Carte Blanche #57

Di Jùnge rede andersch – o im Theater

D Spraach im Mùndarttheater setti scho jùscht syy – aber was isch dialäktmässig scho jùscht? Da gits rächti Ùnderschiide, ob Oberlann oder Ùnderlann, ob aut oder jùng. Graad di Jùnge ùberrasche mier ging ùmmi.

Am 19. Juni isch Premiere vom Frylicht-Theater «Hörti Zytte» z Friseniit. De dritt Tǜü vo de Seisler Saga nach «Hintercher-Banda» ù «Falli Hölli» stygt i di zweiti Saison. Bi de Proobe muess de Mark Kessler ùs Regissöör ù Tegschter allerlei Detail verbessere. Ùn i ggùgge de Schouspiiler de aube no bitz ùf ds Muu.

Debyy isch mer epis Spanends uufgfale. As git Sache, di tööne fùr mier zwaar fautsch, aber wen i verschideni Jùngi fraage, sääge dii dä Begrǜff ali glyych. De chas ja nümme fautsch syy, oder? Ù bim Theater chùnt ja no dezue, dass es fùr d Schouspiileri ù de -spiiler o muess fùnktioniere. Ùberspitzt gsiit, dass dä Satz picobello i iiras Muu yypasst. Schǜsch chùnts ùnnatürlich usa – ù vilicht no fautscher

Dä Dialäktwandù isch o nit schlǜmm. Wier hii früer mengs o andersch gsiit aus üser Öutere ù Grossöutere. Ù drùm beobachten i o ging gäär d Spraach vo de Jùnge ù laa mi gäär vom Wandù la überrasche.

·      Won ii jugendlich gsyy bǜ, hii d Lütt gsiit: Wier tüe daas mache. Das isch mer o bblǜbe. Hütt tää di Jùnge epis mache.

·      Bi mier isch klaar gsyy: eper tuet plöffe "prahlen". Di Jùnge hüt sääge sich plöffe, we eper sich säuber besser macht. Si hii mer erkläärt, asoo teegi si di zwoo Bedütige "sich selbst besser machen, prahlen" ù "sich im Spiel besser machen, bluffen" ùsenann haute. Das isch as tüpisches Argument. "Homonyme-Flucht" isch ds Fachwort, we mù nit wott, dass zwoo ùnderschiidlichi Sache glyych hiisse. O we ja fasch jedes Wort verschideni Bedütige het ù mù de epa glyych druus cheemi. Aber äbe, we Tǜü Lütt, wo as gwǜsses Prestige hii, für sich entscheide, dass a Homonymekonflikt herrscht, de schaffe si epis Nüüs. Ù di andere laferes de naa. Spraachwandù wy ùs ùm Büechli.

·      Bi de öuterschti Generation isch piize no "Fleisch einlegen". Das macht mù hüt epa hööchschtens no bim Wǜüd, de gits z.B. (Reh-)Pfäffer. Di groossi Massa kennt piize no fùr "ködern, die Ehrlichkeit austesten": Si hii mù as Zäächnernöttli piizt, fùr z ggùgge, ob ersch nǜmmt. Ù itz äbe bi de Jùnge hiisst piize nüerdings "plagen, necken" oder o "klauen, wegnehmen". Bim piize sy sich offebaar o di Jùnge nit einig, wo de Wääg hiifüert.

·      Ù itz äbe no zrùgg zùm Theater: Da het lötscht Jaar di einti jùnge Schouspiileri gsiit: i waage mier niit, epis z sääge. O daas het fùr mier fautsch töönt, a Mǜschig zwǜsche i waages nit ù i troue mier nit, epis z sääge. Aber ebe, wen i de bi verschidene Jùnge naagfragt ha, da han i vo meerere köört: i waage mier nit. Das schynt sich langsam dedǜǜrzsetze.

Loset amaau chli ùma. As git ging epis z entdecke ù z leere. Fùr waas son as Theaterprojäkt nit aus guet isch.

PS: Apropos Friseniit: I cha de Naame vo dem Wyler chumm sääge, oni a Sprùch hindernaa, won i früer maau köört ù näy naagglaferet ha: Friseniit – friss mi niit.

Text: Christian Schmutz

Carte Blanche #56

Weltherrschaft Start-Ups?

Fast jeden Tag gibt es einen brandneuen und perfekten Plan zur Weltherrschaft. Dass Menschen Unternehmen gründen wollen, ist ja nichts Ungewöhnliches. Startups sind aber vermutlich nicht nur der Feind von jedem herkömmlichen Unternehmen, denn Aufgaben und Ziele sind lebendig und oft auch unfreiwillig variabel, sondern auch von jedem vernünftig denkenden, fühlenden und agierenden Menschen. Wie dumm und verantwortungslos ist man also, wenn man die eigene Zeit für unwichtige Dinge wie Karriere und Geld ausgibt und ein Restchen seiner eigenen Zeit aufhebt, das vielleicht schon bald aufgebraucht ist?

Man kann bedingt viel lernen im Prozess des Wachstums, weil sich ständig neue Aufgaben ergeben. Startups können also doch etwas?

Wenn man sich dann aber etwas genauer damit befasst, oder sich einmal mit Menschen auseinandersetzt, die sich in diesen Startups, der neuen Weltreligion, hervortun, stellt man bald einmal Schlimmes fest. Da wird gekonnt Charisma ausgespielt. Diese Menschen sind fest überzeugt von der eigenen Grossartigkeit und Einzigartigkeit und hegen absolut keinerlei Selbstzweifel. Das natürliche Verhalten von Menschen mit starken narzisstischen Tendenzen also, oder doch nicht? Solchen Start-Uplern fallen die Anforderungen eines Startups besonders leicht. Sie treiben wegen ihres aussergewöhnlichen Selbstbewusstseins bahnbrechende Neuerungen voran, die den bisherigen Erfahrungen und Traditionen widersprechen. Dieser Wandel in der Unternehmenskultur lässt aber auch mehr und mehr Seriosität vermissen. Die Gier nach schnellem Geld, maximalen Wachstum und der Besetzung von Schlüsselpositionen scheint den Verstand, die Vernunft, die Menschlichkeit, sich und anderen Menschen gegenüber, ausser Kraft gesetzt zu haben. Es wird gezockt, gespielt und auf maximales Risiko gefahren ohne Rücksicht auf Verluste. Solche Menschen denken auch noch nach Zurückweisungen, die anderen hätten die Grösse ihrer Idee einfach nicht begriffen. Sie verlieren vollends den Sinn für Realität.

Je weniger Empathie, desto geringer sind die Hemmungen Konkurrenten zu überrollen und übervorteilen. Je geringer das Mitgefühl dieser Menschen ist, desto grösser ist die Nähe zum Psychopathen, warnen die Experten. Menschen werden wegen Karriere und Geld schon als Kinder kaputt gemacht, verformt und vergewaltigt. Menschen werden zerstört für die Karriere, Erfolg und Geld. Jeder eifert um die Wette, um dann letztlich spurlos aus dem Leben zu verschwinden. Lauter Gräber und Grabsteine, die nur unnötig Platz einnehmen werden.

Ein Startup-Unternehmen haut in genau diese Kerbe. Alles dreht sich nur um Erfolg und letztlich um Geld. Egal was es kostet. Menschen werden schlecht gemacht, verleumdet, aus Eifersucht gekränkt und als Konkurrenz wahrgenommen. Der Mensch sollte sich wieder echter Werte besinnen. Erst dann wird er wieder glücklich sein. Das wäre endlich einmal ein würdiges Startup-Unternehmen.

Text: David Aebischer

Carte Blanche #55

Kilbi mit Familie – Familienkilbi – Kilbi ohne Musik

Regelmässig Ende Mai hört und liest man, dass die Bad Bonn Kilbi klein, überschaubar und familiär sei.

Heuer hatte ich das erste Mal die Möglichkeit, mit einem Teil meiner Familie an die Kilbi zu gehen. Bis anhin wurden unsere Kinder regelmässig zur Kilbizeit krank, auch dieses Jahr fiel der Jüngste krank aus. Doch mit den zwei älteren gingen wir am Samstag an die Kilbi. 

Noch bevor wir überhaupt in die Nähe des Festivalgeländes gekommen waren, hatten die Jungs den ersten Höhepunkt: Beim IGZ verkauften Kinder Erdbeeren von Lüdi’s. Mit einer Packung gestärkt, liefen wir die letzten Meter Richtung Bonn. 

Beim Eingang erhielten die Kinder ein Armbändel. Stolz zeigen sie es bei der Kontrolle. Es ist warm, der Himmel klar, wir sind bereit und betreten das Gelände. Kaum dort, hören wir dem ersten Soundcheck zu. Die Jungs haben Spass, es hat niemanden vor der Bühne. Nur zwei, drei Personen haben sich vor die Bühne verlaufen. Die Musik scheint den Jungs zu gefallen. Nach dem Soundcheck gehen wir auf das Dach. An der Bar dann ein erstes Getränk mit der Patin vom Grossen. Von dort hat man einen guten Überblick. Durch die Flüssigkeit gestärkt, finden wir Kraft, den Kleiderladen aufzusuchen. Angenehm im Schatten liegend gönnen sich die Jungs eine Portion Frites. In Begleitung des Paten des Mittleren. 

Zusammen schlendern wir gestärkt zum Bogen. Es ist zu heiss. Die Jungs müssen auf die Toilette. Also gehen wir hin. Im Personalzelt (meine Frau und ich sind bescheidene Helfer und dürfen so «backstage») hat es den Töggelikasten. Dort werden intensive Partien ausgetragen.

Wir schlagen den Kindern vor, an den Strand zu gehen. Dort gucken wir uns die Tanzdarstellung an. Keine Begeisterung. Weder bei den Kindern noch bei mir. Zum Glück ist ein kleiner Spielplatz in der Nähe. Meine Jungs klettern jedoch lieber in den Bäumen umher.

Ermutigt durch die diversen nackten oder halbnackten Personen animiert sich der Ältere, baden zu gehen. Wir bringen ihn fast nicht mehr aus dem Schiffenensee. Mittlerweile hat sich auch die Patin des Mittleren zu uns gesellt. Gegen sieben bringen wir ihn aus dem See. Wir locken ihn mit einer weiteren versprochenen Portion Frites. Pädagogisch wertvoll. Auf dem Gelände angekommen: Die Jungs stolz, dass sie nochmals bei der Kontrolle durchgewunken werden. Sind echt freundliche diese Personen beim Eingang. Nochmals eine Portion Frites. Auch diese sind hervorragend. Dazu nun etwas Wasser.

Dann gehen wir müde doch zufrieden Hand in Hand Richtung Auto.

Fazit: Die Kilbi ist familienfreundlich. Geht man am Nachmittag früh (Samstags), dann haben die Kinder gut Platz, herumzurennen, herumzutollen und sich zu vertören. Die Stimmung ist friedlich, dem «Lärm» kann man entgehen. Ich freue mich auf die Ausgabe 2019...wieder mit den Kindern....und natürlich ohne.

Ich möchte es nicht unterlassen, allen Personen für ihre Arbeit an der Kilbi zu danken.

Text: Benjamin Zurron

Die Taverna ist Wellness für den Magen

„Ich hätte gerne als Vorspeise das Oeuf Parfait mit grünen Spargeln und einer Bärlauch Mayo, garniert mit Parmesan-Krümeln und als Hauptspeise den 48 Stunden gekochten Schweinebauch an der karamellisierten Apfelsauce“, sagte er mit einer Selbstverständlichkeit, als ob diese Bestellung in Deutschfreiburg etwas Alltägliches wäre.

Vor der Neueröffnung des Hotels Restaurant Taverna hatte skippr mit den neuen "Tätschmeisterinnen" ein Video-Interview geführt:

Oeuf Parfait in Tafers? Das gibts doch sonst nur in der Haute Cuisine in Paris und 48 Stunden lang hat im Sensebezirk wohl noch niemand irgendetwas gekocht, ausser vielleicht früher mal ein Schwarzbrenner einen "Häppereschnaps". Verwundert ab der Karte lief dem Hobby-Koch das Wasser im Mund zusammen, was bei der netten und kompetenten Bedienung nicht unbemerkt blieb. „Was darf es als Beilage sein?“. Überfordert ab der gut bestückten Beilagekarte schien die Antwort gar kindisch: „Alles, bitte“. Die Dame mit dem freudigen Lächeln wies ihn darauf hin, dass dies etwas viel für ihn sein dürfte. Also gab es Kartoffel Gnocchi, Hausgemachte Pommes mit Trüffel Mayo und marinierte Kräuterpilze.

Zur Vorspeise: das Oeuf Parfait war seinem Namen getreu einfach perfekt. Serviert an frischen Spargeln war es schlicht ein Gedicht! Französische Topküche mitten im Sensebezirk, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Zur Hauptspeise: dem Schreiberling fehlen hierzu ganz einfach die Worte. Der Schweinebauch verging auf der Zunge, wie Butter in einer heissen Pfanne. Das Zusammenspiel mit der Apfelsauce, auf dem der zwei Tage gekochte Schweinebauch präsentiert wurde, war mindestens so gut, wie einst dasjenige zwischen Bykov und Khomutov.

Nur ein Schelm würde denken, dass es sich hier um einen Werbespot für die Taverna handelt. Dem ist nicht so und die Schwärmerei ist noch nicht zu Ende. Denn nach dem Essen warteten noch zwei weitere Überraschungen auf den Neukunden. Erstens: der Preis ist für die Qualität unschlagbar. Für ein solches Essen zahlt man in einem Freiburger Gourmet-Tempel pro Person weit über CHF 100.-. In der Taverna - "häbet nech am Bänkli" - CHF 35.-. Zweitens: obwohl der Genuss erst am späten Freitagabend stattfand, bereitete er auch einem heiklen Magen keine Schwierigkeiten bei der Verdauung. Wellness für den Magen halt!

Ein grosses Bravo in die Küche! Ein "Zigi Zagi, hoi, hoi, hoi" wäre angebracht, jedoch im schönen Ambiente in der Taverna unangebracht.

Carte Blanche #54

In unserer letzten Carte Blanche hat der Blogger Mario Corpataux unseren User/innen einige Fragen zum Thema "Wertvollere und billigere Staatsangestellte" in den Raum geworfen. Den Blog findet ihr unten:

Hier eine Auswahl an Antworten unserer User/innen:

- Nicht vergessen. Wir haben eine bürgerliche Regierung.Die werden sich kaum fürs Spitalpersonal einsetzen.

- Ja, hier wird immer geredet von Sparen. Habe auch ein kleines Beispiel: Schaut mal wie verschwenderisch alles zu geht. Meiner Mutter haben sie drei Paar neue Schuhe anprobiert. "Ach nein, die passen doch nicht". Wurden vor meinen Augen in den Abfall geworfen (...). Hohe Löhne und Meterial wird verschwendet bis zum geht nicht mehr.

- Immer dasselbe, bei Problemen kommen zuerst die "Kleinen" an die Kasse. Die Suppe haben nicht die "Kleinen" eingebrockt, müssen/sollen sie aber zuerst auslöffeln. 

- Ganz einfach Mario, wenn man gutes Personal will, dann muss man das auch gut bezahlen. Tut man das nicht wandert es ab in die Privatwirtschaft. Von daher könnte die Frage ja auch lauten ob das Personal im Kantonsspital nicht doch weiter so gut bezahlt werden sollte oder ob das Kantonsspital grundsätzlich privatisiert werden sollte, dann haben wir aber eine andere Ausgangslage. Aber eben, wie leider so oft in deinen Artikeln, es ist halt schwarz oder weiss... (Passt ja auch zu unserem Kanton;-)

- Wann werden andere Angestellte auf das Niveau der Staatsangestellte gehoben? Industrie, Verkauf, KV und soweiter!

- Die Probleme sind nicht beim "gewöhnlichen" Personal! Hier wird versucht das Problem zu umgehen

Wertvollere und billigere Staatsangestellte?

Ein Politikum der absurden Art: Die Spitalangestellten der öffentlichen Spitäler des Kantons Freiburg sollen vom Staatspersonal gelöst werden, um die Schulden des Kantonsspitals in den Griff zu bekommen. Weshalb nur sie?

Offenbar gibt es Staatsangestellte und (noch) Staatangestellte. In der lebhaft geführten Diskussion geht vergessen, dass alle nur Menschen sind, die irgendwann einmal zu irgendwelchen (guten) Konditionen in die Dienste des Kantons Freiburg befördert wurden und dort üblicherweise bis an ihr Berufsende fristen und zwanzig Jahre lang jährlich automatisch mehr Lohn erhalten.

Aktuell gibt es noch zwei Kategorien von Staatsangestellten: diejenigen, welche Fliegen zählen und diejenigen, die in Spitalgängen herumrennen. Gleichzeitig ist es eine Tatsache, dass das Freiburger Spital HFR deutlich höhere Löhne entrichtet als weit grössere und renommiertere Spitäler in der Schweiz.

Stopp hier! Jede weitere Polemisierung ergäbe ein paar tausend Feinde mehr, weshalb ab jetzt nur noch Fragen gestellt werden:

Auszug aus den Freiburger Nachrichten vom 8. Mai 2018:

«Ein öffentliches Spital braucht ein Gesetz als Grundlage für sein Personal», sagte Siggen (Anm. d. Red.: Jean-Pierre Siggen, Direktor für Erziehung, Kultur und Sport des Kantons Freiburg). «Dieses muss aber flexibler sein als das Gesetz über das Staatspersonal.»

Weshalb um Himmels Willen muss das Gesetz für das Spitalpersonal flexibler sein als das Gesetz über das (normale) Staatspersonal?

Für ihn (Anm. der Red.: Peter Wüthrich, FDP-Grossrat und Motionär für die Auslagerung des Spitalpersonals aus dem Staatspersonalgesetz) ist es ebenfalls wichtig, dass das HFR-Personal künftig nicht mehr dem Staatspersonalgesetz unterstellt sei. Das erlaube dem Spital, flexibler zu handeln.

Weshalb sollten nicht auch die Löhne des übrigen Staatspersonals sinken?

«Skandalös und inakzeptabel», sagte Fede-Präsident Bernard Fragnière im Gespräch. Das HFR-Personal würde auf diese Weise zu «Staatspersonal zweiter Klasse» degradiert.  

Weshalb also nicht alle Staatsangestellten auf dieselbe Stufe degradieren?

Text: Mario Corpataux

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