Zum Schulbeginn am 23.8.18 

Was Schule macht - Harmos im Etui und auf dem Schulsack

Eine Frage verbindet derzeit Harmos 1 bis Harmos 11 (wir dürften zum Verständnis aller auch Chindsgeler und Neunteler sagen):

Welche Nuance soll mein Ersatzorange in der Farbstiftschachtel haben? Jenes Orange vom Leuchzi erledigt sich von alleine, die bestimmt die Polizei. Neongrün kommt später nach in der Hierarchie. 

In der zerbeulten Farbstift-Schachtel fehlt Orange. Im Etui eines Schulanfängers fehlt noch nichts, bis die Lehrerschaft den ergonomischen Füli ansagt. Den gibt es für Links- und Rechtshänder. Schönschrift, ganz schwierig gemacht.

Eine Haltung verbindet Harmos 1 bis Harmos 11: Fülis, egal welche, schmieren auch heute noch die Fingerbeeren voll beim Patronenwechsel und bei zuviel Druck auf dem Papier. Und irgendeine Farbe im nigelnagelneuen Etui oder in der verbeulten Farbschachtel ist schneller aufgebraucht, weil Lieblingsfarben bestimmen auch den Schulalltag.

Eine Frage verbindet jeden Schüler, jetzt da er noch zur Schule darf (nicht muss):

Neben wem werde ich sitzen?

Wer bestimmt meinen Pultnachbarn oder wird hier, ohne zu fragen, einfach ausgelost?

Nach ein paar Wochen ist dann eh’ Schluss mit Wunschkonzert, da setzt die Lehrerin unvorteilhafte Paare eh’ auseinander (als Paartherapeutin der Gemeinschaft im Kreisli oder im Schulzimmer zuliebe). Etwas unterscheidet Harmos 1 von Harmos 11: der Tintenkiller. Verboten für die einen, verschmäht von den anderen, weil Tippex (Werbung) am Meter schneller und besser geht beim schnellen Korrigieren, und weil Tintenkiller jeden Fehler nach ein paar Wochen wieder hervorzaubere.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen 1 und 11: Die gute alte Unterlage. Mit Weltkarte, durchsichtig für die wilden Kleber, schwarz für Tippex-Graffittis oder mit dem Lieblingsheld, passend zu Tresen und Etui, ab Harmos 9 ist Schluss damit: Dann wird Grösse und  Schwarz normiert und während des Unterrichts individualisiert (könnte ja mal langweilig werden, und Tippex gibt es auch flüssig zum Zeichnen).

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Beim Schulsack gehen die Meinungen auch auseinander, doch der schnell ausverkaufte Verkaufsburner gibt es: ein 5-6 teiliger Schulsack, mit integriertem Turnsack, voll ausstaffiertem Etui, ergonomischem und mitwachsendem Rückeneinsatz, mobilem Einlegefach gegen zerknitterte Einzelblätter, Licht- und Leuchtkörper. Derweil Harmos 11 mit Surf- und Bikerrucksäcken oder Longchamps unergonomisch mit zerbeultem Etui, doch (wenn es andauert als motivierter Schüler) mit aufgepimpten Innenleben in die Schule geht.

Im Trend sind die Evergreens Dinos, Feen, individuell gesprayte Graffitis, und die Farbe Blau gegen Rosa teilen die Geschlechter weiterhin, was Harmos 1 angeht. Harmos 11 schämt sich Null und Koma mit rosa Skaterhelm oder Leoprint-Schlappsack zur Schule zu gehen.

Was allen gemeinsam bleibt: Hüselipapier und Gummis in allen Varianten. Und eben die eine Lieblingsfarbe - jene, die nach dem zigmalen Benutzen immer kürzer wird in der Schachtel. Eine zieht ja bekanntlich immer den Kürzeren. Zum Zweiten gemeinsam bleibt: Geliebte und gehasste Lehrer und Lehrerinnen. Doch seid euch gewiss, auch sie mögen nicht alle ihrer Schüler und Schülerinnen. Wir sind ja alle nur Menschen.

Einfassen, das dritte Merkmal eines alljährlichen Schulstarts: Easy peasy bei Hüseliheftli, weit kniffliger bei Atlanten (der Atlas in Einzahl) und Büchern. Das Einfasspapier bitte passend zum Outfit und ja nie zukleben, bevor die Länge und Breite der Buchdeckel quasi in Trockenübung im Papier eingefaltet wurde.

Wir denken diesen Donnerstag 23. August ganz fest an euch, wünschen viel Glück auf dem neuen Schulweg, einer grossen Entdeckungsreise, vielleicht erst mit Pedibus, oder des langweilig, gewohnten Schulwegs eines letzten Schuljahres. Wir staunen, wie gross’ die Schulsäcke auf den kleinen Rücken sitzen (klar, ergonomisch) und wie klein jener der grossen Rückgrate (klar, schon sehr erwachsen) werden.

Liegt es daran, dass die Schulsäcke überdimensioniert konzipiert aussehen oder ihr so schnell wächst? 

1. Nachtrag: Die Oldschool Chindsgi-Säckli seien out - da kämen direkt Mini-Rucksäcke im Einsatz. 

2. Nachtrag: Das Sujet vom ergonomisch-durchdachten Super-Schulsack ist möglicherweise ab Harmos 3 gehasst (nehmen wir die süsse Fee oder das rosa Einhorn, die waren dann auch mal out, ergonomisch hin oder her). Drum, denkt' über die Sujets wie Dino oder Fee gut nach, ihr lieben Schulsack-Designer! 

3. Nachtrag: Das Turnsäckli im 6teiligen Schulsack ist möglicherweise bei Harmos 4 zu klein, Turnschuhe mit Schuhgrösse 40 der Flossen eines Fünft-Klässlers passen da nicht mehr rein. Zum Glück, so ist Dino von selbst recycelt in der Hoffnung, da kommt kein jüngerer Bruder zum Nachtragen.

 

 

Carte Blanche #61

Blick in die Augen unserer Kinder

In den letzten Wochen hatte ich wieder einmal mehr Zeit mit offenen Augen umherzugehen und zu entdecken, was da so alles abgeht um mich herum.
ERSTAUNLICHES!

Klar ist das bereits allen von euch auch klar, trotzdem nehme ich mir die Mühe, diese Zeilen zu verfassen.

HANDYS FIRST überall, zum kotzen, oder nicht? Auf dem Spielplatz, im Restaurant, in der Badeanstalt, in den Ferien, beim Fahren, in der Kirche, am See, im Freizeitpark, beim Essen...
Auffällig sind vor allem Eltern, die ständig an den Dingern hängen, statt sich mit den Kindern abzugeben. Auch kleine Kinder bemerken natürlich, wie viel Aufmerksamkeit
dem handlichen Bildschirm gewidmet wird und fühlen sich nicht selten zurückgesetzt.


Dies ist erwiesenermassen schädlich für die Entwicklung des Kindes und auch die
 wichtigen familiären Bindungen. Dies belegen diverse Untersuchungen. Während der
 Betreuung des Babys oft das Handy zu benutzen ist eine schlechte Idee, da bei
 Kleinkindern vermehrt Fütter- und Einschlafstörungen auftreten. Auch die
 Sprachentwicklung des Kindes leidet. Im Kindesalter lernen Kinder vor allem durch
 die Nachahmung der Eltern, also nicht wundern, dass viele Kinder und Jugendliche
nur noch mit den Handys zu sehen sind. In der Schule fallen diese Kinder übrigens
oft durch Konzentrationsstörungen, motorische Hyperaktivität, Übergewicht und
 ungesunde Ernährung auf, weil sie ständig mit dem Smartphone zugange sind. Der 
exzessive Handygebrauch ist auch Schuld für ein erhöhtes Risiko für Depressionen..
Psychologen warnen, dass die Kleinen, welche von den Eltern nur geringe
Aufmerksamkeit erhalten, es später normal finden werden, in bestimmten Situationen 
unaufmerksam zu sein, weil das Kind durch die Handynutzung der Eltern auch das 
Gefühl bekommt, dass es alleine ist mit seinen Bedürfnissen und dass es sich nicht
 auf Mami oder Papi verlassen kann.
 Gefährlich wird es dann zudem auf Spielplätzen und in Schwimmbädern. Es dauert
zum Beispiel nur 20 Sekunden, bis ein Kind ertrunken ist.

Leider passiert dies fast
 täglich irgendwo auf der Welt, dass sich ein Kind verletzt oder gar stirbt, nur weil
 Mami oder Papi lieber das Handy bedienen.
Für mich persönlich ein ganz wichtiger Punkt ist der Augenkontakt und die Nähe vor
allem mit und bei Babys und Kleinkindern (natürlich auch sonst generell sehr
 wichtig).
Kinder wollen von ihren Eltern gesehen werden. Für jedes Kind sind
 Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob wichtig für die Bindung zu den Eltern und die 
eigene Entwicklung. Wenn die Aufmerksamkeit hauptsächlich dem Handy gilt, zeigen 
Kinder typisches Verhalten wie Weinen, Schmollen, Ruhelosigkeit sowie verbale und
 körperliche Wutausbrüche. Und sind wir ehrlich. Sind es nicht vor allem gerade diese
 Verhaltensmuster, die wir heutzutage am meisten bei Kindern feststellen können?
 Und wie reagieren Eltern in vielen Fällen auf dieses (Fehl)verhalten?
 Na?
 Genau. Sie drücken ihnen ein Handy in die Finger - und Ruhe ist.
 Wenn man mit Kindern zusammen ist sollte das Handy nicht, oder nur "sinnvoll"
 genutzt werden. Geniesst die Augenblicke mit den Kindern und vor allem den 
Augenkontakt.
 Es gibt nichts schöneres als ein Blick in die Augen unserer Kinder.

David Aebischer

 

 

Zensur bei der Stimme des Rock

Eine Carte Blanche von Mario Corpataux, diesmal für Musikliebhaber.

Die wahlweise beste, düstere oder verdienteste Stimme des Rock! Welch Ansage – und kein bisschen übertrieben, sie gehört diesem Mann aus Seattle, der in der Hochzeit des Grunge hinter all den Nirvanas, Soundgardens, Pearl Jams und Alice in Chains’ mit seiner Band The Screaming Trees als fünfte Instanz gegolten hat. Den Millionenerfolg der Grunge-Epigonen haben die Screaming Trees nie erreicht, ihren Status aber dank ihres Sängers auf Legendenniveau gehoben. Und immerhin – Mark Lanegan lebt noch, obwohl er nicht minder wild unterwegs war: Kurt Cobain hat sich den Kopf weggeschossen, Chris Cornell sich erhängt, bei Layne Staley war es eine Überdosis. Pearl Jams Eddie Vedder lebt als einziger des Quartetts noch, gibt Konzerte, wie soeben in Mailand vor 60'000 Zuschauern, irgendwie ist aber auch er tot, so zwischen Bono Vox und Paul Mc Cartney. Lanegan is alive! Er sieht mit seinen 54 Jahren und nach kiloweise Stoff zwar wie 75 aus, aber singen kann er immer noch wie ein junger Gott.

Mark Lanegan ist aber auch der Sänger, der das dritte und wichtigste Album von Queens Of The Stone Age «Songs for the Deaf» stimmlich veredelte und auf ausserordentlich vielen anderen namhaften Produktionen mit seinem rauen Timbre für den letzten Schmirgelschliff sorgte.

Nach zwei nicht vollen Shows in den Nullerjahren im Bad Bonn (beim zweiten Besuch hatte er sein epochales – mindestens epochales – Album Bubblegum vorgestellt) war es am 24. Juli soweit: Lanegan hat das Bad Bonn Wochen im Voraus restlos ausverkauft.
Ein DJ wurde gesucht, ich dafür engagiert, und zu zweit haben wir als The Screaming Bees vor, nach und zwischen der Show Musik ausgewählt. Dass bei diesem DJ-Namen auf Künstlerseite alle Alarmglocken läuten mussten wegen der Befürchtung, dass nun Musik seiner früheren Band aufgelegt würde – obwohl dies keinem vernünftigen und respektvollen Musikfan in den Sinn kommen dürfte – war zu erwarten.

Und nun kommt sie, die ZENSUR!

Kurz vor Auflegebeginn hat uns der Tourmanager freundlich ermahnt, dass gewisse Musik nichts auf dem Plattenteller verloren hätte. Der Zensurinhalt war unerwartet: NO Pearl Jam, NO Soundgarden and NO Queens Of The Stone Age, hiess es. Why? Ausser mit einem Gitarristen von Pearl Jam und dem Bassisten von Soundgarden hat er nicht mit den Bands zusammengearbeitet? Gefällt ihm die Musik nicht? Nicht mehr? Sehen die Sänger zu gut aus? War ihr Erfolg zu gross?  

Und weshalb keine Queens? Auf ihrem 2013-er Album hatte Lanegan noch Gesangsparts beigesteuert, so wie vorher auf den Alben von 2007, 2005, 2002 und 2000. Auf dem aktuellen Queens-Album vom Oktober 2017 fehlt er hingegen. Was ist da bloss passiert? Handgreiflichkeiten mit Queens-Kopf Josh Homme? Im April 2017 hatte Homme noch auf Lanegans letztem Album mitgesungen. Obwohl, in vier Monaten können zwischen starken Charakteren viele Unfreundlichkeiten ausgetauscht werden. Dagegen spricht wiederum, dass das von Josh Homme 2017 produzierte und eingespielte letzte Album von Iggy Pop nicht der Zensur unterlegen ist. Viele Fragen. Keine Antworten, aber ein fast zweistündiges Konzert mit einem gutgelaunten Brummbär. Und wenn er schon mal lächelt, will man ihm mit nervigen Fragen nicht die gute Laune verderben.

Nach dem Konzert signierte er draussen an einer eigens aufgebauten Bar in einer mit «Signing Sessions» betitelten Ecke artig und lächelnd Platten und Poster. Böse Blicke in Richtung Tourmanager zischten nur, wenn Lanegan von den Wänden heruntergerissene Gratisposter unterschreiben musste. Die düsterste Stimme des Rock kann lächeln. Ein starkes Bild und eine aussergewöhnliche Zensur.

Text: Mario Corpataux

 

 

Carte Blanche #59

Ferienerinnerung an Loch Ossian

Im westlichen Schottland gibt es einen Bahnhof, den Corrour Railway Station. An sich ist ein Bahnhof nichts Aussergewöhnliches. Bei der Corrour-Haltestelle steht aber nichts anderes als ein verlottertes Bahnhofsgebäude.

Kein anderes Haus, kein Weiler, kein Dorf. Wer hier ankommt, muss schon wissen, in welche Richtung er losmarschieren will, denn er sieht auch in der Ferne keinerlei Gebäude. Einfach eine stark torfhaltige, moosige Hügellandschaft und ein Gleis, das diese von Süden nach Norden durchquert. In östliche Richtung kann der Ankömmling über einen Hügelzug in zwanzig Minuten zum Loch Ossian gelangen, einem rund fünf Kilometer langen See. Am Ufer hat es drei, vier Hütten, darunter eine Jugendherberge.

Als zwei Interrail-Touristen auf einer Übersichtskarte die Abgeschiedenheit dieser Jugendherberge erkannten, da war klar: «Da müssen wir hin!» Sie stiegen in Pitlochery zusammen mit Briefen und Paketen in den Postbus nach Kinloch Rannoch, dem einzigen echten Dorf am Loch Rannoch, einem rund 14 Kilometer langen Stausee inmitten der schottischen Highlands. Die einzige Gaststätte hier war eine Scheune, in die eine Bar mit Guinness-Bierhahn gestellt worden war. Ein Paar Hocker an alten Whisky-Fässern und in einem kleinen Fernseher konnten Fussballfans den WM-Final mitverfolgen. Alles, was sie für diesen Abend brauchten.

Am nächsten Tag fuhr ein Post-Lieferwagen von Kinloch Rannoch dem Stausee entlang und dann bis Rannoch Station – nochmals ideal für die beiden. Sie kamen gerade früh genug für den nächsten Zug nach Corrour Station. Nicht schlecht, denn davon gab es nur fünf oder sechs pro Tag.

Dumm war einfach, dass sie dabei weder Zeit hatten, ins Restaurant einzukehren, noch im Mini-Laden beim Rannoch-Bahnhof das eine oder andere Essbare zu kaufen. Sie mussten auf den Corrour Station hoffen, wo es angeblich manchmal auch Lebensmittel zu kaufen gab. Sie wurden ja darauf hingewiesen, dass bei der abgelegenen Jugendherberge weder ein Restaurant noch ein Laden existierte. Man solle alles selbst mitbringen, dort kochen und zubereiten und seinen Abfall wieder mitnehmen, da sonst die Hirsche und Rehe aus der Umgebung angelockt würden. Das sagte ihnen Bill, der Hauswart, bei der telefonischen Reservation. Sowieso gabs zu ihm nur Kontakt per Festnetz-Telefon.

Eine Runde um den Corrour-Bahnhof zeigte dann aber: keine Menschenseele in Sicht, keine Lebensmittel zu kaufen. Ach, irgendeine Lösung würde es bei der Jugi sicher geben…

Nach dem 20-minütigen Anmarsch bei starkem Wind und leichtem Regen kamen sie zum Gebäude. Toll lag es da auf einer Art Halbinsel, bewacht von zwei Hirschen. Echte, freilebende Hirsche! Einer davon liess sich gar streicheln und es konnte durchaus sein, dass er – von feinem Essen auf dem Herd angekockt – in die Küche hineinschaute. Er schien zum Inventar zu gehören und passte bestens zur idyllischen Landschaft.

So quartierten sie sich ein, Männlein und Weiblein räumlich getrennt, wie es sich gehörte. Die beiden hängten ihre nassen Kleider an den Betten zum Trocknen auf. Da das alle machten, roch es in den Schlafsälen muffig. Sie assen zum Zmittag gleich die Päckli-Suppe und wenigen Crackers, die sie für Notfälle dabei hatten. Sie freundeten sich mit einem ostdeutschen Ärztepaar an, tranken Tee und spielten den ganzen Nachmittag Karten mit ihnen.

Nun nahte aber die Stunde der Wahrheit. Für heute Abend hatten sie nichts Essbares mehr dabei – ausser vielleicht, wenn der zahme Hirsch wieder vorbeikäme… Nein, keine solch bösen Gedanken!

Die Lösung war dann einfach, aber spektakulär. Sie wanderten die 20 Minuten zurück, nahmen um 18.20 Uhr den Zug zurück zum Rannoch Station – zwölf Minuten Fahrt – kamen dort nach drei, vier Minuten zum Restaurant und hatten bis genau 21.06 Uhr Zeit fürs Nachtessen. Dann ging der letzte Zug zurück nach Corrour Station, den sie unbedingt erreichen mussten, um wieder zu ihrer Übernachtung zu gelangen.

Der Fisch mundete bestens, das Bier dazu auch. Und da der Mini-Laden beim Rannoch-Bahnhof abends geschlossen war und sie auch am folgenden Tag keine Lebensmittel bei sich trugen, wiederholten sie diesen  Ausgangstrip – diesmal mit dem deutschen Ärztepaar im Schlepptau. Am Ende des feuchtfröhlichen Abends mussten sie mit einem Sprint zum Bahnhof den letzten Zug erreichen. Fast wärs schief gegangen, und sie hätten am Bahnhof übernachten müssen. Endlich im Zug lachten alle sich krumm über dieses Abenteuer.

Am nächsten Tag verabschiedeten sich die beiden Interrail-Touristen von Bill, der ihnen noch den Tipp gab, sich oben in Fort William, der nächsten grösseren Ortschaft, in Acht zu nehmen. Das sei ihm viel zu gross und unübersichtlich – und gefährlich. Good bye und thank you for the advice.

In Fort William schauten sie sich kurz das Städtchen an und mussten noch einmal herzhaft lachen. Zu gross, zu unübersichtlich, zu gefährlich? Fort William bestand aus drei Hauptstrassen und einigen Quartieren rundherum. Rund 5000 Einwohner. Naja, für Bill in seiner einsamen Jugendherberge wohl tatsächlich eine Nummer zu gross. Tatsächlich zu viel Jubel und Trubel – und zu wenig Hirsche.

PS: Das war vor 20 Jahren. Das Hostel Loch Ossian gibt es heute noch. Die Abgeschiedenheit wird bestens vermarktet. Die Jugi wurde vor einigen Jahren okölogisch renoviert, wird nun angetrieben von Wind- und Sonnenenergie, mit Grauwasser, Trockentoiletten und einer fledermausfreundlichen Farbe am Gebäude. Das Waschwasser zieht man weiterhin mit dem Eimer aus dem See. Die Herberge wird angepriesen als idealer Ausgangspunkt für Wanderfreunde und Naturbeobachter. Und natürlich: Internet-Buchungen sind auch in dieser Einöde längst Standard geworden.

Text: Christian Schmutz

 

 

skippr-Blog

Was hat der Blick nur gegen unsere Deutschfreiburger-Fussballer?

Enough is enough! Genug ist genug! Die vielleicht grösste Tageszeitung der Schweiz scheint irgendwie etwas gegen unsere Fussballer aus Deutschfreiburg zu haben.

Zuerst schreibt die Zeitung mit den fünf Buchstaben, dass Michel Aebischer aus einem « Kaff » komme. Zurecht haben die Heitenrieder mit viel Humor darauf reagiert. Dem war aber wohl nicht genug. Im letzten Kapitel der Geschichte Blick vs. Deutschfreiburger Fussballer wurde nun der Wünnewiler Marco Schneuwly nach Skandinavien transferiert. In der Zwischenzeit ist bekannt, dass der Stürmer zum FC Aarau wechselt. Zur Erklärung Skandinavien besteht aus den Ländern Schweden, Norwegen und Dänemark, jedenfalls aus geschichtlicher Sicht. Stand Marco Schneuwly oder sein Berater jemals in Kontakt mit einem skandinavischen Klub? Nein. Gehört der FC Aarau zu Skandinavien? Nein. Wo hat der Blick also das Gerücht dieses Transfers aufgeschnappt? Oder besser gesagt, wie kam der Blick - im Sportbereich zugegebenermassen eine Zeitung mit grossem Gewicht in unserem Land - dazu eine solche Falschmeldung, heute Fake-News genannt, zu verbreiten?

Die skippr-Redaktion hat da so eine Theorie, die wir euch nicht vorenthalten möchten:

Wir wissen, dass Marco Schneuwly in Tat und Wahrheit wirklich in Kontakt mit einem ausländischen Verein stand. Der befindet sich jedoch in der gegengesetzten Richtung von Skandinavien und zwar in Sydney, Australien. Dort trainiert nämlich ein gewisser Markus Babbel, Ex-Trainer von Marco Schneuwly beim FC Luzern, den dort ansässigen Fussballklub. Gut möglich also, dass einer der Blick-Redaktoren an einem Stammtisch oder über vier Ecken den Ort Sydney aufgeschnappt hat. Nun stellt sich nur noch die Frage, wie aus Sydney Skandinavien wurde? 

Erste Theorie: beim Weitererzählen wurde aus Sydney Skandinavien. Wir haben den Versuch gewagt und haben den guten alten Kettentrick angewendet. Dabei flüstert man einer Person einen Begriff ins Ohr und danach wird dieser mindestens vier Personen weitergeflüstert. Am Ende hört man dann, was für ein Begriff dabei rauskommt. Wir haben also der ersten Person den Begriff „Sydney“ ins Ohr geflüstert und unglaublich, aber wahr, es kam nicht der Begriff „Skandinavien“, sondern der Begriff „Sydney“ heraus. Ausser Spesen also nichts gewesen. 

Zweite Theorie: vielleicht gibt es in Skandinavien einen Ort Namens Sydney? Unser Freund Google sagt leider nein.

Eine dritte Theorie würde es geben, wenn es sich beim zuständigen Blick-Redaktor um einen Amerikaner handeln würde, da diese die Schweiz und Schweden bekanntlich nicht unterscheiden können. Dies ist aber auch nicht der Fall.

Eine vierte Theorie haben wir leider nicht. 

Habt ihr irgendeine Idee, sie darf gerne kreativ sein, wie der Blick zu dieser Fehlinformation kam?