Carte Blanche #7

Ueberstorf ist alles andere als engstirnig und verschlossen

Die Vorwürfe von aussenstehenden Personen, Ueberstorf sei eine verschlossene Gemeinde sind schlicht und einfach haltlos. Das zeigt die Generalversammlung der Raiffeisengenossenschaft Ueberstorf vom Freitagabend, 12. Mai 2017, in aller Deutlichkeit.

Immer wieder hört man - oft hinter vorgehaltener Hand - die Ueberstorfer seien ein Volk unter sich, das fremde Personen ausschliessen würde. Der Fussballclub akzeptiere nur Spieler vom eigenen Dorf oder ausgediente Leistungsträger anderer Vereine. Kommt hinzu, dass auch die Abstimmungsresultate Ueberstorf als eine konservative Gemeinde hinstellen. Und für viele Sensler gehört die Gemeinde sowieso nicht mehr zum Kanton Freiburg.

Doch die Generalversammlung der Raiffeisenbank Ueberstorf bewies das Gegenteil: Einerseits zeigte die Bevölkerung mit dem Entscheid, mit der Raiffeisenbank der Region Schwarzenburg und Köniz zu fusionieren, dass sie sehr wohl offen gegenüber anderen ist und auch Zusammenarbeiten eingehen will. Andererseits zeigte das Dorf mit der Art des Entscheides Charakter. Zuerst musste die Versammlung nämlich über einen Antrag für eine geheime Abstimmung befinden. Wuchtig wurde dieser abgelehnt. Das heisst, nun musste jede und jeder zu seinem Entscheid stehen. Und zwar unter starker Beobachtung: Der langjährigen Genossenschafter, für die die Bank heilig ist, der engsten Kollegen am gleichen Tisch oder immerhin in Sichtweite und vielleicht sogar der eigenen Familie. Damit bewies die Ueberstorfer Bevölkerung, dass sie ihre Entscheide transparent fällt und nichts von Geheimniskrämerei hält. Gleichwohl bewies sie auch dieses Mal wieder Einigkeit: Mit 585 Ja-Stimmen, 11 Enthaltungen und keinen Gegenstimmen war das Resultat mehr als deutlich.

Allerdings ist auch anzumerken, dass die Versammlung mit dem Entscheid wiederum ihr Dorf gestärkt hat: Denn ohne Fusion mit der Raiffeisenbank Schwarzwasser verlöre die Bank von Ueberstorf über kurz oder lang ihre Handlungsfähigkeit und würde wohl von einer anderen Genossenschaft geschluckt und müsste die Geschäftsstelle in Ueberstorf schliessen. Dagegen kämpfen die Ueberstorfer hartnäckig. Das beweisen sie mit dem klaren Entscheid.

Und nach diesem Entscheid werden wohl nun auch wieder die Stimmen deren lauter, die Ueberstorf zum Kanton Bern zählen wollen. Denn die Raiffeisenbank Ueberstorf geht eine Heirat mit einer Berner Genossenschaft ein. Allerdings ist es eher umgekehrt: Die Region von Schwarzenburg und Köniz rutscht etwas näher an den Kanton Freiburg: die neue Bank wird nämlich Mitglied im Verband der Deutschfreiburger Banken. Auch da: Ueberstorf zeigt Offenheit und hilft Deutschfreiburg zu mehr Stärke.

Text: Yves Kilchör

Carte Blanche #6: «Gastgeber wider Willen – Giffers erhält ein Bundesasylzentrum»

War dieser Film wirklich nötig?

 

Foto: guglera.ch

Nicht nur über den Zeitpunkt der Ausstrahlung lässt sich streiten, ebenfalls darüber, dass als Rechtfertigung auch schon das unverschämt grosszügige Ziel zu hören war, den Sense-Oberländern bei der Bewältigung dieser Situation (oder der Situation, in die sie sich selbst hineinmanövriert haben mit den Auftritten an dieser Versammlung) behilflich zu sein. Wenn dies das Ziel war, wurde es weit verfehlt, weil der Oberländer eben schon lange am Bewältigen ist. Es ist so seine Art, Bedrückendes, Beängstigendes, Neues eher leise als laut für sich auszumarchen, es mit sich selbst zu be- und verarbeiten und am Ende damit auszukommen. Gewissen bleibt dabei die ewige Faust im Sack stecken, andere schlucken den Kloss, verdauen ihn, scheiden ihn aus. Das Leben geht so oder so in die nächste – vielleicht unangenehme – Runde.

Der Oberländer arbeitet die Tatsachen auf seine Weise auf und benötigt dazu ein paar Psychologen (und Filme) weniger als Leute von tiefer unten. Wer den Oberländer nicht kennt, wird ihn nie verstehen – und soll ihn sicher nicht ändern wollen, oder verurteilen. Tatsächlich haben sich die Wogen im Oberland längst geglättet – nicht überall und nicht bis Windstärke Null, aber ganz sicher ohne Film. Dies zeigt auch die kleinlaute Auflösung der IG Guglera nach vorherigem, zwei Jahre dauerndem, grauslichem Getöse.

Ja, beim Liedanstimmen wurde das Tremolo an der Veranstaltung in Giffers zu sehr ausgepackt («Let it be» von den Beatles wäre übrigens ein sanfteres, vielleicht gewinnbringenderes Zeichen gewesen), und ja, die 1.-August-Feuer überall im Senseland sind schon mindestens genug patriotisch; die Wortschöpfung des Syndics von Giffers wird in die Geschichte eingehen, und der, der mit dem Finger auf die bösen aus Bern zeigt, hatte gar nicht so unrecht mit seiner Intervention ab der lausigen, unwürdigen Kommunikation des Bundes. Das goldene Edelweisskränzchen gebührt dem rennenden Sennen, der die Lage mit klaren Worten umzeichnet und uns den Querdenker gezeigt hat.

Trotzdem fehlt es dem Film an Ausgeglichenheit, an Gegengewicht. Zu vielen Aussagen wurde kein Gegensteuer gegeben. Ein relativierender Kommentar aus dem Off, oder viel besser, der Einbezug eines stinknormalen menschlichen Menschens – so wie man es im Oberland ist –, der sich weder für noch gegen das Zentrum, aber nicht gegen abgewiesene Menschen stellt, hat hier gefehlt. Ich glaube nicht, dass diese Person nicht hätte gefunden werden können.

Im Film wurde ein ganzer Menschenschlag verunglimpft, der Sense-Oberländer. Leider macht das neue Synonym für Hinterwäldlertum im Oberland nicht Halt und frisst sich bis ins Unterland – der Sensler ist nun schweizweit ein Depp. Nicht alle Sensler, längst nicht alle Oberländer, halten zum Beispiel das Feldschiessen in ihrer Agenda fest. Es ist nur EIN Fest unter vielen, für gewisse Sensler, und für ALLE anderen. Bald ist Bad Bonn Kilbi, das wenige Kilometer entfernt liegende Gegenteil.

War dieser Film also wirklich nötig? Auch wenn damit unnötig Öl ins Mahnfeuer gegossen wurde und bis nach der Eröffnung des Zentrums hätte gewartet und das Thema von dieser Sicht aus aufgegriffen werden können – er war nötig, denn er hat manchen einen Spiegel vorgehalten. Die Gesichter darin sollten auch die aufmüpfigsten Gegner dieses Zentrums erschrecken und zur selbstkritischen Aussage führen: «So möchte ich mich nie wieder abgebildet sehen und einen ganzen Bezirk, eine ganze Kultur, zweifelhaft bekannt machen!»

Text: Mario Corpataux

Carte Blanche #5

Maisingen: "Ding-Dong. Wier Seisler hiis luschtig, wier Seisler hiis guet" 

Am Tag der Arbeit verdienen sich im Kanton Freiburg hunderte Kinder ein Sackgeld mit dem alljährlichen Maisingen. Ein schöner Brauch. Ein Brauch, der sich in den letzten Jahrzehnten nur leicht verändert hat und regionale Unterschiede aufweist. 

Ich erinnere mich nur allzu gut an meine Maisingen. Das Ziel war stets, schnellstmöglich die CHF 100.- Grenze zu knacken. Zur Aufklärung der heutigen Jugend: zu meinem Maisingzeiten gab es oftmals 20 Rappen pro Vorsingen, heute dürfte der Durchschnitt sich bei mehr als 50 Rappen bewegen. Somit waren CHF 100.- bereits ein sehr stattliche Summe, vor allem da unsere Maising-Truppe nicht gerade die Wiener-Sängerknaben war. 

Bereits in der Schule oder mit den Eltern zu Hause wurden Wochen vorher die Lieder einstudiert. Die Kleinen sangen Lieder wie "Wier Seisler his luschtig", "Det äne am Bärgli" oder "Mini Farb u dini". Bei den grösseren Maisinger/innen durfte es auch mal etwas Englisches sein, obwohl dies von vielen Zuhörer/innen hinter den Türen weniger geschätzt wurde. Heute packen die Kinder oft moderne Songs aus. So hört man am 1. Mai Lieder von Kevin Bourani oder sogar von Lady Gaga. Eigentlich schade, dass wir zu unseren Zeiten nicht den Mut hatten, Lieder unserer Musikhelden zu singen, denn über David Hasselhoff oder Metallica hätten sich sicher viele Leute gefreut. 

Interessant ist, dass es im Kanton Freiburg verschiedene Gepflogenheiten gibt. Im Seebezirk ist das Maisingen viel weniger verbreitet als im Sensebezirk oder in der Stadt Freiburg. Bei den Senslern, jedenfalls in Heitenried, bleibt die Tür nur einen Spalt offen und man hört den Kindern hinter der Tür zu. Bei den Welschen oder den Stadt-Deutschfreiburgern öffnet man die Tür und  schaut den Kinder beim Singen zu. Dies wäre unserer Maising-Gruppe damals zum Verhängnis geworden, da der Eine oder Andere mangels Vorbereitung und Stimmkraft vollends - wie in der Mini Playback Show - auf Lippenakrobatik setzte. 

Nach Rücksprache mit einigen Hausfrauen und Hausmännern, die am 1. Mai den Kindern zuhören durften, lässt sich über das diesjährige Fest des „von Haustür zu Haustür-Singens“ festhalten, dass die Kinder heute weniger Strophen singen als früher und auch weniger Instrumente dabei haben. Ob die Kinder besser oder schlechter singen als noch zu meinen Maising-Zeiten, kann jedoch kaum geklärt werden. 

Die einzige Frage, die ich mir zuletzt stelle, ist was die Kinder sich heute mit ihrem Maisinggeld leisten. Bei uns war klar... in Jahren der Fussball-EM oder Fussball-WM ging das ganze Maisinggeld für Panini-Kleber drauf. Was für ein Spass! Eine Stunde singen, dann im Primo 10 „Päckchen“ Kleber kaufen, dann wieder eine Stunde singen, wieder ab ins Primo usw. Am Abend wurde dann mit den Schulfreunden eifrig Kleber getauscht. In den Jahren ohne Panini-Kleber ging das Maisinggeld ins Sparschwein.

Elmar Wohlhauser

Carte Blanche #4

Im Faschtetrùckli

Wier hii früer aube as Faschtetrùckli ghääbe. Aus Süessa, wo mer vor de Ooschtere bechoo hii, hii mer det müesse drinyy tue. Asoo wölis Gott, hii si üüs erkläärt.

40 Taage lang het mù gfaschtet. Ù ersch z Ooschtere hii d Chinn de ali di Süessigkiite törffe yystopfe. Ù das het mù gmacht, bis si ùmmi zù de Oore usagwachse sy. Asoo wölis Gott, hii mer üüs awä o beruhiget, we ali di Schùggela, Byssguyy ù Guetzini a Widergebùrt vom Maage zrùgg ùf d Wäut erläbt hii. 

Üsa Nachpuur, de Marc, dä het de Gottes Grauzoona uusgglootet. Är isch ging di süesse Köschtlichkiite ga abschläcke ù het si de ùmmi zrùgg taa. As het ghiisse, ma törffi nüüt Süesses ässe, aber niemer het epis vom a verbottene Schläcke verzöut. Vor alùm het mù ja ds Ursprùngs-Schläckzüüg ging no tipptopp kennt. As het sich fasch nüüt veränderet. 

Fasch.

Z Ooschtere het de de Marc wöle afa zueschlaa. Won er aber di haubverpackte, x-maau abgschläckete Feinigkiite het wöle ässe, da sy dii ali zùm ena groosse Chlotz zämegchläbbt gsyy. Nümme wûrklich gniessbaar.

Ja, epis het de Marc auso gleert: Gott straaft sofort. Oder speeteschtens z Ooschtere – o i de Grauzoona.

Text: Christian Schmutz

Gottéron-Blog

Top-Ausländer für Gottéron

Freiburg-Gottéron ist nicht nur auf der Suche nach einem neuen Trainer, sondern auch nach zwei neuen Ausländern. Broc Little und Magnus Nygren standen bei Sportchef Christian Dubé zuoberst auf dem Wunschzettel. Die beiden Spieler haben jedoch schlussendlich beim HC Davos unterschrieben. Seither hat man nichts mehr zu potentiellen Kandidaten gehört. Wir wissen einzig, dass es ein erfahrener Verteidiger und ein Stürmer sein soll. Wir erlauben uns - ganz unverbindlich und etwas träumerisch - Christian Dubé in seiner Suche etwas zu unterstützen und ihm ein paar Kandidaten vorzuschlagen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit klein ist, dass einer dieser Spieler dann wirklich nach Freiburg kommen wird, würde es sich sicherlich lohnen, dass sich der Gottéron-Sportchef kurz mit den Agenten der vorgeschlagenen Spieler unterhalten würde.

Stürmer

David Desharnais

(Klick auf das Bild, um es zu vergrössern)

Der 30-jährige NHL-Center wäre ein Traum für Freiburg-Gottéron. Allein seine Präsenz würde die Drachen stark machen. Während der laufenden Saison kam der Kanadier bei Montreal wenig zum Einsatz und wurde danach zu Edmonton getradet. Kurz hofften die Gottéron-Fans, dass er wie in der Lockout-Saison 2012-2013, in Freiburg landen könnte. In Edmonton hat er wieder Fuss gefasst und darum ist ein Engagement in der Schweiz in die Ferne gerückt. Ein Telefon mit ihm müsste Dubé jedoch eigentlich alle 10 Tage führen, bis er endlich zu Gottéron wechselt. 

Joakim Lindström

Der 33-jährige Flügelstürmer spielt bei Skelleftea AIK in der schwedischen Liga. Lindström war in dieser Saison mit 54 Skorerpunkten in 51 Spielen Liga-Topskorer in Schweden. Der kräftige Flügel wird seit Jahren von diversen Schweizer Klubs gejagt. Zudem wäre Lindström ein Typ mit Charakter, ein Leader.

Olli Palola

Der Vertrag des Flügelstürmers läuft bei den Växjö Lakers aus. In dieser Saison war er der drittbeste Skorer der schwedischen Liga mit 48 Skorerpunkte aus 52 Spielen. Dem finnischen Nationalstürmer dürfte man auch an der kommenden WM zuschauen dürfen.

Max Talbot

Der 33-jährige ist bei Gottéron kein Unbekannter. In der Saison 2012-2013 spielte er mit den Drachen am Spengler Cup. Der Kanadier spielt aktuell bei Lokomotive Yaroslavl und erzielte dort diese Saison 36 Skorerpunkte in 60 Spielen, dies bei einer +16 Bilanz. Talbot war dieses Jahr am Deutschland-Cup der Kapitän des Teams Kanada. Ein Leader in Person, der Gottéron auch dank seiner NHL-Erfahrung gut tun würde.


Verteidiger

André Benoît

Der 33-jährige Kanadier (180cm, 87kg) erzielte mit Malmö diese Saison 24 Skorerpunkte in 52 Spielen. Benoît wäre ein sicherer Wert für Freiburg-Gottéron. Der Kanadier hat NHL-Erfahrung und war während Jahren einer der besten, wenn nicht der beste Verteidiger in der AHL.

Chris Lee

Mit seinen 36 Jahren ist Chris Lee bereits etwas in die Jahre gekommen. Trotzdem ist und bleibt er der beste Verteidiger in der russischen KHL. Der Kanadier kam diese Saison bei Metaller Magnitogorsk auf 65 Skorerpunkte in 60 Spielen. Sein Vertrag läuft aus und eine Luftveränderung könnte gewünscht sein. Seinen Gehaltsforderungen könnte Gottéron jedoch wohl kaum nachkommen. 

Marc-André Gragnani 

Ein bekannter Name in der Schweiz. Der Vertrag des Ex-SCB Verteidiger läuft bei Dynamo Minsk aus. Diese Saison erreichte er in 56 Spielen 37 Skorerpunkte. Gragnani ist ein Leadertyp und würde - auch wenn er als Offensivverteidiger bekannt ist - mit seinen 191cm und 93kg der Gottéron-Verteidigung gut tun.

Lassen wir uns überraschen, ob Christian Dubé einen unserer Vorschläge an die Saane holen kann... Welchen Spieler würdet ihr gerne in der Patinoire St. Léonard sehen? Schreibt uns jetzt auf info@skippr.ch oder per Kommentar auf unserer Facebook-Seite.