Carte Blanche #1

Freiburg vs. Fribourg

Also mich plagt jedes Mal arge Übelkeit, wenn ich auf offiziellen Formaten die Bezeichnung Fribourg, losgelöst von Freiburg, lese. Ist dies eine Art Verleugnung seiner Identität als Deutschfreiburger, oder gehört es zum guten Ton? Forum Fribourg, Region Fribourg, Ville de Fribourg!!! Usw.

Dazu kommt, dass „Fribourg“ absolut nichts heisst, oder bedeutet. Wenn, dann müsste es wohl analog Neuenburg „Frichâtel“ oder besser gar sauber übersetzt Citélibre oder Villelibre. Freiburg ist auf „Freie Stadt“ zurückzuführen und hat historische Bedeutung.

Nicht zu vergessen ist auch die Tatsache, dass die Franzosen erst rund 600 Jahre später nach Freiburg kamen. Ich weiss, alte Leier. Als Gegenargumente höre ich immer dasselbe, einzige Argument: „Es heisst Fribourg, damit man es nicht mit Freiburg in Breisgau verwechselt“. Ehem, in welchem Zusammenhang sollte man das bitte verwechseln können? Oder sind die Verursacher letztlich gar nicht der deutschen Sprache mächtig?

Text: David Aebischer

Die Gottéron-Saison 2016/2017: Fehlentscheide über Fehlentscheide

Kapitel 2: Eine Topmannschaft, die keine war

Die Saison 2016/2017 ist endlich vorbei. Zum Glück. Nun steht ein rasches Aufarbeiten der Geschehnisse, dann ein noch schnelleres Vergessen und schlussendlich die Vorfreude auf die neue Saison auf dem Programm. Die verpatzte Gottéron-Saison ist auf eine Reihe von Fehlentscheiden zurückzuführen. Wir sehen uns darum gezwungen, als Saisonbilanz von Freiburg-Gottéron in den kommenden Tagen die gröbsten Fehlentscheide chronologisch in Kapiteln zu präsentieren.  

Kapitel 2: Eine Topmannschaft, die keine war

Im Sommer 2016 stand Freiburg-Gottéron zusammen mit den ZSC Lions als Transfersieger dar. Mit Cervenka, Ritola und Gustafsson wurde die Offensive der Drachen verstärkt und in der Defensive sollten Spieler wie Leeger, Stalder, Kienzle oder Chavaillaz für Stabilität sorgen. Freiburg-Gottéron schien auf dem Papier eine Topmannschaft zu haben. Um sich dies besser vorstellen zu können, muss man sich nochmals die potentiellen Sturmlinien anfangs Saison vor Augen führen:

- Cervenka, Ritola, Gustafsson

- Bykov, Sprunger, Neukom

- Pouliot, Mauldin, Mottet

- Rivera, Neuenschwander, Fritsche 

Dass klangvolle Namen wie Cervenka, Ritola oder Gustafsson die Fans blind vor Freude gemacht haben und dementsprechend niemand die Transfers kritisch hinterfragt hat, ist völlig normal und verständlich. Einem Sportchef darf genau dies jedoch nicht passieren. Ein Sportchef holt keine Einzelspieler, sondern stellt eine Mannschaft zusammen. Ein Beispiel: dass Roman Cervenka ein Individualist Marke Weltklasse sein und in der Skorerliste ganz vorne mitmischen würde, dies konnte auch jeder parteiische Fan anhand seiner Statistiken und seiner Klasse erkennen. Dass er jedoch kein Leader sein würde, sprich jemand, der lieber alleine in der Garderobe sitzt, als in der Garderobe das Wort zu ergreifen, dass konnten die Fans ruhigen Gewissens ausser Acht lassen, der Sportchef aber nicht! Dementsprechend hätte neben Cervenka mindestens ein ausländischer Spieler mit Leaderqualitäten verpflichtet werden müssen. Nicht vergebens beklagte sich Julien Sprunger nach dem Ligaerhalt darüber, dass zu wenige Spieler Betroffenheit gezeigt, sprich zu wenig Spieler Verantwortung übernommen hätten. Bei Freiburg-Gottéron sind ausländische Verstärkungsspieler mit Leaderqualitäten umso wichtiger, da die Drachen keinen Martin Plüss und keinen Matthias Seger in der Mannschaft haben.

Greg Mauldin war ein Vorzeigebeispiel auf dem Eis, neben dem Eis jedoch ein ruhiger Geselle ohne Leaderqualitäten. Mattias Ritola hatte nicht den Charakter, um ein Leader zu werden, immerhin hatte er nicht einmal den Charakter, die Saison mit Gottéron zu Ende zu spielen. Marc-Antoine Pouliot hätte in bedingtem Masse Leaderqualitäten gehabt, lief jedoch lieber von den Problemen in Freiburg davon, was gegen die Fähigkeiten eines Leaders spricht. Nach weiteren Führungsspielern sucht man im St. Léonard-Team vergebens. Fazit: der Sportchef hätte ein-zwei ausländische Leader in die Mannschaft einbauen und im Gegenzug auf etwas Kreativität und Durchschlagskraft verzichten müssen.

Mit den Verpflichtungen der Defensivverteidiger Leeger, Stalder und Chavaillaz durften die Fans erwarten, dass in die Freiburger Verteidigung Stabilität einkehren würde. Weit gefehlt. Stalder und Leeger funktionierten im ultradefensiven Konzept des ehemaligen Lausanne-Trainers Heinz Ehlers fantastisch. In der konzeptlosen Gottéron-Verteidigung kamen ihre Stärken durch die ganze Saison hinweg nie zum Vorschein und sie wirkten zeitweise komplett verloren. Über Benjamin Chavaillaz ist es schwierig Worte zu verlieren. Man müsste ihn wohl mal in der 1. Liga im Einsatz sehen, um seine Fähigkeiten beurteilen zu können. In der National League A ist er jedenfalls in jeder Spielsituation überfordert. Lorenz Kienzle spielte im Prinzip eine ordentliche Saison im Gottérondress, wenn er denn überhaupt spielte. Trotzdem scheint er nie wirklich aus dem Tessin in Freiburg angekommen zu sein.

Im Verlauf der Saison packten gleich drei wichtige Spieler die Koffern, um aus dem Freiburgerland zu flüchten. Gustafsson und Ritola gaben den Wünschen ihrer Frauen / Freundinnen nach und gingen zurück nach Schweden. Hätte es den Hauptakteuren besser in Freiburg gefallen, wären wohl auch die Damen gerne in der Saanestadt geblieben. Was die wahren Gründe für die Heimflucht waren, sei dahingestellt. Jedoch muss auch hieraus geschlossen werden, dass zwei Spieler verpflichtet wurden, die nicht nach Freiburg passten. Der Abgang von Marc-Antoine Pouliot ist eine Geschichte für sich. Der Ursprung ist auf den Jobwechsel von Gerd Zenhäusern zurückzuführen. Im letzten Spiel unter Zenhäusern kam es zum Eklat zwischen Pouliot und Dubé, welcher zur berühmt-berüchtigten Schlittschuh-Story geführt hat. Zur Erinnerung: Pouliot vergass sein Arbeitsgerät für das Auswärtsspiel in Zug und wurde danach freigestellt. Jedenfalls entsprang auch dieser Abgang aufgrund zweier Fehler. Erstens scheint die Kommunikation zwischen dem Sportchef und seinem Trainer nicht funktioniert zu haben. Jedenfalls dürfte wohl der Trainer der ersten Mannschaft früh genug ins Bild gesetzt werden, dass der Klub im September einen Juniorenchef suchen wird. Damit hätte die Situation frühzeitig unter Kontrolle gebracht werden können. Zweitens hätte Gerd Zenhäusern nach seinem Outing zu den Junioren wechseln zu wollen, nie und nimmer noch für ein Spiel an der Bande der Drachen stehen dürfen. Dass in dieser Situation ein Spieler den Klub und dessen Führung nicht mehr ernst nehmen kann, ist verständlich, auch wenn man das Verhalten von Pouliot nicht goutieren darf.

Dadurch verlor Freiburg-Gottéron innert einiger Wochen einen grossen Teil seiner im Sommer neuverpflichteten Durchschlagskraft. Mit Michal Birner wurde während der Saison ein guter Ersatz für Marc-Antoine Pouliot geholt. Dies muss dem Sportchef Christian Dubé zugutegehalten werden. Der Ersatz für Matthias Ritola, der Amerikaner Ryan Vesce, war jedoch ein Totalausfall. Mit den zwei Toren im letzten Saisonspiel verhinderte er immerhin, ohne Skorerpunkt aus Freiburg abreisen zu müssen. Die Verpflichtung von Daniel Steiner kann schlicht nicht nachvollzogen werden. Geld- und Zeitverschwendung pur. Welchen Teufel hier den Sportchef geritten hat, weiss nur er. Jedenfalls sah es nach einer Verzweiflungstat aus, den arbeitslosen, in die Jahre gekommene und in Biel verhasste Steiner zu verpflichten. Dass Steiner und Vesce in den Playouts mehrheitlich überzählig waren, spricht Bände.

Fehleinschätzungen in der Zusammenstellung des Teams, fehlende Leader und Fehleinkäufe während der Saison, Sportchef Christian Dubé muss wohl oder übel einen Grossteil der Schuld der verpatzten Saison auf seine Kappe nehmen. Es wird interessant zu sehen, welche Lehren die Gottéron-Führung daraus ziehen wird.

Fehlentscheide über Fehlentscheide. Eine Topmannschaft, die keine war...

Die Gottéron-Saison 2016/2017

Fehlentscheide über Fehlentscheide

Die Saison 2016/2017 ist endlich vorbei. Zum Glück. Nun steht ein rasches Aufarbeiten der Geschehnisse, dann ein noch schnelleres Vergessen und schlussendlich die Vorfreude auf die neue Saison auf dem Programm. Die verpatzte Gottéron-Saison ist auf eine Reihe von Fehlentscheiden zurückzuführen. Wir sehen uns darum gezwungen, als Saisonbilanz von Freiburg-Gottéron in den kommenden Tagen die gröbsten Fehlentscheide chronologisch in Kapiteln zu präsentieren.  

1. Kapitel: Gerd Zenhäusern - der Trainer, der keiner war

Der vielleicht grösste Fehlentscheid ereignete sich bereits lange vor der nun abgeschlossenen Saison. Sozusagen der Anfang vom Ende.

Die Verantwortlichen von Freiburg-Gottéron machten im Oktober 2014, nach der Entlassung von Hans Kossmann, den Walliser Gerd Zenhäusern zum Cheftrainer der Drachen. Ein Fehlentscheid. Gerd Zenhäusern hat viele sehr gute Eigenschaften, nur nicht diejenigen, die ein Gottérontrainer braucht. Nach dem zu harten Kossmann sollte der Kumpeltrainer Zenhäusern das Team wieder auf die Beine bringen und die Kossmann-Kritiker innerhalb der Mannschaft besänftigen. Die Spieler stellten sich jedoch in der Folge nicht auf die Beine, sondern auf das wohlgenährte Hinterteil. Die Wohlfühloase Gottéron war zurück. Unter Zenhäusern machte weder die Mannschaft, noch ein einziger Einzelspieler Fortschritte. Keine Handschrift. Keine Taktik. Kein Plan. Eigentlich stimmt kein Plan nicht ganz, soviel Ehrlichkeit muss sein. Der Plan war simpel: "Sprunger und Bykov müssen einfach in jedem Spiel ein Tor mehr schiessen als der Gegner". Der Plan der sogenannten guten Hoffnung.

In den zwei Jahren wurde man das Gefühl nie richtig los, dass Zenhäusern eher ein Jubla-Leiter, als der Cheftrainer einer National League A Mannschaft war. Mit Zenhäusern verlor der grösste Sportklub des Kantons zwei Jahre. Zwei Jahre, die Gottéron benötigt hätte, um weiter zu den Spitzenteams aufzuschliessen. Zur Erinnerung: 2013 stand Gottéron noch im Playoff-Final. Heute ist Gottéron wiederum meilenweit entfernt, ein Spitzenteam zu werden.

Die Zenhäusern-Zeit an der Bande von Gottéron wirkte sich - selbstverständlich gepaart mit weiteren Fehlentscheiden - katastrophal auf die letzte Saison aus. Da vermeintlich schwächere Mannschaften wie Biel, Lausanne oder auch Langnau sich einen Plan zurechtlegten, um das beste aus ihren Möglichkeiten rauszuholen, fiel Gottéron zeitweise ans Tabellenende und musste gar den Weg über die Playouts antreten, um den Ligaerhalt zu sichern.

Wäre anstelle von Gerd Zenhäusern im Oktober ein namhafter und erfahrener Trainer ernannt worden, wäre Gottéron der tiefe Fall in die Abgründe der National League A in dieser Saison mit grosser Wahrscheinlichkeit erspart geblieben. 

Zu Beginn der Saison 2016/2017 bekundete Gerd Zenhäusern Interesse am freiwerdenden Posten als Juniorenchef bei Freiburg-Gottéron. Aus Angst vor einer bevorstehenden Entlassung und einem erneuten Umzug mit seiner Familie, sah er dies als Chance, seine Zukunft langfristiger in Freiburg planen zu können. Ein legitimes Interesse und genau der richtige Job für Gerd Zenhäusern. Jedoch blieb diese Geschichte selbstredend nicht ohne Einfluss auf die Saison der Drachen. Ein Trainer, der kein Trainer mehr sein will, hinterlässt in einer Mannschaft Ungewissheit und Unverständnis. Dies war auch der Ursprung des Abgangs von Marc-Antoine Pouliot zum EHC Biel.

Hierzu jedoch mehr in einem nächsten Kapitel der unrühmlichen Geschichte „Fehlentscheide über Fehlentscheide“, die Gottéron-Saison 2016/2017.

Blog

Aprilscherze

Ein gelungener Aprilscherz bleibt einem lange in guter Erinnerung. Wir haben in der skippr-Familie mal nach den besten "April-Verarschungen" nachgefragt. Hier die TOP 2 der besten Aprilscherze:

1. Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät.

Einer unserer skippr-Schreiberlinge hat vor knapp 20 Jahren in der Nacht auf den 1. April sämtliche Uhren in der Wohnung, inkl. der Armbanduhr seiner Freundin, um vier Stunden nach vorne gestellt. Damals waren Mobiltelefone noch nicht so verbreitet. Resultat: es war plötzlich 14:00 Uhr und nicht mehr 10:00 Uhr. Unser Kollege machte sich einen Spass daraus und stand bereits eine Stunde vor seiner Freundin auf und bereitete ein ausgiebiges Frühstück vor. Als seine Freundin dann "endlich" aufwachte, sass er auf der Terrasse vor dem vorbereiteten Frühstücksbuffet und mimte den eingeschnappten Freund, da er vier Stunden auf die verschlafene Freundin warten musste... Diese entschuldigte sich und konnte nicht verstehen, dass sie solange geschlafen hatte. Ihr "auso so lang hani no nie pfused" klingt noch heute wie Musik in seinen Ohren. Bei der dritten oder vierten Entschuldigung konnte er dann das Lachen nicht mehr unterdrücken und gestand seiner Freundin, dass es erst 10:00 Uhr sei. Das Ganze endete in einer ambitionierten Küssen- eh ich meinte natürlich Kissenschlacht.

2. Der Reifen ist geplatzt

Ein anderer skippr-Mitarbeiter spielte seiner Schwester am 1. April einen üblen Streich. Schon seit Wochen freute sich seine Schwester auf ihre dreimonatige Reise nach Südamerika und beauftragte unseren Kollegen sie in den frühen Morgenstunden des ersten Aprils an den Bahnhof nach Freiburg zu bringen. Diese Gelegenheit konnte er sich nicht entgehen lassen. Auf der Hauptstrasse Richtung Tafers tippte er die Bremen seines alten Fiats in kurzer Folgen einige Male an und schrie: "Schei... der Reifen ist geplatzt". Seine Schwester sah ihre Reise bereits ins Wasser fallen, als er den Wagen am Strassenrand zum Stillstand brachte um nach dem geplatzten Reifen zu sehen. Als sie dann auch aus dem Auto ausstieg, rief unser Mitarbeiter mit breitem Grinsen "Abrülegizzi".

Welche Aprilscherze habt ihr bereits an den Mann oder die Frau gebracht? Schreibt eure Aprilscherze als Kommentar auf unsere Facebook-Seite oder schickt uns diese per E-Mail auf info@skippr.ch.

muwins-Blog

muwins (Mit uns würd' ich nicht spielen!) ist ein Blog über neue, alte, lustige, seriöse, kurze, lange - aber vor allem listige Brettspiele. 

Mehr als Monopoly und Risiko

Es muss an die 40 Jahre her sein. Ich hatte bis dahin die üblichen Spiele aus den bis heute unverändert in den Kaufhaus-Regalen liegenden Sammlungen wie Mühle, Leiterlispiel und Ähnlichem kennen gelernt. Darüber hinaus natürlich Memory (das fast täglich, jeweils Mittags, gespielt wurde), ein wenig Schach und Monopoly. Letzteres kam hingegen kaum auf den Tisch.

Ich war mit meinen Eltern zu Besuch bei Tante, Onkel und meinen Cousins (der coolen Sorte), als mir Peter, der ältere der beiden, sein neues Spiel vorstellte. Die Ähnlichkeiten mit Schach waren unübersehbar, sogar eine Prise Memory war enthalten. Die Regeln waren dementsprechend einfach, wir legten nach einer kurzen Erklärung los. Und nach 30 Minuten war ich ein nervliches Wrack – ein Gefühl, dass ich bei keinem der mir vorher bekannten Spiele erlebt hatte. Sein Feldmarschall war durch meine Reihen spaziert, immer näher auf meine Fahne zu, deren genaue Position eigentlich nur mir bekannt war. Doch sein höchster Offizier wurde scheinbar magisch von ihr angezogen, mit Aufklärer, Mineur und Spion im Schlepptau, so dass auch meine strategisch beinahe schon genial vorbereiteten, rund um die Fahne platzierten Bomben von ihm wirkungslos entsorgt wurden.

Nach zwei weiteren Partien war die Zeit zum Aufbruch gekommen. Peter hatte mich in allen drei Partien in Grund und Boden gestampft – ich war emotional durch die Hölle gegangen… und wollte mehr. Auf der Heimfahrt im Auto packte ich meine Chance: „Wir haben da dieses neue Spiel gespielt… es heisst Stratego“. Ich sehe diesen Abend in Murten rückblickend als offiziellen Beginn meiner Brettspielerkarriere…

Obwohl es noch einige Zeit dauern sollte, bis so richtig Schwung in die Sache kam. An meinen Eltern lag es nicht – die üblichen, damals überhaupt erhältlichen Verdächtigen fanden nach und nach den Weg in mein Zimmer. Meine alte Cluedo-Ausgabe halte ich aus nostalgischen Gründen bis heute in Ehren. Aber immerhin, der Spieleschrank füllte sich über die Jahre zunehmend mit Schachteln. Informationen zu Neuheiten waren ohne Internet nur spärlich erhältlich, aber ab und zu gelang mal ein besonderer Zufallstreffer. Irgendwann hatte so Axis & Allies den Weg zu mir gefunden. Eine Weiterentwicklung des Risiko-Systems, ein wenig komplexer, mit verschiedenen Truppentypen und ihren eigenen Stärken und Schwächen. Ausserdem hat man dafür zu sorgen, dass ausreichend Kohle da ist um Nachschub einkaufen zu dürfen. So einen Flugzeugträger gibts nun mal nicht umsonst…

Eigentlich ist Axis & Allies ein Teamspiel, in dem 2, respektive 3 Personen die Alliierten und Achsenmächte verkörpern und dabei gemeinsam gewinnen oder verlieren. Auf der Schachtel angegebene Spieldauer: 3 Stunden. Uns war das viel zu wenig – wir spielten Axis & Allies nicht ein einziges mal nach den korrekten Regeln, stattdessen ausschliesslich ohne feste Teams, dafür mit ständig verhandelbaren Allianzen. So verbrachten wir während meinen Gymerzeiten ganze Sonntage, weil das Spiel auf diese Art natürlich nie endete. Uns war das egal. Es ging nicht ums Gewinnen. Unvergessliche Episode: Japan startet nach wenigen Runden eine diplomatische Offensive und verteilt gefaltete Zettel an ausnahmslos alle anderen Nationen. Auf jedem steht dieselbe Frage: „Suchst Du Freunde?“

Lange her… unsere Hausvariante erlaubte jede beliebige Kombination von Bündnispartnern…

Und irgendwann, an einem Altjahrabend, war Peter bei uns zu Besuch – und hatte Kreml dabei! Ein so ganz anderes, politisches, hoch satirisches Spiel um das damalige Politbüro der Sowjetunion (Durchschnittsalter ca. 80 Jahre). Sibirien, der KGB, Sanatorien für die von ihrem schweren Amt gebeutelten Politiker… es gewinnt, wer den Parteichef beeinflusst, der erfolgreich dreimal hintereinander winkend die Oktoberparade abnehmen kann, ohne dabei umzukippen. Es sei denn, jemand anders zieht im Hintergrund dessen Fäden… was konnte da schon schief gehen…

Die Spielewelt heute

Mittlerweile sieht die Spielewelt gänzlich anders aus. Die Branche boomt, die jährliche Flut an Informationen zu Neuheiten ist für auch nur halbwegs menschliche Wesen (auch mit Internet) nicht mehr zu bewältigen – geschweige denn, dass man auch nur daran denken könnte, sie alle zu spielen. Unter vielen ähnlichen, sich wiederholenden Mechanismen finden sich dabei auch immer wieder überraschend innovative Ansätze. Neuerungen, welche die inzwischen weltweit vernetzte Spielergemeinde in helle Aufregung versetzen – zumindest, bis schon bald die nächste folgt.

Nein, nicht wie …

Allerdings: All diese Entwicklungen bleiben einem breiteren Publikum weitgehend verborgen. Spricht man mit jemandem über das Thema Brettspiele, folgt als Rückfrage fast unvermeidlich: „Du meinst, so wie Monopoly?“. Ab und zu wird das „M-Wort“ durch „Risiko“ ersetzt. Diese beiden Ikonen prägen unter der nicht-Brettspielvirus-infizierten Bevölkerung nach wie vor das Image des Hobbys, das sich folgerichtig durch stundenlange Würfeleien und kaum enden wollende Partien auszeichnet.

In Wahrheit werden Würfel in modernen Designs entweder kaum, oder dann ganz gezielt und in Abwandlung der bekannten Rolle eingesetzt. Die reine „roll and move“-Mechanik (also würfeln und entsprechend vorwärts ziehen) ist – glücklicherweise – so gut wie ausgestorben, gefragt sind Interaktionen zwischen den Spielenden, echte Entscheidungen, spannende Themen!

Ohne jemanden „bekehren“ zu wollen, möchten wir Euch als eine Truppe zugegebenermassen Brettspielverrückter an dieser Stelle ab und zu Einblick in die heutige Spieleszene geben, indem wir Euch Titel vorstellen, die uns beeindruckt haben, und die wir als besonders geeignet für „Noch-Nicht-Fans“ ansehen. Denn diese Vorauswahl, womit man sich überhaupt beschäftigen sollte, um als Neuling weder über- noch unterfordert zu werden, ist absolut zentral. Aus diesem Grund hier eine enorm vereinfachte Darstellung eines mikroskopischen Ausschnitts des heutigen Spieleangebots:

Nein, das sind nicht alle…

Etwas weniger verkürzt lassen sich zwei grosse Strömungen identifizieren, die mittlerweile zwar mehr und mehr verschmelzen, aber doch hilfreich für eine grobe Kategorisierung sind. Aber wie gesagt: Alles sehr vereinfacht…

Die europäische Schule

Das europäische (ursprünglich vorwiegend Deutsche) Spieldesign geht von den Mechanismen aus. Ein Spieleautor hat eine Idee zu einem interessanten Ablauf, um den sich das Spiel drehen soll. An diesem wird so lange gefeilt und geschraubt, bis er tadellos funktioniert und jedes Zahnrädchen fein säuberlich ins nächste greift. Irgendwann erhält das Spiel dann noch ein Thema, welches naturgemäss eher beliebig ausfällt und sehr oft im Mittelalter angesiedelt ist.

Das prägnante Titelbild der Siedler von Catan

Die europäische Schule hat spätestens mit dem Spiel Die Siedler von Catan Einzug in viele Haushalte gefunden. Beeinflusst von der Kriegsgeschichte Deutschlands finden direkte Konfrontationen (bei denen sich die Spieler direkt schaden können) in Deutschen Designs kaum statt. In die Suppe spucken darf man sich natürlich dennoch – meist aber indirekt, etwa indem man sich gegenseitig Optionen streitig macht. Aufgrund der Themen und der eher geringen Komplexität handelt es sich oft um Familienspiele, die ein breites Altersspektrum ansprechen. Seit einigen Jahren erleben aber auch komplexere „Eurogames“, die höhere Anforderungen an Regelverständnis und strategische Überlegungen stellen, starken Aufschwung.

Die amerikanische Schule

Neben Massenprodukten wie Game of Life (Spiel des Lebens), Candyland oder den bereits erwähnten Monopoly und Risiko entstand in Amerika schon sehr früh ein recht starker Nischenmarkt für vergleichsweise komplexe, strategische Brettspiele. Als Sieger des zweiten Weltkrieges zeigte das amerikanische Spielerpublikum bedeutend weniger Berührungsängste mit dem Thema „Militär“, als das in Deutschland der Fall war. Dies schuf mit die Grundlage, dass dort ein relativ grosser Cosim-Markt (Konfliktsimulationen, Kriegsspiele) entstehen konnte. Interessierte Personen simulieren dabei kleinere Feuergefechte oder Schlachten, bis hin zu gewaltigen Feldzügen aus allen denkbaren Epochen nach, wobei die Komplexität von vergleichsweise mittelschweren Spielen bis hin zu simulationsähnlichen Studien mit Regelwerken in Buchform reicht.

Julius Caesar entpringt der amerikanischen Spieletradition.

Folglich steht in der amerikanischen Schule auch das Thema im Vordergrund, die Mechanismen werden „darum herum“ gebaut. Das kann dazu führen, dass eine Seite gar keine echte Gewinnchance im herkömmlichen Sinn hat – Ziel ist aber auch nicht eine ausgeglichene Ausgangslage, sondern ein möglichst realistisches oder glaubwürdiges Nachempfinden einer historischen (oder auch erfundenen) Situation. Das Ergebnis ist zweitrangig – es zählt das gemeinsame Erleben einer möglichen Geschichte. „Der Weg ist das Ziel“.

… und was daraus wurde…

Mit dem Siegeszug der bereits erwähnten Siedler von Catan auch im angelsächsichen Sprachraum, wurden die beiden Schulen „zusammengeführt“. Die sogenannten Eurogames haben mit schönen und aufwändigen Materialien und benutzerfreundlichen Regelwerken den amerikanischen Spielemarkt überflutet. Deutschsprachige Autoren haben aber umgekehrt zunehmend auch die dort vorhandenen Einflüsse aufgenommen und neu in eigenen Designs umgesetzt. Ebenso liessen und lassen sich amerikanische Autoren durch Elemente aus europäischen Designs inspirieren. Was heute an Spielen veröffentlicht wird, ist in der überwiegenden Mehrzahl weder ganz „europäisch“ noch ganz „amerikanisch“.

Erfreulicherweise drängen mittlerweile mehr und mehr Autoren aus ganz Europa, dem asiatischen Raum und aus weiteren Kulturkreisen mit weiteren, teilweise äusserst innovativen Ansätzen in die Spieleszene, so dass in den kommenden Jahren noch sehr viel Spannendes zu erwarten sein wird.

Der asiatische Einfluss äussert sich in mancherlei Hinsicht.

Ein relativ neues Phänomen ist die grosse und stetig wachsende Familie der Social Deduction-Spiele für grössere Gruppen (das bekannte Spiel Werwolf stand am Anfang), die fast vollständig auf ein Brett verzichten, in denen sich stattdessen das Spiel aus der Diskussion und Interaktion zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern entwickelt. Meist haben sich dabei ein oder mehrere (spielerische) Verräter in die Gruppe geschlichen, die unerkannt bleiben, dabei aber ihre Ziele erreichen wollen, die dem Rest der Gruppe in irgend einer Form zuwider laufen.

Wir MUWINSer sind eine Truppe aus zuerst zwei, später fünf, mittlerweile über 15 Spielerinnen und Spielern aus allen Alterskategorien und beruflichen Hintergründen, vorwiegend aus dem freiburgischen Sense- und Seebezirk (den einen oder anderen Berner tolerieren wir aber ausgesprochen gern) mit durchaus unterschiedlichen Vorlieben in Sachen Spieleauswahl, aber dem gemeinsamen Interesse, der Freude und Offenheit gegenüber Mitspielern und neuen Herausforderungen.

Falls wir Euer Interesse ein klein wenig wecken konnten: Verfolgt uns zukünftig hier oder, falls ihr vielleicht sogar einmal einen praktischen Einblick gewinnen möchtet, schreibt uns eine Nachricht. Wir treffen uns öfters, und auch wenn unser Name anderes vermuten lässt: Wir erklären Neulingen sehr gern Spiele und gehen auch schonend mit ihnen um.

Vorerst mal…

Alle Blogs findet ihr auf der Internetseite von muwins.