Carte Blanche #59

Ferienerinnerung an Loch Ossian

Im westlichen Schottland gibt es einen Bahnhof, den Corrour Railway Station. An sich ist ein Bahnhof nichts Aussergewöhnliches. Bei der Corrour-Haltestelle steht aber nichts anderes als ein verlottertes Bahnhofsgebäude.

Kein anderes Haus, kein Weiler, kein Dorf. Wer hier ankommt, muss schon wissen, in welche Richtung er losmarschieren will, denn er sieht auch in der Ferne keinerlei Gebäude. Einfach eine stark torfhaltige, moosige Hügellandschaft und ein Gleis, das diese von Süden nach Norden durchquert. In östliche Richtung kann der Ankömmling über einen Hügelzug in zwanzig Minuten zum Loch Ossian gelangen, einem rund fünf Kilometer langen See. Am Ufer hat es drei, vier Hütten, darunter eine Jugendherberge.

Als zwei Interrail-Touristen auf einer Übersichtskarte die Abgeschiedenheit dieser Jugendherberge erkannten, da war klar: «Da müssen wir hin!» Sie stiegen in Pitlochery zusammen mit Briefen und Paketen in den Postbus nach Kinloch Rannoch, dem einzigen echten Dorf am Loch Rannoch, einem rund 14 Kilometer langen Stausee inmitten der schottischen Highlands. Die einzige Gaststätte hier war eine Scheune, in die eine Bar mit Guinness-Bierhahn gestellt worden war. Ein Paar Hocker an alten Whisky-Fässern und in einem kleinen Fernseher konnten Fussballfans den WM-Final mitverfolgen. Alles, was sie für diesen Abend brauchten.

Am nächsten Tag fuhr ein Post-Lieferwagen von Kinloch Rannoch dem Stausee entlang und dann bis Rannoch Station – nochmals ideal für die beiden. Sie kamen gerade früh genug für den nächsten Zug nach Corrour Station. Nicht schlecht, denn davon gab es nur fünf oder sechs pro Tag.

Dumm war einfach, dass sie dabei weder Zeit hatten, ins Restaurant einzukehren, noch im Mini-Laden beim Rannoch-Bahnhof das eine oder andere Essbare zu kaufen. Sie mussten auf den Corrour Station hoffen, wo es angeblich manchmal auch Lebensmittel zu kaufen gab. Sie wurden ja darauf hingewiesen, dass bei der abgelegenen Jugendherberge weder ein Restaurant noch ein Laden existierte. Man solle alles selbst mitbringen, dort kochen und zubereiten und seinen Abfall wieder mitnehmen, da sonst die Hirsche und Rehe aus der Umgebung angelockt würden. Das sagte ihnen Bill, der Hauswart, bei der telefonischen Reservation. Sowieso gabs zu ihm nur Kontakt per Festnetz-Telefon.

Eine Runde um den Corrour-Bahnhof zeigte dann aber: keine Menschenseele in Sicht, keine Lebensmittel zu kaufen. Ach, irgendeine Lösung würde es bei der Jugi sicher geben…

Nach dem 20-minütigen Anmarsch bei starkem Wind und leichtem Regen kamen sie zum Gebäude. Toll lag es da auf einer Art Halbinsel, bewacht von zwei Hirschen. Echte, freilebende Hirsche! Einer davon liess sich gar streicheln und es konnte durchaus sein, dass er – von feinem Essen auf dem Herd angekockt – in die Küche hineinschaute. Er schien zum Inventar zu gehören und passte bestens zur idyllischen Landschaft.

So quartierten sie sich ein, Männlein und Weiblein räumlich getrennt, wie es sich gehörte. Die beiden hängten ihre nassen Kleider an den Betten zum Trocknen auf. Da das alle machten, roch es in den Schlafsälen muffig. Sie assen zum Zmittag gleich die Päckli-Suppe und wenigen Crackers, die sie für Notfälle dabei hatten. Sie freundeten sich mit einem ostdeutschen Ärztepaar an, tranken Tee und spielten den ganzen Nachmittag Karten mit ihnen.

Nun nahte aber die Stunde der Wahrheit. Für heute Abend hatten sie nichts Essbares mehr dabei – ausser vielleicht, wenn der zahme Hirsch wieder vorbeikäme… Nein, keine solch bösen Gedanken!

Die Lösung war dann einfach, aber spektakulär. Sie wanderten die 20 Minuten zurück, nahmen um 18.20 Uhr den Zug zurück zum Rannoch Station – zwölf Minuten Fahrt – kamen dort nach drei, vier Minuten zum Restaurant und hatten bis genau 21.06 Uhr Zeit fürs Nachtessen. Dann ging der letzte Zug zurück nach Corrour Station, den sie unbedingt erreichen mussten, um wieder zu ihrer Übernachtung zu gelangen.

Der Fisch mundete bestens, das Bier dazu auch. Und da der Mini-Laden beim Rannoch-Bahnhof abends geschlossen war und sie auch am folgenden Tag keine Lebensmittel bei sich trugen, wiederholten sie diesen  Ausgangstrip – diesmal mit dem deutschen Ärztepaar im Schlepptau. Am Ende des feuchtfröhlichen Abends mussten sie mit einem Sprint zum Bahnhof den letzten Zug erreichen. Fast wärs schief gegangen, und sie hätten am Bahnhof übernachten müssen. Endlich im Zug lachten alle sich krumm über dieses Abenteuer.

Am nächsten Tag verabschiedeten sich die beiden Interrail-Touristen von Bill, der ihnen noch den Tipp gab, sich oben in Fort William, der nächsten grösseren Ortschaft, in Acht zu nehmen. Das sei ihm viel zu gross und unübersichtlich – und gefährlich. Good bye und thank you for the advice.

In Fort William schauten sie sich kurz das Städtchen an und mussten noch einmal herzhaft lachen. Zu gross, zu unübersichtlich, zu gefährlich? Fort William bestand aus drei Hauptstrassen und einigen Quartieren rundherum. Rund 5000 Einwohner. Naja, für Bill in seiner einsamen Jugendherberge wohl tatsächlich eine Nummer zu gross. Tatsächlich zu viel Jubel und Trubel – und zu wenig Hirsche.

PS: Das war vor 20 Jahren. Das Hostel Loch Ossian gibt es heute noch. Die Abgeschiedenheit wird bestens vermarktet. Die Jugi wurde vor einigen Jahren okölogisch renoviert, wird nun angetrieben von Wind- und Sonnenenergie, mit Grauwasser, Trockentoiletten und einer fledermausfreundlichen Farbe am Gebäude. Das Waschwasser zieht man weiterhin mit dem Eimer aus dem See. Die Herberge wird angepriesen als idealer Ausgangspunkt für Wanderfreunde und Naturbeobachter. Und natürlich: Internet-Buchungen sind auch in dieser Einöde längst Standard geworden.

Text: Christian Schmutz

skippr-Blog

Was hat der Blick nur gegen unsere Deutschfreiburger-Fussballer?

Enough is enough! Genug ist genug! Die vielleicht grösste Tageszeitung der Schweiz scheint irgendwie etwas gegen unsere Fussballer aus Deutschfreiburg zu haben.

Zuerst schreibt die Zeitung mit den fünf Buchstaben, dass Michel Aebischer aus einem « Kaff » komme. Zurecht haben die Heitenrieder mit viel Humor darauf reagiert. Dem war aber wohl nicht genug. Im letzten Kapitel der Geschichte Blick vs. Deutschfreiburger Fussballer wurde nun der Wünnewiler Marco Schneuwly nach Skandinavien transferiert. In der Zwischenzeit ist bekannt, dass der Stürmer zum FC Aarau wechselt. Zur Erklärung Skandinavien besteht aus den Ländern Schweden, Norwegen und Dänemark, jedenfalls aus geschichtlicher Sicht. Stand Marco Schneuwly oder sein Berater jemals in Kontakt mit einem skandinavischen Klub? Nein. Gehört der FC Aarau zu Skandinavien? Nein. Wo hat der Blick also das Gerücht dieses Transfers aufgeschnappt? Oder besser gesagt, wie kam der Blick - im Sportbereich zugegebenermassen eine Zeitung mit grossem Gewicht in unserem Land - dazu eine solche Falschmeldung, heute Fake-News genannt, zu verbreiten?

Die skippr-Redaktion hat da so eine Theorie, die wir euch nicht vorenthalten möchten:

Wir wissen, dass Marco Schneuwly in Tat und Wahrheit wirklich in Kontakt mit einem ausländischen Verein stand. Der befindet sich jedoch in der gegengesetzten Richtung von Skandinavien und zwar in Sydney, Australien. Dort trainiert nämlich ein gewisser Markus Babbel, Ex-Trainer von Marco Schneuwly beim FC Luzern, den dort ansässigen Fussballklub. Gut möglich also, dass einer der Blick-Redaktoren an einem Stammtisch oder über vier Ecken den Ort Sydney aufgeschnappt hat. Nun stellt sich nur noch die Frage, wie aus Sydney Skandinavien wurde? 

Erste Theorie: beim Weitererzählen wurde aus Sydney Skandinavien. Wir haben den Versuch gewagt und haben den guten alten Kettentrick angewendet. Dabei flüstert man einer Person einen Begriff ins Ohr und danach wird dieser mindestens vier Personen weitergeflüstert. Am Ende hört man dann, was für ein Begriff dabei rauskommt. Wir haben also der ersten Person den Begriff „Sydney“ ins Ohr geflüstert und unglaublich, aber wahr, es kam nicht der Begriff „Skandinavien“, sondern der Begriff „Sydney“ heraus. Ausser Spesen also nichts gewesen. 

Zweite Theorie: vielleicht gibt es in Skandinavien einen Ort Namens Sydney? Unser Freund Google sagt leider nein.

Eine dritte Theorie würde es geben, wenn es sich beim zuständigen Blick-Redaktor um einen Amerikaner handeln würde, da diese die Schweiz und Schweden bekanntlich nicht unterscheiden können. Dies ist aber auch nicht der Fall.

Eine vierte Theorie haben wir leider nicht.

 

 

Strassensanierung nach Prinzip „Feldschiessen“

Einmal im Sense-Oberland, ein Jahr später im Sense-Mittelland, danach im Sense-Unterland oder umgekehrt – und dann beginnt es wieder im Oberland oder umgekehrt. So ungefähr funktioniert der Verteilschlüssel für die Austragungsorte der alljährlichen Sensler Feldschiessen und offenbar auch für die Strassensanierungen im Sensebezirk. Wie anders liesse sich die Realpolitik erklären?

Es wird Sommer, die Strassensanierungssaison beginnt. Kilometerweise Teer wird aufgerissen, aber weshalb oft am falschen, scheinbar unnötigen Ort?

Feldschiessen Düdingen, 2018: Flüsterbelag, die Strasse hält. In Düdingen wird die Hauptstrasse gefühlt alle zwei Jahre aufgerissen und rundumerneuert. Dieser Trend soll auch in Zukunft nicht abbrechen. Verkehrsberuhigende Massnahmen sind geplant, welche einen weiteren Aufriss nötig machen werden.

Bösingen, Strassenabschnitt Riederberg – Bösingen Dorf, seit ungefähr 1938: Die Strasse verwildert. Bolivianischer Hochlandgroove. Ein Wunder, dass noch kein Fahrzeug die Böschung hinunter oder hinauf gesegelt ist.

Alterswil, Strassenabschnitt Galtern – Alterswil Dorf, schon viel zu lange: Flickwerk, unregelmässiges Schachbrettmuster, Zustände wie in Ruanda. Ein Wunder, dass noch kein Fahrzeug im Boden versunken ist. 

Diese beiden Strassen werden in nächster Zeit tatsächlich saniert. Politischer Druck seitens der Sensler Grossräte führt nach vielen Jahren des Missstands – Missstand? Spricht hier ein Wutbürger? – zur Problembehebung. Ein Nachgeschmack bleibt. Die Logik fehlt. An gewissen Orten werden mehr als gut befahrbare Strassenbeläge ersetzt, während andernorts die Löcher wachsen. Weshalb?

Glaubt auch ihr an die Logik «Strassensanierung nach Feldschiessenprinzip»? Oder wie sieht eure Theorie zur wenig nachvollziehbaren Realität aus?

Und kennt ihr andere sanierungsbedürftige Strassenabschnitte in Deutschfreiburg? Fotos und Antworten sind willkommen per E-Mail auf info@skippr.ch.

PS. Der Verfasser entschuldigt sich für den etwas wirren Aufbau des Artikels. Er hat sich der Situation angepasst.

PS 2: Dieser Artikel ist schon seit über einem Jahr für skippr in der Pipeline. Der Zufall wollte es, dass der politische Entscheid für die Sanierung der Strasse bei Bösingen soeben gefallen ist und die Freiburger Nachrichten einen Tag vor seiner Erscheinung das Thema aufgreifen.

Text: Mario Corpataux

 

Fussball-WM

Schwachsinnige Deutschfreiburger Vergleiche

Leider haben wir an der Fussball-WM in Russland keinen Deutschfreiburger Fussballer. Obwohl... vielleicht hat ja Yvon Mvogo, der bei Marly und Freiburg spielte, eine Tante deren Cousines Stiefvater aus Giffers kommt.

(Foto: football.ch)

Jedenfalls wollen wir auf eine lustige, gar provokative Art und Weise einen Deutschfreiburger Touch in die WM bringen und haben uns erlaubt sieben schwachsinnige Deutschfreiburger Vergleiche mit den Nationalmannschafts-Stars aufzustellen. Bitte lachen, aber nicht Ernst nehmen:

- Xherdan Shaqiri hat einen Körperbau wie Hans-Peter Pellet.
- Jan Sommer würde es bei einer Mister-Deutschfreiburg-Wahl locker auf das Podest schaffen.
- Blerim Dzemaili ist so torgefährlich wie Gottéron-Spieler Marc Aplanalp.
- Steven Zuber wirkt auf dem Spielfeld nervöser als „as chlises Mitli vorem erschte mau karisiere“.
- Stephan Lichtsteiner legt bei der Hymne beinahe die Sängerqualitäten eines Gustavs an den Tag.
- Die Freundin von Valon Berami fährt leicht besser Ski als Michael Brügger, dafür hat Behrami eine nicht so schöne Frisur - Riedo macht schöner.
- Granit Xhaka weiss, dass es auch in den Deutschfreiburger Voralpen den einten oder anderen Adler gibt.

Das Handy – ein Fluch und ein Segen zugleich

Nach einem Unfall: Der Verletzte liegt auf dem Rasen, einige rufen mit dem Handy die Polizei, über dem Verletzten beugt sich eine Frau um zu helfen. Kommt ein Mann sicheren und energischen Schrittes von hinten, tippt der Frau auf die Schulter und sagt. „Lassen Sie mich das mal machen, ich habe einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht.“ Die Frau schaut ihm eine Weile zu und sagt dann zu ihm: „Wenn Sie an die Stelle kommen, wo Sie den Arzt rufen sollten, ich bin schon da.“

Ist das nicht eine wunderbare Errungenschaft? Wo du bist, stehst und gehst ist ein Gegenstand omnipräsent -  vor allem auch in unseren Breitengraden. Wichtiges gelangt schnellstmöglich an die Zieladresse. Überall ist man erreichbar und von überall kann man sich mitteilen. Das Bedürfnis ist gross sich über das Handy per Whatsapp, Instagram, Facebook, etc. ungefragt mitzuteilen. Und wie um so viel mehr „Wissen“ wird da weitergereicht und geteilt. Wie die Grösse oder Tiefe der Beziehung zwischen Sender und Empfänger aussieht, stellt sich dann spätestens beim nächsten Aufeinandertreffen heraus. Finden wir uns in einem gegenseitigen Verstehen - und wollen wir das überhaupt?

Das Handy – ein Fluch und ein Segen zugleich.

Diese Erreichbarkeit kann einen unbewussten Stress auslösen. Worauf soll man das Augenmerk richten? Symptom oder Ursache? Für viele Menschen ist Stress etwas Alltägliches und zum Teil auch schon chronisch. Da ist man froh, auf die altbewährten, ewig gleichbleibenden Eckpfeiler zurückgreifen zu können wie Familie, Freunde/Freundinnen, Arbeit, finanzielle Sicherheit, solides Netzwerk.  Was ist, wenn diese Säulen der Gesellschaft zum Teil oder ganz fehlen? Wieviel Zeit schenkt man sich? Wie oft unternimmt man bewusst etwas mit sich alleine? Und wieviel Zeit hat man für andere?

Gewünschte Berührungen sind fast unerlässlich für das Genesen  von Körper, Geist und Seele des Menschen in jedem Alter und wissenschaftlich belegt zum sanften Stressabbau. Unter anderem in London ist das eine Arbeitsnische, sprich Dienstleistung die angeboten wir: Kuschelzeit zwecks Stressabbau. In einem Vorgespräch findet der Austausch statt; unter anderem auch welche Berührungsstellen genehm und welche Stellen tabu sind.

Für mich ein wunderbarer Input. Als Experiment möchte ich das Aufgreifen und biete kostenfrei nach telefonischer Terminvereinbarung  „Kuschelzeit“ an. Ich freue mich.

Text: Monika Jeckelmann