Carte Blanche #39

Leben und sterben lassen  

Viel zu lange schon wird 'Leben und leben lassen' gleichgesetzt mit Ignoranz, weil die Menschheit scheinbar stets den leichten Weg des Lebens bevorzugt. Rechtschreibung, Ansichten, Meinungen, sich zu Grunde richten, Dummheiten und vieles mehr sollen toleriert oder ignoriert werden - alles wird meist mit dem Kommentar ‘Leben und leben lassen‘ entschuldigt.

Doch, darf man das? Alles entschuldigen? Muss man kritiklos alles hinnehmen? Selbstverständlich ist eine Sichtweise von aussen manchmal sinnvoll und notwendig, damit man sich als Mensch entwickeln kann oder damit ein Arbeitsergebnis richtig gut wird.

Ist es meine Rolle, meine Aufgabe, meine Verantwortung kritisch zu sein, Rückmeldungen zu geben?

Für Kritik braucht es den richtigen Zeitpunkt, die richtige Sprache, sollte nicht aus Missgunst oder Selbstaufwertung geschehen und den Bereich ‘Geschmacksache‘ nie aus den Augen verlieren. Man sollte stets froh für Kritik sein, denn nur so kommt man weiter in allem was man tut. Deshalb bitte weiterhin ehrlich und kritisch sein und nicht alles stehen lassen im Sinne 'Leben und leben lassen'. Vielleicht auch einmal wieder kritischer werden, mit allem was einem vorgesetzt wird. Feststellung: mit 'Leben und leben lassen' ist man noch nie irgendwo hingekommen... ausserdem stelle ich fest, dass die meisten, die gerne diesen Ausspruch bemühen, selber null Toleranz mit anderen Meinungen haben, anderen Lebensweisheiten usw. Es ist natürlich sinnlos, Menschen mit einer festen Ideologie von etwas zu überzeugen. Dennoch darf Kritik geübt werden und man muss nicht alles gut finden. Erstaunlicherweise findet man unter der wachsenden Zahl Libertärer viele Menschen, die aus einer sehr begrenzten und persönlichen Sichtweise heraus zu einer libertären Haltung gelangt sind. Bequem…

Text: David Aebischer

 

 

Eine These und ein Geständnis zum Thema Fangesänge

Liebe Kinder, wenn ihr begonnen habt, diesen Blog zu lesen, dann gebt das Mobiltelefon, das i-Pad oder die Dragon News jetzt wieder dem Papi oder der Mami zurück.

Das anstehende Heimspiel gegen den HC Lugano ist der passende Anlass, um eine provokative These aufzustellen und ein schlimmes Geständnis abzulegen. Bevor wir zur These und dem Geständnis kommen, zuerst die Erklärung, warum das Spiel gegen den HC Lugano als passend empfunden wird, gerade jetzt diese Aussagen zu tätigen. 

Es gibt einen uralten Freiburger Fangesang, den wir bereits in Kinderjahren gesungen haben, obwohl wir gar nicht wussten, was der Text eigentlich bedeutete. Zum Glück. Denn der Text war sicher nicht für Kinderohren gedacht. Als kleiner Gottéron-Fan hätte ich den Text des Anti-Lugano Songs wohl wie folgt niedergeschrieben: "Lugano qui qui, Lugano gaa gaa, Lugano merda Resega. Les titschino affengulo...Lugano merda Resega". Obwohl wir nur Lugano und Resega wirklich verstanden hatten, gehörte dieser Song dazumal einfach zum Fansein. Schliesslich hatte jeder früher einen blöden Jugendfreund, der doch tatsächlich Lugano-Fan war. Unverständlich. Die Worte der Schweizer Eishockey-Fans sind in den letzten Jahren bestimmt nicht milder geworden. Eine kleine Anekdote: An einem Heimspiel Gottérons gegen den HC Lausanne ist dem Chronisten aufgefallen, dass einige Fangesänge der Waadtländer höchst homophob sind. Ohne mit der Wimper zu zucken wird tatsächlich gesungen: "Vous êtes tous des PD. Et on va tous vous enculer." Hallo?! Auf eine Übersetzung wird hier verzichtet. Ich bin in der zweiten Drittelspause dank eines Freundes mit dem Verantwortlichen für die Sicherheit der Lausanne-Fans in Kontakt gekommen. Für meine Bedenken zu den Fangesängen der Lausanne-Fans, hatte er nur ein müdes Lächeln gepaart mit einem Schulterzucken übrig und sagte mir auf gut Deutsch übersetzt: "Wenn es nur das ist!". Hallo?! Ça va ou bien?!

 

Zurück zum Thema und damit zu meiner These und meinem Geständnis: Ersteres dürfte einige Deutschfreiburger/innen vor den Kopf stossen. Ich bin jedoch überzeugt, dass bei einigen deutschsprechenden Freiburger/innen auch ein Stein vom Herzen fallen wird, da sie sich nicht mehr schämen müssen. Bevor ich zur These komme, habe ich jedoch eine Bitte: Bitte kreuzigt mich für meine These nicht. Voilà. Hier meine mich auf die Äste wagende These: Ich bin davon überzeugt, dass über 20 Prozent der Deutschfreiburger Gottéron-Fans in der BCF-Arena die "welschen" Fan-Song-Texte weder kennen, noch verstehen! Jedenfalls habe ich am letzten Heimspiel zwei, drei deutschsprechende Fans auf den Sitzplätzen mal belauscht, als diese mit voller Stimme nach der Führung gegen Servette-Genf mitgesungen haben. “Ici c'est Fribourg“ ging gut, die anderen Fangesänge klangen eher nach "voulez vous, schubidu", als nach der Sprache der Liebe, der langue de Molière.

Kommen wir zum Schluss noch zum peinlichen Geständnis: Beim schönen, neuen Fangesang verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht alles. Könnte mir jemand den Text schicken? Bitte per E-Mail an info@skippr.ch. Danke!

 

Fan-Fahrten an die Auswärtsspiele sind Kult!

Seit Jahrzehnten sind die Fanfahrten an die Auswärtsspiele von Freiburg-Gottéron nicht nur Tradition, sondern Kult. Die Car-Fahrten an die Auswärtsspiele von Gottéron sind jedoch keine Selbstverständlichkeit. Es wäre schade, wenn diese in Zukunft nicht mehr stattfinden könnten.

Unvergessen bleibt die Fahrt im Jubiläumsjahr nach Davos. 43 Fan-Cars gefüllt mit rund 2500 Gottéron-Anhängern, begaben sich zum 75-jährigen Geburtstag des Freiburger Eishockeyklubs ins Bündnerland. In den Medien wurde von einer Gottéron-Invasion in Davos gesprochen. Vielleicht war es ein Weltrekord! Dies müsste man bei den Verantwortlichen des Guinness Buch der Rekorde anfragen. In Erinnerung bleiben selbstverständlich auch die Fan-Fahrten zu Zeiten von Bykov/Khomutov, als die Horner- oder Klopfstein-Cars jeweils aus allen Nähten platzten und die vielen Anhänger die Auswärtsspiele teilweise zu Heimspielen machten. In den vergangenen Jahren ist das Interesse an den Fan-Fahrten zurückgegangen. Dies liegt mit Sicherheit daran, dass man heute die Spiele nicht nur im Radio oder im Teletext, sondern live im Fernsehen mitverfolgen kann. Trotzdem ist das Erlebnis vor Ort schlicht nicht mit dem Geschehen im TV zu vergleichen. Da das Interesse an den Fan-Fahrten gesunken ist, wird die Existenz der organisierten Auswärtsspiel-Besuche in Frage gestellt. Unverständlich! Eishockey ohne Fans ist unvorstellbar. Eishockey lebt von den Fans. Spiele ohne Auswärtsfans, wie in dieser Saison in Lausanne, nehmen einer Partie die Elektrizität. Alleine aus diesem Grund müssen die Fan-Fahrten am Leben erhalten werden.

Was viele Leute nicht sehen, ist die Arbeit, die hinter den Fanfahrten steht. Der Fanclub Sense, mit dem Team um André Schultheiss, scheut Saison für Saison keinen Aufwand, um den Gottéron-Fans zu ermöglichen, ihre Lieblinge auch in Davos, Lugano oder Genf sehen zu können. In den vergangenen Jahren wurde das Budget für die Organisation der Fan-Fahrten jedoch immer etwas kleiner, so dass der Fanclub Sense Mühe hat, die Tradition weiterführen zu können. Der Fanclub Sense ist darum für die Organisation der Reisen an die Auswärtsspiele auf freiwillige Helfer und auch auf finanzielle Hilfe angewiesen. Der Präsident André Schultheiss freut sich über jede Kontaktaufnahme und Hilfedarbietung.

Wir möchten im Namen der Gottéron-Fans dem Fanclub Sense, André Schultheiss und allen freiwilligen Helfern hiermit DANKE sagen. Danke für den Einsatz, danke den Kult "Fan-Fahrt" in Freiburg am Leben zu erhalten.

Julien, bitte komm zurück! 

Ohne Julien Sprunger ist Gottéron nicht Gottéron!

Der Chronist hat Julien Sprunger einmal als Wahrzeichen des Kantons Freiburg im gleichen Atemzug mit der Kathedrale genannt. Zwischen dem architektonischen Wahrzeichen und dem Gottéron-Wahrzeichen besteht jedoch ein wesentlicher Unterschied. Die Kathedrale  ist unverwüstlich, Julien Sprunger - auch wenn er teilweise Superkräfte hat - leider nicht.

Julien Sprunger  ist unbestritten der talentierteste Freiburger Eishockeyspieler der Neuzeit, der bekannteste Sportler des Kantons, vielleicht gar der grösste Freiburger Sportler aller Zeiten. Niemand hat in den letzten zwei Jahrzehnten das Freiburger Selbstbewusstsein so sehr geprägt wie der Kapitän von Freiburg-Gottéron. Wer an Julien Sprunger denkt, der denkt an Erfolg, Grösse und Leidenschaft. Unvorstellbar, dass Julien Sprunger irgendwann nicht mehr im Gottéron-Trikot auflaufen wird. Unvorstellbar auch, was Julien Sprunger ohne den 4. Mai 2009 in seiner Karriere erreicht hätte. Wer an Julien Sprunger denkt, denkt nämlich auch an eine möglich NHL-Karriere, die abrupt durch einen hässlichen Check verunmöglicht wurde. Wir erinnern uns nur all zu ungerne: an der Eishockey-WM 2009 in Bern checkte der amerikanische Bösewicht David Backes den Nationalspieler auf miese Arte und Weise in die Bande. Der Freiburger stand zu diesem Zeitpunkt vor dem Sprung in die beste Liga der Welt, erlitt beim Aufprall in die Bande eine grobe Hirnerschütterung und musste an zwei Halswirbeln operiert werden. Seine Zukunft als Sportler stand auf Messers Schneide und seine Karriere in Übersee musste der damals 23-jährige Stürmer aus seinem Kopf streichen. Seit diesem Angriff auf seine Gesundheit, anders kann die Attacke von David Backes nicht beschrieben werden, hatte Julien Sprunger immer wieder mit Hirnerschütterungen zu kämpfen.

Am 4. Januar hat Julien Sprunger seinen 32. Geburtstag gefeiert. Nachträglich Happy Birthday. Momentan wünscht man der #86 jedoch lieber baldige Genesung, als alles Gute zum Geburtstag. Zum Zeitpunkt der Verfassung des vorliegenden Blogs ist die Zukunft von Julien Sprunger weiterhin ungewiss. Der Topskorer musste in seiner Karriere bereits ein halbes Dutzend Hirnerschütterungen einstecken und lebt mit der ungemütlichen Gewissheit, dass jede Hirnerschütterung diejenige sein könnte, die seine Karriere beendet und im schlimmsten Fall gar bleibende Schäden nach sich ziehen könnte. Wer Julien Sprunger kennt, weiss, dass er seine Gesundheit nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen wird. Eher henkt er die Schlittschuhe an den Nagel, als er das Risiko eingeht seine Gesundheit und seine Zukunft als Lehrer und Vater zu verbauen. 

Für die Gottéron-Fans gilt es darum zu hoffen, dass es der Gesundheitszustand des Traums aller Schwiegermütter zulässt, weiterhin für die Drachen auf Torjagd zu gehen. Denn ohne Julien Sprunger rückt nicht nur der Traum eines Meistertitels trotz Berra, Furrer usw. wiederum in weite Ferne, sondern ohne Julien Sprunger ist Gottéron nicht Gottéron.

Julien, bitte komm zurück!

 

 

Wir wünschen ein gutes neues Gottéron-Jahr

„Wenn das alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht“, sagte einst der Nobelpreisträger Albert Einstein.

Das Jahr 2017 wird sportlich weiss Gott nicht als einer der erfolgreichen Abschnitte in die Geschichte von Freiburg-Gottéron eingehen. Wir erinnern uns ungern an die verpassten Playoffs und das darauffolgende Zittern, Jammern und Fluchen in den Playouts. Der Start in die neue Saison vermochte zwar Hoffnungen zu wecken und auf eine ruhigere Saison hinzudeuten. Zum Jahreswechsel, nach einem katastrophalen Dezember mit sieben Niederlagen aus zehn Spielen, steht Freiburg-Gottéron jedoch mitten im Kampf um die Playoff-Teilnahme und hat nicht die besten Karten in der Hand. Mit Julien Sprunger und Roman Cervenka musste das Team von Mark French zum Jahresende auf den unbestrittenen Leader und Topskorer sowie auf den Kreativkopf der Mannschaft verzichten. Sollten die #86 und #11 nicht bald wieder zur Bestform finden, dann wird sich Gottéron an der Playoff-Qualifikation die Zähne ausbeissen. Erschwerend kommt die Verletzung des Torhüters Ludovic Waeber hinzu. Mit dem Ausfall des jungen Keepers ist für Mark French die Option, mit vier ausländischen Feldspielern zu agieren, wohl von der Saane weggespühlt worden. Fazit: Gottéron wird um die Playoff-Teilnahme auch in diesem Jahr kämpfen müssen. Nicht, dass dies nicht zu erwarten war, aber die Gottéron-Fans wären nach der vergangenen Saison gerne ohne Zittern in die schönste und entscheidendste Zeit des Eishockeyjahres gestiegen. Sehen wir das Glas für einmal aber halbvoll und halten fest, dass die Gottéron-Fans zum Start in das neue Jahr immerhin um die Playoff-Qualifikation bibbern dürfen. Dies war im Januar 2017 bereits nur noch den grössten Optimisten überlassen.

Man darf also ruhig sagen, dass das Jahr 2017 eher schlecht als recht war. Trotzdem gab es in den vergangenen zwölf Monaten einige positive Nachrichten seitens der St. Léonard-Truppe, weshalb sich die Gottéron-Fans ganz à la Einstein "erst recht" auf das Jahr 2018 freuen dürfen.  

Im Jahr 2018 erfolgt der Baustart für das neue Stadion, was für die Zukunft der Unternehmung Freiburg-Gottéron wegweisend sein wird. Endlich, endlich, endlich wird die Entstehung eines neuen Gottéron-Tempels spür- und sichtbar. Für das Jahr 2018 konnten im sportlichen Bereich bereits die wichtigsten Pfeiler gesetzt werden. Mit dem Quartett Berra, Furrer, Walser und Schneeberger konnten sich die Freiburger auf die kommende Saison hin enorm verstärken. Aufgrund der aktuellen Situation von Reto Berra dürfte dieser im Sommer seinen NHL-Traum an den Nagel hängen und nun wirklich zum wichtigsten Transfer der letzten Jahre werden. Findet Sportchef Christian Dubé noch einen ausländischen Erstlinien-Center (wie geht es eigentlich David Desharnais?), der in allen Bereichen, auf und neben dem Eis, dominant ist, dann werden die Fans im Jahr 2018 das beste Gottéron aller Zeiten sehen. Und ja: dann dürfen die Fans in den kommenden Jahre auch wieder vom langersehnten Meistertitel träumen.

Die Gottéron-Fans dürfen sich also auf das Jahr 2018 und bereits jetzt auf die Jahre darauf freuen. In dem Sinn wünschen wir ein gutes neues Gottéron-Jahr!