Carte Blanche #67

Freiburger in Bern – gut oder schlecht?

Allein in der Stadt Bern arbeiten also 10'000 Freiburger (siehe Berner Zeitung vom 28.7.18). Wer morgens um 7 Uhr in Freiburg den IC nach Bern nimmt oder auf der Autobahn in Richtung Bern unterwegs ist, kann von dieser Zahl nicht überrascht sein.

Gerne würde man über diese Leute mehr erfahren. Sind das eher Welsche, Sensler, Murtenbieter oder Berner, die im Freiburgerland (günstiger oder steueroptimierter oder regionverliebter oder auch mondäner über dem Murtensee) gebaut haben? Wohl von allen Gruppen genug.

Natürlich, für welsche Bundesangestellte ist Freiburg perfekt. Sie und ihre Familie können vollkommen welsch weiterleben – nur gut 20 Pendlerminuten von Bundesbern entfernt. Diese Gruppe ist sicher nicht zu unterschätzen. Der angesprochene, übervolle 7-Uhr-Zug ist sehr welsch geprägt.

Und die zugezogenen Berner haben ihr Netz und ihre beruflichen Stossrichtungen halt behalten. Von Murten oder Kerzers, Wünnewil oder Bösingen ist man oft rascher in Bern als von Burgdorf, Biel oder Thun aus. Ein Freiburger Wohnsitz ist also nichts als logisch.

Im BZ-Artikel wird nun geklagt, dass diese Pendler in Bern keine Steuern bezahlen, ergo profitieren. Ihre Arbeitgeber aber zahlen Steuern und Taxen. Das hilft den Berner Gemeinden.

Die Freiburger Pendler sind oft überdurchschnittlich ausgebildet und sorgen mit dafür, dass diese Berner Firmen oder Filialen oder Verwaltungen vorankommen. Da geht jeden Tag viel Knowhow über die Sense.

Nicht Bern müsste sich wehren, sondern Freiburg viel mehr dafür tun, dass es für gut ausgebildete Deutschfreiburger auch attraktive Arbeitsplätze anbietet. Wer nicht perfekt französisch kann oder sich nicht mit einer welschen Firmenkultur auseinandersetzen will, der findet ganz in der Nähe – in Bern – tipptoppe Alternativen. Und erst noch solche, die gut ausgebildete Deutschfreiburger mit Handkuss nehmen. Auch Senslerdeutsch ist längst kein Hindernis mehr: Das ist für viele Berner mittlerweile Alltag.

Die Türen sind offen und Freiburg – Französisch- und Deutschsprachige gemeinsam – schaut in die Röhre. Wenn wir nicht aufpassen, sind wir bald provinzieller Schlafkanton.

- Christian Schmutz

Carte Blanche #66

Ein nasser Samstag in Blau-Gelb

Ich liebe Ikea nicht. Endlos viele Leute kaufen endlos viel Unnötiges und streifen dabei in einem seltsam Circuit umher. Greifen im Vorbeifahren links und rechts in die Regale, stellen das Gegrapschte in einer nächsten Abteilung wieder in irgendein (falsches) Regal. Und dann diese Köttbullar …

Frau ruft, Mann folgt, auch wenn er zu Hause lieber ungestört Musik gehört hätte. Weshalb tut er sich das an? Wie Herdentiere der wenig schlauen Sorte lassen Frauen und Mannen sich vom blau-gelben Einrichtungsgiganten durch die eckig geschlängelten Gänge peitschen, legen jede Identität ab, essen pseudoschwedisch Hackfleischklösschen und trinken Preiselbeersaft.
Hier sind alle blau-gelb und alles läuft in eine Richtung, und wehe, irgendwelche Querschläger gehen/fahren den entgegengesetzten Weg! Hobby-Querulanten sind das, die am Ende mit derselben Einheitsware nach Hause fahren wie die Angepassten. Wir wollen Gleichschaltung auf blau-gelbem Niveau, Marsch vor, blau-gelb für alle und über alles.

Bin ich das? Was mache ich hier? Das Ich wird ab jetzt abgelegt, Individualität verleugnet. Wir sind Köttbullar. Schallplatten kann Mann dort nicht kaufen und ein Plattengestell hat er schon. Auf süsse, und neu auch brrrr! vegetarische, Hot Dogs hat er keine Lust. Und seitdem die Schweden-Cola dort nur mehr zero Zucker hat, zieht auch das nicht mehr. Will Mann vielleicht das Teppichmuster mitbestimmen, das Muster eines Teppiches, dessen Anschaffung der Mann angesichts des Ess- und Trinkverhaltens der Kinder und vielleicht auch wegen seines Schuhe-Nicht-Auszieh-Verhaltens (oder seines Essverhaltens) aktuell wenig Sinn macht und deshalb nur Billigstware in Frage kommt.

Oder hat Mann am Ende eine Überwachungsfunktion? «Wenn du dabei bist, habe ich mehr Hemmungen, Seich zu kaufen», hat Frau gemeint. Das trifft es auf den Kopf. Der Teppich wurde zwar gekauft, zusammen mit zwei Abwaschbürstchen, vier Fuselrollern und keiner einzigen Kerze, was vom Mann höchste Aufmerksam- und Standhaftigkeit sowie Argumentationsstärke erfordert hat. Einigkeit für einmal also beim Teppich, auch noch, als auf dem Weg zur Kasse das Schild «Sie dürfen es sich anders überlegen – 365 Tage Rückgaberecht» sichtbar wurde. Die Kauf-Einigkeit wechselte blitzartig in Möglichgerweise-Eintausch-Einigkeit. Der Teppich wurde nie ausgepackt, Rückgabe-Einigkeit herrscht. Keine Einigkeit hingegen bezüglich Zeiteinsatz, oder aus Sicht des Mannes: Zeitverlust! 6,5 Stunden mal zwei für Rückgabe-Einigkeit. Das hätte bei Möbel Pfister für einen schönen Teppich gereicht.

Nie wieder Ikea – oder vielleicht nächstes Jahr wieder. Der Teppich darf ja 365 Tage zu Hause bleiben. Unausgepackt.

Mario Corpataux

Gottéron-Blog

Welcher war Dein Lieblings-Ersatzausländer von Freiburg-Gottéron?

Zuerst Andrew Miller, dann Michal Birner... Die Verletzungshexe scheint in dieser Saison leicht ausländerfeindlich zu sein. Die Verletzung von ausländischen Verstärkungsspielern hat zur Folge, dass die Sportchefs oft unter Druck einen Ersatzausländer suchen und finden müssen.

Foto: Jon Sim (Quelle: Wikipedia)

Gottéron-Sportchef Christian Dubé hat auf die Verletzungen bereits reagiert und den Kanadier Jacob Micflikier verpflichtet. Der 34-jährige Stürmer dürfte die Offensive der Freiburger bereichern, immerhin gehörte er in den vergangenen Saisons beim EHC Biel und dem HC Lugano stets zu den besten Skorern. In Erinnerung geblieben sind bei Freiburg-Gottéron von der Ersatzausländern nur die wenigsten aufgrund ihrer sportlichen Leistungen. In dieser Sparte ragen Namen wie David Desharnais oder Niklas Hagman heraus. In der Vergangenheit haben auf demselben Weg jedoch bereits unzählige lustige, kuriose und eigenartige Spieler das Trikot von Freiburg-Gottéron übergestreift. Welcher war Dein Lieblings-Ersatzausländer? Hier eine kleine Auswahl, welche ihr gerne ergänzen dürft.
 
1. Jon Sim:

Der Mann, der im ersten Training unter dem Helm eine Mütze anzog, da es ihm in der Patinoire St. Léonard zu kalt war. Übrigens auch der Mann, der ohne zu zögern aus der Trinkflasche von Leonardo Genoni trank. Ein verrückter Kerl.
 
2. Michel Ouellet:

Der Spieler, der laut Gerüchten vor jedem Spiel in einem Freiburger Gourmettempel Schnecken gegessen hat... Anders ist jedenfalls nicht zu erklären, dass er auf dem Eis langsamer war als der  20 Jahre ältere Schiedsrichter.
 
3. Dmitri Afanasenkov:

Endlich wieder ein Russe, sagten sich die Gottéron-Fans.  In Erinnerung blieb jedoch nur ein Hauch russischer Hockeykunst und zwar wegen seiner spektakulären Penaltys mit einer ganzen Drehung um die eigene Achse, bei denen es den Torhütern reihenweise schwindlig wurde.
 
4. Ryan Vesce:

Er wurde den Gottéron-Anhängern als Goalgetter angepriesen. In Tat und Wahrheit war der Amerikaner in etwa so torgefährlich wie der heutige Generaldirektor der Drachen, Raphaël Berger (3 Tore in 310 Spielen für Freiburg-Gottéron). Der Gottéron-Zampato möge dem Schreiberling den Vergleich verzeihen.
 
5. Alexander Selivanov:

Noch ein Russe, der den Nachgeschmack der glorreichen Bykov/Khomutov-Zeiten nicht aufzuwärmen wusste. Der ehemalige NHL-Spieler glich aufgrund seiner stets roten Nase auf dem Eis einem bekannten Trunkenbold aus der Freiburger Unterstadt. Insgesamt reichte die Luft des Russen nur für drei Spiele im Gottéron-Dress.

Hier kannst du deine Vorschläge abgeben:

Carte Blanche #65

Versuch zwei

Was ich nie für möglich gehalten hätte, ist eingetroffen: Ich wurde «Opfer» der Zensur. Mein Text hat einige Personen offenbar dermassen verletzt, dass sie Zeter und Mordio riefen und skippr daraufhin den Text von der Seite löschte.

Es fällt mir schwer, dies nachzuvollziehen.

Ich will niemanden verletzen. Ich mache mich über niemanden lustig (ich hätte das Wort «Münchhausensyndrom» nicht verwenden sollen, das ist deplatziert und fehlt deswegen hier).

Ansonsten: Ich lade alle Personen, die sich angegriffen fühlten, ein, den Text aufmerksam und mit Musse zu lesen. Ausserdem darf man sich mit mir in Kontakt setzen. Wer kritisiert, aber nicht dazu stehen kann/mag, ist in meinen Augen recht feige. Deswegen: Melden Sie sich bei mir, wenn Sie sich angegriffen fühlen.

Spoiler: Der Text ist aus der Sicht der Personen geschrieben, die die Bibel wortwörtlich interpretieren.

 

Also hier, Versuch zwei.

In den letzten Monaten hatte ich immer wieder die Gelegenheit, mit verschiedenen Personen des christlichen Glaubens zu diskutieren. Die Gespräche waren interessant, anregend. So sehr, dass ich mich tatsächlich wieder einmal hinter das Buch der Bücher setzte und las.

Ich habe das Gefühl, dass man Christen in fünf Gruppen einteilen kann:

-          diejenigen, die die Bibel nicht lesen;

-          diejenigen, die die Bibel lesen und auf dem Hintergrund der Geschichte und ohne Scheuklappen gegenüber den Wissenschaften zu verstehen suchen;

-          diejenigen, die die Bibel so lesen wie ich die gesammelten Werke von Karl May: mit Interesse und Neugier, ohne jedoch eine höhere Moral im Wort Gottes zu sehen;

-          diejenigen, die die Bibel lesen und sie eigentlich wörtlich übernehmen möchten, je nach Unglaubwürdigkeit im Text einige Passagen als interpretationswürdig erachten und überdies den Darwinismus ablehnen;

-          und die Gruppe der Christen, für die die Bibel wortwörtlich zu verstehen ist.

 

Ich beschäftigte mich mit dem Ansatz der Letztgenannten. Also unter dem Aspekt, wenn man die Bibel wortwörtlich als Wahrheit interpretiert.

Bereits im Kapitel 6 der Genesis konnte ich die Bibel getrost zur Seite legen. Ich kam zum Schluss, dass die wortwörtliche Auslegung der Bibel eine unglaubliche Dummheit ist.

Anzufügen ist ausserdem, dass ich die Bibel nur in der Übersetzung auf Deutsch und in der Fassung der «Neuen Jerusalemer Bibel» gelesen habe. Meine zu Papier gebrachten Gedanken würden einer wissenschaftlichen Überprüfung sicherlich nicht standhalten    -           das passt übrigens wie die Faust aufs Auge gerade zu den Leuten, die die Bibel wortwörtlich auslegen, denn für diese Menschen sind die Wissenschaften ja Humbug.

Wiederholung: Der Text ist aus der Sicht der Personen geschrieben, die die Bibel wortwörtlich interpretieren.

 

Kommen wir zum Buch Genesis.

Zu Beginn der Bibel hat der Herr doch allerhand zu tun. Es gilt, die Welt und, als Sahnehäubchen dazu, den Menschen zu erschaffen. Mit der Welt scheint der Herr ganz zufrieden zu sein. Mit dem Menschen hadert er seit dem Sündenfall doch immer wieder.

Seine erzieherisch-pädagogische Lösung findet dann kurz darauf, bei Noah, seinen Höhepunkt, als er sich entschliesst, alle Lebewesen vom Erdboden zu tilgen. Ausser Noah, seiner Frau, den drei Söhnen und deren Frauen.

Der Herr befiehlt Noah den Bau der Arche. Noah soll für das Tierreich den Fortbestand der existierenden Rassen garantieren und von jedem lebenden Tier mindestens ein Paar auf die Arche nehmen.

Dann kam der grosse Regen. Nachdem das Wasser alles verschlungen hatte und nur die Arche und seine Bewohner überlebt hatten, war es an den Söhnen des Noah, die ganzen Stämme zu zeugen, die dann die Grundlage für die menschliche Besiedelung des Planeten Erde waren.

Und so zeugten die drei Söhne was das Zeug hielt. Leider waren zwei der drei Söhne nur fähig Buben zu zeugen. Nur einer schaffte es, Mädchen zu zeugen. Gezeugt wurden mehrere Stämme, viele tausend Leben und diese Leben entsprangen nur dem Schoss der Mutter und der Frauen der Söhne. Diese vier Frauen als Gebärmaschinen hatten eine Sisyphusaufgabe: Während Jahrhunderten konstant schwanger zu werden, Kinder auszutragen. Und endlich: ein Mädchen. Dieses musste in Kürze auch tragfähig sein und wurde zur Geburtsstation Nummer 5. Und so ging es weiter, bis all die Stämme gezeugt waren, die die Erde bevölkerten.

Wenn man sich dieses muntere Treiben vor Augen hält, dann muss man zum Schluss kommen, dass Inzest betrieben wurde. Zudem ist der Herr ein gnadenloser Massenmörder.

Das, dass Gott ein Massenmörder ist und Inzest gutheisst, kann schlicht nicht im Sinne der Verfasser sein.

 

Benjamin Zurrón

Gottéron-Blog

Die wundersame Auferstehung des Serge Aubin

Im Heimspiel von Freiburg-Gottéron gegen die ZSC Lions kommt es zum grossen Wiedersehen mit Serge Aubin. Der ehemalige Gottéron-Center steht seit der neuen Saison als Löwendomteur an der Bande der Stadtzürcher.  In den Saisons 2009 bis 2011 gehörte der Kanadier aus Val d'Or, Québec, zum Inventar von Freiburg-Gottéron. In seiner ersten Saison bei den Drachen, der Saison 2009-2010, war Aubin nicht nur ein Teamleader, sondern auch der Topskorer der Mannschaft.

Eine Geschichte rund um Serge Aubin dürfte jedem Gottéron-Fan in bester Erinnerung geblieben sein. Wir schreiben den 16. März 2010. Der damalige Leitwolf, ich meine natürlich Leitdrache, verletzt sich im Playoff-Viertelfinal gegen Servette-Genf am Knie. Diagnose: Kreuzbandriss. Die Gottéron-Verantwortlichen melden Aubin für sechs Monate als verletzt. Zu diesem Zeitpunkt führen die Saanestädtler in der Serie gegen die Adler mit 2:1. Vor der vorentscheidenden Partie rechnet auch der grösste Optimist nicht damit, dass man Serge Aubin in den Playoffs nochmals auf dem Eis sehen wird. 30 Minuten vor dem vierten Playoff-Viertelfinalspiel verkündet der Presseverantwortlich in der Patinoire St. Léonard mit breitem Lächeln: "Ich bin kein Arzt und habe auch die Radiografien seines Knies nicht gesehen, aber Serge Aubin wärmt sich gerade mit der Mannschaft auf". In den Genfer Medien wird sofort von Betrug und Lügen gesprochen. Was zu diesem Zeitpunkt niemand weiss, der Materialverantwortliche und die Ärtzeabteilung von Freiburg-Gottéron haben die Nacht durchgearbeitet und für das Knie von Serge Aubin eine Stütze gebastelt. Wirklich gebastelt und nicht gefertigt, denn der Materialwart erzählte dem Schreiberling später, dass die Idee aus einem Jux entstanden sei und ohne gross zu überlegen einfach mal rumgeschraubt wurde. Jedenfalls testete Aubin am frühen Morgen vor Spiel 4 die über Nacht erstellte Stütze und entschied am Abend spielen zu wollen. Harter Hund, denn ganz ohne Schmerzen war dies sicher nicht möglich. Hierbei handelte es sich gewiss um eine der wundersamsten Auferstehungen im Schweizer Eishockey. Freiburg-Gottéron gewann das Heimspiel übrigens in überragender Manier mit 6:1. Die Serie gegen Senf-Gervette, natürlich Genf-Servette, ging trotz der wundersamen Heilung von Serge Aubin verloren. Servette vergab später im Final den Meistertitel gegen den SC Bern.
 
Die erwähnte Geschichte sagt eigentlich alles über Serge Aubin aus. Der Kanadier gilt auch als Trainer als aufopferungsvoll und ist schlicht eishockeyverrückt. Um Haaresbreite wäre Serge Aubin Trainer von Freiburg-Gottéron geworden. Sportchef Christian Dubé versuchte im April 2017 den damaligen Chef der Vienna Capitals als Nachfolger von Larry Huras zu verpflichten. Serge Aubin entschied sich jedoch seinen Vertrag mit dem österreichischen Topklub zu erfüllen und erteilte den Drachen eine Absage. Anstelle von Serge Aubin wurde danach Mark French Drachenzähmer und Serge Aubin versucht sich seit dieser Saison beim heutigen Gottéron-Gegner, den ZSC Lions.
 
Willkommen zurück, Serge Aubin. Geschenke gibt es aber keine! Allez Gottéron.