Carte Blanche #63

DU bist EINZIGartig

Jede/jeder von uns befand sich schon in Momenten der Einsamkeit... Wir haben eine Menge Leute um uns, aber empfinden Dinge, die wir mit niemandem da draussen teilen können. Wir haben Ideen oder Impulse in uns, die niemand anderes nachvollziehen kann. Wir denken, wir würden nicht verstanden werden. Wir denken, mit diesen Empfindungen alleine auf weiter Flur zu stehen. Vielleicht trägst du unbeantwortete Fragen in dir, die nur DICH und deinen Weg betreffen oder Ideen, die du in die Welt bringen möchtest. Eigentlich hättest du gerne vom Aussen eine Bestätigung oder Erklärung zu diesen vielen Fragezeichen aber du spürst: Die sind für mich im Aussen nicht auffindbar. Das bewirkt häufig, dass wir ins Straucheln geraten, unsicher werden, uns selbst hinterfragen und anzweifeln. Genau DA fängt sie an, deine EINZIGartigkeit!
Das heisst: Nur DU kennst die Antwort. Nur DU findest die Lösung. Nur DU kennst den Weg dorthin. Genau darum, weil es um DEN Teil von dir geht, der kein zweites Mal hier auf der Erde zu finden ist! Also kannst du im Aussen für diesen Teil auch keine Entsprechung oder Bestätigung finden...!

Verbinde dich mit dir selbst! Suche die Antwort in dir selbst! Lasse dir nicht reinreden von Menschen, die keinen Zugang zu diesem einen Teil haben, denn das bringt dich nur durcheinander. Klinke dich aus und klinke dich bei dir selbst wieder ein. Gehe in die Stille und höre dir an, was sie dir antwortet auf deine Fragen. Lasse dir zeigen, wie du vorgehen kannst und was für dich und deine EINZIGartigkeit wichtig ist. Kopiere nicht jemand anderes... Sei DU selbst - das ist das grösste Geschenk, das du dir und uns allen machen kannst. Entwickle deine Gaben, Talente, Ideen, Impulse - ohne auf das «GO for it!» der andern zu warten oder dich zu vergleichen!
Versuche, Vertrauen aufzubauen zu diesem einen Teil in dir, der sich manchmal anfühlt wie ein kleines, unbeholfenes Menschlein. Es ist vielleicht klein, aber es trägt das Grösste von dir in sich...
Dieser Teil fühlt sich tatsächlich einsam und verletzlich an - aber wenn wir wissen, dass das mit unserer «Einzigartigkeit» zu tun hat, dann können wir diese «Einsamkeit» viel leichter annehmen und in etwas positives und inspirierendes umwandeln. Ja, du kannst sie sogar geniessen und dich darin entspannen, weil nur DU alleine dort zuhause bist.

Im Aussen werden evt. Hürden kommen. Du wirst unter die Lupe genommen, inspiziert, hinterfragt, schräg angeschaut, kritisiert... {vertraue dem kleinen Menschlein und mach weiter}. Du wirst aber auch erfahren, dass Menschen dir unendlich dankbar sind, dass du den Mut hast, deine Einzigartigkeit zu zeigen und mit ihnen zu teilen. Du bestärkst sie darin, es auch zu wagen {dein kleines Menschlein wächst und dein Vertrauen wird immer stärker}. Du beginnst, dich zu vernetzen mit Gleichgesinnten und es entstehen Dinge, die du dir vorher nicht vorstellen konntest. {Du hast es durch dieses Nadelöhr geschafft!} Du kommst an einen Punkt an dem du sogar deinen Kritikern und Verhinderern DANKE sagen kannst. Daran bist du gewachsen und das hat dir den nötigen Schub verpasst, umso mehr an dich selbst zu glauben und DEINEN, EINZIGartigen Weg zu gehen. {Du und das kleine Menschlein sind EINS geworden.}

Barbara Andrey

Carte Blanche #62

Angscht

Wyna Fisch im stüle Gwässer bewegt si sich i ihras Wäut. Ihras Trüüm si schyyne chlyy wyna Stärn, am doch so grosse Hümúszäut. Mau ga gspüre, eppis wage - nei, das bruuchti vüu z vüu Muet. U doch nemenes si únsagbar wúnder, wy das Lääbe dússe tuet. Doch eppis stiit im Wäg... as fesslet si ú wott nid wäg: As isch d Angscht, ihras Lääbe z verändre. Angscht, sich säuber z syy. As isch d Angscht, eppis andersch z erlääbe. Angscht, Angscht, Angscht...
Ander chiis ohni z studiere, wie, wärúm ú was passiert. Schrytte vorwärts, ohni je a sich z zwyyfle. Núme sya, si resigniert. Eppis stiit im Wääg, as fesslet si ú wott nid wäg: As isch d Angscht, ihras Lääbe z verändre. Angscht, sich säuber z syy. As isch d Angscht, eppis andersch z erlääbe. Angscht, Angscht, Angscht...

Menschen in unserer näheren Umgebung - vielleicht sogar wir selbst - sind oftmals geplagt von Ängsten. Angst vor Verlust, Angst zu Versagen, Angst abgelehnt zu werden, usw... die Liste ist lang und vielfältig. Wie gehen wir damit um, wenn wir gar gehemmt sind, darüber zu sprechen? Wer lehrt uns, mit diesen Angstgefühlen umzugehen, statt sie zu betäuben und zu unterdrücken? Wir leben in einer schnelllebigen und leistungsorientierten Zeit. Vieles ist im Wandel - im Aussen, aber auch im Innen. Wir schaffen es manchmal kaum, mit diesem Tempo mitzuhalten. Vieles spielt sich zwangsläufig an der Oberfläche ab. Es bleibt kaum Zeit und Ruhe, ins Innere zu lauschen, sich umzusehen, welche Verletzungen gerne geheilt, welche Themen gerne wahrgenommen werden möchten. Viele trauen sich nicht, ihre Ängste jemandem mitzuteilen, geschweige denn, mit diesen «Angstgestalten» in Kontakt zu treten. Verdrängung bringt vielleicht kurzfristig Erleichterung aber nicht eine Lösung, resp. Transformation. Versuche da zu sein, für Angstbetroffene in deinem Umfeld. Wir alle können als «Raumhalter» wirken, d.h. den «Raum» aufrechterhalten - damit auch die unangenehmen Gefühle einen Moment bewusst gefühlt werden können. Der/die Betroffene kann das in Anwesenheit eines lieben Menschen besser zulassen, als im Alleinsein. Zuneigung und Da-Sein ist in unserer heutigen Zeit ein wertvolles und hochwirksames Heilmittel. Wenn wir es schaffen, in so einem Moment unserem Gegenüber von Seele zu Seele in der Tiefe zu begegnen, dann können wir sagen: Danke Leben, jetzt kann ich dich fühlen!

Barbara Andrey

 

 

Zum Schulbeginn am 23.8.18 

Was Schule macht - Harmos im Etui und auf dem Schulsack

Eine Frage verbindet derzeit Harmos 1 bis Harmos 11 (wir dürften zum Verständnis aller auch Chindsgeler und Neunteler sagen):

Welche Nuance soll mein Ersatzorange in der Farbstiftschachtel haben? Jenes Orange vom Leuchzi erledigt sich von alleine, die bestimmt die Polizei. Neongrün kommt später nach in der Hierarchie. 

In der zerbeulten Farbstift-Schachtel fehlt Orange. Im Etui eines Schulanfängers fehlt noch nichts, bis die Lehrerschaft den ergonomischen Füli ansagt. Den gibt es für Links- und Rechtshänder. Schönschrift, ganz schwierig gemacht.

Eine Haltung verbindet Harmos 1 bis Harmos 11: Fülis, egal welche, schmieren auch heute noch die Fingerbeeren voll beim Patronenwechsel und bei zuviel Druck auf dem Papier. Und irgendeine Farbe im nigelnagelneuen Etui oder in der verbeulten Farbschachtel ist schneller aufgebraucht, weil Lieblingsfarben bestimmen auch den Schulalltag.

Eine Frage verbindet jeden Schüler, jetzt da er noch zur Schule darf (nicht muss):

Neben wem werde ich sitzen?

Wer bestimmt meinen Pultnachbarn oder wird hier, ohne zu fragen, einfach ausgelost?

Nach ein paar Wochen ist dann eh’ Schluss mit Wunschkonzert, da setzt die Lehrerin unvorteilhafte Paare eh’ auseinander (als Paartherapeutin der Gemeinschaft im Kreisli oder im Schulzimmer zuliebe). Etwas unterscheidet Harmos 1 von Harmos 11: der Tintenkiller. Verboten für die einen, verschmäht von den anderen, weil Tippex (Werbung) am Meter schneller und besser geht beim schnellen Korrigieren, und weil Tintenkiller jeden Fehler nach ein paar Wochen wieder hervorzaubere.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen 1 und 11: Die gute alte Unterlage. Mit Weltkarte, durchsichtig für die wilden Kleber, schwarz für Tippex-Graffittis oder mit dem Lieblingsheld, passend zu Tresen und Etui, ab Harmos 9 ist Schluss damit: Dann wird Grösse und  Schwarz normiert und während des Unterrichts individualisiert (könnte ja mal langweilig werden, und Tippex gibt es auch flüssig zum Zeichnen).

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Beim Schulsack gehen die Meinungen auch auseinander, doch der schnell ausverkaufte Verkaufsburner gibt es: ein 5-6 teiliger Schulsack, mit integriertem Turnsack, voll ausstaffiertem Etui, ergonomischem und mitwachsendem Rückeneinsatz, mobilem Einlegefach gegen zerknitterte Einzelblätter, Licht- und Leuchtkörper. Derweil Harmos 11 mit Surf- und Bikerrucksäcken oder Longchamps unergonomisch mit zerbeultem Etui, doch (wenn es andauert als motivierter Schüler) mit aufgepimpten Innenleben in die Schule geht.

Im Trend sind die Evergreens Dinos, Feen, individuell gesprayte Graffitis, und die Farbe Blau gegen Rosa teilen die Geschlechter weiterhin, was Harmos 1 angeht. Harmos 11 schämt sich Null und Koma mit rosa Skaterhelm oder Leoprint-Schlappsack zur Schule zu gehen.

Was allen gemeinsam bleibt: Hüselipapier und Gummis in allen Varianten. Und eben die eine Lieblingsfarbe - jene, die nach dem zigmalen Benutzen immer kürzer wird in der Schachtel. Eine zieht ja bekanntlich immer den Kürzeren. Zum Zweiten gemeinsam bleibt: Geliebte und gehasste Lehrer und Lehrerinnen. Doch seid euch gewiss, auch sie mögen nicht alle ihrer Schüler und Schülerinnen. Wir sind ja alle nur Menschen.

Einfassen, das dritte Merkmal eines alljährlichen Schulstarts: Easy peasy bei Hüseliheftli, weit kniffliger bei Atlanten (der Atlas in Einzahl) und Büchern. Das Einfasspapier bitte passend zum Outfit und ja nie zukleben, bevor die Länge und Breite der Buchdeckel quasi in Trockenübung im Papier eingefaltet wurde.

Wir denken diesen Donnerstag 23. August ganz fest an euch, wünschen viel Glück auf dem neuen Schulweg, einer grossen Entdeckungsreise, vielleicht erst mit Pedibus, oder des langweilig, gewohnten Schulwegs eines letzten Schuljahres. Wir staunen, wie gross’ die Schulsäcke auf den kleinen Rücken sitzen (klar, ergonomisch) und wie klein jener der grossen Rückgrate (klar, schon sehr erwachsen) werden.

Liegt es daran, dass die Schulsäcke überdimensioniert konzipiert aussehen oder ihr so schnell wächst? 

1. Nachtrag: Die Oldschool Chindsgi-Säckli seien out - da kämen direkt Mini-Rucksäcke im Einsatz. 

2. Nachtrag: Das Sujet vom ergonomisch-durchdachten Super-Schulsack ist möglicherweise ab Harmos 3 gehasst (nehmen wir die süsse Fee oder das rosa Einhorn, die waren dann auch mal out, ergonomisch hin oder her). Drum, denkt' über die Sujets wie Dino oder Fee gut nach, ihr lieben Schulsack-Designer! 

3. Nachtrag: Das Turnsäckli im 6teiligen Schulsack ist möglicherweise bei Harmos 4 zu klein, Turnschuhe mit Schuhgrösse 40 der Flossen eines Fünft-Klässlers passen da nicht mehr rein. Zum Glück, so ist Dino von selbst recycelt in der Hoffnung, da kommt kein jüngerer Bruder zum Nachtragen.

Carte Blanche #61

Blick in die Augen unserer Kinder

In den letzten Wochen hatte ich wieder einmal mehr Zeit mit offenen Augen umherzugehen und zu entdecken, was da so alles abgeht um mich herum.
ERSTAUNLICHES!

Klar ist das bereits allen von euch auch klar, trotzdem nehme ich mir die Mühe, diese Zeilen zu verfassen.

HANDYS FIRST überall, zum kotzen, oder nicht? Auf dem Spielplatz, im Restaurant, in der Badeanstalt, in den Ferien, beim Fahren, in der Kirche, am See, im Freizeitpark, beim Essen...
Auffällig sind vor allem Eltern, die ständig an den Dingern hängen, statt sich mit den Kindern abzugeben. Auch kleine Kinder bemerken natürlich, wie viel Aufmerksamkeit
dem handlichen Bildschirm gewidmet wird und fühlen sich nicht selten zurückgesetzt.


Dies ist erwiesenermassen schädlich für die Entwicklung des Kindes und auch die
 wichtigen familiären Bindungen. Dies belegen diverse Untersuchungen. Während der
 Betreuung des Babys oft das Handy zu benutzen ist eine schlechte Idee, da bei
 Kleinkindern vermehrt Fütter- und Einschlafstörungen auftreten. Auch die
 Sprachentwicklung des Kindes leidet. Im Kindesalter lernen Kinder vor allem durch
 die Nachahmung der Eltern, also nicht wundern, dass viele Kinder und Jugendliche
nur noch mit den Handys zu sehen sind. In der Schule fallen diese Kinder übrigens
oft durch Konzentrationsstörungen, motorische Hyperaktivität, Übergewicht und
 ungesunde Ernährung auf, weil sie ständig mit dem Smartphone zugange sind. Der 
exzessive Handygebrauch ist auch Schuld für ein erhöhtes Risiko für Depressionen..
Psychologen warnen, dass die Kleinen, welche von den Eltern nur geringe
Aufmerksamkeit erhalten, es später normal finden werden, in bestimmten Situationen 
unaufmerksam zu sein, weil das Kind durch die Handynutzung der Eltern auch das 
Gefühl bekommt, dass es alleine ist mit seinen Bedürfnissen und dass es sich nicht
 auf Mami oder Papi verlassen kann.
 Gefährlich wird es dann zudem auf Spielplätzen und in Schwimmbädern. Es dauert
zum Beispiel nur 20 Sekunden, bis ein Kind ertrunken ist.

Leider passiert dies fast
 täglich irgendwo auf der Welt, dass sich ein Kind verletzt oder gar stirbt, nur weil
 Mami oder Papi lieber das Handy bedienen.
Für mich persönlich ein ganz wichtiger Punkt ist der Augenkontakt und die Nähe vor
allem mit und bei Babys und Kleinkindern (natürlich auch sonst generell sehr
 wichtig).
Kinder wollen von ihren Eltern gesehen werden. Für jedes Kind sind
 Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob wichtig für die Bindung zu den Eltern und die 
eigene Entwicklung. Wenn die Aufmerksamkeit hauptsächlich dem Handy gilt, zeigen 
Kinder typisches Verhalten wie Weinen, Schmollen, Ruhelosigkeit sowie verbale und
 körperliche Wutausbrüche. Und sind wir ehrlich. Sind es nicht vor allem gerade diese
 Verhaltensmuster, die wir heutzutage am meisten bei Kindern feststellen können?
 Und wie reagieren Eltern in vielen Fällen auf dieses (Fehl)verhalten?
 Na?
 Genau. Sie drücken ihnen ein Handy in die Finger - und Ruhe ist.
 Wenn man mit Kindern zusammen ist sollte das Handy nicht, oder nur "sinnvoll"
 genutzt werden. Geniesst die Augenblicke mit den Kindern und vor allem den 
Augenkontakt.
 Es gibt nichts schöneres als ein Blick in die Augen unserer Kinder.

David Aebischer

 

 

Zensur bei der Stimme des Rock

Eine Carte Blanche von Mario Corpataux, diesmal für Musikliebhaber.

Die wahlweise beste, düstere oder verdienteste Stimme des Rock! Welch Ansage – und kein bisschen übertrieben, sie gehört diesem Mann aus Seattle, der in der Hochzeit des Grunge hinter all den Nirvanas, Soundgardens, Pearl Jams und Alice in Chains’ mit seiner Band The Screaming Trees als fünfte Instanz gegolten hat. Den Millionenerfolg der Grunge-Epigonen haben die Screaming Trees nie erreicht, ihren Status aber dank ihres Sängers auf Legendenniveau gehoben. Und immerhin – Mark Lanegan lebt noch, obwohl er nicht minder wild unterwegs war: Kurt Cobain hat sich den Kopf weggeschossen, Chris Cornell sich erhängt, bei Layne Staley war es eine Überdosis. Pearl Jams Eddie Vedder lebt als einziger des Quartetts noch, gibt Konzerte, wie soeben in Mailand vor 60'000 Zuschauern, irgendwie ist aber auch er tot, so zwischen Bono Vox und Paul Mc Cartney. Lanegan is alive! Er sieht mit seinen 54 Jahren und nach kiloweise Stoff zwar wie 75 aus, aber singen kann er immer noch wie ein junger Gott.

Mark Lanegan ist aber auch der Sänger, der das dritte und wichtigste Album von Queens Of The Stone Age «Songs for the Deaf» stimmlich veredelte und auf ausserordentlich vielen anderen namhaften Produktionen mit seinem rauen Timbre für den letzten Schmirgelschliff sorgte.

Nach zwei nicht vollen Shows in den Nullerjahren im Bad Bonn (beim zweiten Besuch hatte er sein epochales – mindestens epochales – Album Bubblegum vorgestellt) war es am 24. Juli soweit: Lanegan hat das Bad Bonn Wochen im Voraus restlos ausverkauft.
Ein DJ wurde gesucht, ich dafür engagiert, und zu zweit haben wir als The Screaming Bees vor, nach und zwischen der Show Musik ausgewählt. Dass bei diesem DJ-Namen auf Künstlerseite alle Alarmglocken läuten mussten wegen der Befürchtung, dass nun Musik seiner früheren Band aufgelegt würde – obwohl dies keinem vernünftigen und respektvollen Musikfan in den Sinn kommen dürfte – war zu erwarten.

Und nun kommt sie, die ZENSUR!

Kurz vor Auflegebeginn hat uns der Tourmanager freundlich ermahnt, dass gewisse Musik nichts auf dem Plattenteller verloren hätte. Der Zensurinhalt war unerwartet: NO Pearl Jam, NO Soundgarden and NO Queens Of The Stone Age, hiess es. Why? Ausser mit einem Gitarristen von Pearl Jam und dem Bassisten von Soundgarden hat er nicht mit den Bands zusammengearbeitet? Gefällt ihm die Musik nicht? Nicht mehr? Sehen die Sänger zu gut aus? War ihr Erfolg zu gross?  

Und weshalb keine Queens? Auf ihrem 2013-er Album hatte Lanegan noch Gesangsparts beigesteuert, so wie vorher auf den Alben von 2007, 2005, 2002 und 2000. Auf dem aktuellen Queens-Album vom Oktober 2017 fehlt er hingegen. Was ist da bloss passiert? Handgreiflichkeiten mit Queens-Kopf Josh Homme? Im April 2017 hatte Homme noch auf Lanegans letztem Album mitgesungen. Obwohl, in vier Monaten können zwischen starken Charakteren viele Unfreundlichkeiten ausgetauscht werden. Dagegen spricht wiederum, dass das von Josh Homme 2017 produzierte und eingespielte letzte Album von Iggy Pop nicht der Zensur unterlegen ist. Viele Fragen. Keine Antworten, aber ein fast zweistündiges Konzert mit einem gutgelaunten Brummbär. Und wenn er schon mal lächelt, will man ihm mit nervigen Fragen nicht die gute Laune verderben.

Nach dem Konzert signierte er draussen an einer eigens aufgebauten Bar in einer mit «Signing Sessions» betitelten Ecke artig und lächelnd Platten und Poster. Böse Blicke in Richtung Tourmanager zischten nur, wenn Lanegan von den Wänden heruntergerissene Gratisposter unterschreiben musste. Die düsterste Stimme des Rock kann lächeln. Ein starkes Bild und eine aussergewöhnliche Zensur.

Text: Mario Corpataux