Du blödi Morchla

Wenn man es in diesen Tagen bei einem Spaziergang im Wald rascheln hört, dann muss es nicht unbedingt ein Reh sein, das man aufgeschreckt hat. Ab sofort kann man im Wald nämlich wieder eine ganz andere Spezies sichten. Den Pilzsammler. Ja, genau. Es ist Morchelnzeit. Morcheln sind nicht nur die feinsten Pilze der Welt, sondern auch diejenigen, die wohl am schwierigsten zu finden sind. Wir sind davon überzeugt, dass genau darum der Sensler Ausdruck "Du blödi Morchla" entstanden ist. 

Dieses Foto stammt aus der Gemeinde Alterswil und ist Beweis genug, dass es in unserer Region Morcheln gibt. Die Suche ist aber extrem schwierig. Erstens weiss man nicht genau wo sie wachsen und zweitens sind sie auf dem Waldboden schwer zu sehen. Darum eben "Du blödi Morchla".

Es gibt aber auch Glückspilze. Eine skippr-Mitarbeiterin hat im letzten Jahr im Garten Rinde gestreut und durfte nun Anfangs Frühling diese Überraschung entgegen nehmen:

Im Kühlschrank sah das Ganze dann so aus:

Wir gehen schwer davon aus, dass man aufgrund solcher Morchel-Funde eine Person, die wirklich viel Schwein im Leben hat, einen Glückspilz nennt.

Auf geht die Suche. Viel Spass auf der Pirsch nach Morcheln.

Gottéron-Blog

Kilian Mottet hätte die WM-Teilnahme verdient

Schade, schade, schade... Kilian Mottet hat den letzten Kaderschnitt in Richtung Eishockey-WM in Dänemark verpasst. Der Nationaltrainer Patrick Fischer musste den Gottéron-Stürmer aufgrund des Zuzugs der Playoff-Finalteilnehmer der ZSC Lions und des HC Lugano auf der Strecke lassen. Wirklich schade, denn "Kiki" Mottet hätte sich anhand der Vorbereitung das Aufgebot für die WM redlich verdient. 

Aber ganz ehrlich: Wer hätte gedacht, dass Kilian Mottet erst dem letzten "Cut" des Nationaltrainers zum Opfer fällt? Von den selbsternannten Eishockeykennern niemand und von den Gottéron-Fans wohl nur die allerwenigsten. Kilian Mottet hat sich in der Vorbereitung zur WM im Trikot der Nationalmannschaft von seiner besten Seite gezeigt. Wirblig, trickreich, unberechenbar und torgefährlich. Die Nr. 71 der Drachen konnte sich in den Vorbereitungsspielen immerhin vier Tore gutschreiben lassen und war in der Offensive der aktivste Spieler mit dem Kreuz auf der Brust. Schlussendlich hat wohl nur seine internationale Unerfahrenheit den Ausschlag gegeben, dass er sich die WM-Spiele der Nationalmannschaft am TV anschauen muss. Eine andere Erklärung wäre nichts anderes als eine faule Ausrede. Ausser Spesen also nix gewesen, könnte man denken. Diese Einschätzung wäre jedoch grottenschlecht und kreuzfalsch. Kilian Mottet hat in den drei-vier Wochen mit der Nationalmannschaft unglaubliche Fortschritte gemacht, Selbstbewusstsein getankt und gezeigt, dass er in Topform einer der gefährlichsten Torjäger mit Schweizer Pass sein kann. Dies lässt für die kommende Gottéron-Saison mehr als hoffen. Ein Mottet in dieser Form kann für Freiburg-Gottéron 10 Tore mehr pro Saison bedeuten. Sein Rekord im Leibchen der Drachen liegt bei 30 Skorerpunkten. Wetten, dass es in der kommenden Saison mindestens 35 sind?

Ganz grosses Kompliment, Kilian Mottet, für die Leistungen der letzten Wochen in der Nationalmannschaft! Und wer weiss: sollte ein Stürmer bis zur WM noch ausfallen, hat "Kiki" gute Chancen, doch noch nach Dänemark zu fahren. Aus Freiburger Sicht gibt es zudem ein Trostpflaster. Mit Samuel Walser nimmt ein Neo-Gottéronspieler und mit Tristan Scherwey ein waschechter Freiburger ab dem 4. Mai an der WM teil. Das erste Spiel der Schweizer findet am kommenden Samstag gegen Österreich statt. Hopp Schwiz!

Carte Blanche #52

Wie es zwischen Deutsch und Welsch läuft

Freiburg? Bilingue? Schon. Aber hier eine Geschichte aus dem Alltag.

Ein paar Fribourgeois haben ein Kulturprojekt. Eine riesige Sache mit Hunderten von Beteiligten. Sie entwickeln es weiter, es gedeiht und wird spruchreif. Im letzten Moment fällt ihnen selbst oder einem konfrontierten Kollegen, einer Korrekturleserin, Journalistin oder einem minderheitssensiblen Fingerspitzengefühlforscher ein: Mais Fribourg est bilingue! Man sollte auch die Deutschsprachigen einbeziehen. Dies könnte dem Projekt eine grössere Publizität, mehr Zuschauer, aber auch lukrativere Unterstützungsbeiträge von Stadt, Kanton und Bund bringen. Also mehrere Fliegen mit einer Klappe.

So weit, so gut – so aufwendig.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist dann aber eine Qual für alle Beteiligten. Bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion wird das Projekt – sagen wir ein Musiktheater – umstrukturiert. Der Einbezug von nur vielleicht zehn Prozent Deutsch ins sonst welsche Programm degradiert das deutschsprachige Mitmach-Grüppchen zu Exoten. Sie regen sich während der Proben auf, weil alles 100 Prozent auf Französisch abläuft. Sie verlieren das Interesse am Anlass und machen kaum Werbung im Bekanntenkreis. Dadurch kommen also nicht mehr Zuschauer an die Aufführungen. Der Vorverkauf harzt und die welschen Beteiligten stöhnen über den unverhältnismässigen Mehraufwand bei den Übersetzungen und den Proben.

Dann gehts los. Die kurzen deutschen Texte im Programmheft sind voller Fehler. Die Moderation verpasst es an der Premiere, auch die deutschsprachigen Teilnehmerinnen und Zuschauer zu begrüssen. Sofort kommen die Vorwürfe der Minderheit, Deutsch sei hier nur Alibi. Die Medien der Minderheit sehen sich betrogen und für welsche Propaganda-Zwecke missbraucht. Deutschsprachige Teilnehmer lassen sich von den Journalistinnen einspannen und plaudern aus dem Nähkästchen des Probealltags. Sie sagen: «Es ist doch immer das gleiche mit diesen Welschen!»

Die Organisatoren fühlen sich betrogen, weil ihre Absicht doch so wohlgemeint war. Man habe nie gesagt, dass die ganze Produktion zweisprachig sei. Man habe doch nur der Zweisprachigkeit eine Plattform geben und eine Brücke nach Deutschfreiburg schlagen wollen.

An der Schlussfeier legt das OK allen Rednern ans Herz, sie sollten doch wenigstens zwei Sätze an die Minderheit richten – in deren Sprache. Das geschieht auch. Dabei verdrehen die zuhörenden Romands die Augen, wenn es aus dem Mund des Festredners, der OK-Präsidentin oder des Politikers nicht perfekt tönt. «Quoi? Aux éléctions, on nous a vendu ce mec-là comme bilingue. Incroyable!»

Diese Zuhörenden sagen zwar selbst kein Wort auf Deutsch, nie – das täten sie höchstens, wenn sie es perfekt könnten. Aber Perfektion braucht Übung. Also ist dieses Szenario sowieso ausgeschlossen. Aber sie verstehen immerhin so gut Schul- und Fernsehdeutsch, dass sie die Qualität der Aussprache beurteilen können.

Viele Deutschfreiburger ihrerseits finden diese ungelenken Sätze charmant. Sie schauen lächelnd über die Fehler hinweg. Sie freuen sich über das gesetzte Zeichen an die Minderheit. Sie sind zufrieden, aber das sagen sie niemandem. Gesprächig werden sie erst wieder, wenn es etwas zu kritisieren gibt.

Ja, Zweisprachigkeit greif- und erlebbar machen – das ist viel mehr als einfach ein gemeinsames, kurzfristiges Häbchläb-Projekt.

Es könnte in Arbeit ausarten.

Text: Christian Schmutz

Carte Blanche #50

Von Trennungen und Scheidungen

Viele Anwälte, Ämter, Politik und Richter sorgen dafür, dass eine Scheidung länger dauert als eine Stunde, sind immer verantwortlich für den finanziellen und psychischen Ruin der Betroffenen, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen und lassen sich den ganzen Mist schlussendlich von der Allgemeinheit teuer bezahlen...

Mit Scheidung meine ich ganz allgemein die Trennung, der Unterschied ist nur juristisches Geplänkel. Gehen oder bleiben? Das ist die grosse Frage, die wir uns in den meisten Beziehungen irgendwann einmal stellen. Ist das die Liebe unseres Lebens, und wir stehen alles durch? Bin ich glücklich, erfüllt? Oder reicht es jetzt wirklich mit diesem anderen Menschen da in unserer Wohnung und in unserem Leben, der uns schon zu lange auf die Nerven gegangen ist?

Wir müssen uns dann entscheiden und dürfen auch. Meistens hat eine Trennung sehr gute Gründe, die unbedingt auf Trennung plädieren. Und wer sich um die Entscheidung drückt, der entscheidet sich trotzdem. Er bleibt. Jede zweite Ehe wird heute geschieden, genauso viele nicht eheliche Beziehungen gehen ebenfalls auseinander. Mit Ehe an und für sich hat es kaum zu tun, dass es nicht funktioniert.

Viele denken und sagen in der Krise auch, sie hätten jetzt keine Kraft, sich zu trennen. Natürlich haben sie keine Kraft, die wird ja verschleudert für das Weitermachen und die Ausreden. Man ist schlicht zu feige. Klar, eine Trennung vollziehen ist schwierig, brüskierend, rabiat, es hat etwas von einem Mord. Die Beziehung lebt, und nachher ist sie tot. Es ist ein Vernichtungsschritt. Auch Kinder leiden bei einer Trennung nicht grundsätzlich, zumindest nicht mehr als bei zerrütteten Verhältnissen. Das Problem ist erst der Rosenkrieg. Dem Mann wird alles genommen - und damit meine ich alles. Aber das Finanzielle ist dabei (noch) nicht relevant. Oder wie sollte man es bezeichnen, wenn jemandem seine Kinder genommen werden? Mehr geht nicht. Der absolute Horror! Gibt es etwas Schlimmeres? Kaum. Aber auch bei kinderlosen Paaren wird Krieg geführt, an weniger Fronten, aber er wird geführt. Da wird verleumdet, verletzt, gehetzt, ausgenommen usw. Wozu? Offensichtlich gäbe es keine Gründe, denn vorbei ist vorbei, wenn, ja - wenn einem nicht gesagt würde: „Nimm dir einen Anwalt, lass dir das nicht bieten!“ Was nicht bieten lassen? Die meisten Anwälte beraten dann auch auf den Konflikt hin, davon leben sie ja schliesslich. Zum Glück gibt es Ausnahmen! Das Gericht verschleppt Termine, macht Verfahrensfehler, setzt Ämter ein, die meist aus klar ersichtlichen Gründen inkompetent sind - das generiert für Betroffene und die Allgemeinheit extreme Kosten. Und ich spreche hier von mehreren 10‘000 Franken auf beiden Seiten. Sei es Kesb, Sozialamt, Gericht, Anwälte, Beistände, Kofa, Psychologen und, und, und - die Kostenexplosion ist vorprogrammiert. Und dies nur, weil Betroffene bei einer Trennung schlecht beraten sind. Die Vernunft setzt aus - es geht nur noch ums Gewinnen. Aber was gewinnen? Verlierer sind immer beide Seiten; nur nicht die dazwischen und rundherum. Das Schlimmste ist, wie gesagt, das beratende Umfeld, die Familie, die Freunde, wobei man davon beides in Anführungs- und Schlusszeichen setzten müsste. Denn was ist das für eine Familie, die gegen den Ex-Partner hetzt, was sind das für Freunde, die sich lautstark einmischen und Scheisse erzählen? Solche „Menschen“ (diesmal benutze ich die Anführungs- und Schlusszeichen bewusst), gehören bestraft und das hart. Denn was solche Individuen anrichten und die Menschenleben, die sie auf dem Gewissen haben, lassen nichts anderes zu als Bestrafung. Sie sind anmassend, respektlos und letztlich alles andere als eine Hilfe, sondern führen zu Zerstörung und brüsten sich danach noch als grosse Helfer in der Sache. Schuldig im Sinne der Anklage, muss es heissen bei all den „Helfern“. Wenn ihr helfen wollt, dann seid da, hört zu, hört genau zu, verliert nicht den Respekt und urteilt nicht. Dann wird auch eine Trennung zu einer Sache zwischen zwei Personen und nicht mehr jene der Allgemeinheit.

Und noch einmal als Schlusswort in Bezug auf die Kinder: Es kann einfach nicht angehen, dass ein vermeintlich aufgeklärter Mensch es ok findet, wenn man einem Vater seine Kinder nimmt. Auch dies ist ein schweres Verbrechen, wenn nicht eines der schlimmsten. Werden die Verursacher bestraft? Leider nein...

Das Elend ist gross und wird täglich grösser.

Text: David Aebischer

Gastkolumne und Verlosung

Im Schatten der Linde von David Bielmann

Bevor ich mich ans Schreiben des Romans machte, las ich drei Texte über Christina Aeby, die in verschiedenen heimatkundlichen Blättern publiziert worden waren.

Die Texte stammten aus der Feder von Erwin Mülhauser, Meinrad Schaller und Joseph Birbaum. Was bei der Lektüre sofort auffiel, war die Tatsache, dass die Texte nicht miteinander in Einklang standen. Die Geschichte und ihre Protagonisten wurden unterschiedlich dargestellt, sogar die Namen stimmten nicht überein. 

Mir schien, dass Joseph Birbaum bei seiner Darstellung der Tat am wissenschaftlichsten vorgegangen war. Ausserdem war er der einzige der drei Publizisten, der noch lebte. Ich betrachtete ihn also als den weltweit führenden Experten auf dem Gebiet des Mordfalls Christina Aeby. Ich bat ihn in einem Brief, ihn besuchen zu dürfen, und erhielt umgehend eine mit Schreibmaschine geschriebene Einladung. 

Joseph Birbaum war ein ehemaliger Pfarrer, der in Alterswil wohnte. Mehr wusste ich nicht über ihn. Doch seinen Text, den er über den Mord verfasst hatte, kannte ich fast auswendig. Ich hatte mich gut auf meinen Besuch vorbereitet. Ich hatte mir haufenweise Fragen notiert, auf die ich mir Antworten erhoffte. 

In einer Blockwohnung neben der Kirche empfing mich ein kleiner Mann. Zur Begrüssung segnete er mich. Wir setzten uns ins Wohnzimmer, wo ich meine Unterlagen hervornahm, über die ich sprechen wollte. Ich fragte ihn, worauf sich seine These stütze, der Mordverdächtige Peter Roschi habe an jenem 3. Mai 1820 ein gelbgestreiftes Gilet getragen. 

«Damals», begann er, «wurde in Rechthalten eine Frau getötet. Beim Farnerawald.»

Ich wartete, doch er schwieg wieder. Dann dämmerte es mir. Joseph Birbaum hatte seinen Text vor fast sechs Jahrzehnten geschrieben, vor Elvis, vor der Erstbesteigung des Everests, vor dem Wunder von Bern und dem Sputnik. Wie hatte ich nur erwarten können, er würde mir nun detailreich darüber berichten?

Plötzlich stand er auf, ging zur Kommode und nahm zwei Fotografien aus einer Schublade. Sie zeigten frühere Denkmäler, die einst an Christina Aeby erinnert hatten. Ich war begeistert. Er schenkte mir die Fotos, segnete mich wiederum und wünschte mir alles Gute. 

Knapp ein Jahr nach meinem Besuch sah ich in den Freiburger Nachrichten die Todesanzeige von Joseph Birbaum. Er wurde achtundneunzig Jahre alt.

Text: David Bielmann

Verlosung

Wir verlosen zwei Ausgaben des Buchs im Schatten der Linde von David Bielmann.

Mitmachen: Stichwort "Im Schatten der Linde" an gewinnspiel@skippr.ch oder per SMS/WhatsApp auf die Nummer 079 950 15 71. Name, Vorname und Wohnort wie immer nicht vergessen.

Zum ersten Mal hörte ich von Christina Aeby, als ich ein kleiner Junge war: Eine Frau soll einst ermordet worden sein, in Rechthalten, in meinem Dorf, gar nicht weit vom Haus entfernt, in dem ich wohnte.

Das besorgte mich. Bis dahin hatte ich geglaubt, dass Morde nur anderswo geschehen, nur in Filmen und in Zeitungen, nur draussen in der weiten Welt, nicht bei uns, auf dem friedlichen Land. Ich beruhigte mich damit, dass der Mord an Christina Aeby schon unendlich lange zurücklag und ich nun in einer Zeit lebte, in der es bei uns keine Gewaltverbrechen mehr gab.

Ich erinnere mich an einen Jubla-Anlass, an dem wir uns nach Sonnenuntergang zum Tatort begaben. An diesem unheilvollen Ort erzählte einer der Leiter im Kerzenlicht die schreckliche Geschichte, bestrebt, uns Kindern so viel Angst wie möglich einzujagen. Es gelang. Wie erleichtert ich war, als wir danach alle heil wieder im Dorf ankamen und einen beruhigenden Becher Tee erhielten.

Einige Jahre später spielte ich an einem Unihockey-Turnier in Giffers. Ich war inzwischen ein Mann geworden, jedenfalls auf dem Papier, und ich hatte Getränke für mich entdeckt, die eine noch viel beruhigendere Wirkung erzielten als Tee. Überschwänglich feierten wir unsere Siege – oder waren es die Niederlagen, die wir ertränkten? Morgens um drei Uhr, als ich sämtliche Mitfahrmöglichkeiten ausgeschlagen hatte, fasste ich einen tollkühnen Entschluss: Ich wollte von Giffers nach Rechthalten marschieren, und zwar nicht der Strasse entlang, sondern durch jene finstere Gegend, die damals Christina Aeby in ihrer letzten Stunde durchstreift hatte. Furchtlos zog ich los, der Hockeystock in meinen Händen verlieh mir eine gewisse Sicherheit. Aber schon kurz nach dem Pistolenstand von Giffers, wo es keine Lichter mehr gab, verirrte ich mich. Ich hatte den Fussweg verlassen, stapfte über die dunklen Wiesen, stach hinein in den Wald, fand wieder heraus. 

Endlich erreichte ich den Weg, den Christina Aeby genommen hatte und der nach Rechthalten führte. Das Dorf schlief, alles war still und dunkel. Als ich zum Gedenkstein am Tatort kam, bemühte ich mich, eine Weile stehenzubleiben. Ich hielt mich nachts allein an der Stätte des Grauens auf! Es hätte unheimlich sein können, doch nichts geschah. Ich hatte weder Herzklopfen noch Gänsehaut. Christina Aeby war tot, und alles, was an sie erinnerte, war ein kalter Stein im Gras.

Melancholisch wurde ich erst, nachdem ich den Stein hinter mir gelassen hatte und auf das Dorf zuschritt. Und in einem Anflug von Übermut wünschte ich mir, ein grosser Schriftsteller zu sein, um Christina Aeby zurückzuholen, deren Leben mit einundzwanzig Jahren ein tragisches Ende fand.