Minipic-Prominenz

6. Teil: Öffentliche Personen auf Wikipedia

Regionaler Klatsch und Tratsch in der neuen Rubrik «Minipic-Prominenz». Dies plant die Deutschfreiburger Plattform Skippr. Aber noch immer fehlt eine brauchbare Definition der Promis.

  

«Es kann doch nur jemand flächendeckend populär werden, der dies auch will. Wer sein Privatleben von einer Hochglanz-Revue durchleuchten lässt», versuchte es die Reporterin eine Woche später erneut.

«Sollten wir also zuerst Homestorys schreiben – und dann nur Leute zu Minipics küren, die da mitmachen?», fragte der Praktikant zurück.

«Wohl kaum», antwortete die Reporterin, «aber eben, Popularität braucht eine gewisse Masse.»

«Dann machen wir doch einen Aufruf an die Leserschaft, uns schöne Minipic-Storys zu schicken. Dann wissen wir, wen sie als prominent anschauen», sagte der Sportredaktor.

«Du meinst in der Form von: ‹Ich habe Slawa Bykow getroffen und mich mit ihm ablichten lassen. Könnten Sie das Bild bitte abdrucken?›», spöttelte die Kulturredaktorin.

«Warum nicht? Slawa Bykow ist jedenfalls ein Name, der auf unsere Liste gehört», gab der Sportler zurück. «Der ist Freiburger und als Spieler und Trainer Eishockey-Weltmeister geworden.»

«Gefährlich sind persönliche Abrechnungen in der Form von ‹mein blöder Nachbar, der Grossrat XY, lässt seine Hundehütte verlottern›. So Schlammschlachten können wir nicht brauchen», warf der Vize-Chef ein.

«Am schlimmsten sind für mich Leute, die sich melden und sagen: ‹Schreibt doch mal etwas über mich, dann steht bei euch endlich etwas Gescheites.› Alles schon erlebt!», sagte die Reporterin.

«Ja, das stimmt. Jeder hat das Gefühl, er oder seine Familie seien wahre Promis», fügte die Kulturredaktorin an. Das habe man ja bei den Nachwuchs-Sportlern und -Künstlern bereits angesprochen.

Da hatte die Reporterin eine Idee. Die weltweite Wissensplattform Wikipedia war doch auch ein Sammelsurium von Informationen über wichtige Leute, Gruppen und Ereignisse. Und Wikipedia stand allen potenziellen Schreibern offen. «Wir könnten eine ‹Liste Deutschfreiburger Persönlichkeiten› zusammenstellen und dort aufschalten.»

«Sehr gut», entschied der Vize-Chef sogleich. «Und wir lassen unsere Leserinnen und User entscheiden, wer dazugehören kann und soll.»

«Schön. Das gibt den Anschein einer demokratischer Entscheidung», unterstrich die Reporterin.

«Ja, und die Ausgewählten sind dann unsere Minipics, denen wir für unsere wöchentliche Rubrik besonders auf die Finger schauen», freute sich der Praktikant.

«Schickst du ihnen Paparazzi auf den Buckel?», fragte die Kulturredaktorin.

«Nein, nein. Aber wir bauen ein Netz von Informanten, die in den Ausgang gehen oder an Käferfesten auftauchen.»

Gesagt, getan. Endlich hatten sie einen konkreten Schritt geschafft. Das fühlte sich echt gut an.

Aber schon bald folgte der nächste Dämpfer. Die Wikipedia-Administratoren löschen die 31-köpfige Liste wieder mit der Begründung, in Freiburg gebe es keine Sprachgrenze.

«Wie, keine Sprachgrenze?» Das war ein Schlag in die Magengrube. Also sprachen in Freiburg alle gleich und verstanden sich? Uff. Das fühlte sich an, wie wenn die Chefin gesagt hätte, man schreibe ab sofort «Spracke» statt «Sprache». Dies gefalle ihr besser. Bei so etwas nützten keine Gespräche, Argumente und Hinweise auf Fakten. Das war einfach steinharter Bullshit!

«Tja, da kämpfen wir mit grösseren Mächten als bei einem Nachbarschaftsstreit», zeigte sich der Praktikant entmutigt. Via Wikipedia war wohl nicht viel zu machen. 

Die ganze Geschichte findest du unter Themen/ Minipic-Prominenz.

Schriftsteller Christian Schmutz schreibt exklusiv für skippr eine Sommer-Fortsetzungsgeschichte. Alle Figuren sind frei erfunden.

 

 

Minipic-Prominenz

7. Teil: Allzu trockene Materie

Wenn man lange in einer Arbeitsgruppe arbeitet, dann wird die Diskussion staubtrocken. Das ist beim Versuch, Definitionen für die Rubrik «Minipic-Prominenz» zu schaffen, nicht anders.

 

«Ein Promi ist einer, der in einem Restaurant nicht zahlen muss, weil er immer eingeladen wird», machte die Reporterin einen neuen Definitionsversuch.

«Das gibts kaum», sagte der Vize-Chef. «Aber zumindest wird er als Ehrengast zu Banketten eingeladen.»

«…und wie ein Affe im Käfig herumgezeigt, ja.» Die Fotografin hasste solche Anlässe, die sie jeweils knipsen sollte. Und weiterhin fragten diese Möchtegern: «Hast du überhaupt einen Film drin?» Immer der gleiche Witz.

«Du meinst, es gibt an solchen Anlässen ‹Promi-Profis›?», versuchte es die Kulturredaktorin zu benennen.

«Ja. Und ‹Profi› steht als Abkürzung für Profiteur», sagte die Fotografin.

Da schüttelte der Vize-Chef den Kopf. «Ich bin je länger je weniger dafür. Ich soll meinen Platz auf Skippr für diese Schmarotzer geben?» Über eine Grossratssitzung könne er locker täglich drei, vier Seiten füllen. Er bekomme aber nur eine, weil der Platz für solchen Humbug gebraucht werde.

«Das ist nicht Humbug, das sind Cüpli-Partys in hübschen Kleider», verteidigte der Praktikant seine Idee.

«Es ist staubtrocken hier drin», schluckte der Sportredaktor leer. Wie wolle man über Cüpli-Partys schreiben und selbst nur an einem Kaffee nippen dürfen. «Mein Hirn braucht Schmiermittel.»

«Ich nähme auch ein Bier», verstand der Praktikant. «Wenn man müde und angetrunken ist, kommt man auf die schrägsten Ideen. Kreativitätsförderung!»

«Ich hab in so einer Situation mal rausgefunden, dass Wodka den Bartwuchs fördert. Das war ein Spass», grölte der Sportler.

«Und ich hab mal Kaffee geraucht und dann versucht, mich mit Zahnseide abzuseilen. Naja, war eher schmerzhaft als lustig», rümpfte der Praktikant die Nase. Aber der Schalk war in seinem Blick zu erkennen.

Der Sportredaktor wollte aufstehen und Bier holen.

«Ihr macht Scherze, oder?», schaute ihn die Fotografin entgeistert an.

Und auch der Vize-Chef zögerte: «Kommt das gut? Alkohol bei der Arbeit?»

Aber die beiden waren nicht mehr zu bremsen: «So ein Projekt kannst du nicht mit normaler Arbeit vergleichen. Genau so soll sich die Rubrik ja von anderen Texten abheben.»

«Stimmt. Ich bin für ein Alkoholobligatorium für alle, die Minipic-Texte schreiben», fügte der Praktikant an.

Die beiden tranken regionales Bier, alle anderen lehnten dankend ab. So endete die Sitzung zwar gemütlich, aber wieder ohne Ergebnis.

Ach doch! Immerhin hatte die Fotografin beim Anblick der beiden Biertrinker eine Idee. «Ein besoffener Promi wäre natürlich eine Hammergeschichte für unsere Rubrik.»

«Au ja», kam nun die Reporterin ins Spiel. Sie habe gehört, dass irgendwo eine Frau vor der Haustür ein Röhrchen zum Reinblasen montieren liess. Wenn ihr Mann zu viel Alkohol intus hatte, ging die Tür nicht auf – er musste im Auto übernachten. Und dies nur, weil er mit Alkohol schnarchte. «Das wären schöne Geschichten für unsere Rubrik.»

«Genau. Beziehungen sind den Leuten wichtig.»

«Harmonie oder Krise? – Hauptsache Emotionen!»

«Bestens! Genug über die Definition palavert. Wir wissen, was wir wollen», rief nun der Vize-Chef als Leiter der Arbeitsgruppe: «Bis nächste Woche brauchen wir Beispiele!»

Schriftsteller Christian Schmutz schreibt exklusiv für skippr eine Sommer-Fortsetzungsgeschichte. Alle Figuren sind frei erfunden.

 

 

Minipic-Prominenz

8. Teil: Erste gefundene Minipics

Die Arbeitsgruppe «lokale Minipic-Prominenz» wechselt von der Theorie in die Praxis. Erstmals kommen mögliche Beispiele auf den Tisch der Chefredaktorin.

 

Vortrag vom Dopingfahnder

Der bekannte Dopingfahnder Jean Meyer aus Lausanne hat an der Universität einen Vortrag gehalten. In der ersten Reihe sass der erfolgreiche Freiburger Radsportler Bruno Gasser. Ob er sich wohl Tipps aus erster Hand geholt hat?

Schwangere Schauspielerin?

Die junge Berufsschauspielerin Helene Kraft aus Düdingen stand diese Woche bei der Premiere von Willhelm Tell auf der Bühne. Sowohl bei der anschliessenden Feier wie am nächsten Tag im Restaurant Italia wurde sie Mineralwasser trinkend gesehen. Ob ihr nächstes Stück wohl besonders realitätsnah ist und eine Schwangerschaft thematisiert?

Standesgemässes Mitbringsel

Staatsrat Franz Schild zeigt gern, was er hat. Er sticht mit seinem Porsche in der Stadt heraus. Als nun seine Tochter Korken zum Basteln in die Schule mitnehmen sollte, da musste unbedingt darauf stehen: «Barons de Rothschild, 1995, Mise en bouteille au château». Das sollte der Lehrerin Eindruck machen. Ein Bekannter mutmasst, dass Schild den Wein zuvor ausgeleert hat. Er trinke gar keinen Bordeaux.

Pianist an Fingern verletzt

Pech für den bekannten Pianisten und Sänger Mickey aus Murten. Beim Einkaufen im Supermarkt verlor er zwei Münzen und kroch ihnen hinterher. Eine alte, sehbehinderte Frau rollte ihm mit dem Einkaufswagen über die Finger. Mickey muss nun sein nächstes Konzert absagen.

Gemeinsam hatte die Arbeitsgruppe einige aktuelle Beispiele für die «Minipic-Prominenz» geschaffen. Sie waren zufrieden mit den gefundenen Minipics, wie sie die vorkommenden Personen nannten.

Die Artikel trugen ein satirisches Augenzwinkern, so dass die Rubrik nicht zu streng erschien. Ausserdem hatte man endlich eine Grundlage, um einen Schritt vorwärts zu machen.

Die Chefredaktorin war dann aber alles andere als zufrieden. Die Beispiele wurden in der Luft zerrissen. «Ihr müsst viel frecher und viel direkter texten.» Die Uni interessiere viele Leser nicht. Und sowohl Dopingfahnder wie Velorennfahrer gehörten nicht zur Minipic-Prominenz. «Denkt von den Lesern aus!» Auch das fehlende Alter von Schauspielerin Kraft (26), die ungenaue Mutmassung um Staatsrat Schild und der falsch gewichtete Titel um Pianist Mickey wurden kritisiert.

«Aber wir sind doch ernsthafte Journalisten. Sonst würden wir im Boulevard arbeiten», gab die Kulturredaktorin zurück. Sie hatte zwei der vier Artikel getextet und fühlte sich persönlich angegriffen.

«So jedenfalls spülen wir die Rubrik», warf die Chefin die Blätter auf den Tisch. «Wir müssen wissen, wer schwanger ist, wer heiratet, wer sich wieder scheidet. Das ist der Klatsch und Tratsch, den die Leute wollen!»

«Eine Schwangere kommt ja vor», sagte der Praktikant.

«Ja, aber mit Fragezeichen», gab die Chefin zurück. «Eine Frage zum Abschluss muss eine absolute Ausnahme bleiben. Wir sind nicht da, um Fragen zu stellen, sondern um Antworten zu geben.»

Die Chefin schlug vor, dass künftig alle Redaktoren Geschichten sammeln sollten, aber nur zwei oder drei Talente die Texte ausformulierten. Mit diesen Worten verschwand sie wieder.

Die Stimmung im Büro war gedrückt. Der Praktikant zuckte nur mit den Schultern und sagte leise: «Hätten wir doch gesoffen, bevor wir die Texte geschrieben haben.»

Die ganze Geschichte findest du unter Themen/ Minipic-Prominenz.

Schriftsteller Christian Schmutz schreibt exklusiv für skippr eine Sommer-Fortsetzungsgeschichte. Alle Figuren sind frei erfunden.

 

 

Minipic-Prominenz

9. Teil: Können Politiker Promis sein?

Um die neue Rubrik über die lokale «Minipic-Prominenz» zu beleben, müssen Namen auf den Tisch. Aber die ersten Beispiele der Arbeitsgruppe wurden von der Chefin zerrissen.

 

Alle Mitglieder der Arbeitsgruppe hatten nach der Kritik der Chefredaktorin schlecht geschlafen, die Fotografin hatte sich gar abgemeldet. Als die Gruppe am nächsten Morgen nach der Tagessitzung gleich nochmals zum Thema «Minipic-Prominenz» zusammensass, musste zuerst jemand den Knoten lösen.

«Wir brauchen eine Namensliste. Eine Hitparade der passenden Minipics. Fangen wir doch mit Politikern an», schlug der Vize-Chef als Leiter der Arbeitsgruppe vor.

«Darf ich dazu gleich etwas fragen?», unterbrach ihn die Kulturredaktorin. «Kann ein Politiker überhaupt ein Promi sein? Der hat doch eine ganz andere Rolle in der Gesellschaft.» Sie hatte die ganze Aufmerksamkeit auf sich gerichtet, mancher schaute ganz verdattert. «Ex-Bundesrat Ogi, okay, der war populär. Aber ich wüsste bei uns keinen.»

«Ja, was», fiel ihr der Vize-Chef ins Wort, «und was ist mit unserem Ex-Bundesrat und den Ständeräten?»

«Oder die Nationalräte, die oft in der Arena auftreten? Oder die Staatsräte, die Oberamtmänner und die Stadtpräsidenten? Alle kennen die. Jedenfalls hat sie die Mehrheit unseres Kantons gewählt», ereiferte sich auch die Reporterin.

Da prallten ganz unterschiedliche Meinungen aufeinander.

«Ich bin auch der Meinung: Politiker sind nur bedingt promifähig», sagte der Sportredaktor und stärkte so erstmals der Kollegin aus der Kultur den Rücken. Sie schaute ihn dankbar an.

Der Vize-Chef schüttelte unwirsch den Kopf. «Gehts noch! Alle vier, fünf Jahre muss sich ein Politiker neu wählen lassen. Was gibt es Praktischeres, als Schlammschlachten aus dem Wahlkampf zu bearbeiten?»

«Aber das ist doch nichts gegen den Glanz einer Operndiva», schüttelte die Kulturredaktorin den Kopf.

«Aber wenn ich aus unserer Region Promis aufzählen will, da fallen mir fast nur Politiker ein», rief der Vize-Chef, indem er die Hände verwarf.

«So schlimm stehts schon um uns?», murmelte der Praktikant kopfschüttelnd.

Die Reporterin war auf dieses Murmeln aufmerksam geworden: «Warum? Was ist schlimm?»

Der Praktikant hatte nun die ungeteilte Aufmerksamkeit. Er sprach ganz leise. «Auch der mickerigste Kanton braucht Politiker und Juristen.» Die starken Persönlichkeiten aus anderen Berufen oder Künstler verliessen oft die Provinz und liessen sich in grösseren Zentren nieder. «Wenn uns also nur Politiker oder Anwälte als Promis einfallen, dann sind wir tiefste Provinz.»

Tiefste Provinz! Das musste erst einmal verdaut werden. Dann waren sie eine Provinzpublikation und weit weg von jenem Glanz, den sie mit den Minipics vermitteln wollten?

«Jedes Volk hat die Politiker, die es verdient. Nicht mehr und nicht weniger», doppelte die Kulturredaktorin nach.

«Politiker würde ich höchstens reinnehmen, wenn zum Beispiel ein Staatsrat wie ein Erstklässler mit Grossbuchstaben wichtige Verträge unterzeichnet. Oder wenn er schöne Herzlein als i-Punkte macht. Aber das Repräsentieren gehört doch zu deren Job!», war auch für den Sportredaktor klar.

«Hast du wieder gesoffen?», fragte nun die Reporterin. «Über wen können wir denn sonst schreiben?»

Niemand sagte mehr etwas und der Vize-Chef vertagte die Sitzung erneut.

Schriftsteller Christian Schmutz schreibt exklusiv für skippr eine Sommer-Fortsetzungsgeschichte. Alle Figuren sind frei erfunden.

 

 

Minipic-Prominenz

10. Teil: Was man davor leisten muss

Die geplante Rubrik über die lokale «Minipic-Prominenz» ist eine Knacknuss für die Deutschfreiburger Online-Plattform. Einigen fallen fast nur Politiker ein, doch das wird von anderen abgelehnt.

 

«Vielleicht müssen wir kleinere Brötchen backen», sagte der Praktikant an der nächsten Sitzung der Arbeitsgruppe. Er lehte sich zurück und sagte: «Was wir nicht vergessen dürfen: Im Regionalen gelten andere Kriterien als im Nationalen.» Wer den ganzen Sommer im städtischen Schwimmbad liege, eine grosse Verwandtschaft habe und sich in vielen Vereinen engagiere, der gehöre auch dazu.

«Du meinst: Wenns nicht zur Cervelat-Prominenz reicht, dann wenigstens zur Minipic», sagte der Vize-Chef.

«Ja, solche Kleinraum-Promis haben wir tonnenweise», pflichtete die Fotografin schmunzelnd dem Praktikanten bei. «Sie sind an jedem Käferfest, duzen alle und stossen mit allen an.»

«Ufff! Müssen wir wirklich Leute beiziehen, die an jeder Hundsverlochete dabei sind und sich vordrängen, ohne wirklich etwas zu leisten?» Für die Kulturredaktorin war die Vorstellung grauenvoll.

«Dann schreibst du nicht mehr über die Premiere, sondern nur noch hinterher, wer sich wo wieder ein Glas Wein, eine kalte Platte oder eine Glace erschnorrt hat», lachte der Sportredaktor.

«Jaja, aber dann interessiert beim Fussballmatch das Resultat auch nicht mehr», gab sie zurück.

«Es braucht mehr Eleganz und schöne Kleider», war für die Reporterin klar. «Wer etwas auf sich hält, hat das Abonnement des Stadttheaters, geht in die Oper oder ans Jahreskonzert der national bekannten Musikgesellschaft. Dort gibt es dann Promigeschichten für uns.»

«Nein, ans Theater geht nur der ganze pädagogische Kuchen», winkte die Kulturredaktorin ab.

«Schon. Aber ältere Lehrer haben doch in ihrer Karriere viele Schüler gehabt», sagte der Vize-Chef. Sie seien auch Dirigent des Chors, Organist in der Kirche oder Lokalhistoriker. Wenn so einer nach dem Theater mit einem deutschen Profischauspieler anstosse, das wollten viele User hören.

«Nein, nein! Wir gehen in eine völlig falsche Richtung. Wir wollen Promis und keine Lehrer, Pfarrer, Wirte, Posthalter und Strassenwischer, die man wegen ihrem Job jeden Tag sehen kann.»

«Apropos Strassenwischer. In Freiburg wär auch noch einer», liess der Vize-Chef nicht locker.

«Nein, wir wollen Leute, die etwas zu sagen haben», fügte die Reporterin an. «Chefs. Leute mit Geld und Macht. So einer ist auch im Privaten interessant. Wer Macht hat, strahlt automatisch Glamour aus.»

«Glamour? So einen Mist habe ich schon lange nicht mehr gehört», schüttelt der Vize-Chef wieder den Kopf. «Sag mir den Namen vom Chef der grossen Fleischverarbeitungsfirma vor der Stadt. Den kennt doch hier kein Schwein.»

«Doch, die schon», fuhr der Sportredaktor dazwischen. «Aber Schweine sind nicht unsere Leserschaft.» Alle lachten über den passenden Spruch. Das Mitdenken in der Arbeitsgruppe schien heute weniger schlimm als die letzten Male.

«Warum schreiben wir nicht gleich über die Schweine?», fragte der Praktikant beim Hinausgehen.

«Übung abblasen! Ich sags ja schon lange», sagte die Fotografin und verdrehte die Augen.

Schriftsteller Christian Schmutz schreibt exklusiv für skippr eine Sommer-Fortsetzungsgeschichte. Alle Figuren sind frei erfunden.