass es alleine ist mit seinen Bedürfnissen und dass es sich nicht
 auf Mami oder Papi verlassen kann.
 Gefährlich wird es dann zudem auf Spielplätzen und in Schwimmbädern. Es dauert
zum Beispiel nur 20 Sekunden, bis ein Kind ertrunken ist.

Leider passiert dies fast
 täglich irgendwo auf der Welt, dass sich ein Kind verletzt oder gar stirbt, nur weil
 Mami oder Papi lieber das Handy bedienen.
Für mich persönlich ein ganz wichtiger Punkt ist der Augenkontakt und die Nähe vor
allem mit und bei Babys und Kleinkindern (natürlich auch sonst generell sehr
 wichtig).
Kinder wollen von ihren Eltern gesehen werden. Für jedes Kind sind
 Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob wichtig für die Bindung zu den Eltern und die 
eigene Entwicklung. Wenn die Aufmerksamkeit hauptsächlich dem Handy gilt, zeigen 
Kinder typisches Verhalten wie Weinen, Schmollen, Ruhelosigkeit sowie verbale und
 körperliche Wutausbrüche. Und sind wir ehrlich. Sind es nicht vor allem gerade diese
 Verhaltensmuster, die wir heutzutage am meisten bei Kindern feststellen können?
 Und wie reagieren Eltern in vielen Fällen auf dieses (Fehl)verhalten?
 Na?
 Genau. Sie drücken ihnen ein Handy in die Finger - und Ruhe ist.
 Wenn man mit Kindern zusammen ist sollte das Handy nicht, oder nur "sinnvoll"
 genutzt werden. Geniesst die Augenblicke mit den Kindern und vor allem den 
Augenkontakt.
 Es gibt nichts schöneres als ein Blick in die Augen unserer Kinder.

David Aebischer

 

Zensur bei der Stimme des Rock

Eine Carte Blanche von Mario Corpataux, diesmal für Musikliebhaber.

Die wahlweise beste, düstere oder verdienteste Stimme des Rock! Welch Ansage – und kein bisschen übertrieben, sie gehört diesem Mann aus Seattle, der in der Hochzeit des Grunge hinter all den Nirvanas, Soundgardens, Pearl Jams und Alice in Chains’ mit seiner Band The Screaming Trees als fünfte Instanz gegolten hat. Den Millionenerfolg der Grunge-Epigonen haben die Screaming Trees nie erreicht, ihren Status aber dank ihres Sängers auf Legendenniveau gehoben. Und immerhin – Mark Lanegan lebt noch, obwohl er nicht minder wild unterwegs war: Kurt Cobain hat sich den Kopf weggeschossen, Chris Cornell sich erhängt, bei Layne Staley war es eine Überdosis. Pearl Jams Eddie Vedder lebt als einziger des Quartetts noch, gibt Konzerte, wie soeben in Mailand vor 60'000 Zuschauern, irgendwie ist aber auch er tot, so zwischen Bono Vox und Paul Mc Cartney. Lanegan is alive! Er sieht mit seinen 54 Jahren und nach kiloweise Stoff zwar wie 75 aus, aber singen kann er immer noch wie ein junger Gott.

Mark Lanegan ist aber auch der Sänger, der das dritte und wichtigste Album von Queens Of The Stone Age «Songs for the Deaf» stimmlich veredelte und auf ausserordentlich vielen anderen namhaften Produktionen mit seinem rauen Timbre für den letzten Schmirgelschliff sorgte.

Nach zwei nicht vollen Shows in den Nullerjahren im Bad Bonn (beim zweiten Besuch hatte er sein epochales – mindestens epochales – Album Bubblegum vorgestellt) war es am 24. Juli soweit: Lanegan hat das Bad Bonn Wochen im Voraus restlos ausverkauft.
Ein DJ wurde gesucht, ich dafür engagiert, und zu zweit haben wir als The Screaming Bees vor, nach und zwischen der Show Musik ausgewählt. Dass bei diesem DJ-Namen auf Künstlerseite alle Alarmglocken läuten mussten wegen der Befürchtung, dass nun Musik seiner früheren Band aufgelegt würde – obwohl dies keinem vernünftigen und respektvollen Musikfan in den Sinn kommen dürfte – war zu erwarten.

Und nun kommt sie, die ZENSUR!

Kurz vor Auflegebeginn hat uns der Tourmanager freundlich ermahnt, dass gewisse Musik nichts auf dem Plattenteller verloren hätte. Der Zensurinhalt war unerwartet: NO Pearl Jam, NO Soundgarden and NO Queens Of The Stone Age, hiess es. Why? Ausser mit einem Gitarristen von Pearl Jam und dem Bassisten von Soundgarden hat er nicht mit den Bands zusammengearbeitet? Gefällt ihm die Musik nicht? Nicht mehr? Sehen die Sänger zu gut aus? War ihr Erfolg zu gross?  

Und weshalb keine Queens? Auf ihrem 2013-er Album hatte Lanegan noch Gesangsparts beigesteuert, so wie vorher auf den Alben von 2007, 2005, 2002 und 2000. Auf dem aktuellen Queens-Album vom Oktober 2017 fehlt er hingegen. Was ist da bloss passiert? Handgreiflichkeiten mit Queens-Kopf Josh Homme? Im April 2017 hatte Homme noch auf Lanegans letztem Album mitgesungen. Obwohl, in vier Monaten können zwischen starken Charakteren viele Unfreundlichkeiten ausgetauscht werden. Dagegen spricht wiederum, dass das von Josh Homme 2017 produzierte und eingespielte letzte Album von Iggy Pop nicht der Zensur unterlegen ist. Viele Fragen. Keine Antworten, aber ein fast zweistündiges Konzert mit einem gutgelaunten Brummbär. Und wenn er schon mal lächelt, will man ihm mit nervigen Fragen nicht die gute Laune verderben.

Nach dem Konzert signierte er draussen an einer eigens aufgebauten Bar in einer mit «Signing Sessions» betitelten Ecke artig und lächelnd Platten und Poster. Böse Blicke in Richtung Tourmanager zischten nur, wenn Lanegan von den Wänden heruntergerissene Gratisposter unterschreiben musste. Die düsterste Stimme des Rock kann lächeln. Ein starkes Bild und eine aussergewöhnliche Zensur.

Text: Mario Corpataux

Carte Blanche #59

Ferienerinnerung an Loch Ossian

Im westlichen Schottland gibt es einen Bahnhof, den Corrour Railway Station. An sich ist ein Bahnhof nichts Aussergewöhnliches. Bei der Corrour-Haltestelle steht aber nichts anderes als ein verlottertes Bahnhofsgebäude.

Kein anderes Haus, kein Weiler, kein Dorf. Wer hier ankommt, muss schon wissen, in welche Richtung er losmarschieren will, denn er sieht auch in der Ferne keinerlei Gebäude. Einfach eine stark torfhaltige, moosige Hügellandschaft und ein Gleis, das diese von Süden nach Norden durchquert. In östliche Richtung kann der Ankömmling über einen Hügelzug in zwanzig Minuten zum Loch Ossian gelangen, einem rund fünf Kilometer langen See. Am Ufer hat es drei, vier Hütten, darunter eine Jugendherberge.

Als zwei Interrail-Touristen auf einer Übersichtskarte die Abgeschiedenheit dieser Jugendherberge erkannten, da war klar: «Da müssen wir hin!» Sie stiegen in Pitlochery zusammen mit Briefen und Paketen in den Postbus nach Kinloch Rannoch, dem einzigen echten Dorf am Loch Rannoch, einem rund 14 Kilometer langen Stausee inmitten der schottischen Highlands. Die einzige Gaststätte hier war eine Scheune, in die eine Bar mit Guinness-Bierhahn gestellt worden war. Ein Paar Hocker an alten Whisky-Fässern und in einem kleinen Fernseher konnten Fussballfans den WM-Final mitverfolgen. Alles, was sie für diesen Abend brauchten.

Am nächsten Tag fuhr ein Post-Lieferwagen von Kinloch Rannoch dem Stausee entlang und dann bis Rannoch Station – nochmals ideal für die beiden. Sie kamen gerade früh genug für den nächsten Zug nach Corrour Station. Nicht schlecht, denn davon gab es nur fünf oder sechs pro Tag.

Dumm war einfach, dass sie dabei weder Zeit hatten, ins Restaurant einzukehren, noch im Mini-Laden beim Rannoch-Bahnhof das eine oder andere Essbare zu kaufen. Sie mussten auf den Corrour Station hoffen, wo es angeblich manchmal auch Lebensmittel zu kaufen gab. Sie wurden ja darauf hingewiesen, dass bei der abgelegenen Jugendherberge weder ein Restaurant noch ein Laden existierte. Man solle alles selbst mitbringen, dort kochen und zubereiten und seinen Abfall wieder mitnehmen, da sonst die Hirsche und Rehe aus der Umgebung angelockt würden. Das sagte ihnen Bill, der Hauswart, bei der telefonischen Reservation. Sowieso gabs zu ihm nur Kontakt per Festnetz-Telefon.

Eine Runde um den Corrour-Bahnhof zeigte dann aber: keine Menschenseele in Sicht, keine Lebensmittel zu kaufen. Ach, irgendeine Lösung würde es bei der Jugi sicher geben…

Nach dem 20-minütigen Anmarsch bei starkem Wind und leichtem Regen kamen sie zum Gebäude. Toll lag es da auf einer Art Halbinsel, bewacht von zwei Hirschen. Echte, freilebende Hirsche! Einer davon liess sich gar streicheln und es konnte durchaus sein, dass er – von feinem Essen auf dem Herd angekockt – in die Küche hineinschaute. Er schien zum Inventar zu gehören und passte bestens zur idyllischen Landschaft.

So quartierten sie sich ein, Männlein und Weiblein räumlich getrennt, wie es sich gehörte. Die beiden hängten ihre nassen Kleider an den Betten zum Trocknen auf. Da das alle machten, roch es in den Schlafsälen muffig. Sie assen zum Zmittag gleich die Päckli-Suppe und wenigen Crackers, die sie für Notfälle dabei hatten. Sie freundeten sich mit einem ostdeutschen Ärztepaar an, tranken Tee und spielten den ganzen Nachmittag Karten mit ihnen.

Nun nahte aber die Stunde der Wahrheit. Für heute Abend hatten sie nichts Essbares mehr dabei – ausser vielleicht, wenn der zahme Hirsch wieder vorbeikäme… Nein, keine solch bösen Gedanken!

Die Lösung war dann einfach, aber spektakulär. Sie wanderten die 20 Minuten zurück, nahmen um 18.20 Uhr den Zug zurück zum Rannoch Station – zwölf Minuten Fahrt – kamen dort nach drei, vier Minuten zum Restaurant und hatten bis genau 21.06 Uhr Zeit fürs Nachtessen. Dann ging der letzte Zug zurück nach Corrour Station, den sie unbedingt erreichen mussten, um wieder zu ihrer Übernachtung zu gelangen.

Der Fisch mundete bestens, das Bier dazu auch. Und da der Mini-Laden beim Rannoch-Bahnhof abends geschlossen war und sie auch am folgenden Tag keine Lebensmittel bei sich trugen, wiederholten sie diesen  Ausgangstrip – diesmal mit dem deutschen Ärztepaar im Schlepptau. Am Ende des feuchtfröhlichen Abends mussten sie mit einem Sprint zum Bahnhof den letzten Zug erreichen. Fast wärs schief gegangen, und sie hätten am Bahnhof übernachten müssen. Endlich im Zug lachten alle sich krumm über dieses Abenteuer.

Am nächsten Tag verabschiedeten sich die beiden Interrail-Touristen von Bill, der ihnen noch den Tipp gab, sich oben in Fort William, der nächsten grösseren Ortschaft, in Acht zu nehmen. Das sei ihm viel zu gross und unübersichtlich – und gefährlich. Good bye und thank you for the advice.

In Fort William schauten sie sich kurz das Städtchen an und mussten noch einmal herzhaft lachen. Zu gross, zu unübersichtlich, zu gefährlich? Fort William bestand aus drei Hauptstrassen und einigen Quartieren rundherum. Rund 5000 Einwohner. Naja, für Bill in seiner einsamen Jugendherberge wohl tatsächlich eine Nummer zu gross. Tatsächlich zu viel Jubel und Trubel – und zu wenig Hirsche.

PS: Das war vor 20 Jahren. Das Hostel Loch Ossian gibt es heute noch. Die Abgeschiedenheit wird bestens vermarktet. Die Jugi wurde vor einigen Jahren okölogisch renoviert, wird nun angetrieben von Wind- und Sonnenenergie, mit Grauwasser, Trockentoiletten und einer fledermausfreundlichen Farbe am Gebäude. Das Waschwasser zieht man weiterhin mit dem Eimer aus dem See. Die Herberge wird angepriesen als idealer Ausgangspunkt für Wanderfreunde und Naturbeobachter. Und natürlich: Internet-Buchungen sind auch in dieser Einöde längst Standard geworden.

Text: Christian Schmutz

skippr-Blog

Was hat der Blick nur gegen unsere Deutschfreiburger-Fussballer?

Enough is enough! Genug ist genug! Die vielleicht grösste Tageszeitung der Schweiz scheint irgendwie etwas gegen unsere Fussballer aus Deutschfreiburg zu haben.

Zuerst schreibt die Zeitung mit den fünf Buchstaben, dass Michel Aebischer aus einem « Kaff » komme. Zurecht haben die Heitenrieder mit viel Humor darauf reagiert. Dem war aber wohl nicht genug. Im letzten Kapitel der Geschichte Blick vs. Deutschfreiburger Fussballer wurde nun der Wünnewiler Marco Schneuwly nach Skandinavien transferiert. In der Zwischenzeit ist bekannt, dass der Stürmer zum FC Aarau wechselt. Zur Erklärung Skandinavien besteht aus den Ländern Schweden, Norwegen und Dänemark, jedenfalls aus geschichtlicher Sicht. Stand Marco Schneuwly oder sein Berater jemals in Kontakt mit einem skandinavischen Klub? Nein. Gehört der FC Aarau zu Skandinavien? Nein. Wo hat der Blick also das Gerücht dieses Transfers aufgeschnappt? Oder besser gesagt, wie kam der Blick - im Sportbereich zugegebenermassen eine Zeitung mit grossem Gewicht in unserem Land - dazu eine solche Falschmeldung, heute Fake-News genannt, zu verbreiten?

Die skippr-Redaktion hat da so eine Theorie, die wir euch nicht vorenthalten möchten:

Wir wissen, dass Marco Schneuwly in Tat und Wahrheit wirklich in Kontakt mit einem ausländischen Verein stand. Der befindet sich jedoch in der gegengesetzten Richtung von Skandinavien und zwar in Sydney, Australien. Dort trainiert nämlich ein gewisser Markus Babbel, Ex-Trainer von Marco Schneuwly beim FC Luzern, den dort ansässigen Fussballklub. Gut möglich also, dass einer der Blick-Redaktoren an einem Stammtisch oder über vier Ecken den Ort Sydney aufgeschnappt hat. Nun stellt sich nur noch die Frage, wie aus Sydney Skandinavien wurde? 

Erste Theorie: beim Weitererzählen wurde aus Sydney Skandinavien. Wir haben den Versuch gewagt und haben den guten alten Kettentrick angewendet. Dabei flüstert man einer Person einen Begriff ins Ohr und danach wird dieser mindestens vier Personen weitergeflüstert. Am Ende hört man dann, was für ein Begriff dabei rauskommt. Wir haben also der ersten Person den Begriff „Sydney“ ins Ohr geflüstert und unglaublich, aber wahr, es kam nicht der Begriff „Skandinavien“, sondern der Begriff „Sydney“ heraus. Ausser Spesen also nichts gewesen. 

Zweite Theorie: vielleicht gibt es in Skandinavien einen Ort Namens Sydney? Unser Freund Google sagt leider nein.

Eine dritte Theorie würde es geben, wenn es sich beim zuständigen Blick-Redaktor um einen Amerikaner handeln würde, da diese die Schweiz und Schweden bekanntlich nicht unterscheiden können. Dies ist aber auch nicht der Fall.

Eine vierte Theorie haben wir leider nicht.

 

Strassensanierung nach Prinzip „Feldschiessen“

Einmal im Sense-Oberland, ein Jahr später im Sense-Mittelland, danach im Sense-Unterland oder umgekehrt – und dann beginnt es wieder im Oberland oder umgekehrt. So ungefähr funktioniert der Verteilschlüssel für die Austragungsorte der alljährlichen Sensler Feldschiessen und offenbar auch für die Strassensanierungen im Sensebezirk. Wie anders liesse sich die Realpolitik erklären?

 

Es wird Sommer, die Strassensanierungssaison beginnt. Kilometerweise Teer wird aufgerissen, aber weshalb oft am falschen, scheinbar unnötigen Ort?

Feldschiessen Düdingen, 2018: Flüsterbelag, die Strasse hält. In Düdingen wird die Hauptstrasse gefühlt alle zwei Jahre aufgerissen und rundumerneuert. Dieser Trend soll auch in Zukunft nicht abbrechen. Verkehrsberuhigende Massnahmen sind geplant, welche einen weiteren Aufriss nötig machen werden.

Bösingen, Strassenabschnitt Riederberg – Bösingen Dorf, seit ungefähr 1938: Die Strasse verwildert. Bolivianischer Hochlandgroove. Ein Wunder, dass noch kein Fahrzeug die Böschung hinunter oder hinauf gesegelt ist.

Alterswil, Strassenabschnitt Galtern – Alterswil Dorf, schon viel zu lange: Flickwerk, unregelmässiges Schachbrettmuster, Zustände wie in Ruanda. Ein Wunder, dass noch kein Fahrzeug im Boden versunken ist. 

Diese beiden Strassen werden in nächster Zeit tatsächlich saniert. Politischer Druck seitens der Sensler Grossräte führt nach vielen Jahren des Missstands – Missstand? Spricht hier ein Wutbürger? – zur Problembehebung. Ein Nachgeschmack bleibt. Die Logik fehlt. An gewissen Orten werden mehr als gut befahrbare Strassenbeläge ersetzt, während andernorts die Löcher wachsen. Weshalb?

Glaubt auch ihr an die Logik «Strassensanierung nach Feldschiessenprinzip»? Oder wie sieht eure Theorie zur wenig nachvollziehbaren Realität aus?

Und kennt ihr andere sanierungsbedürftige Strassenabschnitte in Deutschfreiburg? Fotos und Antworten sind willkommen per E-Mail auf info@skippr.ch.

PS. Der Verfasser entschuldigt sich für den etwas wirren Aufbau des Artikels. Er hat sich der Situation angepasst.

PS 2: Dieser Artikel ist schon seit über einem Jahr für skippr in der Pipeline. Der Zufall wollte es, dass der politische Entscheid für die Sanierung der Strasse bei Bösingen soeben gefallen ist und die Freiburger Nachrichten einen Tag vor seiner Erscheinung das Thema aufgreifen.

Text: Mario Corpataux

 

Das Handy – ein Fluch und ein Segen zugleich

Nach einem Unfall: Der Verletzte liegt auf dem Rasen, einige rufen mit dem Handy die Polizei, über dem Verletzten beugt sich eine Frau um zu helfen. Kommt ein Mann sicheren und energischen Schrittes von hinten, tippt der Frau auf die Schulter und sagt. „Lassen Sie mich das mal machen, ich habe einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht.“ Die Frau schaut ihm eine Weile zu und sagt dann zu ihm: „Wenn Sie an die Stelle kommen, wo Sie den Arzt rufen sollten, ich bin schon da.“

Ist das nicht eine wunderbare Errungenschaft? Wo du bist, stehst und gehst ist ein Gegenstand omnipräsent -  vor allem auch in unseren Breitengraden. Wichtiges gelangt schnellstmöglich an die Zieladresse. Überall ist man erreichbar und von überall kann man sich mitteilen. Das Bedürfnis ist gross sich über das Handy per Whatsapp, Instagram, Facebook, etc. ungefragt mitzuteilen. Und wie um so viel mehr „Wissen“ wird da weitergereicht und geteilt. Wie die Grösse oder Tiefe der Beziehung zwischen Sender und Empfänger aussieht, stellt sich dann spätestens beim nächsten Aufeinandertreffen heraus. Finden wir uns in einem gegenseitigen Verstehen - und wollen wir das überhaupt?

Das Handy – ein Fluch und ein Segen zugleich.

Diese Erreichbarkeit kann einen unbewussten Stress auslösen. Worauf soll man das Augenmerk richten? Symptom oder Ursache? Für viele Menschen ist Stress etwas Alltägliches und zum Teil auch schon chronisch. Da ist man froh, auf die altbewährten, ewig gleichbleibenden Eckpfeiler zurückgreifen zu können wie Familie, Freunde/Freundinnen, Arbeit, finanzielle Sicherheit, solides Netzwerk.  Was ist, wenn diese Säulen der Gesellschaft zum Teil oder ganz fehlen? Wieviel Zeit schenkt man sich? Wie oft unternimmt man bewusst etwas mit sich alleine? Und wieviel Zeit hat man für andere?

Gewünschte Berührungen sind fast unerlässlich für das Genesen  von Körper, Geist und Seele des Menschen in jedem Alter und wissenschaftlich belegt zum sanften Stressabbau. Unter anderem in London ist das eine Arbeitsnische, sprich Dienstleistung die angeboten wir: Kuschelzeit zwecks Stressabbau. In einem Vorgespräch findet der Austausch statt; unter anderem auch welche Berührungsstellen genehm und welche Stellen tabu sind.

Für mich ein wunderbarer Input. Als Experiment möchte ich das Aufgreifen und biete kostenfrei nach telefonischer Terminvereinbarung  „Kuschelzeit“ an. Ich freue mich.

Text: Monika Jeckelmann

Carte Blanche #57

Di Jùnge rede andersch – o im Theater

D Spraach im Mùndarttheater setti scho jùscht syy – aber was isch dialäktmässig scho jùscht? Da gits rächti Ùnderschiide, ob Oberlann oder Ùnderlann, ob aut oder jùng. Graad di Jùnge ùberrasche mier ging ùmmi.

Am 19. Juni isch Premiere vom Frylicht-Theater «Hörti Zytte» z Friseniit. De dritt Tǜü vo de Seisler Saga nach «Hintercher-Banda» ù «Falli Hölli» stygt i di zweiti Saison. Bi de Proobe muess de Mark Kessler ùs Regissöör ù Tegschter allerlei Detail verbessere. Ùn i ggùgge de Schouspiiler de aube no bitz ùf ds Muu.

Debyy isch mer epis Spanends uufgfale. As git Sache, di tööne fùr mier zwaar fautsch, aber wen i verschideni Jùngi fraage, sääge dii dä Begrǜff ali glyych. De chas ja nümme fautsch syy, oder? Ù bim Theater chùnt ja no dezue, dass es fùr d Schouspiileri ù de -spiiler o muess fùnktioniere. Ùberspitzt gsiit, dass dä Satz picobello i iiras Muu yypasst. Schǜsch chùnts ùnnatürlich usa – ù vilicht no fautscher

Dä Dialäktwandù isch o nit schlǜmm. Wier hii früer mengs o andersch gsiit aus üser Öutere ù Grossöutere. Ù drùm beobachten i o ging gäär d Spraach vo de Jùnge ù laa mi gäär vom Wandù la überrasche.

·      Won ii jugendlich gsyy bǜ, hii d Lütt gsiit: Wier tüe daas mache. Das isch mer o bblǜbe. Hütt tää di Jùnge epis mache.

·      Bi mier isch klaar gsyy: eper tuet plöffe "prahlen". Di Jùnge hüt sääge sich plöffe, we eper sich säuber besser macht. Si hii mer erkläärt, asoo teegi si di zwoo Bedütige "sich selbst besser machen, prahlen" ù "sich im Spiel besser machen, bluffen" ùsenann haute. Das isch as tüpisches Argument. "Homonyme-Flucht" isch ds Fachwort, we mù nit wott, dass zwoo ùnderschiidlichi Sache glyych hiisse. O we ja fasch jedes Wort verschideni Bedütige het ù mù de epa glyych druus cheemi. Aber äbe, we Tǜü Lütt, wo as gwǜsses Prestige hii, für sich entscheide, dass a Homonymekonflikt herrscht, de schaffe si epis Nüüs. Ù di andere laferes de naa. Spraachwandù wy ùs ùm Büechli.

·      Bi de öuterschti Generation isch piize no "Fleisch einlegen". Das macht mù hüt epa hööchschtens no bim Wǜüd, de gits z.B. (Reh-)Pfäffer. Di groossi Massa kennt piize no fùr "ködern, die Ehrlichkeit austesten": Si hii mù as Zäächnernöttli piizt, fùr z ggùgge, ob ersch nǜmmt. Ù itz äbe bi de Jùnge hiisst piize nüerdings "plagen, necken" oder o "klauen, wegnehmen". Bim piize sy sich offebaar o di Jùnge nit einig, wo de Wääg hiifüert.

·      Ù itz äbe no zrùgg zùm Theater: Da het lötscht Jaar di einti jùnge Schouspiileri gsiit: i waage mier niit, epis z sääge. O daas het fùr mier fautsch töönt, a Mǜschig zwǜsche i waages nit ù i troue mier nit, epis z sääge. Aber ebe, wen i de bi verschidene Jùnge naagfragt ha, da han i vo meerere köört: i waage mier nit. Das schynt sich langsam dedǜǜrzsetze.

Loset amaau chli ùma. As git ging epis z entdecke ù z leere. Fùr waas son as Theaterprojäkt nit aus guet isch.

PS: Apropos Friseniit: I cha de Naame vo dem Wyler chumm sääge, oni a Sprùch hindernaa, won i früer maau köört ù näy naagglaferet ha: Friseniit – friss mi niit.

Text: Christian Schmutz

Carte Blanche #56

Weltherrschaft Start-Ups?

Fast jeden Tag gibt es einen brandneuen und perfekten Plan zur Weltherrschaft. Dass Menschen Unternehmen gründen wollen, ist ja nichts Ungewöhnliches. Startups sind aber vermutlich nicht nur der Feind von jedem herkömmlichen Unternehmen, denn Aufgaben und Ziele sind lebendig und oft auch unfreiwillig variabel, sondern auch von jedem vernünftig denkenden, fühlenden und agierenden Menschen. Wie dumm und verantwortungslos ist man also, wenn man die eigene Zeit für unwichtige Dinge wie Karriere und Geld ausgibt und ein Restchen seiner eigenen Zeit aufhebt, das vielleicht schon bald aufgebraucht ist?

Man kann bedingt viel lernen im Prozess des Wachstums, weil sich ständig neue Aufgaben ergeben. Startups können also doch etwas?

Wenn man sich dann aber etwas genauer damit befasst, oder sich einmal mit Menschen auseinandersetzt, die sich in diesen Startups, der neuen Weltreligion, hervortun, stellt man bald einmal Schlimmes fest. Da wird gekonnt Charisma ausgespielt. Diese Menschen sind fest überzeugt von der eigenen Grossartigkeit und Einzigartigkeit und hegen absolut keinerlei Selbstzweifel. Das natürliche Verhalten von Menschen mit starken narzisstischen Tendenzen also, oder doch nicht? Solchen Start-Uplern fallen die Anforderungen eines Startups besonders leicht. Sie treiben wegen ihres aussergewöhnlichen Selbstbewusstseins bahnbrechende Neuerungen voran, die den bisherigen Erfahrungen und Traditionen widersprechen. Dieser Wandel in der Unternehmenskultur lässt aber auch mehr und mehr Seriosität vermissen. Die Gier nach schnellem Geld, maximalen Wachstum und der Besetzung von Schlüsselpositionen scheint den Verstand, die Vernunft, die Menschlichkeit, sich und anderen Menschen gegenüber, ausser Kraft gesetzt zu haben. Es wird gezockt, gespielt und auf maximales Risiko gefahren ohne Rücksicht auf Verluste. Solche Menschen denken auch noch nach Zurückweisungen, die anderen hätten die Grösse ihrer Idee einfach nicht begriffen. Sie verlieren vollends den Sinn für Realität.

Je weniger Empathie, desto geringer sind die Hemmungen Konkurrenten zu überrollen und übervorteilen. Je geringer das Mitgefühl dieser Menschen ist, desto grösser ist die Nähe zum Psychopathen, warnen die Experten. Menschen werden wegen Karriere und Geld schon als Kinder kaputt gemacht, verformt und vergewaltigt. Menschen werden zerstört für die Karriere, Erfolg und Geld. Jeder eifert um die Wette, um dann letztlich spurlos aus dem Leben zu verschwinden. Lauter Gräber und Grabsteine, die nur unnötig Platz einnehmen werden.

Ein Startup-Unternehmen haut in genau diese Kerbe. Alles dreht sich nur um Erfolg und letztlich um Geld. Egal was es kostet. Menschen werden schlecht gemacht, verleumdet, aus Eifersucht gekränkt und als Konkurrenz wahrgenommen. Der Mensch sollte sich wieder echter Werte besinnen. Erst dann wird er wieder glücklich sein. Das wäre endlich einmal ein würdiges Startup-Unternehmen.

Text: David Aebischer

Die Taverna ist Wellness für den Magen

„Ich hätte gerne als Vorspeise das Oeuf Parfait mit grünen Spargeln und einer Bärlauch Mayo, garniert mit Parmesan-Krümeln und als Hauptspeise den 48 Stunden gekochten Schweinebauch an der karamellisierten Apfelsauce“, sagte er mit einer Selbstverständlichkeit, als ob diese Bestellung in Deutschfreiburg etwas Alltägliches wäre.

Vor der Neueröffnung des Hotels Restaurant Taverna hatte skippr mit den neuen "Tätschmeisterinnen" ein Video-Interview geführt:

Oeuf Parfait in Tafers? Das gibts doch sonst nur in der Haute Cuisine in Paris und 48 Stunden lang hat im Sensebezirk wohl noch niemand irgendetwas gekocht, ausser vielleicht früher mal ein Schwarzbrenner einen "Häppereschnaps". Verwundert ab der Karte lief dem Hobby-Koch das Wasser im Mund zusammen, was bei der netten und kompetenten Bedienung nicht unbemerkt blieb. „Was darf es als Beilage sein?“. Überfordert ab der gut bestückten Beilagekarte schien die Antwort gar kindisch: „Alles, bitte“. Die Dame mit dem freudigen Lächeln wies ihn darauf hin, dass dies etwas viel für ihn sein dürfte. Also gab es Kartoffel Gnocchi, Hausgemachte Pommes mit Trüffel Mayo und marinierte Kräuterpilze.

Zur Vorspeise: das Oeuf Parfait war seinem Namen getreu einfach perfekt. Serviert an frischen Spargeln war es schlicht ein Gedicht! Französische Topküche mitten im Sensebezirk, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Zur Hauptspeise: dem Schreiberling fehlen hierzu ganz einfach die Worte. Der Schweinebauch verging auf der Zunge, wie Butter in einer heissen Pfanne. Das Zusammenspiel mit der Apfelsauce, auf dem der zwei Tage gekochte Schweinebauch präsentiert wurde, war mindestens so gut, wie einst dasjenige zwischen Bykov und Khomutov.

Nur ein Schelm würde denken, dass es sich hier um einen Werbespot für die Taverna handelt. Dem ist nicht so und die Schwärmerei ist noch nicht zu Ende. Denn nach dem Essen warteten noch zwei weitere Überraschungen auf den Neukunden. Erstens: der Preis ist für die Qualität unschlagbar. Für ein solches Essen zahlt man in einem Freiburger Gourmet-Tempel pro Person weit über CHF 100.-. In der Taverna - "häbet nech am Bänkli" - CHF 35.-. Zweitens: obwohl der Genuss erst am späten Freitagabend stattfand, bereitete er auch einem heiklen Magen keine Schwierigkeiten bei der Verdauung. Wellness für den Magen halt!

Ein grosses Bravo in die Küche! Ein "Zigi Zagi, hoi, hoi, hoi" wäre angebracht, jedoch im schönen Ambiente in der Taverna unangebracht.

Rechtschreibung

Meinst du "jemand(-en)"?

Regelmässig suchen Leute auf Facebook jemanden, der etwas verkauft / sucht / weiss / hat oder was auch immer. Sie suchen "jemanden", schreiben im Dialekt aber "eber" statt "epper" oder "öpper". Liebe Leute, ein Eber ist ein männliches Schwein!

 

Und ein männliches Schwein kann weder im Juli für ca. 10 Tage deine Katze hüten, noch weiss er, was du deiner 30- bis 40-jährigen Tante schenken könntest. Er hat auch keinen Tipp, wo man Tartarenhut essen kann (er ist höchstens ein Teil davon). Er hat kein Interesse an deiner Velostange, deinen Berlin Tag und Nacht Staffeln und deiner zu klein gewordenen Jeans. Er hat keine Arbeit zu vergeben, keine Innenraumbeleuchtung für dein Auto und ganz sicher auch kein Laufgitter (Schweine können sofort nach der Geburt laufen und brauchen so etwas nicht). Er weiss nicht, wo man grüne Weihnachtskugeln kaufen könnte, kennt sich nicht mit Neurodermitis aus (Schweine haben das nicht) und kennt 100 % sicher keinen anderen Eber, der Wimpernverdichtung oder -verlängerung mit Perlen drauf macht!

Das einzige, was Eber (oder ihre Baby-Schweinchen) vielleicht brauchen könnten, ist das hier:

PS: Falls du jetzt denkst, dass die genannten Beispiele frei erfunden sind, müssen wir dich leider enttäuschen. Die sind alle echt (auch der mit den Wimpern... mein Liebling übrigens!). Was man in Mami-Facebookgruppen neben ganz viel überteuertem Ramsch und ein paar wenigen nützlichen Sachen nicht alles findet...

Ein Brief an den Blick

"Lieber BLICK, Heitenried ist kein Kaff"

Wer hat diesen Text im Blick zu unserem frischgebackenen Schweizermeister Michel Aebischer gesehen? Die ganze Schweiz natürlich... Die grosse Tageszeitung mit den fünf Buchstaben nennt den Geburtsort des Heitenrieder YB-Spielers darin ein "Kaff". Ein "Kaff". Eine unverschämte Frechheit! Wir haben uns entschieden dem Blick einen Brief zu schreiben.

Lieber Blick

Heitenried ist kein Kaff!

Gemäss Wörterbuch ist ein Kaff ein kleiner, langweiliger Ort. Das ist Heitenried mitnichten. Heitenried, Heitenried ist - wie sollen wir es sagen - Heitenried ist eben Heitenried. Klein, aber fein. Langweilig ist Heitenried aber sicher nicht! Immerhin hat es in Heitenried alles, was es in der meisterlichen Stadt Bern auch gibt. Das wollt ihr uns nicht glauben? Hier der Beweis: Bern hat das Münster, Heitenried die St. Michael Kirche; Bern hat Bären, Heitenried hat Kühe; Bern hat den Loeb, Heitenried den Volg; Bern hat YB, Heitenried Seisa 08; Bern hat Alec von Graffenried, Heitenried Bruno Werthmüller; Bern hat das Bundeshaus, Heitenried das Vereins- und Kulturhaus; Bern hat die Reitschulhalle, Heitenried hat auch eine Reitanlage (?!); Bern hat die Aare, Heitenried die Sense; Bern hat den Gurten, Heitenried das Schlossholz; Bern hat das Du Théâtre, Heitenried den Gasthof St. Michael; Bern hat das National, Heitenried hatte den Sternen; Bern hat zu viele Zürcher, Heitenried zu viele Berner; Bern hat das Dahlhölzli, im Heitenrieder Hölzli gibt es auch komische Vögel. Noch Fragen? Von Langeweile kann keine Rede sein.

Wenn Michel Aebischer jetzt aus Selgiswil, Wiler vor Holz oder Schönfels kommen würde, dann hätten wir den Ausdruck "Kaff" mit der Faust im Sack verkraften können. Aber der YB-Mittelfeldspieler kommt aus dem Dorf selbst, aus der City sozusagen.

Heitenried wurde in einer skippr-Abstimmung vor einem Jahr zur drittschönsten Gemeinde Deutschfreiburgs gewählt. Dies ein Detail am Rande. Und ganz ehrlich: in einem "Kaff" gibt es keine so "gailen Sieche" wie diejenigen, die nach dem YB-Meistertitel im Dorfkern von Heitenried stolz dieses Plakat aufgehängt haben:

Hätten die Heitenrieder/innen eine Anbindung ans Schweizerische Bahnnetz oder eine Autobahneinfahrt, dann hätten geschätzte 30 Personen am Tag nach der Veröffentlichung des Artikels vor euren Lokalitäten protestiert.

Lieber Blick, Heitenried ist kein "Kaff". Eine Berichtigung wäre angebracht!

Im Namen vieler Heitenrieder/innen 

Das skippr-Team

Gottéron-Blog

Kilian Mottet hätte die WM-Teilnahme verdient

Schade, schade, schade... Kilian Mottet hat den letzten Kaderschnitt in Richtung Eishockey-WM in Dänemark verpasst. Der Nationaltrainer Patrick Fischer musste den Gottéron-Stürmer aufgrund des Zuzugs der Playoff-Finalteilnehmer der ZSC Lions und des HC Lugano auf der Strecke lassen. Wirklich schade, denn "Kiki" Mottet hätte sich anhand der Vorbereitung das Aufgebot für die WM redlich verdient. 

 

Aber ganz ehrlich: Wer hätte gedacht, dass Kilian Mottet erst dem letzten "Cut" des Nationaltrainers zum Opfer fällt? Von den selbsternannten Eishockeykennern niemand und von den Gottéron-Fans wohl nur die allerwenigsten. Kilian Mottet hat sich in der Vorbereitung zur WM im Trikot der Nationalmannschaft von seiner besten Seite gezeigt. Wirblig, trickreich, unberechenbar und torgefährlich. Die Nr. 71 der Drachen konnte sich in den Vorbereitungsspielen immerhin vier Tore gutschreiben lassen und war in der Offensive der aktivste Spieler mit dem Kreuz auf der Brust. Schlussendlich hat wohl nur seine internationale Unerfahrenheit den Ausschlag gegeben, dass er sich die WM-Spiele der Nationalmannschaft am TV anschauen muss. Eine andere Erklärung wäre nichts anderes als eine faule Ausrede. Ausser Spesen also nix gewesen, könnte man denken. Diese Einschätzung wäre jedoch grottenschlecht und kreuzfalsch. Kilian Mottet hat in den drei-vier Wochen mit der Nationalmannschaft unglaubliche Fortschritte gemacht, Selbstbewusstsein getankt und gezeigt, dass er in Topform einer der gefährlichsten Torjäger mit Schweizer Pass sein kann. Dies lässt für die kommende Gottéron-Saison mehr als hoffen. Ein Mottet in dieser Form kann für Freiburg-Gottéron 10 Tore mehr pro Saison bedeuten. Sein Rekord im Leibchen der Drachen liegt bei 30 Skorerpunkten. Wetten, dass es in der kommenden Saison mindestens 35 sind?

Ganz grosses Kompliment, Kilian Mottet, für die Leistungen der letzten Wochen in der Nationalmannschaft! Und wer weiss: sollte ein Stürmer bis zur WM noch ausfallen, hat "Kiki" gute Chancen, doch noch nach Dänemark zu fahren. Aus Freiburger Sicht gibt es zudem ein Trostpflaster. Mit Samuel Walser nimmt ein Neo-Gottéronspieler und mit Tristan Scherwey ein waschechter Freiburger ab dem 4. Mai an der WM teil. Das erste Spiel der Schweizer findet am kommenden Samstag gegen Österreich statt. Hopp Schwiz!

Carte Blanche #52

Wie es zwischen Deutsch und Welsch läuft

Freiburg? Bilingue? Schon. Aber hier eine Geschichte aus dem Alltag.

Ein paar Fribourgeois haben ein Kulturprojekt. Eine riesige Sache mit Hunderten von Beteiligten. Sie entwickeln es weiter, es gedeiht und wird spruchreif. Im letzten Moment fällt ihnen selbst oder einem konfrontierten Kollegen, einer Korrekturleserin, Journalistin oder einem minderheitssensiblen Fingerspitzengefühlforscher ein: Mais Fribourg est bilingue! Man sollte auch die Deutschsprachigen einbeziehen. Dies könnte dem Projekt eine grössere Publizität, mehr Zuschauer, aber auch lukrativere Unterstützungsbeiträge von Stadt, Kanton und Bund bringen. Also mehrere Fliegen mit einer Klappe.

So weit, so gut – so aufwendig.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist dann aber eine Qual für alle Beteiligten. Bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion wird das Projekt – sagen wir ein Musiktheater – umstrukturiert. Der Einbezug von nur vielleicht zehn Prozent Deutsch ins sonst welsche Programm degradiert das deutschsprachige Mitmach-Grüppchen zu Exoten. Sie regen sich während der Proben auf, weil alles 100 Prozent auf Französisch abläuft. Sie verlieren das Interesse am Anlass und machen kaum Werbung im Bekanntenkreis. Dadurch kommen also nicht mehr Zuschauer an die Aufführungen. Der Vorverkauf harzt und die welschen Beteiligten stöhnen über den unverhältnismässigen Mehraufwand bei den Übersetzungen und den Proben.

Dann gehts los. Die kurzen deutschen Texte im Programmheft sind voller Fehler. Die Moderation verpasst es an der Premiere, auch die deutschsprachigen Teilnehmerinnen und Zuschauer zu begrüssen. Sofort kommen die Vorwürfe der Minderheit, Deutsch sei hier nur Alibi. Die Medien der Minderheit sehen sich betrogen und für welsche Propaganda-Zwecke missbraucht. Deutschsprachige Teilnehmer lassen sich von den Journalistinnen einspannen und plaudern aus dem Nähkästchen des Probealltags. Sie sagen: «Es ist doch immer das gleiche mit diesen Welschen!»

Die Organisatoren fühlen sich betrogen, weil ihre Absicht doch so wohlgemeint war. Man habe nie gesagt, dass die ganze Produktion zweisprachig sei. Man habe doch nur der Zweisprachigkeit eine Plattform geben und eine Brücke nach Deutschfreiburg schlagen wollen.

An der Schlussfeier legt das OK allen Rednern ans Herz, sie sollten doch wenigstens zwei Sätze an die Minderheit richten – in deren Sprache. Das geschieht auch. Dabei verdrehen die zuhörenden Romands die Augen, wenn es aus dem Mund des Festredners, der OK-Präsidentin oder des Politikers nicht perfekt tönt. «Quoi? Aux éléctions, on nous a vendu ce mec-là comme bilingue. Incroyable!»

Diese Zuhörenden sagen zwar selbst kein Wort auf Deutsch, nie – das täten sie höchstens, wenn sie es perfekt könnten. Aber Perfektion braucht Übung. Also ist dieses Szenario sowieso ausgeschlossen. Aber sie verstehen immerhin so gut Schul- und Fernsehdeutsch, dass sie die Qualität der Aussprache beurteilen können.

Viele Deutschfreiburger ihrerseits finden diese ungelenken Sätze charmant. Sie schauen lächelnd über die Fehler hinweg. Sie freuen sich über das gesetzte Zeichen an die Minderheit. Sie sind zufrieden, aber das sagen sie niemandem. Gesprächig werden sie erst wieder, wenn es etwas zu kritisieren gibt.

Ja, Zweisprachigkeit greif- und erlebbar machen – das ist viel mehr als einfach ein gemeinsames, kurzfristiges Häbchläb-Projekt.

Es könnte in Arbeit ausarten.

Text: Christian Schmutz

Carte Blanche #50

Von Trennungen und Scheidungen

Viele Anwälte, Ämter, Politik und Richter sorgen dafür, dass eine Scheidung länger dauert als eine Stunde, sind immer verantwortlich für den finanziellen und psychischen Ruin der Betroffenen, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen und lassen sich den ganzen Mist schlussendlich von der Allgemeinheit teuer bezahlen...

 

Mit Scheidung meine ich ganz allgemein die Trennung, der Unterschied ist nur juristisches Geplänkel. Gehen oder bleiben? Das ist die grosse Frage, die wir uns in den meisten Beziehungen irgendwann einmal stellen. Ist das die Liebe unseres Lebens, und wir stehen alles durch? Bin ich glücklich, erfüllt? Oder reicht es jetzt wirklich mit diesem anderen Menschen da in unserer Wohnung und in unserem Leben, der uns schon zu lange auf die Nerven gegangen ist?

Wir müssen uns dann entscheiden und dürfen auch. Meistens hat eine Trennung sehr gute Gründe, die unbedingt auf Trennung plädieren. Und wer sich um die Entscheidung drückt, der entscheidet sich trotzdem. Er bleibt. Jede zweite Ehe wird heute geschieden, genauso viele nicht eheliche Beziehungen gehen ebenfalls auseinander. Mit Ehe an und für sich hat es kaum zu tun, dass es nicht funktioniert.

Viele denken und sagen in der Krise auch, sie hätten jetzt keine Kraft, sich zu trennen. Natürlich haben sie keine Kraft, die wird ja verschleudert für das Weitermachen und die Ausreden. Man ist schlicht zu feige. Klar, eine Trennung vollziehen ist schwierig, brüskierend, rabiat, es hat etwas von einem Mord. Die Beziehung lebt, und nachher ist sie tot. Es ist ein Vernichtungsschritt. Auch Kinder leiden bei einer Trennung nicht grundsätzlich, zumindest nicht mehr als bei zerrütteten Verhältnissen. Das Problem ist erst der Rosenkrieg. Dem Mann wird alles genommen - und damit meine ich alles. Aber das Finanzielle ist dabei (noch) nicht relevant. Oder wie sollte man es bezeichnen, wenn jemandem seine Kinder genommen werden? Mehr geht nicht. Der absolute Horror! Gibt es etwas Schlimmeres? Kaum. Aber auch bei kinderlosen Paaren wird Krieg geführt, an weniger Fronten, aber er wird geführt. Da wird verleumdet, verletzt, gehetzt, ausgenommen usw. Wozu? Offensichtlich gäbe es keine Gründe, denn vorbei ist vorbei, wenn, ja - wenn einem nicht gesagt würde: „Nimm dir einen Anwalt, lass dir das nicht bieten!“ Was nicht bieten lassen? Die meisten Anwälte beraten dann auch auf den Konflikt hin, davon leben sie ja schliesslich. Zum Glück gibt es Ausnahmen! Das Gericht verschleppt Termine, macht Verfahrensfehler, setzt Ämter ein, die meist aus klar ersichtlichen Gründen inkompetent sind - das generiert für Betroffene und die Allgemeinheit extreme Kosten. Und ich spreche hier von mehreren 10‘000 Franken auf beiden Seiten. Sei es Kesb, Sozialamt, Gericht, Anwälte, Beistände, Kofa, Psychologen und, und, und - die Kostenexplosion ist vorprogrammiert. Und dies nur, weil Betroffene bei einer Trennung schlecht beraten sind. Die Vernunft setzt aus - es geht nur noch ums Gewinnen. Aber was gewinnen? Verlierer sind immer beide Seiten; nur nicht die dazwischen und rundherum. Das Schlimmste ist, wie gesagt, das beratende Umfeld, die Familie, die Freunde, wobei man davon beides in Anführungs- und Schlusszeichen setzten müsste. Denn was ist das für eine Familie, die gegen den Ex-Partner hetzt, was sind das für Freunde, die sich lautstark einmischen und Scheisse erzählen? Solche „Menschen“ (diesmal benutze ich die Anführungs- und Schlusszeichen bewusst), gehören bestraft und das hart. Denn was solche Individuen anrichten und die Menschenleben, die sie auf dem Gewissen haben, lassen nichts anderes zu als Bestrafung. Sie sind anmassend, respektlos und letztlich alles andere als eine Hilfe, sondern führen zu Zerstörung und brüsten sich danach noch als grosse Helfer in der Sache. Schuldig im Sinne der Anklage, muss es heissen bei all den „Helfern“. Wenn ihr helfen wollt, dann seid da, hört zu, hört genau zu, verliert nicht den Respekt und urteilt nicht. Dann wird auch eine Trennung zu einer Sache zwischen zwei Personen und nicht mehr jene der Allgemeinheit.

Und noch einmal als Schlusswort in Bezug auf die Kinder: Es kann einfach nicht angehen, dass ein vermeintlich aufgeklärter Mensch es ok findet, wenn man einem Vater seine Kinder nimmt. Auch dies ist ein schweres Verbrechen, wenn nicht eines der schlimmsten. Werden die Verursacher bestraft? Leider nein...

Das Elend ist gross und wird täglich grösser.

Text: David Aebischer

skippr-Erfahrungsbericht

Ein lustiger Test des Turbo-Kreisels 

"Wählen Sie die richtige Spur, denn es wird nicht möglich sein, diese im Nachhinein zu wechseln", hiess es in der Medienmitteilung der Freiburger Kantonspolizei bei der Geburtsstunde des Turbo-Kreisels. Na ja, sagen wir mal es ist schwierig ohne Hupkonzert der anderen Verkehrsteilnehmer und ohne Hüpfer die Spur zu wechseln. Zu dem aber später.

 

Die Kantonspolizei hat bekanntlich auf humorvolle Art und Weise auf unsere blöden Fragen zum Kreisel geantwortet (siehe unten). Sie hat uns jedoch vorenthalten, dass der Turbo-Kreisel viel lustiger ist als erwartet. Wir haben den Turbo-Kreisel von hinten und vorne getestet, ihn richtiggehend in die Mangel genommen, ihm alles abverlangt und ihn auf die Nieren geprüft.

Was braucht es für den Turbo-Kreisel-Test? Ein Auto und Nerven wie Drahtseile. That's it, heisst es wohl auf Neudeutsch. Also haben wir ein praktisches kleines Auto genommen (Werbung wird hier keine gemacht, es war jedoch kein Abarth der Garage Julmy in Schmitten, obwohl es mit diesem Gefährt wohl noch mehr Spass gemacht hätte), vorher etwas Joga für den Ausgleich praktiziert und haben uns auf den Weg zum Turbo-Kreisel gemacht.

Zuerst wollten wir von der Kathedrale aus den Weg zurück zu den skippr-Lokalitäten in Düdingen testen. Mit grosser Vorfreude auf den Turbo-Kreisel haben wir uns darum Richtung Autobahneinfahrt Freiburg-Nord begeben. An den zu lang auf rot geschalteten Ampeln vorbei, durch die Poya-Unterführung, vorbei an den Gebäuden der Kantonalen Gebäudeversicherung sowie der Groupe E (auch hier darf dem Verfasser keine Werbeabsicht unterstellt werden) und da stand er dann plötzlich vor uns, der berühmt berüchtigte Turbo-Kreisel. Ein Gefühl, wie man zum ersten Mal auf den Arc de Triomphe in Paris zufahren würde. Da wir das Bild des Turbo-Kreisels auf der Medienmitteilung innig studiert und bis ins Detail analysiert hatten, sagten wir uns "wird schon schief gehen". Denkste! Jedenfalls konnten wir gleich beim ersten Mal herausfinden, warum der Turbo-Kreisel wirklich Turbo-Kreisel heisst. Eingespurt waren wir zwar richtig, aber als wir aus dem Kreisel raus geführt wurden, fuhren wir schon Richtung Murten und hatten die Autobahneinfahrt nach Düdingen glatt verpasst. Es ging uns im Turbo-Kreisel einfach zu turboschnell! Also haben wir am Kreisel Richtung McDonalds umgedreht und unser Glück erneut - dieses Mal von Richtung Murten her - versucht. Am Turbo-Kreisel mussten wir dann feststellen, dass man nicht nach links auf die Autobahn abbiegen kann. Ja, bei den Angaben zu unseren Vorbereitungen haben wir eventuell etwas geflunkert. Darum zurück zum nächsten Kreisel, um den nächsten Versuch wiederum von Freiburg her zu wagen. Wir dürfen es kaum zugeben, aber beim Turbo-Kreisel bemerkten wir, dass wir vor lauter Übermotivation, auf der falschen Spur gelandet waren. Da kam es zum Eingangs erwähnten Hüpfer über die Bodenbeschränkungen sowie zum Hupkonzern der anderen Verkehrsteilnehmer/innen, um auf die Einfahrt zu gelangen. Angekommen auf der Einfahrt der Autobahn Richtung Düdingen konnten wir uns das Lachflash ab unserer eigenen Unfähigkeit nicht verkneifen. Auf weitere Tests haben wir nach der Episode aus Sicherheitsgründen verzichtet. 

Fazit: der Turbo-Kreisel ist noch lustiger als seine Erfinder!

Fragen zum Turbo-Kreisel

Die Antworten der Polizei sind Weltklasse!

Vor Wochenfrist hatten wir zum Turbokreisel in Freiburg der  Kantonspolizei einen Brief mit fünf blöden Fragen geschrieben. Die Kantonspolizei hat skippr wirklich geantwortet und die Antworten sind schlicht Weltklasse. Unser Freund und Helfer hat Humor! Einfach sympathisch... Herzlichen Dank für die tolle Antwort.

Hier das E-Mail der Kantonspolizei, welches ihr mit einem Klick auf das Bild lesen könnt:

 

Die Kantonspolizei könnt ihr hier auf Facebook verfolgen.

Ein Brief an die Kantonspolizei 

Die Kantonspolizei Freiburg hat folgende Meldung auf Facebook veröffentlicht: VERKEHRSINFO ! Am 27. März beginnen die Bauarbeiten an der Murtenstrasse. Um den Verkehrsfluss zu verbessern, wird der Kreisverkehr Lavapesson provisorisch in den Modus "Turbo" versetzt.
Wählen Sie die richtige Spur, denn es wird nicht möglich sein, diese im Nachhinein zu wechseln.

Da stellen sich uns ein paar Fragen, die wir gerne der Kantonspolizei in einem kurzen Brief stellen möchten.

Liebe Kantonspolizei

Wir durften frohlockend erfahren, dass an der Autobahn Freiburg Nord ein Turbo-Kreisel eingerichtet wird. Leider verstehen wir den spannenden Begriff « Turbo-Kreisel » nicht ganz und haben darum eine paar dumme Fragen, obwohl es dumme Fragen laut Volksmund ja gar nicht gibt:

  • Darf ich bei einem Turbo-Kreisel überhaupt anhalten oder ist Putschauto angesagt?
  • Muss ich bei einem Turbo-Kreisel mindestens 50km/h fahren oder gar mehr?
  • Ich habe einen Seat Leon ohne Turbo. Muss ich nun die Autobahn-Ausfahrt Freiburg Süd nehmen, um dem Turbo-Kreise aus dem Weg zu gehen?
  • Hat Knight Rider den Turbo-Kreisel erfunden? Der hatte ja immerhin einen Turbo-Boost.
  • Sind in Freiburg weitere Turbo-Kreisel geplant? In der Unterführung der Poya-Brücke, beim Kreisel nahe der Autobahnausfahrt Düdingen, ja sogar beim Kreisel in Tafers wäre ein Turbo-Kreisel eine tolle Sache, um den Verkehr zu « turboisieren »!

Wir danken jedenfalls für die innovative Idee und schon jetzt für die lustigen Antworten.

Eure Freiburger Verkehrsbenutzer/innen

Carte Blanche #49

«Si hett Haar uf de Zänn!»

Nie und nimmer wollte ich, dass es einmal heisst, ich hätte «Haar uf de Zänn»...

Aber ich möchte mich jetzt mit dieser Aussage versöhnen und drüber stehen. Ich finde, für eine Frau ist es gar nicht so einfach, NICHT dort zu landen, wenn sie ihre Meinung kundtun will. Frau muss sich in unserer Gesellschaft doch ziemlich anstrengen, damit sie ernst genommen wird... Entweder wird sie als naiv, unrealistisch, träumerisch, lieb-lieb oder gar «ängelihaft» eingestuft oder... si hett äbe de grad Haar uf de Zänn. Na toll. Gibts da vielleicht auch noch was dazwischen?? Falls nicht, dann liebe Frauen, lasst euch diese Haare auf den Zähnen halt wachsen. Ist eigentlich gar nicht so schlimm, wie es tönt ;-)

Für mich bedeutet diese Aussage ab sofort eher, dass sich Frau traut, in ihre schöpferische Kraft zu kommen, sich zu zeigen und zu ihrer Meinung zu stehen. Der Preis ist zu hoch, sich immer noch zurückzuhalten, passiv zu bleiben, lieber nichts zu bewegen, damit man sich nicht zeigen muss und somit auch ja nicht darüber geurteilt werden kann. Das hat Frau doch lange genug getan und ich finde es überaus wichtig, dass die Frauen nun ihre innere Kraft wieder voll aktivieren und beginnen, sich zu zeigen! Ich meine damit, dass sie NICHT in die Rolle des Mannes rutschen sollte, um kämpferisch jemandem etwas beweisen zu können oder etwas zu kompensieren. Nein. Sie sollte sich mit ihrer ursprünglichen, weiblichen Kraft verbinden und wieder bewusst ihren Geist verströmen, denn das ist ihre Stärke.

Ich bin mir sicher, dass in so vielen Frauen da draussen die tollsten Ideen schlummern und so häufig nicht umgesetzt werden aus Angst vor Ablehnung oder Verurteilung. Ich schlage vor, dass sich Frauen untereinander gegenseitig unterstützen, einander tragen, Ideen und Inspiration teilen und Dinge gemeinsam durchziehen! Lohn dafür ist das Erlebnis dieser gemeinsamen, schöpferischen Kraft, die dadurch in jeder einzelnen aktiviert wird und sich auszubreiten beginnt. 

Zum Schluss möchte ich ein grosses DANKE an alle Männer richten, die ihre Frau oder allgemein die Frauen genau darin unterstützen, ihnen Mut zusprechen, sie halten und es sogar cool finden, wenn sie einmal ihre «Haar uf de Zänn» zu zeigen wagen. MERCI!  ;-)

Text: Barbara Andrey

CORASON - herzhaft verbinden und bewegen: www.cora-son.ch

Carte Blanche #48

Equilibre im Ungleichgewicht

Der Schreibende fühlt sich allmählich als Sprachrechtler, so oft vergeht er sich an Sprachthemen. Er wäre froh, wenn dies ein Ende nehmen würde, aber dieser Kanton, diese Stadt, bieten einfach zu viel Gesprachsstoff (ohne Umlaut, dafür umso lauter). Eine Carte Blanche über eine andere Carte Blanche.

Bild: https://www.equilibre-nuithonie.ch

Ein Tastenmann, ein bisschen später ein Bassist – Gäste an einem Konzert vergangenen Freitag im Bad Bonn. Ein weiterer Deutschfreiburger Musiker, mit einem Majorlabel im Rücken und internationalen Ansprüchen, kreuzt auf. Er verneint meine Frage, ob er auch angefragt worden sei, beim Monsterprojekt «Hommage à un disque mythique des Beatles» mitzumachen. Viele weitere, verdiente, begabte, kreative Musiker aus Deutschfreiburg könnte ich mir auf dieser Bühne vorstellen. Kurz danach taucht ein Gitarrist auf. Er wurde gefragt. Mit ihm steht schon die gesamte deutschsprachige Gesellschaft der 17 Formationen mit insgesamt fast 50 Musikerinnen und Musikern komplett vor mir.

Freitag, eine weitere Woche zurück: Das Theater Equilibre in der Stadt Freiburg wird wohlig zweckentfremdet. Manchmal wurde es sogar richtig laut innerhalb der Wände der Hochkultur. Licht und Ton sind gut getroffen, das Bühnenbild ein Hingucker. Viele hochkarätige Interpretationen und Darbietungen – und kein einziges Lowlight bei 17 Liedern des weissen Albums der Beatles.

Die Beatles, unantastbar und doch so oft gecovert. Das konnte fast nur in die Hose gehen. In die Hose ging höchstens eine Freuden-Bisi. Garage-Rock, Slacker-Chill-Wave, lupenreiner Piano-Jazz,  afrikanisch und indisch Angehauchtes, instrumentaler Post-Rock, Experimentelles und ein Song sogar auf Persisch. Nur eines hat gefehlt: die deutsche Sprache. Kein Wunder, Kreateur und Organisator des Spektakels ist dieselbe Person, welche auch das Les Georges-Festival auf die Beine stellt und sich an dieser Carte-Blanche-Stelle schon für ähnliche Sprachverbrechen verantworten musste. Das Gefühl verdichtet sich, dass die deutsche Sprache in der französischsprachigen Stadt Freiburg immer mehr an Terrain verliert. Von ähnlich gelagerten Musikprojekten aber bitte gerne mehr, die Beatles haben noch bessere Platten und andere Künstler gibt es auch noch.

PS. Gustav war auch dabei beim Monsterprojekt, gilt aber als offizieller Brückenbauer.

Weitere Ungleichgewichte

Die Homepage: neun Zeilen auf Französisch, vier auf Deutsch

Das Programmheft: ein blutleerer, wörtlich übersetzter Text

Facebook: rein französisch

Youtube-Trailer: rein französisch

Die Leinwand-Einspieler zwischen den vier Musikblöcken: rein französisch

Text: Mario Corpataux

Gottéron-Blog 

Ein Brief an Reto Berra 

Wir Gottéron-Fans neigen bekanntlich dazu, masslos zu übertreiben. Aber seien wir für einmal ganz ehrlich und lassen jegliche Übertreibungen weg: Steht Reto Berra nächste Saison im Tor der Drachen, dann wird Freiburg-Gottéron mindestens Schweizermeister! 

 


Das Problem ist nur, dass die Chancen auf eine Rückkehr Berras nach Freiburg zurzeit noch immer bei "nur" 50 % stehen. Dem NHL bzw. AHL-Goalie wurde eine Vertragsverlängerung in Nordamerika unterbreitet und er weiss noch nicht, ob er das Angebot annehmen wird. Zur Erinnerung: Reto Berra steht bei Freiburg-Gottéron unter Vertrag, sobald er in die Schweiz zurückkehrt. 

Könnt ihr euch noch an den Brief erinnern, den wir Philippe Furrer geschickt hatten? In diesem Brief hatten wir dem Verteidiger des HC Lugano das blaue vom Himmel versprochen, wenn er zu Freiburg-Gottéron wechselt. Kurz nach dem Brief unterschrieb der Nationalverteidiger tatsächlich bei den Drachen und uns wurde mitgeteilt, dass der Brief bei der Entscheidung von Philippe Furrer mindestens eine kleine Rolle gespielt habe. Wir sagen uns nun, was einmal klappt, kann auch ein zweites Mal klappen und schreiben Reto Berra einen Brief.

Lieber Reto

Wie läuft's im Land der Trumps, wir meinen natürlich im Land der Träume? Hier in Freiburg ist alles senkrecht, ausser dass der Haussegen betreffend Torhüter im Hause Gottéron schon wieder schief hängt. Unser Barry war in den Playoffs leider nicht der gewünschte Retter, wie das sein Namensvetter Barry, der Lawinenhund ist. Im Gegensatz zu seinem Nachnamen trat der Kanadier auch nicht gerade mit breiter Brust auf, sondern wie ein Hündchen, das sein Schwänzchen eingezogen hat. Nun müssen wir auf die kommende Saison hin wohl oder übel wieder einmal einen neuen Torhüter suchen. Schade, haben wir nicht bereits einen Top-Goalie unter Vertrag. Einer, der aus einem guten Gottéron ein grosses Gottéron machen könnte. Einer, der von einem Tag auf den anderen mit einem winzigen "Ja" hunderte von Frauen zum Weinen bringen könnte. Einer, der bereits ein gutes Jahr mit uns verlobt ist, jedoch die Hochzeit bisher aufgeschoben hat. Auch nach mehreren Jahren im bezüglich seiner Präsidentschaftswahl dümmsten Land der Welt, wirst du begreifen, worauf wir hinaus wollen: Reto, bitte komm im Sommer zu Freiburg-Gottéron! 

Wir haben Philippe Furrer für einen Wechsel zu Freiburg sehr viel geboten. Einen Fangesang, Nidelkuchen und Seislerbrätzele "en masse", eine Statue, ein Bild auf einem TPF-Bus usw. Für dich haben wir uns jedoch etwas ganz Spezielles ausgedacht. Wenn du auf die kommende Saison hin zu Freiburg-Gottéron wechselst, organisieren wir 100 Personen, die zu deinen Ehren im Gottéron-Trikot auf die Berra (ein Berg im Freiburgerland) wandern und auf dem Gipfel während fünf Minuten deinen Namen skandieren. Etwas Ähnliches hat es für einen Schweizer Sportler noch nie gegeben, auch nicht für Roger Federer. Du darfst übrigens gerne mitkommen. 

Reto, der Entscheid liegt selbstverständlich bei dir und deinen Liebsten alleine, aber der Zeitpunkt für einen Wechsel zu Freiburg-Gottéron könnte nicht besser sein. Unter Mark French hat sich das Team gefangen, eine solide Saison gespielt und wesentliche Fortschritte gemacht. Mit den Zuzügen von Philippe Furrer und Samuel Walser hat Sportchef Christian Dubé ein Team zusammengestellt, das an einem guten Tag das meisterliche SC Bern zerzausen kann. Zudem erhalten wir in Bälde ein neues Stadion, welches das Freiburgerland elektrisieren wird. Und ganz unter Männern, deine Madame möchte ja eigentlich sowieso gerne in die Schweiz kommen... Hör also auf deine zwei besseren Viertel, deine Madame und die Gottéron-Fans. Freiburg ist deine Zukunft! 

Wir würden uns über eine Antwort freuen. Etwa so sehr, wie über die Pressemitteilung von Freiburg-Gottéron, dass du in der kommenden Saison unser Torhüter bist. 

Herzlichst

Deine Gottéron-Fans

Carte Blanche

Die Welt ist Klang

Alles was lebt, vibriert auf Schwingungsebene. Einiges schwingt langsam, anderes sehr schnell - manches so, dass es mit uns zusammen harmonisch schwingt und sich gut anfühlt, anderes schwingt so komplett anders als unser eigenes Wesen, dass wir uns sehr unwohl damit fühlen.

Schwingung = Klang. Auch wenn für uns mit unserer physischen Ausstattung nicht das ganze Spektrum hörbar ist: die Welt ist Klang

 

Wie klinge ich heute?

Wenn wir «missgestimmt» sind, können wir noch so betonen, dass es uns gut geht. Unser Gegenüber wird es aus unserem Klang der Stimme heraushören, dass sich Schwingungen eingeschlichen haben, mit denen wir uns nicht gut fühlen. «Uh, di het nid guet tönt», heisst es dann.

Umgekehrt hört man auch Lebendigkeit und Aufgeschlossenheit sofort aus einer Stimme heraus. Es braucht nur eine Silbe und man kann sich bereits ein Bild machen. Wie hört sich Enttäuschung an? Wut? Demotivation? Oder wie tönt Freude, Zufriedenheit, Entspannung? So langsam lässt sich diese umfangreiche Klang-Skala erahnen…

Wie klingt mein Leben momentan? 

Durch unser Umfeld, unsere Tätigkeiten, Familie, Partnerschaft, unsere «Einstellung», Job, Hobby, Freunde - vielleicht auch Feinde usw. entsteht in unserem Leben ein ganzes Orchester an Klängen. Wie klingt das? Passen die Töne und Rhythmen zueinander oder tönt es nicht mehr nach Musik? Was möchte ich denn hören von meinem Leben und welche Klänge kann ich anpassen, verändern, ausschliessen, schulen usw. Was will ich als Dirigent meines Lebensorchesters erreichen? Und was braucht das Orchester eigentlich von mir, damit ein gutes Zusammenspiel überhaupt gelingt?

Bin ich bereit, den Dirigentenstab in die eigene Hand zu nehmen oder überlasse ich das lieber anderen?? Höre ich überhaupt den Klang meines Wesens noch oder wird er von allem anderen überdeckt? Was ist mein ganz eigener Rhythmus und wie kann ich ihn einbringen, sodass er passt und ich mich damit nicht über- oder unterfordere?

Hinaus in die Welt der Klänge

Welche «Konzerte der Welt» möchte ich unbedingt einmal gehört haben? An welchen Konzerten bin ich zum Wohle anderer ständig dabei, obwohl mir die Musik gar nicht gefällt oder sie mir nicht gut tut? Wo ist es mir definitiv zu laut, so dass ich meine eigenen Klänge gar nicht mehr hören kann?

Und: wie hört sich denn eigentlich Stille an?…

Text: Barbara Andrey

Corason - herzhaft verbinden und bewegen: www.cora-son.ch

Carte Blanche #46

D Seisler jùscht verstaa (2)          

Alle Jahre wieder! Wen a öutera Seisler epis vùrzöut, de bùchää Seislertütsch-Ùngwaaneti mengisch rooti Oore vom Naadeiche. Was het ächt dää itz wöle sääge? Hie ùmmi maau a Aaliitig fùr Profi-Seisler z verstaa (siehe schon Carte blanche #10 unten). 

Öutera Seisler: «Bǜschù o scho det gsyy?»

Rǜckfraag vom a Bäärner: «Neei, doch nid Pöschù – e Rönù han i! Ù jaa, dä isch scho det gsii.»

Verständnishǜüf: «Hùùptsach ma het as Outo fùr naazchoo, was d Seisler fraage. Ù de: chaschù, heschù, woschù, bǜschù?»

Seisler: «Ù dys Miitli, wüvùuti Klass?» – «Di isch z löscht Jaar druus choo.» –

Rǜckfraag: «Di Aarmi! Jetz chunt si i däm Fau hüür nümme druus?»

Verständnishǜüf: «Druus choo, das cha mù o ùs de Schuu usi – na de obligatoorischi Schuuzytt.»

Öutera Seisler: «I ha der daas ggofferiert.» –

Rǜckfraag: «Auso, i de Ggùfere? Klaar! Ds Wort kanet bedütet ja, dass mù epis "i de Chane" versoorget. Demfau isch ggofferiert "i de Ggofere" verpackt.»

Verständnishǜüf: «Neneei, gg- am Wortaafang hii mer mee aus ander: ggofferiert statt offeriert, grasiert statt rasiert, är gjättet statt jättet.»

PS: Ù g-chanet het glyych nüüt mit Chane z tüe.

Seisler: «Geschter bim Spaziere isch a wäuts Pappi gsyy.» –

Rǜckfraag: «Hiisst daas, dass dä Pappi vǜü Chinn het oder dass es a tola Maa isch? Grooss ù epa no dick, dä Vatter.»

Verständnishǜüf: «Pappi oder Papotsch ligt mengisch ùf de Charrwääge ù Matte. Aber nit epa wyl er bsùffen isch.»

Seisler: «I neemi graad as Stängeli.» – «Ii nùme as Myneli.»

Rǜckfraag: «Kirschstängeli hii mer nid ùf de Chaarta – ù Chatze eersch rächt nid! Oder miinet er mit Myneli epa ds Wydebüüsseli.»

Verständnishǜüf: «Verchlynerigsfoorme schwäche ab. Di sy auso ideaau, we di vorsichtige Seisler epis z triiche wetti – ù nid mit de Tǜǜr i ds Huus wii kye.»

PS: Mynelini sygi schynts tatsächlich guet fùr z ässe – auso dii vo de Wyde.

Ù itz haut glyych no zùm Abschlùss:

A Seislera z Bäärn: «I setti epis haa fùr zscheiche.» –

Rǜckfraag: «Scheiche? So grusig cha me doch nid rede! Das sy doch Bei ù nid Scheiche.»

Verständnishǜüf: «Vo der Wandergeschǜcht hii awä ali scho maau köört. Aber Achtung: Scheiche chenti de o no d Ööu-Scheiche syy!»

Text: Christian Schmutz

Carte Blanche #10

D Seisler jùscht verstaa

Wen a auta Seisler epis vùrzöut, de müesse Seislertütsch-Ùngwaaneti leere interpretiere. Was er ächt het wöle sääge? Hie a chlyyni Aaliitig fùr d Seisler z verstaa.

Seisler: «I gaa flingg mys Bebe ga tuusche.» –
Rückfrage: «Minschù de, dù becheemisch as Hǜbschersch defǜǜr?»
Verständnishilfe: «Jaja, wy di Wäutsche tüe wier o d Chliider tuusche (changer) – oder d Windle.»

Seisler: «I ha daas graad ùf de Zyttùng gglääse.» –
Rückfrage: «Hiisst daas, dass dù nùme di eerschti ù lötschti Sytta lisisch? Nùme ‹ùf de Zyttùng›, aber nid drinine?»
Verständnishilfe: «Neei, deich nùme di eerschti. Di lötschti wee nid ùf, sondern ‹ùnder de Zyttùng›.»

Seisler: «I mache der hinacht as Telefon.» –
Rückfrage: «Bruuchschù niid, wäge i ha scho iis. Oder heschù graad as par Lattlini, Naagle ù Kabelini z vǜü?»
Verständnishilfe: «Chiit er graad ùmmi vergässe. As wiis doch niemer mee, was as Telefon isch.»

Seisler: «I chùme de maau vùrbyy.» –
Rückfrage: «We dù ifach ‹vùrbyy› giisch, han i nüüt devaa. Wees nid gschiider, we dù ‹zùcha› cheemisch?»
Verständnishilfe: «Da hii standardtütschi Struktuure ùf di fautschi Fäärta gfüert. Vorbeikommen, vorbeischauen ù soo.»

Seisler: «My Frou tuet Schuu gää.» –
Rückfrage: «Schue gää? Auso Haubschue verchùùffe, i d Hann trǜcke, abgää? Oder moodisch uusstatte? Oder schaffet si a de Schuu? Auso Schuele i Stann stöle? Isch si vilicht Abwarti?»
Verständnishilfe: «Dä setti vilicht no chli z Schuu, ga Schuu nää.»

Seisler: «Nǜmm ds Richterli fùr d Mǜüch z richte.» –
Rückfrage: «Was het si ächt verbroche, di Mǜüch? Graffiti i Anke gsprayet, di liide Häppere nid gschöönet oder de Weichchees la hört choo? Nachtrue-Stöörig im Frigor?»
Verständnishilfe: «Blöödi Ssou-Mûüch daas! Drùm triichen ii mys Ggaffi schwarz.»

Text: Christian Schmutz

Fragen zum Turbo-Kreisel

Ein Brief an die Kantonspolizei

Die Kantonspolizei Freiburg hat gestern folgende Meldung auf Facebook veröffentlicht: 

VERKEHRSINFO ! Am 27. März beginnen die Bauarbeiten an der Murtenstrasse. Um den Verkehrsfluss zu verbessern, wird der Kreisverkehr Lavapesson provisorisch in den Modus "Turbo" versetzt. 
Wählen Sie die richtige Spur, denn es wird nicht möglich sein, diese im Nachhinein zu wechseln.

Da stellen sich uns ein paar Fragen, die wir gerne der Kantonspolizei in einem kurzen Brief stellen möchten.


Liebe Kantonspolizei

Wir durften frohlockend erfahren, dass an der Autobahn Freiburg Nord ein Turbo-Kreisel eingerichtet wird. Leider verstehen wir den spannenden Begriff « Turbo-Kreisel » nicht ganz und haben darum eine paar dumme Fragen, obwohl es dumme Fragen laut Volksmund ja gar nicht gibt:

• Darf ich bei einem Turbo-Kreisel überhaupt anhalten oder ist Putschauto angesagt?
• Muss ich bei einem Turbo-Kreisel mindesten 50km/h fahren oder gar mehr?
• Ich habe einen Seat Leon ohne Turbo. Muss ich nun die Autobahn-Ausfahrt Freiburg Süd nehmen, um dem Turbo-Kreise aus dem Weg zu gehen?
• Hat Knight Rider den Turbo-Kreisel erfunden? Der hatte ja immerhin einen Turbo-Boost.
• Sind in Freiburg weitere Turbo-Kreisel geplant? In der Unterführung der Poya-Brücke, beim Kreisel nahe der Autobahnausfahrt Düdingen, ja sogar beim Kreisel in Tafers wäre ein Turbo-Kreisel eine tolle Sache, um den Verkehr zu « turboisieren »!

Wir danken jedenfalls für die innovative Idee und schon jetzt für die lustigen Antworten.

Eure Freiburger Verkehrsbenutzer/innen

Ein Attentat auf den Tinguely-Brunnen?

Ist die Tinguely-Skulptur auf der Schützenmatte wirklich der Kälte zum Opfer gefallen? Wir präsentieren eine Verschwörungstheorie der anderen Art und behaupten stinkfrech: Es war ein Attentat!


Der Tinguely-Brunnen ist nicht mehr. Am Montag wurde das durch die Kälte und das Eis beschädigte Wahrzeichen der Freiburger Schützenmatte glanzlos abtransportiert. Ob die Tinguely-Skulptur jemals auf den "Grand-Places" zurückkehren wird, ist mehr als ungewiss. Führt man sich die Leidensgeschichte der Skulptur vor Augen, wird ein Sprichwort immer lauter: "Des einen Freud, ist des anderen Leid". Bereits zwei Tage nach dem Sturz des Denkmals wurde verkündet, dass der Brunnen vielleicht nie wieder auf die Schützenmatte zurückkehren wird. Die Erklärung dazu tönt pragmatisch und in sich schlüssig. Im Verlauf des Jahres sollen die Arbeiten aufgenommen werden, um die zwei unterirdischen Parkings zu verbinden. Dabei würde der Brunnen unzugänglich und könnte gar beschädigt werden, konnte man in den Freiburger Medien lesen. Der Tinguely-Brunnen sollte zudem seine Heimat sowieso in den kommenden Jahren von der Schützenmatte an den Bahnhof verlegen. Nun bringt es fast nichts mehr, die Skulptur für einige Monate nochmals auf den "Grand-Places" zu stellen. Die Bauherren wird dies sicher mehr als erfreuen. Böse Zungen behaupten deshalb, dass der Fall des Tinguely-Brunnens kein Zufall war, im Gegenteil gar ein Attentat. Doch was spricht für diese Verschwörungstheorie? 

In den letzten 14 Tagen legte der Brunnen durch die eiserne Kälte täglich eine zusätzliche Eisschicht zu. Stündlich fotografierten Dutzende Freiburger und Touristen den wunderschönen vereisten Brunnen. Bereits ab dem 7. März 2018, sprich ganze fünf Tage vor dem Absturz, konnte der neutrale Beobachter erkennen, dass der Tinguely-Brunnen immer mehr dem schiefen Turm von Pisa glich. Mit jeder Nacht neigte die Skulptur sichtlich mehr nach links. Das Schicksal des Wasserspiels war somit ein Leichtes vorauszusehen. Doch was wurde gegen die schleichende Zerstörung des Brunnens unternommen? Nichts, rein gar nichts. Wurde das Wasser abgestellt, damit sich nicht noch mehr Eis um den Brunnen sammeln konnte? Nein! Wurde versucht, den Brunnen vor dem Eis, seinem Tod, zu befreien? Nein! Wer solche Fragen unbeantwortet sieht, schliesst schnell auf eine Theorie, die Verschwörungstheorie sowie auf Hintergründe eines Attentats!

Carte Blanche #44

Ist Sozialhilfe sozial oder Verwöhnprogramm

Sozialhilfegelder sind keine Almosen. Das mal vorab. Die Sozialhilfe sichert die Existenz bedürftiger Personen, fördert ihre wirtschaftliche und persönliche Selbständigkeit und gewährleistet die Integration. So ist also das Gerücht, dass Sozialhilfeempfänger = Sozialschmarotzer sind, bei den meisten Sozialhilfegegnern zerstreut.

Sozialhilfe steht grundsätzlich allen Einwohnerinnen und Einwohnern der Schweiz offen. Massgebend ist die Bedürftigkeit bzw. das Bestehen einer Notlage und nicht die Ursache, die zu dieser führt. Es geht aber sehr viel weiter und tiefer in den privaten Bereich eines Menschen, der einen Antrag für Unterstützung stellt. Da lässt man die Hosen runter, ohne, dass der- oder diejenige auch weiss, ob sie überhaupt Unterstützung erfahren wird. Bevor Sozialhilfe in Anspruch genommen werden kann, sind die eigenen Mittel wie Einkommen, Vermögen, eigene Arbeitskraft sowie Leistungen Dritter - Versicherungsleistungen und Unterhaltsansprüche – auszuschöpfen. Erhält man dann Unterstützung, muss man das Auto unter Umständen verkaufen, eine günstigere Wohnung suchen usw. Also kein Zuckerschlecken.Gesamtschweizerisch werden übrigens jährlich nur rund 2 Milliarden Franken für die Sozialhilfe aufgewendet. Die gesamten Sozialausgaben belaufen sich im Jahr auf rund 150 Milliarden Franken. Die Sozialhilfe ist somit weitaus kostengünstiger als beispielsweise die Invaliden- oder die Arbeitslosenversicherung. Die Sozialhilfe wird aus öffentlichen Geldern finanziert, nicht aus Lohnprozenten wie die Sozialversicherungen. Die Kantone und Gemeinden tragen die Kosten.Nach Artikel 12 der Bundesverfassung gilt das Recht auf Hilfe in Notlagen als Grundrecht: Wer in Not gerät und nicht in der Lage ist für sich zu sorgen, hat Anspruch auf Hilfe und Betreuung und auf die Mittel, die für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlich sind. Leider wird dieses Recht nicht überall angewendet und viele Bedürftige resignieren nach einer, oder mehreren Absagen. Dies ist kaum nachzuvollziehen. Ausserdem gilt Sozialhilfe nur als bevorschusste Leistung in einer Notlage. Finanzielle Sozialhilfe ist dann zurückzuerstatten, wenn der Hilfeempfänger in finanziell günstigere Verhältnisse gelangt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Beamten, welche entscheiden wer wieviel Sozialhilfe erhält, zu den Grossverdienern gehören und sich deshalb gar nicht vorstellen können, wie beschissen es diesen Menschen geht. Es sind wahrlich tragische Schicksale, die betroffen machen. Und ohnmächtig muss man zusehen, wie willkürliche und teilweise unmenschliche Entscheide für oder gegen Unterstützung gefällt werden. Hoffen wir, dass die Entscheidungsträger selber nie in eine ähnliche Situation geraten.Text: David Aebischer

Wer ist hier der Beck?

Eigentlich könnte man im Titel auch fragen: «Wer ist hier der Depp?» Wann ist eine Backware handgemacht? Und wann darf man sie als «frisch vom Beck» bezeichnen?


Als ob wir nicht schon oft genug hinters Licht geführt würden von Brotbackduftzerstäubern oder Backmischungen voller Chemie, welche die Teigherstellung zwar revolutionär vereinfachen, aber eben auch nichts mit einem richtig gereiften Teig zu tun haben. Brot, das wegen Beigabe von Zusatzstoffen nach Monaten noch irgendwie knusprig ist und niemals schimmelt, leider aber schon einen – oder am selben – Tag nach dem Backprozess nach nichts mehr schmeckt?

Bei Lidl in Düdingen steht seit rund zwei Jahren in grossen Lettern auf einem Plakat an der Strassenseite: «Handgemacht und frisch vom Beck» Und die Lidl-Homepage bekräftigt: «Keine Frage – handgemacht schmeckt es am besten.“ Stimmt, aber wieviel ist bei Lidl wirklich handgemacht? Lidl hat tatsächlich richtige Bäckereien engagiert, welche aber nur einen Teil des Angebots liefern. Dieser Teil besteht aus Halbweiss- und Ruchbrot und ähnlichen Klassikern, hält aber keinem Vergleich mit „richtigem“ Bäckerbrot stand. Aber das ist eine andere Angelegenheit. Mehr ist von diesem Grossbäckerbrot auch nicht zu erwarten, schliesslich kostet es zum Teil deutlich weniger als die Hälfte eines richtigen Brotes.

Aber weshalb stehen im «Backraum» der Filiale Düdingen acht Aufbackautomaten und nicht wirklich eine geeignete, genügend grosse Fläche, um einen möglicherweise frisch hergestellten Teig zu kneten und zu formen. Was heisst hier also handgemacht und frisch? Bei Lidl in Düdingen kommen Kleinbackwaren, Zöpfe, Baguettes und wer weiss nicht was noch alles aus dem Automaten. Tiefgefrorene Rohlinge werden aufgebacken, in den Ofen geschoben – natürlich von Hand. Wie man sich hier mit dem Begriff «Frische» brüsten kann, ist mir ein Rätsel und es wäre zu prüfen, ob «handgemacht und frisch vom Beck» als Werbeslogan nicht gerichtlich verboten werden müsste, wenn nur ein Bruchteil des Angebots frisch und handgemacht ist. Mehl in die Augen streuen nennt man das.

Lidl steht hier nur stellvertretend, aber als überaus offensives Werbebeispiel, für alle Grossverteiler und ihre Aufbacksystematik. Ich vertraue weiterhin meinen Bäckern Fontana, Waeber, Rappo, Widmer, Schorderet, Suard, Hauser – und dem «Grossen» Manor.

Text: Mario Corpataux

Carte Blanche #42

Lieben heisst Leben

"In allen Bereichen des Lebens können wir lernen das zu tun, was wir tatsächlich tun wollen und zwar weil wir es lieben"


Und mit Lieben im Leben kann ich auch verschiedene Abschnitte in meinem Leben angehen. Da kommt man als Kind, im besten Fall durch und mit Liebe,  in ein Lebenssystem. Und alles was es sieht, muss wohl der „Wahrheit“ entsprechen. Und wir beginnen unser Lebens- Spiel, kreativ und forschen an all den neuen Dingen, denen wir begegnen.

Später als Jugendliche entstehen Gefühle für Körper und Geist. Und je nach Prägung durch Vorleben unseres Umfeldes sind wir uns unserer Macht des eigenen Entscheides bewusst – oder eben auch nicht.

Ein gesundes Selbstbewusstsein entwickelt  inneres Feuer  und verleiht Energie. Ich „will“ oder „will nicht“  ist auch ein Zeichen der Liebe zum eigenen Leben und auch gegenüber zu meinen Mitmenschen. Ich  kommuniziere, versuche, dass mich meine nächsten verstehen – und ich auch sie.

Und  wie wandelbar ich sein darf  – denn es kann geändert werden  wenn  der  Weg  sich so nicht mehr richtig anfühlt.

Zeit sich schenken, alleine zu sein und sich annehmen können – wie viele sind damit überfordert...   .

Ich sehe meinen Fokus und nehme in mir die Lust an der inneren Führung wahr. Mein Egobewusstsein entsteht mit Ueber- oder Unterforderung. Mache ich das richtige im Leben und liebe ich das was ich tue oder tun werde.

In einem  Lebensabschnitt bin ich am Dienen oder  mache gar ein Geschenk an die Welt. Denn ich habe gelernt mit Liebe umzugehen. Habe meine Rolle im Lebenssystem und nutze dessen Beweglichkeit und Auswirkung auf meine Befindlichkeit. Ich finde so auch meinen richtigen Platz bei lieben Menschen und übernehme die Lebens-Verantwortung. Die Verbundenheit unter- resp. mit Gleichgesinnten stärkt Vertrauen und verleiht einem Momente um die Seele baumeln zu lassen.

Meine Liebe und meine Entwicklung hat mich zu einem weiteren Abschnitt des Lebens gebracht. Ich werde weiser - habe ein gereiftes geistiges Bewusstsein. Ich gebe mein Wissen an Menschen in allen Lebenslagen weiter und stärke Sie in Ihrer Entwicklung. Erfahrung sammelt man wenn man sein Leben erlebt. Das Erlebte kann ich weitergeben und jeder kann daraus seinen Teil der Geschichte mitnehmen, der ihm in seinem Leben dient.

Ja und manchmal ist es nicht einfach, die Balance der Liebe zu finden. Aber eigentlich gibt es für die Liebe ja keine Messgrösse.

Lassen wir die Liebe zu. So  steigt zwar die Verletzlichkeit, aber das Gefühl zu lieben und im besten Fall auch geliebt zu werden schenkt Glücksmomente und Zufriedenheit.

Text: Monika Jeckelmann

Ds Tootemǜgerli - ùs Nachaamig vo de Seisler

Lötscht Hörbscht hii mer bi Radio SRF 50 Jaar Tootemǜgerli gfieret. Allerlei Promis hii mit dùm Schöpfer, im Franz Hohler, ù mit de zweene Sǜffle Schüppelimùnggi ù Houderebäseler aagschtoosse. Ùf as haubs Jarhùndert zuelose, ds Muu offes vergässe, d Wörter zwaar nid verstaa ù glyych druuschoo, was passiert. Das isch a Leischtig!


Das «bärndütsche Gschichtli» isch as Parade-Byschpǜü, wyn es Fremdspraachige chenti gaa. Ma verstiit nid auz, aber irgendiinisch gwaanet mù sich dra ù verstiit de glyych di wichtigschte Sache. Ma leert.

Ds Tootemǜgerli isch aber nid nùme ùs Spiileryy mit erfùnene Wörter interessant, sondern o wäge de Wǜrkig ùf d Tütschschwyzer. I de 1970er- ù 80er-Jaar het daas Gschǜchtli fasch a jeda kennt. Vǜü hiis ùswenig chene ù bim gringschte Verdacht vo Füechtfröölichkiit ùm ds Laagerfüür oder bim Ggaffimache oder so, da het iina aagfange: «Gäuit, wemer da grad eso schön binanger sitze...»

Ds Tootemǜgerli isch zùm Vouksguet choo. Epis, wo d Dütschschwyzer bis hüt verbindt. O Jùngi kenes meischtens no. Ù dä Aalass im Hörbscht z Lùzäärn het ziigt, dass es allerlei Naachaamige ù Nüüschöpfige git. I allerlei Spraache ù Dialäkt. O vo de Musiker Lo & Leduc zùm Byschpǜü gits as Tootemǜgerli, äh Tootemägerli, «wo kei Instagrämli meh wot uf de Rippi haa». Ds Tootemǜgerli hets mit iine i di Social-Media-Gegenwart gschafft (s. Link/Youtube: https://www.srf.ch/play/tv/kultur/video/lo--leduc-totemuegerli-goes-online?id=a6573302-abb0-4a39-850c-c6b1f2230ef2).

Aproppo Dialäkt: A Wùcha nach dem 50. Geburtstag vom Tootemǜgerli isch a Lääserbrief i de NZZ am Sonntag gstane. A ehemaaliga Studiekoleeg vom Franz Hohler het verraate, was de Outor zùm Tootemǜgerli gfüert hiigi: de Schlöörggeler vom German Kolly ùf Seislertütsch! Si hiigi denn zäme a de Uni Zǜrich di Uufnaam vom Phonogrammarchiv aaglosst. Das Ùnverständlicha ù glyych Spannenda i der Gschǜcht, i der ǜberraschendi Spraach, das het ne imponiert. Kis Wùnder hiigi so epis de Hohler määrterlich inspiriert!

Auso stölet nùch das Bǜüd voor: Iina vo de Bärner Tegschte mit dùm grööschte Stouz-Potenziaau (natüürlich näbe Mani Matter ù Polo Hofer) chenti vom Seislertütsche präägt syy!

Jùggerschmaria! As sou de daas niemer de Bäärner ga vùrzöle…

Text: Christian Schmutz

Kiki der Spitzbub

Von den Fans wird er liebevoll "Kiki" genannt, von den Gegenspielern respektlos "Fils de purée de pommes de terre" (*das Fluchwort wurde von der Redaktion verharmlost, da der Ausdruck "fils de pute" in einem Gottéron-Blog nichts zu suchen hat).


Ja, ja... bei unserem "Kiki" scheiden sich die Geister. Manch ein Schulmädchen bekommt rote Backen, wenn der Name Killian Mottet fällt. Manch einem gegnerischen Fan platzen beinahe die Adern vor Weissglut, wenn unsere #71 im Torraum ganz unabsichtlich auf den Torhüter stürzt und trotzdem keine Strafe erhält. 

Der 27-jährige Gottéron-Stürmer gehört zu einer rar gewordenen Spezies im Schweizer Eishockey. Die Spezies des Spitzbubs (lateinisch: spitzbubus kilianus mottets). Das Wort Provokateur passt auf Killian Mottet nicht, obwohl er vielleicht auf Schweizer Eis der Spieler ist, der am meisten provoziert. Unlogisch? Nicht wirklich. Um ein klassischer Provokateur zu sein, fehlt dem Gottéron-Flügel die Ausstrahlung eines Bösewichts. Der Begriff Spitzbub passt hingegen wie die Faust von EVZ-Boxer Johann Morant auf das Auge von "Kiki", nach dem Mottet zufälligerweise sich mit seinem Stock zwischen dessen Beinen verhakt hat. Der Freiburger geht nicht wie ein Thomas Rüfenacht vom SCB unter die Haut. Nein, viel schlimmer. Killian Mottet schafft es in deinen Kopf. Der Chronist hat in den vergangenen Jahren mehrere Nationalverteidiger miterlebt, für die das Spiel zur Nebensache wurde, da sie sich auf nichts Anderes mehr konzentrieren konnten, als auf "Kiki". Mottet verhält sich auf dem Eis, wie ein Lausbub in der vierten Schulklasse. Der Lehrer, auf dem Eis der Schiedsrichter, kennt den Brandstifter eigentlich bereits, bevor er überhaupt weiss, dass die Schule brennt. Jedoch will er dies nicht wahrhaben. "Kiki"? Nein, "Kiki" doch nicht... Der Beschuldigte mimt zudem dermassen das Unschuldslamm, dass auch die letzten Zweifel des Lehrers beseitigt werden. Insgeheim ist der Spitzbub jedoch der Ursprung jeden Streichs und jeder Pausenschlägerei. Nachsitzen müssen aber immer die anderen Schulkameraden, da "Kiki" wieder einmal mit einem blauen Auge davon kam.




Killian Mottet hätte jedoch nicht nur aufgrund seiner Rolle als Spitzbub Freiburg-Gottéron gefehlt, hätte er seinen Vertrag letztes Wochenende nicht um zwei Jahre verlängert. Es gibt zwei weitere wichtige Gründe, weshalb die Gottéron-Fans wirklich ab der Vertragsverlängerung aufatmen können. Einerseits spielt Killian Mottet aktuell seine beste Saison im Trikot der Drachen. Mit 25 Skorerpunkten ist er sieben Spiele vor Quali-Schluss nur fünf Zähler von seiner Bestmarke entfernt. Aber auch wenn er die 30er-Marke wohl nicht erreichen wird, sind seine Leistungen mit einer +-0 Bilanz und nur 18 Strafminuten als Steigerung gegenüber den vergangenen Jahren zu werten. Anderseits ist Killian Mottet ein waschechter Freiburger. Nach dem Abgang von Andrea Glauser war es darum von Wichtigkeit wenigstens "Kiki" in Freiburg halten zu können.

Spielertypen wie "Kiki" dürfen in der Schweiz nicht aussterben, denn auch am Rande der Fairness beleben sie die schönste Sportart der Welt. "Kiki" unser Spitzbub, danke für deine Treue zu Freiburg-Gottéron!