Carte Blanche #50

Von Trennungen und Scheidungen

Viele Anwälte, Ämter, Politik und Richter sorgen dafür, dass eine Scheidung länger dauert als eine Stunde, sind immer verantwortlich für den finanziellen und psychischen Ruin der Betroffenen, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen und lassen sich den ganzen Mist schlussendlich von der Allgemeinheit teuer bezahlen...

Mit Scheidung meine ich ganz allgemein die Trennung, der Unterschied ist nur juristisches Geplänkel. Gehen oder bleiben? Das ist die grosse Frage, die wir uns in den meisten Beziehungen irgendwann einmal stellen. Ist das die Liebe unseres Lebens, und wir stehen alles durch? Bin ich glücklich, erfüllt? Oder reicht es jetzt wirklich mit diesem anderen Menschen da in unserer Wohnung und in unserem Leben, der uns schon zu lange auf die Nerven gegangen ist?

Wir müssen uns dann entscheiden und dürfen auch. Meistens hat eine Trennung sehr gute Gründe, die unbedingt auf Trennung plädieren. Und wer sich um die Entscheidung drückt, der entscheidet sich trotzdem. Er bleibt. Jede zweite Ehe wird heute geschieden, genauso viele nicht eheliche Beziehungen gehen ebenfalls auseinander. Mit Ehe an und für sich hat es kaum zu tun, dass es nicht funktioniert.

Viele denken und sagen in der Krise auch, sie hätten jetzt keine Kraft, sich zu trennen. Natürlich haben sie keine Kraft, die wird ja verschleudert für das Weitermachen und die Ausreden. Man ist schlicht zu feige. Klar, eine Trennung vollziehen ist schwierig, brüskierend, rabiat, es hat etwas von einem Mord. Die Beziehung lebt, und nachher ist sie tot. Es ist ein Vernichtungsschritt. Auch Kinder leiden bei einer Trennung nicht grundsätzlich, zumindest nicht mehr als bei zerrütteten Verhältnissen. Das Problem ist erst der Rosenkrieg. Dem Mann wird alles genommen - und damit meine ich alles. Aber das Finanzielle ist dabei (noch) nicht relevant. Oder wie sollte man es bezeichnen, wenn jemandem seine Kinder genommen werden? Mehr geht nicht. Der absolute Horror! Gibt es etwas Schlimmeres? Kaum. Aber auch bei kinderlosen Paaren wird Krieg geführt, an weniger Fronten, aber er wird geführt. Da wird verleumdet, verletzt, gehetzt, ausgenommen usw. Wozu? Offensichtlich gäbe es keine Gründe, denn vorbei ist vorbei, wenn, ja - wenn einem nicht gesagt würde: „Nimm dir einen Anwalt, lass dir das nicht bieten!“ Was nicht bieten lassen? Die meisten Anwälte beraten dann auch auf den Konflikt hin, davon leben sie ja schliesslich. Zum Glück gibt es Ausnahmen! Das Gericht verschleppt Termine, macht Verfahrensfehler, setzt Ämter ein, die meist aus klar ersichtlichen Gründen inkompetent sind - das generiert für Betroffene und die Allgemeinheit extreme Kosten. Und ich spreche hier von mehreren 10‘000 Franken auf beiden Seiten. Sei es Kesb, Sozialamt, Gericht, Anwälte, Beistände, Kofa, Psychologen und, und, und - die Kostenexplosion ist vorprogrammiert. Und dies nur, weil Betroffene bei einer Trennung schlecht beraten sind. Die Vernunft setzt aus - es geht nur noch ums Gewinnen. Aber was gewinnen? Verlierer sind immer beide Seiten; nur nicht die dazwischen und rundherum. Das Schlimmste ist, wie gesagt, das beratende Umfeld, die Familie, die Freunde, wobei man davon beides in Anführungs- und Schlusszeichen setzten müsste. Denn was ist das für eine Familie, die gegen den Ex-Partner hetzt, was sind das für Freunde, die sich lautstark einmischen und Scheisse erzählen? Solche „Menschen“ (diesmal benutze ich die Anführungs- und Schlusszeichen bewusst), gehören bestraft und das hart. Denn was solche Individuen anrichten und die Menschenleben, die sie auf dem Gewissen haben, lassen nichts anderes zu als Bestrafung. Sie sind anmassend, respektlos und letztlich alles andere als eine Hilfe, sondern führen zu Zerstörung und brüsten sich danach noch als grosse Helfer in der Sache. Schuldig im Sinne der Anklage, muss es heissen bei all den „Helfern“. Wenn ihr helfen wollt, dann seid da, hört zu, hört genau zu, verliert nicht den Respekt und urteilt nicht. Dann wird auch eine Trennung zu einer Sache zwischen zwei Personen und nicht mehr jene der Allgemeinheit.

Und noch einmal als Schlusswort in Bezug auf die Kinder: Es kann einfach nicht angehen, dass ein vermeintlich aufgeklärter Mensch es ok findet, wenn man einem Vater seine Kinder nimmt. Auch dies ist ein schweres Verbrechen, wenn nicht eines der schlimmsten. Werden die Verursacher bestraft? Leider nein...

Das Elend ist gross und wird täglich grösser.

Text: David Aebischer

Gastkolumne und Verlosung

Im Schatten der Linde von David Bielmann

Bevor ich mich ans Schreiben des Romans machte, las ich drei Texte über Christina Aeby, die in verschiedenen heimatkundlichen Blättern publiziert worden waren.

Die Texte stammten aus der Feder von Erwin Mülhauser, Meinrad Schaller und Joseph Birbaum. Was bei der Lektüre sofort auffiel, war die Tatsache, dass die Texte nicht miteinander in Einklang standen. Die Geschichte und ihre Protagonisten wurden unterschiedlich dargestellt, sogar die Namen stimmten nicht überein. 

Mir schien, dass Joseph Birbaum bei seiner Darstellung der Tat am wissenschaftlichsten vorgegangen war. Ausserdem war er der einzige der drei Publizisten, der noch lebte. Ich betrachtete ihn also als den weltweit führenden Experten auf dem Gebiet des Mordfalls Christina Aeby. Ich bat ihn in einem Brief, ihn besuchen zu dürfen, und erhielt umgehend eine mit Schreibmaschine geschriebene Einladung. 

Joseph Birbaum war ein ehemaliger Pfarrer, der in Alterswil wohnte. Mehr wusste ich nicht über ihn. Doch seinen Text, den er über den Mord verfasst hatte, kannte ich fast auswendig. Ich hatte mich gut auf meinen Besuch vorbereitet. Ich hatte mir haufenweise Fragen notiert, auf die ich mir Antworten erhoffte. 

In einer Blockwohnung neben der Kirche empfing mich ein kleiner Mann. Zur Begrüssung segnete er mich. Wir setzten uns ins Wohnzimmer, wo ich meine Unterlagen hervornahm, über die ich sprechen wollte. Ich fragte ihn, worauf sich seine These stütze, der Mordverdächtige Peter Roschi habe an jenem 3. Mai 1820 ein gelbgestreiftes Gilet getragen. 

«Damals», begann er, «wurde in Rechthalten eine Frau getötet. Beim Farnerawald.»

Ich wartete, doch er schwieg wieder. Dann dämmerte es mir. Joseph Birbaum hatte seinen Text vor fast sechs Jahrzehnten geschrieben, vor Elvis, vor der Erstbesteigung des Everests, vor dem Wunder von Bern und dem Sputnik. Wie hatte ich nur erwarten können, er würde mir nun detailreich darüber berichten?

Plötzlich stand er auf, ging zur Kommode und nahm zwei Fotografien aus einer Schublade. Sie zeigten frühere Denkmäler, die einst an Christina Aeby erinnert hatten. Ich war begeistert. Er schenkte mir die Fotos, segnete mich wiederum und wünschte mir alles Gute. 

Knapp ein Jahr nach meinem Besuch sah ich in den Freiburger Nachrichten die Todesanzeige von Joseph Birbaum. Er wurde achtundneunzig Jahre alt.

Text: David Bielmann

Verlosung

Wir verlosen zwei Ausgaben des Buchs im Schatten der Linde von David Bielmann.

Mitmachen: Stichwort "Im Schatten der Linde" an gewinnspiel@skippr.ch oder per SMS/WhatsApp auf die Nummer 079 950 15 71. Name, Vorname und Wohnort wie immer nicht vergessen.

Zum ersten Mal hörte ich von Christina Aeby, als ich ein kleiner Junge war: Eine Frau soll einst ermordet worden sein, in Rechthalten, in meinem Dorf, gar nicht weit vom Haus entfernt, in dem ich wohnte.

Das besorgte mich. Bis dahin hatte ich geglaubt, dass Morde nur anderswo geschehen, nur in Filmen und in Zeitungen, nur draussen in der weiten Welt, nicht bei uns, auf dem friedlichen Land. Ich beruhigte mich damit, dass der Mord an Christina Aeby schon unendlich lange zurücklag und ich nun in einer Zeit lebte, in der es bei uns keine Gewaltverbrechen mehr gab.

Ich erinnere mich an einen Jubla-Anlass, an dem wir uns nach Sonnenuntergang zum Tatort begaben. An diesem unheilvollen Ort erzählte einer der Leiter im Kerzenlicht die schreckliche Geschichte, bestrebt, uns Kindern so viel Angst wie möglich einzujagen. Es gelang. Wie erleichtert ich war, als wir danach alle heil wieder im Dorf ankamen und einen beruhigenden Becher Tee erhielten.

Einige Jahre später spielte ich an einem Unihockey-Turnier in Giffers. Ich war inzwischen ein Mann geworden, jedenfalls auf dem Papier, und ich hatte Getränke für mich entdeckt, die eine noch viel beruhigendere Wirkung erzielten als Tee. Überschwänglich feierten wir unsere Siege – oder waren es die Niederlagen, die wir ertränkten? Morgens um drei Uhr, als ich sämtliche Mitfahrmöglichkeiten ausgeschlagen hatte, fasste ich einen tollkühnen Entschluss: Ich wollte von Giffers nach Rechthalten marschieren, und zwar nicht der Strasse entlang, sondern durch jene finstere Gegend, die damals Christina Aeby in ihrer letzten Stunde durchstreift hatte. Furchtlos zog ich los, der Hockeystock in meinen Händen verlieh mir eine gewisse Sicherheit. Aber schon kurz nach dem Pistolenstand von Giffers, wo es keine Lichter mehr gab, verirrte ich mich. Ich hatte den Fussweg verlassen, stapfte über die dunklen Wiesen, stach hinein in den Wald, fand wieder heraus. 

Endlich erreichte ich den Weg, den Christina Aeby genommen hatte und der nach Rechthalten führte. Das Dorf schlief, alles war still und dunkel. Als ich zum Gedenkstein am Tatort kam, bemühte ich mich, eine Weile stehenzubleiben. Ich hielt mich nachts allein an der Stätte des Grauens auf! Es hätte unheimlich sein können, doch nichts geschah. Ich hatte weder Herzklopfen noch Gänsehaut. Christina Aeby war tot, und alles, was an sie erinnerte, war ein kalter Stein im Gras.

Melancholisch wurde ich erst, nachdem ich den Stein hinter mir gelassen hatte und auf das Dorf zuschritt. Und in einem Anflug von Übermut wünschte ich mir, ein grosser Schriftsteller zu sein, um Christina Aeby zurückzuholen, deren Leben mit einundzwanzig Jahren ein tragisches Ende fand.

 

 

skippr-Erfahrungsbericht

Ein lustiger Test des Turbo-Kreisels 

"Wählen Sie die richtige Spur, denn es wird nicht möglich sein, diese im Nachhinein zu wechseln", hiess es in der Medienmitteilung der Freiburger Kantonspolizei bei der Geburtsstunde des Turbo-Kreisels. Na ja, sagen wir mal es ist schwierig ohne Hupkonzert der anderen Verkehrsteilnehmer und ohne Hüpfer die Spur zu wechseln. Zu dem aber später.

Die Kantonspolizei hat bekanntlich auf humorvolle Art und Weise auf unsere blöden Fragen zum Kreisel geantwortet (siehe unten). Sie hat uns jedoch vorenthalten, dass der Turbo-Kreisel viel lustiger ist als erwartet. Wir haben den Turbo-Kreisel von hinten und vorne getestet, ihn richtiggehend in die Mangel genommen, ihm alles abverlangt und ihn auf die Nieren geprüft.

Was braucht es für den Turbo-Kreisel-Test? Ein Auto und Nerven wie Drahtseile. That's it, heisst es wohl auf Neudeutsch. Also haben wir ein praktisches kleines Auto genommen (Werbung wird hier keine gemacht, es war jedoch kein Abarth der Garage Julmy in Schmitten, obwohl es mit diesem Gefährt wohl noch mehr Spass gemacht hätte), vorher etwas Joga für den Ausgleich praktiziert und haben uns auf den Weg zum Turbo-Kreisel gemacht.

Zuerst wollten wir von der Kathedrale aus den Weg zurück zu den skippr-Lokalitäten in Düdingen testen. Mit grosser Vorfreude auf den Turbo-Kreisel haben wir uns darum Richtung Autobahneinfahrt Freiburg-Nord begeben. An den zu lang auf rot geschalteten Ampeln vorbei, durch die Poya-Unterführung, vorbei an den Gebäuden der Kantonalen Gebäudeversicherung sowie der Groupe E (auch hier darf dem Verfasser keine Werbeabsicht unterstellt werden) und da stand er dann plötzlich vor uns, der berühmt berüchtigte Turbo-Kreisel. Ein Gefühl, wie man zum ersten Mal auf den Arc de Triomphe in Paris zufahren würde. Da wir das Bild des Turbo-Kreisels auf der Medienmitteilung innig studiert und bis ins Detail analysiert hatten, sagten wir uns "wird schon schief gehen". Denkste! Jedenfalls konnten wir gleich beim ersten Mal herausfinden, warum der Turbo-Kreisel wirklich Turbo-Kreisel heisst. Eingespurt waren wir zwar richtig, aber als wir aus dem Kreisel raus geführt wurden, fuhren wir schon Richtung Murten und hatten die Autobahneinfahrt nach Düdingen glatt verpasst. Es ging uns im Turbo-Kreisel einfach zu turboschnell! Also haben wir am Kreisel Richtung McDonalds umgedreht und unser Glück erneut - dieses Mal von Richtung Murten her - versucht. Am Turbo-Kreisel mussten wir dann feststellen, dass man nicht nach links auf die Autobahn abbiegen kann. Ja, bei den Angaben zu unseren Vorbereitungen haben wir eventuell etwas geflunkert. Darum zurück zum nächsten Kreisel, um den nächsten Versuch wiederum von Freiburg her zu wagen. Wir dürfen es kaum zugeben, aber beim Turbo-Kreisel bemerkten wir, dass wir vor lauter Übermotivation, auf der falschen Spur gelandet waren. Da kam es zum Eingangs erwähnten Hüpfer über die Bodenbeschränkungen sowie zum Hupkonzern der anderen Verkehrsteilnehmer/innen, um auf die Einfahrt zu gelangen. Angekommen auf der Einfahrt der Autobahn Richtung Düdingen konnten wir uns das Lachflash ab unserer eigenen Unfähigkeit nicht verkneifen. Auf weitere Tests haben wir nach der Episode aus Sicherheitsgründen verzichtet. 

Fazit: der Turbo-Kreisel ist noch lustiger als seine Erfinder!

Fragen zum Turbo-Kreisel

Die Antworten der Polizei sind Weltklasse!

Vor Wochenfrist hatten wir zum Turbokreisel in Freiburg der  Kantonspolizei einen Brief mit fünf blöden Fragen geschrieben. Die Kantonspolizei hat skippr wirklich geantwortet und die Antworten sind schlicht Weltklasse. Unser Freund und Helfer hat Humor! Einfach sympathisch... Herzlichen Dank für die tolle Antwort.

Hier das E-Mail der Kantonspolizei, welches ihr mit einem Klick auf das Bild lesen könnt:

Die Kantonspolizei könnt ihr hier auf Facebook verfolgen.

Ein Brief an die Kantonspolizei 

Die Kantonspolizei Freiburg hat folgende Meldung auf Facebook veröffentlicht: VERKEHRSINFO ! Am 27. März beginnen die Bauarbeiten an der Murtenstrasse. Um den Verkehrsfluss zu verbessern, wird der Kreisverkehr Lavapesson provisorisch in den Modus "Turbo" versetzt.
Wählen Sie die richtige Spur, denn es wird nicht möglich sein, diese im Nachhinein zu wechseln.

Da stellen sich uns ein paar Fragen, die wir gerne der Kantonspolizei in einem kurzen Brief stellen möchten.

Liebe Kantonspolizei

Wir durften frohlockend erfahren, dass an der Autobahn Freiburg Nord ein Turbo-Kreisel eingerichtet wird. Leider verstehen wir den spannenden Begriff « Turbo-Kreisel » nicht ganz und haben darum eine paar dumme Fragen, obwohl es dumme Fragen laut Volksmund ja gar nicht gibt:

  • Darf ich bei einem Turbo-Kreisel überhaupt anhalten oder ist Putschauto angesagt?
  • Muss ich bei einem Turbo-Kreisel mindestens 50km/h fahren oder gar mehr?
  • Ich habe einen Seat Leon ohne Turbo. Muss ich nun die Autobahn-Ausfahrt Freiburg Süd nehmen, um dem Turbo-Kreise aus dem Weg zu gehen?
  • Hat Knight Rider den Turbo-Kreisel erfunden? Der hatte ja immerhin einen Turbo-Boost.
  • Sind in Freiburg weitere Turbo-Kreisel geplant? In der Unterführung der Poya-Brücke, beim Kreisel nahe der Autobahnausfahrt Düdingen, ja sogar beim Kreisel in Tafers wäre ein Turbo-Kreisel eine tolle Sache, um den Verkehr zu « turboisieren »!

Wir danken jedenfalls für die innovative Idee und schon jetzt für die lustigen Antworten.

Eure Freiburger Verkehrsbenutzer/innen

Carte Blanche #49

«Si hett Haar uf de Zänn!»

Nie und nimmer wollte ich, dass es einmal heisst, ich hätte «Haar uf de Zänn»...

Aber ich möchte mich jetzt mit dieser Aussage versöhnen und drüber stehen. Ich finde, für eine Frau ist es gar nicht so einfach, NICHT dort zu landen, wenn sie ihre Meinung kundtun will. Frau muss sich in unserer Gesellschaft doch ziemlich anstrengen, damit sie ernst genommen wird... Entweder wird sie als naiv, unrealistisch, träumerisch, lieb-lieb oder gar «ängelihaft» eingestuft oder... si hett äbe de grad Haar uf de Zänn. Na toll. Gibts da vielleicht auch noch was dazwischen?? Falls nicht, dann liebe Frauen, lasst euch diese Haare auf den Zähnen halt wachsen. Ist eigentlich gar nicht so schlimm, wie es tönt ;-)

Für mich bedeutet diese Aussage ab sofort eher, dass sich Frau traut, in ihre schöpferische Kraft zu kommen, sich zu zeigen und zu ihrer Meinung zu stehen. Der Preis ist zu hoch, sich immer noch zurückzuhalten, passiv zu bleiben, lieber nichts zu bewegen, damit man sich nicht zeigen muss und somit auch ja nicht darüber geurteilt werden kann. Das hat Frau doch lange genug getan und ich finde es überaus wichtig, dass die Frauen nun ihre innere Kraft wieder voll aktivieren und beginnen, sich zu zeigen! Ich meine damit, dass sie NICHT in die Rolle des Mannes rutschen sollte, um kämpferisch jemandem etwas beweisen zu können oder etwas zu kompensieren. Nein. Sie sollte sich mit ihrer ursprünglichen, weiblichen Kraft verbinden und wieder bewusst ihren Geist verströmen, denn das ist ihre Stärke.

Ich bin mir sicher, dass in so vielen Frauen da draussen die tollsten Ideen schlummern und so häufig nicht umgesetzt werden aus Angst vor Ablehnung oder Verurteilung. Ich schlage vor, dass sich Frauen untereinander gegenseitig unterstützen, einander tragen, Ideen und Inspiration teilen und Dinge gemeinsam durchziehen! Lohn dafür ist das Erlebnis dieser gemeinsamen, schöpferischen Kraft, die dadurch in jeder einzelnen aktiviert wird und sich auszubreiten beginnt. 

Zum Schluss möchte ich ein grosses DANKE an alle Männer richten, die ihre Frau oder allgemein die Frauen genau darin unterstützen, ihnen Mut zusprechen, sie halten und es sogar cool finden, wenn sie einmal ihre «Haar uf de Zänn» zu zeigen wagen. MERCI!  ;-)

Text: Barbara Andrey

CORASON - herzhaft verbinden und bewegen: www.cora-son.ch

Carte Blanche #48

Equilibre im Ungleichgewicht

Der Schreibende fühlt sich allmählich als Sprachrechtler, so oft vergeht er sich an Sprachthemen. Er wäre froh, wenn dies ein Ende nehmen würde, aber dieser Kanton, diese Stadt, bieten einfach zu viel Gesprachsstoff (ohne Umlaut, dafür umso lauter). Eine Carte Blanche über eine andere Carte Blanche.

Bild: https://www.equilibre-nuithonie.ch

Ein Tastenmann, ein bisschen später ein Bassist – Gäste an einem Konzert vergangenen Freitag im Bad Bonn. Ein weiterer Deutschfreiburger Musiker, mit einem Majorlabel im Rücken und internationalen Ansprüchen, kreuzt auf. Er verneint meine Frage, ob er auch angefragt worden sei, beim Monsterprojekt «Hommage à un disque mythique des Beatles» mitzumachen. Viele weitere, verdiente, begabte, kreative Musiker aus Deutschfreiburg könnte ich mir auf dieser Bühne vorstellen. Kurz danach taucht ein Gitarrist auf. Er wurde gefragt. Mit ihm steht schon die gesamte deutschsprachige Gesellschaft der 17 Formationen mit insgesamt fast 50 Musikerinnen und Musikern komplett vor mir.

Freitag, eine weitere Woche zurück: Das Theater Equilibre in der Stadt Freiburg wird wohlig zweckentfremdet. Manchmal wurde es sogar richtig laut innerhalb der Wände der Hochkultur. Licht und Ton sind gut getroffen, das Bühnenbild ein Hingucker. Viele hochkarätige Interpretationen und Darbietungen – und kein einziges Lowlight bei 17 Liedern des weissen Albums der Beatles.

Die Beatles, unantastbar und doch so oft gecovert. Das konnte fast nur in die Hose gehen. In die Hose ging höchstens eine Freuden-Bisi. Garage-Rock, Slacker-Chill-Wave, lupenreiner Piano-Jazz,  afrikanisch und indisch Angehauchtes, instrumentaler Post-Rock, Experimentelles und ein Song sogar auf Persisch. Nur eines hat gefehlt: die deutsche Sprache. Kein Wunder, Kreateur und Organisator des Spektakels ist dieselbe Person, welche auch das Les Georges-Festival auf die Beine stellt und sich an dieser Carte-Blanche-Stelle schon für ähnliche Sprachverbrechen verantworten musste. Das Gefühl verdichtet sich, dass die deutsche Sprache in der französischsprachigen Stadt Freiburg immer mehr an Terrain verliert. Von ähnlich gelagerten Musikprojekten aber bitte gerne mehr, die Beatles haben noch bessere Platten und andere Künstler gibt es auch noch.

PS. Gustav war auch dabei beim Monsterprojekt, gilt aber als offizieller Brückenbauer.

Weitere Ungleichgewichte

Die Homepage: neun Zeilen auf Französisch, vier auf Deutsch

Das Programmheft: ein blutleerer, wörtlich übersetzter Text

Facebook: rein französisch

Youtube-Trailer: rein französisch

Die Leinwand-Einspieler zwischen den vier Musikblöcken: rein französisch

Text: Mario Corpataux