Minipic-Prominenz

11. Teil: Sportler sind alle gedopt

Hat die geplante Rubrik «Minipic-Prominenz» in einer Online-Plattform eine Chance? Wieder wurden mit Schnorrern und Hundsverlochern eine Gruppe möglicher Personen zerzaust. Es sieht übel aus.

 

«Also, neuer Anlauf», sagte der Vize-Chef am Anfang der nächsten Sitzung. «Ich war vorgestern beim Eishockeyspiel. Das ist eine unglaubliche Fan-Kultur und wohl das beste Beispiel, wie das mit der Minipic-Prominenz zu- und hergehen könnte.»

«Ja, die Zuschauer skandieren ‹seinen› Namen und singen ‹sein› Lied. Da hast du recht, so einer ist ein wahrer Minipic», war der Sportler endlich wieder mal mit dem Vize-Chef einig.

«Sag dem dann nicht, er sei ein Minipic», lachte die Reporterin. «Sonst meint er, du provozierst ihn, und er sorgt gleich für eine Massenschlägerei.»

«Aber wer drängt sich bei den Eishockeyspielern auf? Eher die Ausländer, die Torschützen, der Goalie, die Hier-Aufgewachsenen?», brauchte die Kulturredaktorin wieder mal eine Schublade, in der sie die Promis verstauen konnte.

«Einfach alle», war für den Praktikanten klar. «Wir können ja nicht davon ausgehen, dass die drei, vier ausgewählten Minipics immer etwas im Sinn unserer Rubrik treiben.»

«Aber mit all dem Doping sind die Sportler doch längst nicht mehr ernst zu nehmen», schüttelte nun die Fotografin den Kopf.

«Du schaust zu viel Fernsehen», stiess sie der Praktikant lachend an. Doping sei kaum mehr ein Thema. Es gäbe genügend Kontrollen.

«Uns muss einfach auch bewusst sein», begann nun der Sportredaktor nachdenklich, «zu häufige Klatschberichte über Profisportler könnten ihr Selbstwertgefühl extrem steigern.» So sehr, dass sie vergässen, in ihrem Fach Leistung zu bringen und sich weiter zu verbessern. Und schreibe man negativ, könne man das letzte Selbstvertrauen abtöten. «Dann wirds schwierig, auf die Normalleistung zu kommen.»

«Das ist doch nicht unser Problem», sagte die Reporterin. «Wenn einer für uns ein Promi ist, dann ist die Story massgebend. Wir sind kein Wohlfühlkurs für heikle Profisportler!»

Der Sportler bekam Unterstützung aus der Kulturredaktion: «Aber der Mensch muss doch mit all seinen Stärken und Schwächen berücksichtigt werden. Dies steht im Mittelpunkt jeder journalistischen Berichterstattung.»

«Entweder schreiben wir auch ein bisschen angriffig über unsere Minipics oder wir sagen den Mist ab», zeigte sich die Reporterin kategorisch.

«Das sag ich ja schon lang», strahlte die Fotografin. Sie hörte da Unterstützung von unerwarteter Seite heraus. Auch der Vize-Chef schmunzelte und schien sich schon darauf zu freuen, seine Grossratsberichterstattung künftig wieder mehr auszubreiten.

«Aber jeder Promi hat doch auch ein Recht auf Schutz seiner Intimsphäre. Er muss nicht alles mit sich machen lassen», sagte die Kulturredaktorin.

«Ja, aber wir müssen nicht jetzt schon bremsen. Diese Bremse kommt beim Schreiben automatisch», war für die Reporterin klar.

«Viel zu kompliziert. Geht nicht vorwärts. Einfach abblasen!», schloss die Fotografin.

Die ganze bisherige Geschichte findet ihr unter Themen.

Schriftsteller Christian Schmutz schreibt exklusiv für skippr eine Sommer-Fortsetzungsgeschichte. Alle Figuren sind frei erfunden.

 

 

Minipic-Prominenz

12. und letzter Teil: Das Ende aller Pläne

Die Arbeitsgruppe zur «Minipic-Prominenz» war sich nie einig, ist es nicht und wird sich auch nie einig werden. Wenigstens Eishockeyspieler konnten auf der Habenseite verbucht werden.

 

«Jetzt oder nie!», sagte die Chefredaktorin zum Vize-Chef, als dieser am Morgen die Redaktion betrat. Die Arbeitsgruppe müsse endlich zu einem Schluss kommen, denn viele andere Projekte rund um die Zeitung warteten. «Wir können nicht wochenlang zuschauen, wie ihr Sprüche reisst und nichts Brauchbares dabei herauskommt.»

Der Vize-Chef versuchte sich zu verteidigen, doch ihm fehlten die Worte. Es war genau so, wie es die Chefin gesagt hatte. Sie hatten palavert und sich im Kreis gedreht.

«Also nie», sagte der Vize-Chef bitter. Die Arbeitsgruppe habe in fast zwei Monaten Denkarbeit nicht genügend Kandidaten gefunden, die allen passten. «Wir geben auf.»

Der Vize-Chef ging mit hängendem Kopf weiter in sein Büro. Wie die Boulevard-Blätter jeden Tag über die Cervelat-Prominenz berichten konnten, waren ihm und der ganzen Arbeitsgruppe ein Rätsel. Entweder war dort die Messlatte weniger hoch oder es wurden einfach 08-15-Typen künstlich zu Promis gemacht.

Dabei wären die Minipics für ihre Plattform eine Chance gewesen, sich neu zu positionieren. Der Vize-Chef spürte einen Riesenklotz im Hals. Er hatte versagt, schluchzte und begann schliesslich zu weinen.

Da schreckte er plötzlich auf. Er spürte zwar das Augenwasser auf seinen Wangen, aber es war dunkel und er lag noch auf seinem Kissen. Er hatte nur bös geträumt. So bös, dass er ein solch trauriges Ende unbedingt verhindert musste. Das war für ihn jetzt klar.

Die Rubrik erschien erstmals am 19. August und die Leserschaft freute sich offensichtlich. Zweimal wöchentlich kamen nun die Minipics prominent auf die Plattform. Schauspieler, Musiker, Opernsänger, Autoren, Fernsehleute, Showgäste, Auchdabeis, Politiker, Landadlige, Uniprofessoren und Sportler trafen sich hier mit nationalen Cervelats, die in der Region auftraten. Vor allem der Praktikant schrieb die frechen Texte.

Für viele Promis war es eine Ehre, es in diese Rubrik geschafft zu haben und Minipic zu werden. Es war ein ähnliches Gefühl von Genugtuung wie ein Auftauchen in der Fasnachtszeitung. Es wurde angestossen, geliebt, geheiratet, geboren und geschieden. «Ende gut, alles gut», konnte man bilanzieren. Auch wenn jetzt noch niemand sagen konnte, wie lange der Atem der Schreiberlinge reichen würde.

Einige Mitglieder der Arbeitsgruppe hatten seit den Sitzungen ein angespanntes Verhältnis zueinander. Es wurde zu viel palavert und gestritten. Fast wie an den Cocktail-Partys, über die sie nun schrieben.

Kultur und Sport verbanden sich nicht nur in dieser neuen Rubrik, sondern auch im gemeinsamen Ablehnen der Politik sowie der Politik-Minipics. Auch sonst hatten sie mehr gemeinsam, als manche dachten. Zwei Tage später küssten sich die Kulturredaktorin und der Sportredaktor erstmals. Zwei Wochen später fanden sie ihre vollständigen Namen (mit Altersangabe in Klammern) in der «Minipic-Prominenz» von Skippr.

Zwei echte Minipics.

Die ganze Minipic-Geschichte findet ihr unter Themen.

Schriftsteller Christian Schmutz schreibt exklusiv für skippr eine Sommer-Fortsetzungsgeschichte. Alle Figuren sind frei erfunden.