«Pakiaka» - Rebekka und Dorli präsentieren:

Neuer nachhaltiger Dorfladen in Tafers ab September 2020

Im Hauptort vom Sensebezirk, an der Mariahilfstrasse in Tafers, entsteht ein neuer Laden für nachhaltiges Einkaufen ohne unnötigen Verpackungsmüll. Das Konzept: Produkte in ihrer Ursprungsform kaufen; dort, wo wir leben und in der Menge, die wir benötigen. skippr hat mit der Initiantin Rebekka Gross über ihr Familienprojekt gesprochen.

Wer steckt hinter «Pakiaka»?
«Pakiaka» ist eine GmbH, die von meiner Mutter Dorli Riedo und mir gegründet wurde. Zusätzlich haben wir einen einzigartigen Kreis aus Familie und Freunden, die uns Tag für Tag unterstützen. Dafür sind wir unendlich dankbar.

Wofür steht «Pakiaka»?
«Pakiaka» ist Māori und steht für «Wurzeln». Wir wollen wieder zurückkehren zu unseren Wurzeln. Zurück zu regionalen Produkten, aber auch zum bewussten Einkaufen. Und das als tief verwurzeltes Mama-Tochter-Team.

Wie funktioniert euer nachhaltiger Dorfladen?
In unserem Geschäft bieten wir mehrheitlich unverpackte Lebensmittel an, die in mitgebrachten Mehrwegbehälter selbst abgefüllt werden können. Das Gefäss wird vor und nach dem Befüllen gewogen und nur der Inhalt wird bezahlt.

Was war deine Motivation, einen solchen Laden in Tafers zu eröffnen?
Als unser Sohn vor zweieinhalb Jahren auf die Welt kam, änderte sich meine Sicht auf viele Dinge. Mein Tun und Handeln, meine Verantwortung der Umwelt gegenüber, mein Drang etwas zu verändern. In Freiburg gibt es inspirierende Möglichkeiten, umweltbewusst einzukaufen. Im Sensebezirk leider noch nicht. So entstand der Wunsch nach einem nachhaltigen Sensler-Laden mit regionalen und fairen Produkten.

Es gab ja einige Hürden vor dem Start…
Langweilig war es nie :-) Es waren zwei emotionale Jahre, aber ohne diese Hürden wäre ich nie zu meiner jetzigen und weltbesten Partnerin Dorli gekommen. Deshalb bin ich für jedes Hoch und jedes Tief dankbar. Ganz nach dem Motto: "Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende." (Oscar Wilde)

Wann kam bei euch der Punkt, an dem ihr gesagt habt, ihr macht das jetzt?
Ich kündete im Dezember 2019 meinen Job und Dorli ihren Anfang 2020. Beide schweren Herzens. Gleichzeitig war die Leidenschaft für das Projekt schon so gross, dass wir unseren letzten Arbeitstag kaum abwarten konnten.

Warum in Tafers?
Aus dem Grund, weil Tafers der Kern des Sensebezirks und so für alle Sensler gut erreichbar ist. Das war uns sehr wichtig. Ausserdem wohnen wir beide in St. Ursen, was natürlich auch sehr praktisch ist.

Wie waren die Reaktionen aus deinem/eurem Umfeld?
Bei der Verkündung unserer Idee wurde uns einmal mehr bewusst, dass wir von Herzensmenschen umgeben sind. Egal ob Familie oder Freunde, alle waren begeistert und voller Elan. Wir wurden unterstützt mit hilfreichen Tipps, konstruktiver Kritik, wertschätzenden Worten oder einer grossen Umarmung. Es gibt nichts Wertvolleres, als solche Menschen um sich zu haben.

Was waren bisher die grössten Herausforderungen in der Umsetzung eures Projekts?
Definitiv: Entscheidungen treffen. Darin sind wir beide nicht sehr gut. Aus dem einfachen Grund, weil wir es allen recht machen wollen. Und das ist, wie wir bemerkt haben, bei einem solch grossen Projekt unmöglich. Fragen wie «Bio aus dem Ausland oder regional aber ohne Siegel?» haben wir stundenlang diskutiert.

Und, was ist das Fazit aus dieser Diskussion; wofür habt ihr euch entschieden?
Ein gesunder Mix. Wir möchten die lokalen Produzenten unterstützen, achten aber auch hier auf die Herstellung der Ware. Jedoch gibt es Produkte, die wir nicht von hier beziehen können und da achten wir auf gewisse Siegel.

Wo steht ihr jetzt?
Im Moment sind Herz und Gedanken beim bevorstehenden Crowdfunding. Einerseits ist es viel Geld, das zusammenkommen darf. Anderseits ist es das erste grosse Feedback, das wir erhalten. Wollen die Leute die Art von Laden hier bei uns unterstützen? Ist es der richtige Zeitpunkt? Haben wir «Pakiaka» so präsentiert, wie es auch wirklich ist? Bestimmt wird es ein sehr emotionaler Monat.

Was ist unmittelbar der nächste Schritt?
Schon bald ist der Umbau im Laden beendet und wir dürfen mit der Einrichtung beginnen. Auch da werden wir sehr viel Herzblut reinstecken, um euch ein wunderschönes Lokal präsentieren zu können.

Verkauft ihr dann auch selber im Laden?
Ja, wir werden beide unsere Kunden vor Ort begrüssen dürfen. Es ist eine wunderschöne Vorstellung, im eigenen Geschäft die verschiedensten Persönlichkeiten kennenzulernen und interessante Gespräche führen zu können.

Was kann man bei euch einkaufen?
Unser Ziel ist es, dass vieles, was ein Gross-/Wocheneinkauf beinhaltet, in unserem Laden vertreten ist. Daher werden im «Pakiaka» Lebensmittel (trocken und frisch), Haushaltsartikel, Hygieneartikel und Reinigungsmittel erhältlich sein. Alternativen oder Wünsche dürfen natürlich auch jederzeit geäussert werden.

Ist ein Einkauf bei euch teurer als im herkömmlichen Supermarkt?
Ich würde uns nicht mit einem Supermarkt auf eine Waage stellen. Wir haben andere Konditionen, vertreten andere Prinzipien und verfolgen andere Ziele. Wir werden den Händlern keine Grossmengen abnehmen können, was den Preis für uns und den Endkunden beeinflusst. Ausserdem verkaufen wir mehrheitlich unbehandelte Produkte. Mit einem Discounter, der Konventionelles anbietet, können wir deshalb nicht mithalten. Der grösste und etwas versteckte Unterschied ist die Herstellung der Produkte. Denn es steckt viel mehr dahinter als das, was man auf den ersten Blick sehen kann. Wir versuchen, kleine Firmen oder regionale Bauern zu unterstützen. Das Herzblut, die Hingabe, der Zeitaufwand und das Engagement, welches für die Entstehung dieser Produkte tagtäglich aufgebracht wird, sollte geschätzt und somit fair entlöhnt werden. Und dafür möchten wir stehen.

Woher kommen die Produkte, die ihr verkauft und wie werden diese verpackt?
Unsere Produkte sind bis auf wenige Ausnahmen aus der Schweiz. Jedoch gilt; je näher desto besser. Deshalb leben viele unserer Lieferanten in der Region Freiburg/Bern. Die Liefer- und so auch Verpackungsart ist von Produzent zu Produzent unterschiedlich. Einige Artikel werden in Mehrwegbehältern geliefert, andere in 20 Kilo-Papiersäcken und wieder andere völlig verpackungsfrei. Wir versuchen immer eine möglichst nachhaltige Lösung zu finden, gleichzeitig darf aber die Qualität der Produkte nicht darunter leiden.

Die mitgebrachten Behälter werden gewogen, befüllt und nochmals gewogen. Nutzt ihr Etiketten zum Notieren des Gewichts des Gefässes oder gibt es auch hier eine abfalllose Lösung?
Auch hier möchten wir ein Zeichen setzen und Plastik vermeiden. Die mitgebrachten Behälter können mit diversen Stiften im Laden beschriftet werden. Leider auch hier nicht 100% nachhaltig, aber in unseren Augen eine vertretbarere Alternative als Etiketten.

Was bietet ihr Kunden an, die keine eigenen Behälter mitbringen?
Pakiaka hat alles da, was man für einen Spontaneinkauf benötigt. Stoffsäckli und Gläser können jederzeit kostenlos (recycelte Gefässe aus diversen Haushalten) oder für einen kleinen Batzen (Gefässe mit Logo) erworben werden.

Wie sieht es mit Getränken wie Milch aus?
Es wird eine Abfüllstation für frische Milch geben. Passend dazu haben wir für jedes Milchprodukt in unserem Sortiment eine pflanzliche Alternative.

Wie hat sich euer eigenes Konsumverhalten in den letzten Jahren verändert?
Ich denke das Wort «bewusst» trifft es am besten. Wir leben beide nicht ausnahmslos plastikfrei und führen auch sonst nicht ein Vorzeigeleben in Sachen Nachhaltigkeit. Aber wir treffen bewusste Entscheidungen. Wir informieren uns immer wieder neu und suchen den für uns umweltschonendsten Weg.

Neben Verpackungen gibt es ja aber auch noch weitere Möglichkeiten, um Abfall im Alltag zu vermeiden. Was ist in deinem Less-Waste-Alltag nicht mehr wegzudenken?
Es sind nicht die Materialien an sich, es ist eher das Gefühl dabei, das mir fehlen würde. Das Wissen, etwas zu verändern und einen Beitrag zu leisten, auch wenn der Schritt noch so klein und unbedeutend wirkt.

Ich freue mich über jedes Plastiksäckli, das ich weglasse, jedes tierische Produkt, das ich nicht mehr konsumiere und jede PET-Flasche, die ich nicht mehr kaufe.

Was ist euer Plan für die Zukunft? Wo wollt ihr hin mit «Pakiaka»?
Wir haben noch viele Ideen und Träume, die wir verwirklichen möchten. Der nächste Schritt wird eine Art Onlineshop sein, in dem Bestellungen gemacht und an einer Depotstelle abgeholt werden können. Ausserdem möchten wir diverse Infoveranstaltungen und Workshops anbieten. So schaffen wir die Möglichkeit, sich mit verschiedenen nachhaltigen Themen noch detaillierter auseinandersetzen zu können.

Wenn du dich entscheiden musst: was findest du wichtiger; unverpackt oder Bio?
Vielleicht sollten wir auch hier, wie auch sonst im Leben, nicht allzu dogmatisch sein. Es gibt nicht der eine richtige Weg. Es wäre viel sinnvoller, sich auf die Suche nach der einem selbst zugänglichen nachhaltigsten Alternative zu machen.

Wann startet euer Crowdfunding?
Ab Ende Juli auf www.wemakeit.com - am besten folgt ihr uns auf Facebook oder Instagram, um nichts zu verpassen.

Wann ist die Eröffnung?
Am Samstag, 26. September 2020

Vielen lieben Dank für deine Zeit, liebe Rebekka! Wir wünschen euch viel Erfolg – und verfolgen mit Spannung die Eröffnung von Pakiaka in Tafers!

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