Im Gespräch mit Sensler (Kinderbuch-)Autorin Patricia Jungo

«Es kommt irgendwie zu mir und ich lass es aufs Papier fliessen, ohne viel darüber nachzudenken»

Patricia Jungo über ihre vielfältigen Bücher, die sie in den letzten Jahren geschrieben hat sowie Inspirationsquellen und Zukunftspläne.

Patricia Jungo wurde 1961 in Freiburg geboren und hat zwei erwachsene Töchter. Sie wohnt im Sensebezirk, wo sie auch als Sekundarlehrerin arbeitet. Nach der Ausbildung an der Uni Freiburg war sie in der Erwachsenenbildung, als Direktionsassistentin und Übersetzerin tätig. Sie liebt die Menschen, die Natur, das Wort und die Schrift.

Nach zwei Kinderbüchern und einem Roman hast du im letzten Jahr deinen ersten Gedichtband veröffentlicht. Er heisst "Purpur und Samt". Was können wir uns darunter vorstellen?
Purpur und Samt sind poetische Herzklänge, eine Sammlung von Gedichten zu all den Themen, die in meinem Leben wichtig sind. Liebe, Familie, Kinder, Natur, Träumen, Menschlichkeit, Hoffnung, Miteinander, Gerechtigkeit und vieles mehr.

Gab es einen Auslöser für dein erstes Werk in diesem Stil?
Es ist bei allen Büchern einfach die Botschaft des Herzens und der Liebe, die ich den Lesern schenken möchte. Es kommt irgendwie zu mir und ich lass es aufs Papier fliessen, ohne viel darüber nachzudenken.

Warum, meinst du, braucht die Welt dein Buch?
Ich masse mir nicht an, dies auf diese Weise zu formulieren. Ich weiss, dass die Welt die Liebe braucht und davon hat es nie genug. Einer meiner Wege, diese lebendig zu machen, sind meine Bücher.

Im Oktober 2018 hast du zusammen mit dem Sensler Autor David Aebischer einen eigenen Verlag gegründet. Was hat dich und euch zu diesem Schritt bewogen? Fazit nach etwas mehr als einem Jahr?
Das hat sich aus unserer Zusammenarbeit ergeben. Ich durfte schon bei etlichen der zahlreichen Werke von David Aebischer als Korrektorin mitwirken und er hat mir geholfen, mein erstes Buch zu veröffentlichen. Wir wollten unabhängig sein mit unserem eigenen Verlag. Fazit: Es ist alles in Bewegung; in die Richtung, die für uns stimmt.

Euer erstes gemeinsames Buch heisst «Am Ende beginnt alles». Worum geht es darin?
Die Geschichte dieses Buches bleibt noch unser Geheimnis zurzeit.

Die „Senslerkarten“ hast ja auch du getextet. Wie geht es dort weiter? Gibt es eine weitere Serie?
Das ist vorgesehen, ja. Madeleine Pollini-Zahnd und ich tauschen uns regelmässig darüber aus.

Wann hast du deine Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt?
Das war beim Lesen der Gedichte auf den Geburtstagskarten, die mein Grosspapa mir immer geschrieben hat. Mit dem ersten Tagebuch hat sich die Leidenschaft dann definitiv auf den Weg gemacht.

Was bedeutet Schreiben für dich?
Schreiben bedeutet Freiheit für mich, ganz einfach.

Welches war dein erstes veröffentlichtes Buch?
Das Kinderbuch „Mama, welcher Stern gehört mir?“. In meiner Pubertät sind schon etliche andere entstanden, die mein Geheimnis geblieben sind.

Worum geht es in deinen beiden Kinderbüchern?
Um die Botschaft des Herzens, die Liebe und ihre Kraft. Natürlich tanzen Botschaften in den Buchstaben. Die Geschichten drehen sich um einen Jungen, der im Herzen weiss, dass ihm ein Stern am Himmel gehört und er diesen um jeden Preis finden will. Die Vernunft der Erwachsenen bringt ihn nicht davon ab. Was er tief in sich immer gewusst hat, wird Wirklichkeit. Das zweite Buch dreht sich um die tiefe Freundschaft zwischen einem kleinen Jungen und einem Rabenkind, um Loslassen, Freiheit schenken.

Kinder sind bekanntlich ehrliche Kritiker, respektive sie kritisieren nicht, sondern mögen etwas oder mögen es nicht. Testest du Ideen erst einmal an einer jungen Zuhörerschaft?
Nein, das tue ich nie. Ich hüte meine Geschichten bis zum grossen Tag und schenke sie dann einfach den Kindern.

Worum geht es in deinem Roman?
Es geht um eine ganz besondere Liebe an den wilden Klippen Englands.

Was ist das Wichtigste an einem guten Roman?
Für mich als Leserin wie als Schreiberin sind es die Freiheit und das Eintauchen in eine andere Welt.

Gibt es eine Figur, die dir beim Schreiben besonders ans Herz gewachsen ist und warum?
Virginia und Philipp sind eine Einheit und sie sind mir natürlich besonders nahe. Aber auch andere Figuren wie der Rabe Hector und die kleine Prinzessin sind mir ans Herz gewachsen und waren Inspiration für mein zweites Kinderbuch und auch das dritte.

Was schreibst du am liebsten?
Kinderbücher!

Wie, wo und wann entstehen die besten Ideen?
In der Natur, beim Spazieren und beim Lesen.

Ist die Lust zum Schreiben bei dir stets gleich stark vorhanden oder musst du dich selbst manchmal zum Schreiben motivieren?
Ich höre einfach auf meine innere Stimme und schreibe meist dann, wenn ich eine „Botschaft“ bekomme. Ich stelle mir nie die Frage nach Motivation oder Schreiblust. Habe ich jedoch länger keine Zeit zum Schreiben, werde ich innerlich etwas unruhig.

Hattest du schon mal eine Schreibblockade?
Immer dann, wenn ich mir etwas aufzwingen wollte, seien es Ideen, fixe Schreibzeit oder Befolgen von starren Abläufen, was das Schreiben anbelangt.

Wo schreibst du am liebsten?
Ich schreibe in meinem Arbeitszimmer am Computer. Ich bin jedoch nie ohne ein farbiges Notizbuch unterwegs und der Kugelschreiber ist auch immer in Reichweite.

Zu welcher Tageszeit bist du am kreativsten?
Einfach immer dann, wenn ich Ruhe finde oder „einfordere“.

Wie gehst du vor: Zuerst Brainstorming, dann Handlungsrahmen setzen und füllen, oder entsteht dein Handlungsstrang laufend beim Schreiben?
Für meine Kinderbücher war die Inspiration auch die Geburt meiner Enkel. Jedem Enkel ist ein Buch gewidmet. Ich lasse oft die Gedanken, die einfliessen, ein paar Tage in meinem Kopf umhertanzen, bis ich sie dann in Form eines Mindmaps oder Clusters auf ein Blatt Papier schreibe. Danach entwickelt sich alles von alleine und im Nachhinein weiss ich dann gar nicht mehr so recht, wie ich auf diese Geschichte gekommen bin.

Was machst du, wenn du zwar eine Idee hast, aber keine Dynamik in deine Handlung bekommst?
Dann warte ich, bis es einfach der richtige Moment ist. Wenn der nicht kommt, dann sollte es nicht sein und ich lasse die Idee wieder ziehen.

Entspringen die Figuren deiner Geschichten deiner Fantasie oder beschreibst du auch authentische Personen?
Sie entspringen meiner Fantasie, meinen Träumen, sind aber auch einfach von meinem Leben und Begegnungen inspiriert.

Woher nimmst du die Inspiration für diese Vielfalt an Genres?
Die sind alle von der gleichen Quelle…

Was war der beste Moment deines bisherigen Autorenlebens?
Eine Lesung zur Eröffnung der Lesenacht in einer Primarschule in Bern mit meinem Sternenbuch. Die bunte Kinderschar hat sich mit mir auf eine ganz tolle Reise gemacht und ich empfand ein wahnsinnig tiefes Gefühl von Freude und Dankbarkeit. Sie sind voll in die Welt der Sterne eingestiegen, haben die Botschaft so wunderbar verstanden und auf ihre einzigartige Weise ausgedrückt. Zugedeckt mit tausend Tipps zu meinem Schreiben und dem Vermarkten meiner Bücher und auf Wolke 7 schwebend, bin ich wieder nach Hause gefahren.

Dein persönliches Lieblingswerk, auf das du am meisten stolz bist?
Mein erstes Kinderbuch „Mama, welcher Stern gehört mir?“

Woran schreibst du zurzeit? Was ist in Planung?
Ich beende mein drittes Kinderbuch, das im Frühsommer erscheinen wird. Ich schreibe an einem Familienyogabuch mit einer Kinderyogalehrerin aus dem Sensebezirk. Auch ein zweites Poesiebuch ist am Entstehen.

Schreibst du auch privat viel? Lieber schreiben (SMS, WhatsApp) oder telefonieren?
Ich schreibe viel, telefoniere weniger gern.

Und lesen?
Ich komme sehr wenig zum Lesen momentan.

Welche Bücher liest du selbst gerne? Hast du einen Lieblingstitel?
Das wechselt immer wieder. Es gibt keinen ausgesprochenen Lieblingstitel. Das letzte Buch, das ich gelesen habe, ist „Die Hexe von Portobello“ von Paulo Coelho.

Was hast du für Hobbies ausser Schreiben und Lesen?
Ich verbringe sehr gerne Zeit mit meiner Familie, in der Natur. Ich reise auch gerne, lerne neue Sprachen.

Du hast zwei erwachsene Töchter und drei Enkel; mögen sie deine Bücher?
Das werde ich die zwei Grossen das nächste Mal fragen, wenn ich sie sehe. An ihrer Ehrlichkeit gibt es ja absolut keinen Zweifel :-)

Was ist dein Plan für die Zukunft in Bezug auf die Schriftstellerei? Werden wir noch mehr von dir lesen?
Schreiben gehört für mich zu meinem Leben. Ob ich dies auch weiterhin mit den Lesern teilen werde oder es für mich behalte, steht in den Sternen. Es ist mein Wunsch, meine Botschaften in die Welt senden zu dürfen und geplant sind weitere Bücher. Lassen wir uns überraschen!

Welche Interview-Frage wolltest du schon immer gestellt bekommen und beantworten?
Jene mit der Inspiration für die vielen Genres. Ich wusste, die kommt bestimmt einmal. Darum hat es mir jetzt gefallen, in einem kurzen und klaren Satz darauf zu antworten.

 Die regionalen Fragen: 
Wo in Deutschfreiburg gehst du gern zum Essen aus?
Im Moment gerne ins Restaurant Des Alpes in Düdingen oder in die Taverna in Tafers.

Der inspirierendste Ort in der Region für dich als Autorin?
Das Schwandholz in St. Ursen. Da zieht es mich seit Kindesbeinen hin.

 

Merci für deine Zeit, liebe Patricia - und alles Gute für dich!