Traumberuf Eismeister

FOLGE 1, Philippe Clerc, Eismeister Regionale Eisbahn Düdingen

Danke Philippe für deine Zeit. Gerne möchten wir mehr erfahren über den doch raren Beruf «Chef Eishalle und Eismeister».


Quasi seit deiner Kindheit bist du mit der Eishalle Düdingen verbunden.

Ja, das stimmt. Schon als Kind war ich von diesem Projekt "Eishalle Düdingen" beflügelt und akquirierte an den Haustüren in unserem Bezirk zukünftige Aktionäre. Umso schöner war es auch, als das Projekt 1996 endlich realisiert werden konnte.

«De Müscht isch karret», dein beruflicher Werdegang war also klar?

Nein überhaupt nicht. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich einmal in der Eishalle arbeiten würde. Nach dem KV-Abschluss war ich bis 2005 bei der Swisscom als Financial Accountant angestellt. Weiter habe ich mich von 2006-2009 zum Rettungssanitäter ausbilden lassen. Nebenbei habe ich mich um die Administration der Eishalle gekümmert.

Erst 2013 nahm ich die Gelegenheit wahr und übernahm den Betrieb zu
60%. Seit 2015 bin ich nun Vollzeit als Betriebsleiter angestellt. Ich
übernahm diesen Job von meinem Stiefvater Hans-Jörg Schweizer, welcher nach verdienstvollen Jahren in Pension ging. Selbstverständlich unterstützt er mich nach wie vor in der technischen Leitung.

Zur Person: Philippe Clerc, Eismeister und Betriebsleiter
Wohnhaft: Heitenried
Privates: verheiratet, 2 Kinder
Werdegang:  OS Düdingen, Kaufmännischer Angestellter, Rettungssanitäter bei Ambulanz&Rettungsdienst Sense, seit 2013 Geschäftsführer Regional Eisbahn Sense-See

Und wie wird man eigentlich Eismeister?

Das ist eigentlich nicht so genau geregelt. Der Eismeister ist ein «Nischenjob»: Ich selber habe in diesem Jahr den ersten offiziellen Eismeisterkurs absolviert der in der Schweiz angeboten wurde. Andere Länder sind da viel fortschrittlicher. Ein Eismeister muss vor allem handwerklich geschickt sein. Die praktischen Infos werden dann direkt von uns vermittelt. Selbstverständlich muss man Herzblut für das Eishockey haben.

Wie sieht dein Tagesablauf konkret aus?

Alles andere als Fliessbandarbeit…Gerade meine Doppelfunktion als Betriebsleiter und Eismeister erfordert Allrounder-Qualitäten. So kümmere ich mich um die Qualität des Eises, inklusive Putzen und Bandenfräsen, organisiere Anlässe, kümmere mich um die Administration und Buchhaltung. Ich bin Quasi der Mann für alles.

Also ein Traumberuf?

Für mich ist das wie ein Lotto-Sechser. Ich kann alle meine Fähigkeiten verbinden, habe viele Kontakte mit interessanten Leuten und kann meine Zeit selber einteilen. In der Wintersaison sind die Arbeitstage viel länger und intensiver. Dies erlaubt mir im Sommer dafür mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Welchen Herausforderungen muss sich ein Eismeister stellen?

Da vieles «Learing by Doing» ist und es keine klaren Abläufe oder Regeln gibt, muss man den Kopf bei der Sache haben. So eine Eismaschine kostet CHF 250'000. In den Anfängen hatten wir in Düdingen zum Beispiel unregelmässiges Eis, bis wir herausgefunden haben, dass man das Eis immer unterschiedlich abfahren sollte. Dieser Tipp kam vom damaligen Eismeister vom St. Leonard. So hat jeder Eismeister seine eigenen Geheimnisse für ein perfektes Eis und ist dementsprechend auch stolz darauf.

Was macht ein Eismeister eigentlich im Sommer?

In den Sommermonaten fallen vor allem Instandhaltungsarbeiten an, damit die nächste Eissaison wieder kommen kann. Ebenfalls finden diverse Events statt sowie steht das Feld für Inline-Hockey zur Verfügung.

Falls jemand jetzt Lust hat sich zu bewerben, wie muss man vorgehen?

Zurzeit haben wir keine Vakanz. Wir sind mit fünf Eismeister gut aufgestellt. Wenn jemand sich aber für den Job interessiert, kann er sich bei mir melden für ein «Schnuppertag»

Mehr Information unter: www.regionaleisbahn.ch oder gehen Sie direkt vorbei…

 


Über die Regional-Eisbahn Sense-See AG:


In Betrieb: seit Oktober 1996

Aktionäre: öffentliche und private Aktionäre

Initianten: Hans Brügger, Hans-Jörg Schweizer, Joseph Fässler, Gustav Riedo, Paul Riedo und Norbert Schuwey

Mitarbeiter: 8 Personen

Betriebsleiter: Philippe Clerc

Eckdaten:

Ca. 2500 Eishockeymatches durchgeführt

Ca. eine Million Besucher der Eishalle

2 Eismaschinen im Einsatz (1 Benzin, 1 elektrisch, 250'000 CHF pro Maschine)

30 km Kühlkabel verlegt

Zwei 400PS Motoren kühlen das Eis

Eisdicke zwischen 3-5 cm
(pro cm-Eisdicke 10% mehr Engergieverbrauch)

Diverse Eishockeyclubs geniessen Heimrecht in der Eishalle Düdingen, darunter 11 Juniorenteams